Jedem seine Inauguration. Bernie’s the best…





Jedem seine Inauguration. Bernie’s the best…






Hippopotomonstrosesquippedaliophobia steht für die morbide Angst vor langen Wörtern und sollte in keinem Wortschatz fehlen.
Inmitten aller Begnadigungen ist 45 noch dazu gekommen, eine Executive Order zu unterschreiben, die veranlassen soll, dass ein Skulpturengarten voll amerikanischer Heldenstatuen errichtet wird. Nachdem im Haushalt kein Geld dafür vorgesehen ist, wird’s wohl eher nix werden mit dem “vast outdoor park that will feature the statues of the greatest Americans to ever live.”
Das ist auch gut so. Manche von den Helden wollen mit manchen anderen noch nicht einmal als Skulpturen gemein gemacht werden und schon gar nicht in einem Garten von Trumps Gnade.
Falls wer sich wundert: die “§” hinter den Namen weisen auf die 31 in der ursprünglichen Executive Order ausgewählten historischen Heldenfiguren hin. Jetzt, wo er nicht mehr fürs Budget verantwortlich ist, hat er aufgestockt. Egal. Den Garten wird es nicht geben und das ist auch besser so.

Vorrede I: Margaret Atwood ist in der Literatur, was Meryl Streep im Film ist.
Vorrede II: Vorsatz fürs nächste Mal: Nicht erst kurz vor Ende der Winterferien anfangen, eine Trilogie zu lesen.
Oder wahlweise: Nächstes Mal länger Ferien machen.
Frage: Sollte man inmitten einer Pandemie eine dystopische Serie lesen, in der ein durch die Luft übertragenes Virus fast die ganze Weltbevölkerung auslöscht?
Antwort: Ja, unbedingt. Ich darf in diesem Zusammenhang das gute Kind zitieren, das auf die Frage, warum es dystopischer Lektüre den Vorzug gibt, sehr zu recht antwortet: “Weil sie viel interessanter ist, Mama.”
Die ab 2003 im Verlauf von 10 Jahren veröffentlichte MaddAddam Trilogie spielt in einer Zeit nicht weit nach der unseren. Die Menschheit hat Umwelt und Klima schon große Schäden zugefügt und lebt mit den Folgen. Die Privilegierten in “Compounds”, also von großen Konzernen unterhaltenen und streng gesicherten Lebensräumen mit sauberem Wasser, sauberer Luft, genmanipulierten Lebensmitteln, Gesundheitsversorgung, guten Jobs für gutes Geld, guter Bildung für den Nachwuchs etc., die “Deplorables” in den “Pleeblands”, ohne die oben genannten Vergünstigungen im täglichen Kampf ums nackte Überleben. Dort, in um die verrottenden Wohnbunker, etablieren sich “God’s Gardeners”, eine Art veganer Prepper-Sekte unter der Führung erfahrener “Adams” und “Eves”. Sie lehren ein striktes, ans Christentum entlehnte Gebots-/Verbots-Regelwerk*, pflanzen Dachgärten und legen “Ararats” an, Bunker und Speicher für die zu erwartende “wasserlose Flut”.
In “Oryx and Crake” schildert Atwood diese Welt aus der Perspektive der Compounds, in “The Year after the Flood” aus der der Pleeblands und baut mit Humor, Dramatik, Chuzpe und Sarkasmus ein Netz aus Figuren und Beziehungen auf, in das man beim Lesen unwillkürlich hineingesaugt wird.
Dann kommt sie, die wasserlose Flut. Wenige haben die Pandemie überlebt, in Band 3 kommen sie zusammen. Wie’s ausgeht, werde ich zu berichten wissen. (Hätte ich bloß die Ferien verlängert. Dann wüßte ich es schon.)
Bis dahin: Lesen! Lesen! Lesen! (Die Übersetzung des letzten Bandes wurde vor ein paar Tagen erst veröffentlicht und damit ist die Trilogie vollständig auch auf deutsch verfügbar.)
* Allein der “Heiligenkalender” ist ein Geniestreich.