Danke an Frau W. aus K.

Danke an Frau W. aus K.

Wie soll denn ein Tierfilmer auch anders heißen als Roland Gockel.
s. hier: http://bit.ly/3uB9vsY. (Der Artikel macht übrigens auch Spaß.)
Wer viel liest, liest auch viel übers Lesen und über Bücher, die andere Menschen lesen. Ob das nun B. Obama, die NPR-Kulturredaktion oder die über die Welt verstreuten Banker von Goldman Sachs sind, mehr oft als nicht findet sich in ihren Leselisten ein Juwel. Ich würde mich gar zu gern erinnern, wessen Empfehlung ich gefolgt bin, als ich mich Ms. Butler zuwandte. Der oder diejenige hatte ja so recht und ich mit der Lektüre endlich eine große Bildungslücke geschlossen. Warum ich sie bisher nicht kannte, wird mir ein Rätsel bleiben. Macht jetzt aber nix mehr.
Die Science-Fiction-Dystopie “Parable of the Sower” wurde von einer schwarzen Autorin in ihren Mittvierzigern (schon allein das eine Sensation) im Jahre 1993 veröffentlicht. Sie beginnt am 20. Juli 2024 in einem Kalifornien, das von der Klimakatastrophe schon so gut wie zerstört ist. Die Küste bröckelt in den Pazifik, verheerende Feuer überziehen das Land, die Wasserreservoire sind ausgetrocknet, es ist heiß. Zu heiß. Was es an staatlicher Organisation einmal gegeben hat, ist zusammengebrochen, die Menschen müssen sich und ihre Familien, ihre von hohen Mauern umzogenen Siedlungen, ihre Gärten und Felder selbst schützen. Vor marodierenden Banden, dem steten Treck obdachloser verarmter Menschen gen Norden in verheißene Länder wie Oregon oder das paradiesgleiche Kandada, kurz: vor allen, die weniger haben als sie. Die Preise für Wasser und Lebensmittel sind exorbitant hoch und steigen weiter.
Butler nimmt die Perspektive der 15-jährigen Lauren ein, die sehr klarsichtig erkennt, was unvermeidbar sein wird und uns in ihrem Tagebuch teilhaben läßt. Darüber hinaus hat sie eine prophetische Natur und poetisches Talent und formuliert eine Art Gründungsreligion für ein zukünftiges Leben in den Sternen. Nachdem ich mit meiner ersten Befremdung gerungen hatte, konnte ich auch Religion ertragen. Diese. “Earthseed”. Wegen der schönen Poesie.
Ich bin so dankbar, dass ich Ms. Butler gefunden habe und möchte, ach was, muss, dieses exzellent geschriebene Buch einer und einem jeden ans Herz legen. Sie läßt nichts aus, nicht Rassismus und seine Folgen, Kapitalismus und Macht, Ausbeutung und Widerstand, Gender-Themen, alles Schlechte und alles Gute im Menschen.
Es gibt zu meinem Glück und zu meiner großen Lesevorfreude eine Fortsetzung und ich freue mich schon jetzt auf “Parable of the Talents”.
Was macht ihr eigentlich noch hier? Geht Lesen! Lesen! Lesen! Lesen!
Ich bin keine Querdenkerin der neuen Schule, aber ist eine polizeilich überwachte Verweilsverbotszone eine Infektionsschutzmaßnahme oder nur noch ein Ausdruck eines strafbewehrten Zustands der “besinnungslosen Betriebsamkeit”?

Da waren wir jetzt aber mal arg verliebt in unsere kalt-ästhetische Bildsprache und den vorwiegend Hüfthosen und seltsame Schluppenblusen tragenden Powerfrauencast und die alte Geschichte vom Geld, das allein gar nicht glücklich macht. Den hanebüchenen Luke-Skywalker-Moment hätte die dünne Story gar nicht mehr gebraucht und ich noch weniger.
Dann doch lieber zum umpfzigsten Mal um den Block gehen…
Ausgangssituation: Stell dir vor, es gibt einen Algorithmus, der deinen perfekten Lebensmenschen für dich findet (unter der Voraussetzung, natürlich, dass dieser, wie du, “den Test” gemacht hat).
Die sechsteilige Serie tut in den ersten fünf Folgen nichts, als Checklisten abzuarbeiten. Was ist das mit dem Soulmate, wenn
Bis dahin ist die Serie eher seicht, die Küsse und Sexszenen amerikanisch keusch und ich habe mich häufig gefragt, ob die eigentlich ihrem eigenen Konzept trauen. Dann aber kam Folge 6 und der Soulmate entpuppte sich als soziopathischer Serienkiller. Endlich.
Sehr sehr hübsch gelöst und der “Black Mirror”-Historie würdig. Für diese Folge sollte man sich das anschauen.
Oder
Ich lese selten genug ein Buch zu Ende, ohne zu wissen, ob es mir taugt. Bei diesem Werk war es aber so. Es hatte seine Momente, gewiß, und in diese vertrackte Fantasy-Welt über einen Blickwinkel aus asiatischer Erzähltradition Zugang zu bekommen, war mindestens interessant. Aber. Immerhin habe ich es ausgelesen*. Aber. Und es war ja auch Schönes drin und dran. Aber. Und was gelernt habe ich auch. Aber.
Und genau wegen dieses “Aber” kann ich immer noch nicht sagen, ob mir das Buch nun gefallen hat. Oder nicht.
Für heute empfehlungslos.
*Inzwischen bin ich so alt, dass meine restliche Lebenszeit sicher wesentlich kürzer ist, als die bisher gelebte. Darum halte ich mich seit einigen Jahren ganz streng an das James Joyce-Postulat: “Das Leben ist zu kurz, um ein schlechtes Buch zu lesen“ und klappe die wenigen schlechten, die mir unterkommen, nach ein paar Seiten schlimmstenfalls mittworts zu und schaffe sie fort.
Warum sollte man sich eine vierteilige britische Miniserie über einen glänzend durchtriebenen konservativen Politiker und seine populistischen Machtspiele ansehen?
Weil er von Hugh Laurie gespielt wird, dem es ganz großartig gelingt, die Brüche in dieser Figur zu zeigen. Wieder einmal.
Die Story vom Aufsteiger, der seine Gegner und vor allem Parteifreunde (ganz toll: Helen McCrory als eisenharte Premierministerin) austrickst, erspresst und vorführt kennen wir seit Frank Underwood rückwärts. Jetzt eben auch in britisch. Ist unterhaltsam und nicht doof und kann angesehen werden, wenn man mal nix besseres zu tun hat.
Als Linguistin macht frau sich manchmal Gedanken, die anderen ganz und gar unnötig erscheinen mögen. Zum Beispiel den, wie man einen Begriff wie “Likes” (wie in “irgendwas hat sowiesoviele Likes bekommen”) ins Deutsche überträgt.
Kann aufhören, mir meinen Kopf zu zerbrechen, der gute Axel Hacke hat neulich die treffendst mögliche deutsche Übersetzung kreiert: “tja, Mögungen?”.
Mögungen? Nehm ich.