Auf die Ohren – “Verteidigung von Friedrichshafen” Krimi-Komödie von Martin Walser

Dass frau sich so einen Pennälerhumorschwurbelschwachsinn in seiner Gänze anhört, ist wirklich nur dem Umstand zuzuschreiben, dass mehr als fünf Stunden Rückfahrt vom anstrengenden Gastarbeiterinneneinsatz im Hunsrück irgendwie vorgehen müssen und dass das Hirn ohnehin schon im Limbus herummäandert.

Dass für die Produktion aus dem Jahre 1977 der Rundfunk der DDR verantwortlich zeichnet, macht es nicht besser.

Gelesen: Becky Chambers – “The Galaxy, And The Ground Within”

Ms. Chambers hat den Lesern ihrer Wayfairer-Trilogie einen vierten letzten Band gegönnt – Hach!

Der Rahmen des Romans ist so alt wie die Literaturgeschichte: einander Wildfremde werden durch äußere Umstände gezwungen, an einem Ort, wo sie nie sein wollten, mit Geschöpfen, die sie nie kennenzulernen beabsichtigten, mit einer Situation fertigzuwerden, in der sie sich nie gesehen hätten.

Wayfairer-Leser*innen kennen die in einer Weltraumumsteigestation auf einem Wüstenplaneten Gestrandeten (zumindest die Spezies):

  • Pei, eine Aeluon: Angehörige einer hühnerähnlichen Spezies, derzeit weiblich, für die gesprochene (und damit auch gehörte) Sprache ein unvertrautes Konzept ist. Ihre Spezies kommuniziert in Farben, die sich auf ihren Wangen manifestieren und fühlt sich daher in bunten Umgebungen (blühende Gärten oder dergleichen), als würde sie ununterbrochen angebrüllt. Als Hilfsmittel für die Kommunikation mit anderen nutzt sie eine mechanische Sprachbox.
  • Speaker, eine Akarak: Eine Spezies, die der Ausrottung nur durch einen Exodus in alle unendlichen Weiten des Weltalls entronnen ist. Ihre Atemluft ist Kohlendioxid, also kann sie sich außerhalb ihres Schiffes nur in einem komplizierten rüstungsähnlichen Exoskelett mit eigener Luftversorgung bewegen.
  • Roveg, ein Quelin: Eine insektoide Lebensform mit 10 Paar Gliedmaßen, die eine elitäre paramilitärische Gesellschaft geformt hat und ihn wegen seiner aufrührerischen und künstlerischen Tendenzen schon vor langer Zeit exilierte.
  • Ouloo, eine Laru: Ein hundeähnliches Wesen (allein die Szenen, wenn sie sich morgens in ihrer “grooming machine”, eine Art Autowaschanlage mit Lockenwicklern, tagfein macht, sind zum Wegschmeißen). Außerdem die Frau, die die Pension “Five-Hop One-Stop” hauptsächlich durch Desserts und aufmerksame Zuwendung zusammenhält.
  • Tupo, auch ein Laru, ihr Kind, mittig in einer ca. 20 Jahre dauernden Pubertät, an deren Ende es sich unter anderem für sein Geschlecht entscheidet. Nervig, neugierig, tolpatschig. Puberino halt.

Natürlich finden alle diese Spezies im Angesicht der Krise zu einer Verständigung, natürlich wird alles gut. Aber wie Chambers sie zusammenbringt, essen, tanzen, kommunizieren läßt, das ist ein flammender Appell an Toleranz und, weil ich kein besseres Wort kenne, Menschlichkeit. Gut sein, auch wenn’s gerade gar nichts bringt. Über den Tellerrand sehen und feststellen, da draußen ist nicht alles schlecht und vieles, dessen man sich sicher war, ungewiß ist. Sie haben alle eine Gemeinsamkeit: sie sind aufgebrochen, weil sie nicht an die Überlegenheit der eigenen Rasse glaubten, weil sie helfen oder weil sie ihre Kinder nicht auf vorgezeichneten Wegen dieselben Schritte wie ihre Vorfahren machen lassen wollten. Dass sowas ohne Kitsch gelingt, ist Kunst und davor ziehe ich sehr den Hut. (Außer auf den allerletzten paar Seiten, und da ist es nun wieder erlaubt, jetzt wo die Wayfairer-Serie an ihrem Ende angekommen ist.)

Die Menschheit kommt übrigens nur in Anekdoten vor: zum Beispiel als Wesen, die anderen warmblütigen Säugetieren ohne deren Einwilligung die Babynahrung wegnehmen, nur, um sie dann zu fermentieren und, man stelle sich das mal vor, das so entstandene Produkt zu essen.

Lesen, Herrschaften! Lesen! Lesen! Lesen. Die ganze Trilogie + 1!

Erkenntnis

Im Stau auf dem Mittleren Ring an Wabenwohnanlagen mit Wabenwohnanlagenbalkons vorbeigekrochen. Dabei eins verstanden: je Satellitenschüssel, desto Flagge in Nationalfarben.

Α und Ω

Man habe, lese ich vorhin im U-Bahnfernsehen, die schwierige Aufgabe bewältigt, Oliver Twist für Netflix zu adoptieren. Der wesentlich einfacheren Herausforderung, nämlich herauszufinden, worin sich adaptieren und adoptieren außer optisch noch unterscheiden, hat man sich offensichtlich nicht gestellt.

Zeichen und Wunder

Vorgestern piepte mein Handy wie wild, denn es trafen drei (3) inhaltsgleiche SMS sowie zeitgleich weitere drei (3) inhaltsgleiche e-mails mit dem Absender BayIMCO@impfzentren.bayern, die mich darüber informierten, dass ich nun ab sofort und wirklich endlich meine “Termine zur COVID-19-Impfung vereinbaren” könne.

Mir scheint, ich habe ein Impfangebot bekommen. Bzw. drei (3).

Danke, aber nein danke. Darum haben mein Arzt und ich uns schon vor einer ganzen Weile selbst gekümmert. Ich bin durchgeimpft und das ist gut so.

Nessun dorma

Ich schlafe schon lange nicht mehr gut und das ist in der pandemischen Abgeschiedenheit nicht besser geworden. Was aber super funktioniert, ist Einschlafen-auf-dem-Soffa unter der Berieselung bewegter Bilder. Also tu ich das, Fernsehschlaf ist besser als im Bett rumwälzen.

Inzwischen habe ich gelernt. Aufwachen gegen 03:00 Uhr und dann ins Bett umziehen ist gut. Die Nacht ist dunkel und die Welt ist still, abgesehen vom marodierenden Rauchmelder auf dem Balkon eines offenbar ertaubten Anstaltsinsassen kein Tönchen. Ganz anders ist das gegen 04:00 Uhr. Im Innenhof geht es zu wie am Stachus um Zwölfe. Die gesamte Vogelschar ist hellwach, brüllt sich gegenseitig ihre Tagespläne zu, und kriegt sich gar nicht mehr ein vor Begeisterung darüber, dass auch heute die Sonne wieder aufgeht. Ich hingegen sende ein Stoßgebet an die Evolution (“Ohrenklappen. Jetzt! Bitte!”) und stehe meistens nach einer Stunde Herumwälzens viel zu früh auf.

Anschließend sehe ich Bäume.

…vor lauter Bäumen

Vielzufrühmorgens, und vor mir fährt ein Wald. Nun gut, sowas kommt vor, denk ich mir und wundere mich ein bißchen. Wahrscheinlich einfach lebhaft geträumt und noch was davon in den Tag mitgenommen.

Nächster Tag, schon wieder viel zu früh, und vor mir fährt ein Wald. Mich beschleichen leichte Zweifel an meiner geistigen Gesundheit.

Dritter Tag, wie immer unausgeschlafen, und vor mir fährt ein Wald. Schon wieder. Ich zweifle nicht mehr – die Welt ist offensichtlich aus den Fugen.

Am Abend des nämlichen Tages fahre ich die Strecke anders und ein Riesenplakat klärt mich auf, dass man hier Bäume schule und “fertige Schattenbäume” zum Verkauf feilbiete. Ah. Wenn ich spinne, dann wegen was anderem. Mein Freund der Baum kann nichts dafür.

Sommer! Vielfach-Hach!

Es gibt nichts Schöneres, als diesen Moment der Selbstüberwindung, wenn das Wasser des Sees den Bauch umspült und man mutig den nächsten Schritt geht. Das Gefühl von Ganzmensch im Wasser ist einfach unvergleichlich. Mir erzähle noch einmal einer was von Winterfreuden.

Ja, ich war dieses Wochenende beim Baden. Wieso?