Reisen bildet*

“Ortskräfte”. Ein Begriff der bis, sagen wir mal letzte Woche, nur einer verschwindend geringen Anzahl von Deutschen ein Begriff gewesen sein dürfte. Seit dem “Afghanistan-Debakel”, wie man es, befand der Sprecher vorhin im Radio, ab sofort offiziell nennen dürfe, dürfte sich das für die Mehrheit der Zeitungleser und Nachrichtengucker geändert haben.

* Korrekt. Ich finde die Überschrift auch zynisch, aber dennoch nicht falsch. Das ist ja das Elende daran.

Deutschstunde

Ich vermute, meine heutige Lieblingsspammerin hat die Aufgabe bekommen, Sätze zu bilden, in den Vater und Tod vorkommen. Ihr Vater, sein Tod. Mit allerliebsten Resultaten:

  • Ich habe Ihre E-Mail-Adresse durch meine verstorbenen Vaterdaten gefunden.
  • Ich habe meinem verstorbenen Vater geerbt.

Hach!

Reifegrad

Am Ende des vorvorletzten Arbeitstags vor dem Urlaub: über-über-über-über-überreif. Gemessen.

Gelesen: N. K. Jemisin – “The City We Became”

Wie schon nach der Lektüre ihre Kurzgeschichtenbandes “How Long ’til Black Future Month?” (s. https://flockblog.de/?p=44945) kann ich wieder nur feststellen: Meine Fresse, hat diese Frau eine Phantasie! Und kann das, was sie in ihrem Hirn zusammenspinnt, auch so schreiben, dass sie ihre Leser*innen in ihre Welten mitnimmt. Einen Vorgeschmack auf den aktuellen Roman (erster Band einer Trilogie) hatte sie schon in dem besagten Kurzgeschichtenband veröffentlicht und ich habe mich mächtig vorgefreut, dass nun quasi der “Director’s Cut” veröffentlicht wurde.

Die “City” im Titel ist New York, das sich gerade mal wieder neu erfunden hat, also auf eine Weise neu geboren wurde, und sich nun, in diesem noch sehr verletztlichen Zustand, einer Bedrohung von “Outer Space” gegenübersieht. Wie ihre “Boroughs” (Bronx, Brooklyn, Manhattan, Queens und Staten Island) in Gestalt ihrer für die einzelnen Viertel archetypischen Avatare den Kampf aufnehmen, scheitern und weiterkämpfen ist so spannend, mitreißend, zeitkritisch, ironisch, meta-ebenisch und handfest geschrieben, dass es mir richtig leid tut, dass das Buch nun ausgelesen ist. Ich bin immer noch voller Bewunderung, welch feines Ohr Ms. Jemisin für die Ausdrucksweise ihrer Viertel-Repräsentant*innen hat (nichts schöner, als wenn sich die Bronx und Brooklyn fetzen) und beneide die Übersetzenden in andere Sprachen nicht.

Wer kann, lese im Original, die deutsche Übersetzung ist in Arbeit.

Lesen! Lesen! Lesen! Lesen!

Also echt!

Nicht geschimpft ist wohl mehr als genug gelobt mit dir, du Dreckssommer!

Das muss jetzt echt wieder sein mit Schlimmgewitter, Sturm, Starkregen und Hagel am Nachmittag um Fünfe?

Lob

Doch ja. Heißer Tag, dennoch nur erträglich viel los am Badesee und die Gewitter erst später in der Nacht. Da ist schon sehr viel schönes dran. Das halten wir jetzt mal bis auf weiteres so durch und dann sehen wir mal.

Gestern in der Unterfahrt – Live, in echt, in Farbe und bunt: Shuteen Erdenebaatar Quartet feat. Anton Mangold

Hach! Erst auswärts wo was essen (1. Hach!) und dann in den ausverkauften* Keller absteigen, in dem die sehr zu Recht vielfach preisgekrönte, gerade mal 23 Jahre alte Pianistin und Komponisten Shuteen Erdenebaatar (Über-Hach!) mit ihrer Band ein ganz wunderbares Konzert gibt. Nils Kugelmann (Kontra- und E-Bass) wird zunehmend wahnsinniger, was sich nicht zuletzt in der Wahl seines Bühnenoutfits niederschlägt (schwarzes Hemmadle, drüber ein zu-anthrazit-niedergewaschenes Hoodie, schwarze knielange Flatterhosen mit mephistorotem Innentaschenfutter, drunter enganliegende blickdichte schwarze Leggins, Turnschuhe). Eigentlich sieht er darin aus wie eine verhuschte Schreibkraft, erfindet aber nebenher im engen Zusammenspiel mit dem virtuosen Valentin Renner am Schlagzeug die Rhythm-Section mal schnell neu. (Hach im Quadrat!)

Und dann der großartige atemberaubende zum Niederknien gute Anton Mangold an Saxophon und Klarinette. (Hach ad inf.).

Mann, habe ich das vermißt. Großes Lob an den Musikbeauftragten für die mehr als perfekte Auswahl des ersten Live-Konzertes seit März 2020. Das hast du gut gemacht, das darfst du wieder tun.

* Was halt heutzutage als ausverkauft gilt: 30 großzügig verstreute gut belüftete Menschen Publikum, wo sonst 150 Platz finden und wenn der Brandschutz wegschaut, auch noch ein paar mehr.