Gelesen: Birgit Weyhe – „Rude Girl“

Und wo heute eh Themennachmittag Rassismus gewesen zu sein scheint, habe ich in einem Atemzug auch gleich noch Birgit Weyhes kluge gezeichnete Auseinandersetzung zum Sujet gelesen und kann sie nur vollsten Herzens empfehlen.

Gelesen: Garth Ennis (Creator and Writer), Simon Coleby (Artist) – „Dreaming Eagles“

Ennis ist seit vielen Jahren als Vielschreiber im Geschäft, die meisten dürften ihn aus der nunmehr verfilmten Serie “The Boys” kennen, und hat eine Neigung zu “Military Fiction”. Dieses Mal befasst er sich mit einer wahren Geschichte, der der “Tuskegee Airmen”. Das waren die ersten schwarzen Kampfpiloten im Einsatz gegen Nazi-Deutschland im 2. Weltkrieg. In ganz großartigen Bildern (Coleby schafft es, die Bewegung von Rotoren zu zeichnen und immens beeindruckende Luftschlachten) zeichnet er deren Kampf. Falsch. Deren Kämpfe. Gegen den Rassismus im eigenen Land, schon bevor die schwarzen Soldaten überhaupt ausgebildet werden und nach dem Krieg, wenn sie vermeintlich siegreich in ein unverändert rassistisches Land heimkehren. Und den gegen den Gegner draußen.

Und weil Geschichte sich immer wieder wiederholt, stehen sie in der Tradition der “Harlem Hell Fighters”, ihrer schwarzen Vorväter aus dem 1. Weltkrieg (s. hier: https://flockblog.de/?p=22958).

Geschichtsunterricht leicht gemacht. Lesen!

Der Teebeutelphilosoph…

…hat ganz offensichtlich ein sehr eigenartiges Verhältnis nicht nur zur Zeit an sich, sondern auch zu Mathematik. Bei mir führt drei Mal früh Aufstehen allenfalls zu drei Mal schlechter Laune…

Lichtblick

Es gibt ja nix, was an diesem nasskalten grauen Wetter gut wäre. Nix. Außer… außer, dass der Strommast vor dem Büro so schön singt und klingt, surrt und schnurrt, summt und brummt, schnurrt, knurrt und murrt.

Frage an die Duden-Redaktion: gibt es eigentlich, analog zum hier titelgebenden “Lichtblick” auch einen “Lichtton”? Wenn nicht, bitte ich um Aufnahme in Ihr Nachschlagewerk. Danke.

Wenn eine eine Reise tut

So, meine Frühjahrsreise ist gebucht. Zwischen Ende der Oster- und Anfang der Pfingstferien, ins Land der Pharaonen, zu einem Ort, wo es weder betreute Unterhaltung noch Menschen gibt, die die Volljährigkeit noch nicht erreicht haben.

Ich fang dann schon mal mit der Lektüreauswahl an…

Aus dem Vokabelheft

Heute gelernt: Es gibt eine noch recht junge Angststörung namens “Nomophobia”, nämlich die Angst, ohne sein Mobiltelefon zu sein (“no-mobile-phone phobia”).

Irgendwo, ob in Himmel oder Hölle kann man auf die Distanz nicht so ganz genau erkennen, zeigt sich ein zufriedenes Lächeln auf dem Antlitz des schmalen Herrn in Jeans und schwarzem Rollkragenpullover. “Mehr”, sagt der glückliche Gesichtsausdruck, “mehr kann ein Mann gar nicht erreichen”.

Vorhin, im Ärztehaus

Bei der Fahrt ins oberste Stockwerk informiere ich mich, was die anderen Doktoren alles so behandeln. Ist ja wohl Sinn und Zweck der großschriftigen Schilder. Das meiste verstehe ich, das Angebot “Präventiv Aging” jedoch verwirrt mich.

Auch auf der Fahrt nach unten.

Noch in der Mediathek – Tatort Wien “Was ist das für eine Welt”

Ewig schon keinen Tatort mehr gesehen… Was haben wir denn gerade so da? Ah, Wien. Wien mag ich. Diese Folge ganz besonders. Schöne, sehr schöne Bilder, eine ganz ruhige Erzählweise ohne Rumrennen und -ballern und Sirenen und Zeug. Und, wie immer, das so schön gemeinsam alternde Paar Krassnitzer/Neuhauser, bereichert, sehr bereichert, durch die junge Christina Scherrer als Kriminalassistentin Meret Schande.

Die Geschichte ist nicht der Rede wert, Karrierere-IT-Rationalisierer wird ermordert, das Umfeld irr und wirr, der Täter früh klar. War aber wurscht. Angenehm entspanntes Fernsehen. Das ist doch auch mal was.

Gestern in der St. Markus-Kirche: Künstlerkollektiv Projektil mit der Licht- und Klangshow “Genesis”

Ich komme ja vom Wort, also habe ich in meiner seinerzeit aus der Altpapierkiste vor St. Ursula geborgene Bibel nachgelesen, ob das, was ich mir gestern beim Schauen und Hören zusammengereimt hat, auch soweit richtig war.

Im Anfang erschuf Gott Himmel und Erde. Die Erde war wüst und wirr und Finsternis lag über der Urflut und Gottes Geist schwebte über dem Wasser. Gott sprach: Es werde Licht. Und es wurde Licht. Gott sah, dass das Licht gut war. Und Gott schied das Licht von der Finsternis. Und Gott nannte das Licht Tag und die Finsternis nannte er Nacht. Es wurde Abend und es wurde Morgen: erster Tag.

Ja, passt. Wir hatten Sitzplätze auf Stühlen gewählt und damit auch einen guten Blick auf die drei hohen Fenster hinter dem Altar – im Gegensatz zu den Love-In-Lümmelpolstern auf dem Boden mitten im Kirchenschiff. In dieser ersten Phase schwirren zu Musik von Mahler abstrakte monochrome Formen, mehr noch Linien, über den “Himmel”.

Dann sprach Gott: Es werde ein Gewölbe mitten im Wasser und scheide Wasser von Wasser. Gott machte das Gewölbe und schied das Wasser unterhalb des Gewölbes vom Wasser oberhalb des Gewölbes. Und so geschah es. Und Gott nannte das Gewölbe Himmel. Es wurde Abend und es wurde Morgen: zweiter Tag.

Das geschieht sehr passend zu Inertia “Carbon Based Life Forms”. Die vorherrschende Farbe ist nun Blau und man meint, die ersten Einzeller blubbern zu sehen.

Dann sprach Gott: Es sammle sich das Wasser unterhalb des Himmels an einem Ort und das Trockene werde sichtbar. Und so geschah es. Und Gott nannte das Trockene Land und die Ansammlung des Wassers nannte er Meer. Gott sah, dass es gut war. 

Es ist den Veranstaltern gelungen, das Werden unseres blauen Planeten zu visualiseren – dieser Abschnitt war für mich der schönste. Weil aber der Herrgott offensichtlich noch Zeit hatte…

Dann sprach Gott: Die Erde lasse junges Grün sprießen, Gewächs, das Samen bildet, Fruchtbäume, die nach ihrer Art Früchte tragen mit Samen darin auf der Erde. Und so geschah es. Die Erde brachte junges Grün hervor, Gewächs, das Samen nach seiner Art bildet, und Bäume, die Früchte tragen mit Samen darin nach ihrer Art. Gott sah, dass es gut war. Es wurde Abend und es wurde Morgen: dritter Tag.

… füllte sich der Raum mit Gingko-Blättern, allerlei anderem Blattwerk und dann kamen die bunten bunten Blumen. Imposant. Mächtig. Brausende Orgel, stimmgewaltige Chöre. Haydns Schöpfung.

Dank für die Fotos an meinen spontan eingesprungenen Begleiter MG aus M.

Dann sprach Gott: Lichter sollen am Himmelsgewölbe sein, um Tag und Nacht zu scheiden. Sie sollen als Zeichen für Festzeiten, für Tage und Jahre dienen. Sie sollen Lichter am Himmelsgewölbe sein, um über die Erde hin zu leuchten. Und so geschah es. Gott machte die beiden großen Lichter, das große zur Herrschaft über den Tag, das kleine zur Herrschaft über die Nacht, und die Sterne. Gott setzte sie an das Himmelsgewölbe, damit sie über die Erde leuchten, über Tag und Nacht herrschen und das Licht von der Finsternis scheiden. Gott sah, dass es gut war. Es wurde Abend und es wurde Morgen: vierter Tag.

Es wurde wahrhaftig Licht. Unzählige Laternen stiegen gen Himmel. Sehr schön. Ich hätte jetzt erwartet, dass als nächstes Tiere kreuchen und fleuchen und aus Adams Rippe die Krone der Schöpfung geschaffen wird. War aber nicht – und das ist dann auch der einzige Vorwurf, der dem Veranstalter zu machen ist: es wäre schön gewesen, wenn die Information zu allem früher zur Verfügung gestanden hätte und nicht verschämt in einem Kasterl in einer dunklen Ecke am Ausgang.

Sonst? Hach! Schade, dass die Freundin, deren Geburtstagsgeschenk es gewesen wäre, krank geworden ist. Wir probieren es noch mal, beim nächsten Mal. Versprochen.

Winter of Discontent*

Es dürfte niemanden mehr überraschen, dass ich Kälte grundsätzlich nicht leiden kann und sie in meinem Wertesystem in die Kategorie Körperverletzung fällt. Wenn ich friere, läuft mir die Nase, meine morschen Knochen schmerzen, ich muss ich laufend aufs Klo, kann nicht denken und bin insgesamt unglücklich. Man male sich also meine Laune aus, als gestern nach dem Aufstehen die Welt wieder weiß war. Außerdem die Steigerung meines Mißfallens des Abends, als sowohl auf dem Hinweg zur Veranstaltung als auch auf dem Rückweg nur noch die Mohrrübe fehlte, um aus mir eine perfekte Schneefrau zu machen.

Hrrrrggnn! @Winter: Du hast doch eh grade soviel Spaß in Südkalifornien, da kannst du doch in Bayern dem Frühling schon mal Platz machen. Dammit!

* Siehe auch: William Shakespeares Richard III: “Now is the winter of our discontent / Made glorious summer by this sun of York”.