Gelesen: Barbara Yelin – “Die Giehse – Ein Leben für das Theater 1898 – 1975”

Für mich klingt es immer ein wenig suspekt, wenn ein Künstlermensch eine “Auftragsarbeit” anfertigt, irgendwie so, als fehle ein Teil der künstlerischen Arbeit, das Schöpferische, die Idee.

Ich habe nicht immer recht.

Anläßlich des 50. Todestags Therese Giehses nämlich vergaben die Münchner Kammerspiele als Auftragsarbeit die Kreation eines “biographischen Comic” an die Ausnahmekünstlerin Barbara Yelin und man kann allen Beteiligten dafür nur danken. Ich schätze Yelin und ihre erzählgraphische Auseinandersetzung mit der Zeit des Nationalsozialismus schon seit langem, aber diese Giehse-Geschichte ist für mich bislang ihre allerbeste. So ein wunderschönes Buch! Vielfach-Hach! Allein die Doppelseite zur Mutter-Courage-Premiere 1941 in Zürich! So und nicht anderes muss Theater aussehen, wenn es jemand malt!

Yelin zeichnet sich gleich zu Anfang selbst, wie sie in Material beinahe absäuft, aber dann taucht sie auf und sie setzt, was sie gesehen und gelesen hat so lebendig um, dass man die Giehse hört und sieht. Von so großen Theorien wie Farbsymbolik und dergleichen will ich gar nicht sprechen. Ist aber alles drin. Hach!

Nochmal: so ein wunderschönes Buch! Danke, danke, danke an Herrn E. aus M. für dieses herrliche Geschenk. Das werde ich noch öfter lesen. Ich wage vorherzusagen, dass es auf den Nachttischstapel mit den Trostbüchern für die schlechten Tage kommt. Und da liegen nur die ganz guten!

Gift nehmen, ey!

Heute früh, ziemlich genau um Vielzufrüh, guru-guruht es draußen wieder und als ich im Nachthemd (wirres Haar inklusive) auf den Balkon eile, fliegt der Clevere von beiden auf. Und davon. Sein Kumpel bleibt mit einer Kippe im Schnabel sitzen. Er hat offensichtlich was an den Ohren. Oder er ist Reinhard Mey-Fan. (Fragt Oma.) Oder er mag Scheuchhandtuchschläge. Weg mit dir, du Mistvieh!

Aha. Die beiden Drecksvögel haben den Aschenbecher entdeckt und den Inhalt weiträumig verteilt. Sollen sie doch husten. Ich sag ihnen einfach nicht, dass Nikotin schädlich ist. (Das ist die gute Kreisler-Schule.)

Taube Taube?

Was man halt so tut am Vormittag. Aufstehen, Kaffee kochen, bisserl was werkeln, Tauben scheuchen. Der eine der beiden Guruhguruhs flattert erschrocken auf und ist weg, bis ich hinten am Balkon bin. Der andere sitzt immer noch da und schaut blöd. So lange, bis ich ihn mit dem Scheuchhandtuch haue und er dann doch eher schwerfällig und mit einem beleidigten Blick über die Schulter losfliegt. Ich weiß ja nicht, ob man bei Flügelschlägen auch in Trab und Galopp mißt, aber wenn, dann war das noch nicht einmal Schritt, sondern allenfalls Schleich.

Noch in der Mediathek – Tatort Münster “Die Erfindung des Rades”

Münster wie immer. Ach, nett.

(Spoiler, ist aber wurscht!) Statt eines Fahrrads fällt ein tiefgefrorener Onkel inklusive Kühltruhe aus der Präsentationskiste und dann sind erst mal alle aus der Zweiradunternehmerfamilie verdächtig und haben auch ordentlich Dreck am Stecken und das Ensemble reißt Witze und Meta- und Meta-Metawitze und dann kommt die Katastrophe: Mechthild Großmann, DIE Staatsanwältin unter den Staatsanwältinnen mit der göttlich tiefen Stimme hört auf. Und sie hat einen guten Grund: “Ich bin zu alt für diesen Scheiß.”

Kann ich nachvollziehen. Trotzdem wird sie mir fehlen.

Aus dem Vokabelheft

Vorhin ein Interview mit einem italoschweizerischen Künstler gehört, der ganz begeistert von seiner Begegnung mit einer “Bilderhauerin” berichtete.

So eine schöne Wortschöpfung. Nehm ich.

Nostalgie-Kino: “Catch me if you can”, 2002

Der Könner Spielberg läßt in seinem fröhlich-bunten Haschmich-Film den nicht mehr ganz jungen All-American-Tom Hanks, glaubhaft bis in die kleinste patriotisch-aufrechter-Bürger-Faser, dem jungen gutaussehenden Leo DiCaprio hinterherhetzen, weil letzterer ein Lüger und Trickbetrüger ist und Tom das nicht gutheißen kann.

Spielberg setzt DiCaprio in Szene wie ein Papierpüppchen, dem ein Kind Kleidung zum Ausschneiden anheftet, schwupps, Pilot, dupps, Anwalt, hupps Doktor und plaziert ihn dann in die passende Umgebung, immer umgeben von einem Schmuckkranz aus jungen hübschen passend kostümierten Damen. Wobei es nie die exotischen schönen Plätze auf dem Planeten sind, sondern lange Wege in Flughäfen, Gänge im Krankenhaus, Büros in den den Kanzleien usw. Und Leo ist ein schöner Hase und Tom der Igel, der immer grade knapp zu spät kommt.

Bis auf ein einziges Mal. Und dann gibt es Happy End Nr. 1 und weil das gar nicht so glücklich ist, gönnt Spielberg der Welt ein zweites und wenn sie nicht gestorben sind…

Der Film ist so perfekt und die Farben sind so schön alt und Leo ist so hübsch und Tom so gut: das kann man sich nach einer langen Nacht und mit dem Vorsatz, nicht viel denken zu wollen, ganz gut ansehen.

Frohe Botschaft

Ich fürchte, es ist auch eine Alterserscheinung, wenn ein zu erwartendes Neukind einem nicht mehr von der werdenden Mutter, sondern von der aufgeregten zukünftigen Oma angekündigt wird.

Alles Gute!

Ooooaaaahhh!

Als ich seinerzeit meine Wohnung ausgesucht habe, geschah das unter anderem wegen der Lage, wobei ich ehrlich gesagt den DHL-Laden nicht in meine Entscheidung einbezogen hatte. Mir scheint aber, als hätte ich das unbewußt doch getan, denn statt nach Hause lasse ich als aktive Teilnehmerin im Onlinehandel inzwischen meine Päckchen gleich dorthin schicken und hole sie dann auf dem Weg von der U-Bahn oder zum Einkaufen oder so bei denen ab. Das spart uns allen Zeit. Denen, dass sie mich nicht zu Hause antreffen und die Lieferung ein zweites Mal auf den Weg bringen müssen, auf dass ich sie in eben diesem Laden abhole. Mir, dass ich gleich weiß, wo mein Zeugs liegt und ich nicht bei wildfremden Anstaltsbewohnern danach fahnden muss oder es erst Tage später abholen kann.

Heute hatte mir ein Onlinehändler mitgeteilt, dass meine Wochenendlektüre im DHL-Laden zur Abholung bereitliege. Weil aber Vorweihnachtszeit ist, reichte die Schlange päckchenabholender oder -abgebender Menschen bis weit in die Passage. Mir wurscht, dachte ich, geh ich halt erst einkaufen und weils später immer noch so war, entschied ich mich, halt erst noch zum Friseur zu gehen. Danach wars immer noch so dermaßen voll und ich nicht willens, mit diesen Massen anzustehen und mir fiel es wie Schuppen von den Augen: ich kann vom Flurfenster aus genau auf deren Eingang sehen. Hab ich dann ein paar Mal gemacht und bin jetzt, kurz vor Ladenschluss, flugs nach unten gehuscht und habe nicht nur keine Schlange, sondern auch mein Buch, UND gleich noch zwei weitere Päckchen bekommen (für die nicht ein einziger Zettel im Briefkasten lag, aber wurscht). Was freu ich mich! Die paar Stunden, bis ich die auspacken darf, sitze ich doch auf einer Umpftel Arschbacke ab… Hihihi. Geschenke. Ooooaaaahhh!

Habe mir fest vorgenommen, meine Teilnahme am Onlinehandel bis Mitte Januar auszusetzen. Die armen Kerle arbeiten gerade da unten in dem Lädchen zu viert wie die Wahnsinnigen, wo sich sonst einer während seiner Dienstzeit intensiv mit seinem Handy befassen kann und trotzdem abends alles erledigt ist. Wenn ich mir das so ansehe, bin ich sehr glücklich, dass ich eh nix mehr arbeiten muss und würde es zur Zeit am allerwenigsten in der Paketlogistik tun wollen.

Genau.