Neu im Kino: Final Destination 5

Bumm-Bäng-Schepper-Klirr-Abreiß-Zusammenkrach-Boing-Zapp-Umfall-Drauffall-Überfall-Abstürz-Zoing-Doing-Krach-Knarz-Ramm-Schepper-Berst-Inflammenaufgeh-Ritsch-Ratsch-Rutsch-Knall-Rums-Bums-Schrumms.

Nach 92 Minuten ist das gesamte Rudel mäßig begabter Jungschauspieler spektakulär zu Tode gebracht worden. Good Job, Mr. Boom Operator.

It smells like Leichenfledderei

Mein Lieblingsgeschäft in Palo Alto ist eine Buchhandlung. Borders. Mit einem Innenhof, wo man einem der Tischchen (mit vom Apple Store gegenüber geliehenen W-Lan) surft oder mit einem Kaffeebecher in der Hand durch die reduzierten Bargain-Books blättert. Aktuell ist alles Bargain, Borders ist nämlich pleite und macht alle Läden zu.

Mich hat ein sehr seltsames Gefühl beschlichen, als ich heute in der Mittagspause auf Bücherschnäppchenjagd ging. Mit meinem Amazon-Wunschzettel. Die Freude, ein paar Bücher zu finden, die dann auch noch günstiger waren als auf der Liste, war leicht getrübt dadurch, dass ich mich über genau diesen Umstand gefreut habe.

Auf dem Bild ist das Varsity-Kino zu sehen, in dessen Gebäude Mitte der 90er nach sehr kontroversen Diskussionen die Buchhandelskette Borders einzog. Sie haben sich gerade mal 15 Jahre gehalten.

The Golden State

Manchmal sind selbst Kalifornier zur Selbstironie fähig: “California? – The only state where you can get fined for bothering a butterfly.”

Neuentdeckung (für mich) “The Kinsey Sicks”

“America’s Favorite Dragapella Beauty Shop Quartet” hat im US-Wahljahr 2004 seine eigene parodistische Version einer Republikaner-Fundraising-Veranstaltung entwickelt und davon eine DVD produziert. Selten so gelacht! Kluger satirischer Humor, großartige Stimmen und wunderhübsche Drag Queens. Wer irgendwo eine Kopie von “I wanna be a Republican” auftreibt, dem stehen eineinhalb Stunden feinste Unterhaltung ins Haus.

Anschauen!

Kostpröbsche: http://bit.ly/vyqFQ

Bad Credit? – No Problem!

… steht auf dem verblichenen Plakat im staubigen Schaufenster des leegeräumten Ladens. Hat er sich ganz offensichtlich getäuscht, der Inhaber. Bei der nächsten Geschäftseröffnung wäre wohl eher eine „Bad Credit? – No Credit!“-Policy angeraten.

Kreditwürdigkeits-Rating-Agenturen haben hierzulande die Macht, mit einem Tippfehler einen Menschen zu vernichten. Die eine schreibt von der anderen ab und ein „bad credit“ führt meist zum Entzug der Kreditkarte(n), höheren Bankgebühren, sofortiger Fälligkeit von Darlehen, Hypotheken etc. Es ist so gut wie unmöglich, bei einer Rating-Agentur eine zügige Richtigstellung durchzusetzen – und die Beweislast liegt nicht etwa bei denen, sondern wohlgemerkt beim Individuum.

(Im Gegensatz zum Strafrecht gilt, wenn es um’s Geld geht, die Schuldvermutung.)

“This is, like, Lake Tahoe” 1/2

erläutert ein Biker seinen umstehenden Freunden, die sicher von alleine nicht draufgekommen wären. Ein bißchen lästig sind die schon: ich liege hier am Seeufer und mache ein Mittagsschläfchen bei Wellengeplätscher und Vogelsang und dieser Wichtigtuer hat seinen Trupp direkt hinter meinem sanft beschatteten Bänkchen aufgestellt, lärmt rum und schwätzt dumm (oder heißt das “dummschwätzt”?).

Ein wenig Entspannung haben wir uns verdient: wir sind Freitag gegen Mitternacht (Toni möchte erwähnt wissen, dass es ganz einfach sei, die Strecke in knapp vier statt 24 Stunden zu schaffen – obwohl der Weg wieder (wir haben dieses Mal die I-80 genommen, von der I-50 haben wir vorerst die Schnauze voll) von Umleitungs-Leuchtschrift-Schildern (mir ist angesichts des ersten ganz anders geworden) gesäumt ist. Wir sollen SOFORT das Radio einschalten auf AM 1620 habe man uns was zu sagen. Oha? Auf AM 1620 nuschelt sich eine Dame mit Störgeräuschen durch eine Detour-Meldung, die wir auch beim 5. Mal anhören nicht wirklich verstehen. Irgendwas ist in Nyack: Busse, Trucks und local traffic sollen in die rechte Spur. Wir sind nichts davon und bleiben links, was uns (das ist die Umleitung) auf die entgegenkommende Seite der Interstate bringt. Mit dem Effekt, dass das Navi nun vor Panik beinahe ausrastet, weil es wohl dem Radio nicht zugehört hat und uns für Geisterfahrer hält. An Emigrant Gap vorbei nehmen wir wie vorgesehen die Abfahrt zur Donner Road – und stehen vor dem traditionsreichen Truckee Hotel.

Alles ist gut. Rob (steinalt mit dickem weißen Rauschebart und Pferdeschwänzchen) checkt uns ein, unterweist uns in die Hausregeln: “no smoking of pets in the rooms” und wir gehen auf ein Nightcap in die American Bar gegenüber, wo gerade eine Live-Band Hank Williams vergewaltigt.

Das Hotel hat sich in den letzten 138 Jahren erfolgreich allen Renovierungsversuchen widersetzt, die Böden und Treppen sind schief und krumm, der augenarztpflichtige Teppichboden hat die Räude, überall blättert was ab, Waschbecken und Toiletten sind auf einer Höhe angebracht, die kleinwüchsige Menschen in einen Glücksrausch versetzen könnte und es gibt nichts, was nicht knarzt, knackt und quietscht. Ungefähr stündlich rattern – laut pfeifend – ellenlange Züge der Union Pacific Railroad Company vorbei und gegen 2:00 Uhr morgens fangen die Aussteller der “Famous Truckee Arts and Crafts Fair” an, ihre Stände aufzubauen. Leider verstehen sie einander nicht blind, sondern arbeiten eher auf Zuruf (“Get your darn vases out of my way, you knucklehead!”) und mit voll aufgeladenen Akku-Schraubern. Man kann getrost von einer sehr unterhaltsamen Nacht sprechen.

Morgens besichtigen wir Truckee (das ist wirklich ein hübsches Städtchen) und Toni findet eine wunderbare Route am Truckee River entlang. Mann, ist das schön hier. Zwischen den dunklen hohen Redwoods  flirren Birken im Sonnenlicht und streuen Lichttupfen, das Flüßchen springt und sprudelt unbegradigt in allen Farben zwischen dunkelnachtblau und flaschengrün in seinem steinigen Bett – och, echt? Wir sind schon da? Tahoe City war Mitte Mai noch ein verschlafenes Bergstädtchen im Squaw Valley, jetzt geht hier der Punk ab. Hiker, Biker, Aqua-Sportler in bunten Outdoor-Klamotten, Strandfaulenzer, Rieseneisportionenesser, Kanuschlepper, FlipFlop-Teenies, Harley-Biker mit dicken Bärten,  bunten Bandanas und Tattoos, Gehhilfen-Greise und Toni und Sabine, die irgendwo mitten im Trubel was essen, flanieren und See und Leut’ anschauen. Und dann einen eigenen menschenleeren ruhigen Strand weiter südlich suchen, zum Dösen und Wasser treten.

Wie? Was? Was soll das denn jetzt? Da erklärt dieser Fahrrad-Lärmbatz seinen Kumpels die Bäume (“Wald”) und das andere Ufer (“Nevada”) und brüllt schließlich wie ein Viehtreiber “C’mon, guys- let’s ride. Yeeehhaaa!” Ich kann bekanntermaßen überall und immer schlafen und wache dann im allgemeinen selbständig wieder auf. Aber so? Wegen dem Brüllaffen wäre ich beinahe von der Bank gefallen.

Dennoch, so ein Schläfchen kräftigt, let’s ride. Durch die Wälder, am See entlang. Hier abbiegen, da ist der erste Vista Point an der Emerald Bay (über Vikingsholm). Emerald bedeutet Smaragd, das ist aber für dieses Farbenspiel noch untertrieben. Grünschattierungen, kontrastiert von goldgelben Sandstränden, Granitfelsen, dunklen Riesennadelbäumen, mitten in der Bucht ein Felsinselchen mit Birken und allerlei Blühendem – traumhaft schön. Über uns kreisen Ospreys (Fischadler), im Gras flitzen Eidechsen herum, um jedes Blümchen summt und brummt es, die Eagle Falls rauschen, die Sonne lacht, der See glitzert und funkelt, hinten am Horizont geht der volle Mond auf – eine rechte Augenweide.

Den Abend beschließen wir in South Lake Tahoe, von hier aus geht es morgen aufs Schiff.

Neu im Kino: Rise of the Planet of the Apes

Der Film ist ganz ordentlich und das liegt nicht nur daran, dass Charlton Heston nicht mitspielt, der alte Waffennarr. Vielmehr habe ich so viel lernen dürfen:

1.) Egal, wo man sich gerade in und um San Francisco rum aufhält: man hat IMMER einen großartigen Blick auf die Golden Gate Bridge.
2.) Wenn Schimpansen basteln, dann Modelle von Lady Liberty aus Überraschungsei-Bausätzen.
3.) Obwohl ich seit drei Jahren in San Bruno lebe, ist mir das Schurken-Tierheim, dessen Kuppel es lässig mit der des Reichstags aufnehmen könnte, noch nicht aufgefallen. Mensch, Filmemacher, mit sowas bringt ihr ein Städtchen leichtfertig in Verruf.
4.) Wenn 50 Affen in bester Prison-Break-Manier aus dem Affenknast ausbrechen, dann strömen Hunderte davon über die Golden Gate Bridge in die Wälder (http://bit.ly/9Wunuh).
5.) Es ist gewagt, sein BioTech-Labor Gen Sys zu nennen (wird wie “Genesis” ausgesprochen). Da weiß man doch schon bevor der Film richtig losgeht, dass was schiefgehen wird.
6.) Mit Virusinfekten ist nicht zu spaßen. Wer Schnupfen hat, sollte stets ein Taschentuch verwenden und nicht den bösen Nachbarn anniesen.
7.) Schimpansen sind keine Affen, sondern Affen („no monkeys but apes“).
8.) Schimpansen sind sowieso die besseren Menschen.

Man muss den Film nicht sehen. Aber es schadet auch nicht.

Artenvielfalt

Ich habe keine Ahnung, wieviele Sorten Bagel es auf dieser Welt gibt (unter Berücksichtigung der Regel, dass es in Kalifornien immer noch 2 mehr sind (CA=n+2), nämlich die mit Avocados und die mit sonnengetrockneten original awesome kalifornischen Rosinen.)

Seit Lyn sich (zumindest für diesen Sommer) wieder an meine (und zum Glück auch Tonis) Vorliebe erinnert hat und wenigstens einmal die Woche freudestrahlend mit einem Halbdutzendbeutel vor der Tür steht, gibt es in meiner Welt ausschließlich Cheesebagels.

Ich wiederhole meine letztjährige Frage: Segen oder Fluch?

Go away!

Ich gehöre anscheinend zu dem Menschenschlag, der bei anderen das geradezu unbezwingbare Bedürfnis hervorruft, ihn mit intimsten Details aus deren Leben zu überfluten, unbenommen davon, ob mich das interessiert. Noch dazu ganz abgesehen davon, dass es mich nichts angeht.

Im deutschsprachigen Kulturkreis steht meine Verbalabwehr und ich kann sie, je nach Bedarf und Bekanntheitsgrad des Bekenners, entsprechend modifizieren. In meinem Gastland fand ich das bis dato schwieriger. Heute hat mich ein Kollege die Formel gelehrt, mit der Amerikaner korrekt auf das “Sharen” ungewollter persönlicher Information reagieren: TMI.

TMI steht für “Too Much Information” und ist im hiesigen soziokulturellen Gefüge das gesprochene Äquivalent zum Stop-Zeichen.