Zeichen und Wunder

Dieser Tage in Amerika. Ein Mann bestellt im Restaurant Fajitas, die Kellnerin serviert, der Mann beugt sein Haupt zum Gebet über sein Mahl. Der Mann verbrennt sich. Der Mann verklagt das Restaurant. Und was macht der Richter? Kaum zu glauben, aber er weist die Klage ab; mit der Begründung, daß das Risiko, das von einer heißen Gußeisenplatte und darauf brutzelnden Fleischstücken ausgehe, offensichtlich sei und keiner zusätzlichen Warnung bedürfe.

Irgendwo in New Jersey muß es neulich Hirn geregnet haben.

Non scholae sed vitae discimus

Anmerkung: Im hiesigen Demoskopiegefälle verhält sich San Bruno zu Palo Alto ungefähr so wie Sendling zu Grünwald.

Beide Kommunen haben aktuell ein und dasselbe Problem, nämlich einen florierenden Drogenhandel; der Unterschied liegt lediglich in der Umsetzung. Wo in Palo Alto clevere Studentens die von reichen Chinesen präventiv für ihren zukünftigen Nachwuchs und noch zukünftigeren Stanfordstudenten zu Höchstpreisen aufgekauften, aber bis zum Einzug des Sprößlings leerstehenden Immobilien in besten Lagen als tote Briefkästen für ihre Geschäfte nutzen, arbeitet der Dealer in meiner Straße aus dem Home Office und betreut seine Kundschaft persönlich, sobald sie sich durch das konspirative Geheimzeichen (mit dem Truck vorfahren und zwei mal Hupen) zu erkennen gegeben hat. Wenn die Bullen wollen, ist dann Zugriff. Ab und zu wollen sie.

Das Perfide an der Palo Altaner Methode ist, daß sie sich in einem rechtlichen Graubereich bewegt. Bei den Investitionsobjekten handelt sich um legale Adressen und die Post stellt zu. Daß billige Helfer die Straße und den Weg des Postmannes genau überwachen und daß ein Päckchen fast im Moment der Zustellung wie von Zauberhand von der Terasse verschwindet, bemerkt allenfalls im Einzelfall der Briefträger. Das ist der Grauton. In Palo Alto und anderen Nobelvierteln gibt es inzwischen so viele leerstehende Luxusimmobilien, daß die schiere Anzahl eine dauerhafte Überwachung unmöglich macht.

Da sage noch einer, daß sich die horrenden Schulgebühren für die Law School nicht lohnen.

Aus dem Vokabelheft

Den Typ Frau, von dem wir im Deutschen sagen, sie habe eine “Eisenfaust im Samthandschuh” nennt man hierzulande “General in Pearls” – und ja, ich berichte dies aus aktuellem Anlaß, ich hatte heute nämlich mit so einer Außen-Mutter-Theresa-Innen-Josef-Stalins-Böse-Schwester zu tun.

Nach ihrem Abzug gilt endlich für mich auch wieder: “At ease” bzw. “As you were” – beides militärische Kommandobegriffe für “Rühren” oder “Stehen Sie bequem”.

R.I.P. Terry Pratchett

Vorhin, an der Kreuzung. Ein braunes sehr altes Schiff schiebt sich neben den Passat, am Steuer ein sehr alter Mann mit sehr windundwettergegerbtem Gesicht und sehr bergseeblauen Augen. Statt Bergfexkaros, was man sich im Tiroler Dialekt gesprochen vorstellen muß, ist sein Hemd mit Großblüten gemustert, von ehemals brüllgrell zu traurigbeigebraunpastell verwaschen. Als er rechts abbiegt, sehe ich, die ja keine Ahnung von Automarken hat: das Schiff ist ein “Oldsmobile” mit dem Kennzeichen: 2HEAVEN.

Mich hat das ein bißchen getröstet, an dem sehr traurigen Tag, an dem Sir Terry Pratchett mit dem Reaper Man mitgegangen ist.

the end

Drecks-Alzheimer.

Da isser wieder

“The Rain is coming back tonight”, sagt der Wettermann mit Ekel in der Stimme.

Es ist mir schon öfter aufgefallen, und jetzt kann ich es endlich in Worte fassen. “The Rain” wird hier personifiziert und in einem Tonfall avisiert, wie der schmuddelige Onkel Herbert, den man um des lieben Friedens willen doch zu jeder fünften Familienfeier einlädt oder der Typ von der Steuerprüfung, der so hartnäckig Belege für die vielen vielen Dollars einzusehen wünscht, die jemand für wohltätige Zwecke gespendet haben will. Halt ein durch und durch unliebsamer Zeitgenosse, dem man manchmal einfach ned auskommt*.

Dabei war The Rain dieses mal ganz friedlich. Irgendwann um Mitternacht mit der Dröppelei angefangen, irgendwann vor Sonnenaufgang wieder aufgehört und eine strahlende reine duftende Welt hinterlassen. Der kann nämlich, wenn er nur will. Wirklich, ganz genau wie Onkel Herbert.

* Hier ist das bayerische “ned auskommen” gemeint, das es nur in dieser negierten Form gibt, wie zum Beispiel in der drohenden Ansage: “Du kummst uns ned aus!” und für nicht entweichen / nicht entkommen / sich nicht drücken können steht.

Oh mein Gott!

Im Ernst jetzt? Meinen Namen soll ich tanzen und dich mit einem frohgemuten Geräusch preisen? Bist du oder beziehungsweise dein merkantiles Bodenpersonal nie auf die Idee gekommen, daß der gemeine Atheist dabei sofort an nichts anderes denken kann, als einen freudigen Furz? Ach was sag ich: denken muß. Das, Gott, paßt dir nun doch nicht? Statt Winde freizusetzen soll ich dir wenigstens dieses schweigsame Puppele da abkaufen und meine “satisfaction is guaranteed for one year”?

joyful noise

Um meine Zufriedenheit mußt du nicht kümmern, das kann ich ganz alleine. Ich mache dir ein Angebot: Ich sehe davon ab, der Aufforderung “I Will Praise You With A Joyful Noise” nachzukommen und du hörst auf, mir so einen Schwachsinn in den Briefkasten zu werfen. Widrigenfalls gibt es eine Woche lang Bohnen.

Die Zeit ist aus den Fugen

In den USA wurden letztes Wochenende die Uhren um eine Stunde vorgestellt, wg. Daylight Saving Time (Sommerzeit). Seitdem ist das Licht falsch. Der Sonntag verlief wie im Poesiealbum, also wie in dem Eintrag meines damaligen Französischlehrers: “Verliere am Morgen eine Stunde, und du wirst den ganzen Tag nach ihr suchen.” Statt milder lautloser Sonnenstrahlen lärmt mich des Morgens wieder der Wecker aus dem Schlaf und gestern Abend hätten wir beinahe nicht bemerkt, daß es schon längst Zeit zum Heimgehen ist. Viel zu hell.

Hiermit schließe ich mich den Worten meines geschätzten australischen Kollegen, der eine vollkommen verschlafene und darum sehr widerspenstige Zwölfjährige am Montagfrüh rechtzeitig in der Schule abzuliefern hatte, vollinhaltlich an: “Daylight Saving Bullshit!”

Nix los

Einem sehr hartnäckig sehr dummen Schmetterling den Unterschied zwischen Sonne hinter Fensterglas und Sonne ohne Hindernis am Ende handgreiflich erklärt. Später einem jungen Bluejay mit viel Freude beim Sonnenbaden zugesehen – erst auf der sonnenwarmen Holztischplatte auf- und abtrippeln, dann bäuchlings niederlassen, Schnäbele ablegen, auf die doppelte Größe aufplustern und schließlich beide Flügel weit abspreizen. In dieser Position mindestens eine Viertelstunde lang verharren und es so richtig genießen. Beispiel am Vogerl genommen und dies und das weggelesen, ab und zu den Liegestuhl aus der prallen Sonne wieder in den Schatten geschoben. In den Anlagen ergangen, alle fürs Blühen gelobt, zum Haushalten mit den aktuell vorhandenen Wasservorräten ermahnt (gegossen wird nicht) und selbst die Katzen Katzen sein gelassen.

Hach!

22°C – und es nicht noch nicht einmal Mittag

Wenn Pflanzen gröhlen würden, dann klänge mir gerade aus dem Garten ein vielstimmiges “Jetzt gehts lohos” entgegen. Die ersten Rosen sind schon verblüht, auf den anderen Sträuchern warten dicke fette Knospen ganz gespannt auf ein paar mehr Sonnenstrahlen. Die Gelbblütenbüsche stehen über und übervoll in gelben Blüten (alles andere wäre bei dem Namen auch verwunderlich) und am Reineclaudenbaum kann man die ersten Äste unter ihrer weißschaumigfluffigen Last schon kaum mehr erkennen.

Den Februar habe ich kaum wahrgenommen, so schnell, wie der vorbeigerast ist. Aber der März. Der März der darf gerne noch ein bißchen bleiben, schöner gehts fast nimmer. Da!

a spring1

a spring2

After the rain 1

a spring3