Kalifornien, in sechs Teilen (unvollendet)

Tim Draper, Venture Capitalist in der 3. Generation, ist einer der Männer, die es geschafft haben, hier im Silicon Valley. Mit frühen und extrem rentablen Investitionen in – zum Beispiel – Hotmail, Skype, Tesla Motors und die chinesische Google-Variante Baidu. Man nennt solche Männer auch “Serial Entrepreneurs” (genau, so wie Serienmörder), weil sie einfach nicht aufhören können, in ihren Geldspeichern noch mehr goldene Münzen aufzuhäufen; in Drapers Fall waren es letztes Jahr Bitcoins aus der Erbmasse von Silk Road, für die er bei einer Versteigerung des US Marshals Service das Höchstgebot für alle 10 Auktionsblöcke auf einmal abgab. Damit der Menschheit solche Uber-Talente erhalten bleiben, betreibt er die “Draper University of Heroes”, in der junge aufstrebende Unternehmer zwischen 18 und 28 Jahren für lumpige $9,500 oder den entsprechenden Gegenwert in Bitcoins innerhalb von 7 Wochen alles lernen, was sie für Erfolg und Vermögen brauchen. Mehr Bullshitbingosprachwulst zu didaktischer Methodik (Späßle gmacht), Unterrichtszeiten (7 von 7 Wochentagen), außer- und innerschulischen Aktivitäten sowie Mahlzeiten und Stipendiatenprogramm* ist hier zu lesen: http://draperuniversity.com/faq/.

Ein vielfacher Millionär wie Herr Draper hat weder Zeit für noch Lust auf so Mickligkeiten wie Steuern, Arbeitnehmerschutz, Sicherheits- oder Umweltschutzbedenken und “Big Government” ist ihm eh schon lang ein Dorn im Auge. Man kommt ja gar nicht zum Ausleben seiner unternehmerischen Visionen vor lauter Innovationsbremsen. Und Kalifornien erst! Viel zu viel Fläche mit viel zu viel Unnützem drauf. Wald. Menschen. Obst- und Gemüseanbau. Alles Unfug! Das einzige, was wirklich zählt, ist doch das Silicon Valley, der Rest ist ihm ein einziger Klotz – und zwar an beiden Beinen.

* “Make sure to include why you think you are a strong candidate for the scholarship for which you are applying. Additionally, in the application there is space to make an extraordinary offer in exchange for a tuition discount. We encourage students to be very specific, creative and entrepreneurial in what they offer.” In Kurzdeutsch: “Denk’ dir besser was ganz besonderes aus, wenn du von uns was umsonst haben willst”.

Langes Wochenende

Was dem einen sein Pfingstmontag, ist dem anderen sein Memorial Day: ein freier Montag. Meine Straße war seit Donnerstagabend mit Stars and Stripes beflaggt; ich hatte kurz erwogen, mein neues München-Skyline-Geschirrtuch aufzuziehen, dann aber davon doch abgesehen. Man gedenkt hier heute der Toten. Nicht seiner alten Heimat.

Noch mehr gesehen: Game of Thrones

Das Spektakel geht nun schon über fünf Staffeln (hier war aktuell die 7. Folge im Fernsehen) und hört und hört nicht auf, mich zu überraschen und zu unterhalten.

Ich habe die letzte Nacht damit verbracht, mich auf den neuesten Stand zu bringen und bin verblüfft, daß immer noch so viele Sympathieträger in dieser Staffel am Leben sind. Und aus welchen Löchern alte Bekannte nicht alles kriechen.

Noch drei Folgen bis zum nächsten GoT-freien Halbjahr. Huch, ist das aufregend!

Nimmer ganz neu im Kino: Kingsman – The Secret Service

Very British. Very unterhaltsam.

Samuel L. Jackson in gottschalkkonformen Buntoutfits mit einem umwerfenden Frbachfehler als Weltenzerstörerschurke gegen die Crème de la Crème der britischen Gentleman-Spione (Michael Caine, Colin Firth (hach!), Jack Davenport etc.) in einem fröhlichen Zitatenparforceritt durch die Agenten- und viele mehr Filmhistorie. Mit ebenso fröhlichen Seitenhieben gegen die britische Klassengesellschaft.

Dazu ein gutaussehender Rookie (den Anfänger gibt Taron Egerton) aus der Unterklasse, der sie am Ende alle raushaut (das ist kein Spoiler; so funktioniert das im Film immer) und – jetzt kommt ein Spoiler – als Begleittier einen Mops wählt, weil er den Welpen für einen Kampfhund hält. Den nennt er “JB”, nicht nach James Bond, auch nicht nach Jason Bourne, sondern… Na? Richtig. Nach Jack Bauer.

Man muß für die Kingsmen nicht extra ins Kino gehen, aber einen lustigen Abend vor der Glotze verbringt man mit ihnen allemal.

Anschauen!

Sauer*

Da spratzelt frau mit ihren Dicken Damen nach knapp einmonatiger Pause wieder durchs Kinderbecken und weil es kalt und grau und nebelig ist, turnt unsere Desha zwengs Warmbleiben ein verschärftes Programm vor und kaum einen Tag später habe ich einen ausgewachsenen Muskelkater und tu mir selbst ein bißchen leid.

Wo ist der Aufkleber, der vor diesen Risiken und Nebenwirkungen der hiesigen Einwanderungspolitik warnt? Hmmm?

* Hier sind Muskeln nicht verkatert sondern “sore”.

Nimmer ganz neu im Kino: Ex Machina

Es ist eine hiesige Unsitte, daß sich Filme in Kinos nie lang halten und keine vier Wochen nach der Erstaufführung grade mal noch ganz hinten im kleinen Saal Nr. 13 gespielt werden. In diesem Fall immerhin noch zu einer halbwegs vertretbaren Uhrzeit, um 07:55pm – die Alternative wäre 10:40pm gewesen und das ist für einen Wochentag für mich einfach zu spät.

Der Zuschauer wird mitten in ein ein Test-Szenario geworfen und findet, wie die Protoganisten, erst im Laufe der Zeit heraus, wer hier eigentlich worauf getestet wird. Ein Normalmensch wird mit Künstlicher Intelligenz konfrontiert und… Nein, ich verrate nicht, was nach dem “und…” kommt, es wäre schade drum, der Film ist nämlich sauspannend und jede/r sollte sich seinen/ihren eigenen Reim darauf machen. Mir kam es so vor, als wäre mindestens eine bedeutungsvolle Szene geschnitten und bei der Fertigstellung nicht so recht auf die Zusammenhänge geachtet worden, sonst habe ich aber nichts auszusetzen. Die Darstellerin der AI Ava (was im englischen klingt wie “Eva” und sicher so beabsichtigt ist), Alicia Vikander, ist ganz wunderbar, die männlichen Rollen ausgezeichnet besetzt und gespielt (der alte Zyniker: Oscar Isaac; der junge Naive: Domhnall Gleeson) und der Location Scout hat bei diesem “Fortress of Solitude” ganze Arbeit geleistet. Lohnt sich. Sehr.

Anschauen! Anschauen! Anschauen!

Reality sucks

Gestern, in den Nachrichten. Ein Reporter interviewt freiwillige Helfer am Strand von Refugio (ausgerechnet!), wo diese Woche aus einer undichten Leitung der Plains All American Pipeline 400,000 Liter Öl in den Pazifik gequollen sind. Ein vom ölige Felsen abschrubben und schwarzverklebtem Sand wegrechen sichtlich erschöpfter “environmentalist” auf die Frage nach den Konsequenzen für die Verantwortlichen dieser Umweltkatastrophe: “None. These guys are too big to jail.”

Anachronismus

Gleich neben dem Highway 101, in Richtung Norden, kurz hinter Menlo Park, liegt ein Minigolfplatz. Mit kniehohen Fliegenpilzlampen, Windmühle, Big-Boy-Ballschlucker, Wassergraben und Ritterburg. Ich wollte da schon immer mal ein paar Bälle rumschubsen, mit diesen Schlägern mit den abgenuckelten Kunststoffgriffen in bunten Farben. Hatte sich in knapp sieben Jahren bloß noch nicht ergeben.

Aus. Vorbei. Plattgemacht. Auf dem Grundstück wächst jetzt ein Gebäude mit vielen Etagen und der ehemalige Besitzer liegt vermutlich in Hawaii am Strand, in der einen Hand ein beschlagenes Glas mit einem farbenfrohen Getränk, Schirmchen und Obstdekoration, die andere gleitet gemächlich durch einen Topf voll Goldmünzen, die er gelegentlich gedankenverloren durch die Finger rieseln läßt.

Tja, ich hatte meine Chance.

Aus dem Vokabelheft

Menschen, die es immer noch etwas besser wissen, also die Gscheithaferl und Rechthaberer dieser Welt, bezeichnet der Amerikaner als “weisenheimers”.

(Und hat damit seinem Sprachschatz mal wieder ein – noch dazu zusammengesetztes – Lehnwort aus dem Deutschen/Jiddischen einverleibt.)

Bordverkauf

Aus all den Unsäglichkeiten, die mir die Lufthansa beim Rückflug andrehen wollte, habe ich einstimmig (me, myself, and I) diesen Porzellan-Mops als “Häßlichstes Ding, wofür jemand Geld von mir haben will” gewählt. Mein Sitznachbar, mit trockenem Humor gesegnet, nach einem Blick auf das Ungetüm: “38% billiger. Warum bloß?”

Meissen Mops