“Spring ahead – Fall back”

Seit ich in Amerika gelebt und dort die überschriftgebende Faustregel gelernt habe, weiß mein Kopf immer ganz genau, in welche Richtung die Uhr bei der Umstellung von Sommer- zu Winterzeit zu drehen ist.

Mein Bio-Rhythmus hingegen ist dodally jet-lagged und weckt mich viel zu früh.

Die Daaauuuumen drückt!

Aktuell stecke ich mitten in Phase 2 der Re-Immigration, nämlich der Suche nach einem Dach über dem Kopf (dazu mehr im nächsten blogpost). Um Goethe zu zitieren, darf das Dach gerne über ein “paar manierlichen Zimmerchen” im Münchener Westen thronen (die Lage ist nicht der Wunsch des Geheimen Rates sondern Frau Flocks). Lowlights meiner Suche nach einer neuen Heimat waren bis dato eine Behausung, wo allein der Gedanke an direkten Hautkontakt mit dem elendsversifften Teppichboden bei mir zu nervösen Hautreizungen führte und ich ernsthaft erwogen habe, selbst meine Schuhe nach der Besichtigung umgehend zu verbrennen sowie eine Hipsterwohnung über mehreren Ebenen mit abenteuerlichen Treppenkonstruktionen. Letztere lag außerdem am Arsch der Welt, was die vielen Stufen vielleicht doch wieder sinnvoll macht, weil man dort weder gescheit hin- noch wegkommt und sie möglicherweise als Fitneßprogramm für angehende Einsiedler vorgesehen waren. Kurzum, bis jetzt war noch nicht das Richtige dabei.

Gestern hingegen, da war das anders. Gestern vormittag wurden von einem reizenden Herrn zweieinhalb sehr manierliche Zimmerchen in einem hübschen Anwesen in Laim mit Küche, Bad, Balkon präsentiert, zu einem meinem Budget angemessenen Mietzins und mit supergutem Anschluß an den MVV. Seitdem frage ich mich, ob es wohl daran lag, daß Annette dabei war – wenn ich den Zuschlag bekomme, werde ich sie zum Wohnungsfindemaskottchen ehrenhalber erklären und ihr mindestens eine Tiara stricken.

Alle anderen: Da find ichs schön, da wäre ich gerne. Daumen drücken, bitte.

Geht doch

Kaum beschimpft man diesen nassen kalten Nebeltober wenigstens einmal pro Tag, meist aber häufiger, schon kann er aus seinem Fundus einen Goldtag herauszaubern. So richtig mit Sonnenschein, Himmelblau, Leuchtbuntblättern und Temperaturen, die selbst mein Wohlgefallen finden. Zwei Monate vor Weihnachten Lunch im Garten zu nehmen, hat ja schon beinahe kalifornische Qualität. Wohlgemerkt: sogar nordkalifornische.

Carry on!

Gelesen: Asterix 36 – Der Papyrus des Cäsar

Ich hatte ja noch mit mir gerungen: meinem Vollständigkeitsdrang nachgeben, das Heft kaufen und mich dann ärgern, weils sein wird wie die anderen Post-Goscinny-Asterixe, die natürlich nicht mal entfernt an die guten alten hinkommen? (Kein Serienfan glaubt, daß das, was nachkommt, besser ist als das, was er schon ewig kennt und vorzugsweise zitatfest beherrscht. Bestes Beispiel: Star Wars.) Nicht kaufen? Und dann ärgern, weil’s möglicherweise gar nicht sooo schlecht ist wie erwartet? Da geht’s mir wie dem Obelix: Konflikt, Konflikt. Das Universum löst sowas: Vater und Kind in meinem Gastgeberhaushalt sind eingefleischte Asterix-Fans und haben mir die druckfrische neue Ausgabe um den leakenden Blondhelden Polemix (Julien Assange nachempfunden) geliehen.

Wie man auf dem Theater zu sagen pflegt: es ist schon sehr viel Schönes dran. Der fette skriptenklauende nubische Sklave Bigdhata, die römischen Legionäre Datenflus und Antivirus, eine Überwachung in Fichttarn, römische Lauschtauben (bei denen die Berichterstatter auch gerne mal ein Attachment vergessen), wegweisende blaue Twittervögelein und -eichhörnchen (von denen Jack Dorsey bis jetzt auch nichts wußte), gallische Druiden, die nichts auf Überlieferung in Schriftform geben und nur an Mund-zu-Ohr-Nachrichten glauben.

Die neuen Autoren scheinen das historische Gesamtwerk aus dem eff-eff zu kennen und wäre man sehr wohlmeinend, könnte man einige der Panels als Zitate verstehen. Weniger wohlmeinend ist vieles nur geklaut. Das mag aber jede/r Leser/in für sich selbst entscheiden, ich bin bei einem Verhältnis von ca. 50:50 Wohlwollen:Frechheit angekommen. Da, wo sie ganz alleine für sich originell sind, sind sie gut, zum Beispiel die Schlagzeilen der Zeitungen “Imago” (weiß auf rot für 1 Sesterz) – “Skandal! Cäsar Schreibt!”; “Tempus” (rechts und links flankiert von Säulen) – “Ein Paukenschlag in der Weltliteratur” sowie “Roma Generalis” (in Fraktur)  – “Bereits ein Klassiker!”) oder beim Rearrangement eines Hünengrabes. Wo sie klauen (eine “ganz banale Dienstreise” mit allem Pomp, Duck and Circumstance eines Kleopatra-Ausfluges) allenfalls im Bereich mittelgut. Man hats halt als Altleser schon gesehen und weiß, woher es kommt. Manche Pointen verpuffen nach einem eigentlich recht hübschen Spannungsaufbau wirkungslos im Pointen-Nirwana – das mag aber, wie der Leihgeber vermutet, der Übersetzung geschuldet sein und da hat er möglicherweise recht. (Wichtig genug, als daß ich das jetzt anhand der französischen Originalausgabe überprüfen täte, ist es mir nicht.)

Alles in allem kann man dieses Heft lesen. Ein Muß ist es nicht. Ich werde mich heute Nachmittag mit “Asterix bei den Pikten” beschäftigen, ebenfalls aus der hauseigenen Bibliothek und vom gleichen Nachfolgeautorenteam vor ein paar Jahren publiziert und mir ein Bild machen, ob es seitdem zu Fortschritten gekommen ist und im Anschluß berichten.

Champagner für alle!

Phase 1 der Re-Immigration ist abgeschlossen: ab Anfang November hat mich der Ernst der Arbeitswelt wieder.

Phase 2 (Wohnungssuche) wird ab jetzt mit Hochdruck betrieben – Zielgebiet ist der Münchener Westen. Also, falls wer was hört – schickt die Horden potentieller Vermieter zu mir.

Schwarmintelligenz

Wenn mich wer fragt, ob ich richtig häßliche Wörter kenne, fallen mir quasi aus dem Stand gleich drei ein: Rauhreif, Bodenfrost und Überfrierendenässe (doch, doch, das gilt als ein Wort).

Also, wenn ich ein Vöglein wär, würde ich es jetzt machen wie alle anderen: mich mit meinen Kumpels auf der Abflugwiese treffen und dann nix wie ab in den Süden, sonst http://bzfd.it/1jykdLL.

Heitere Berufsberatung oder “Folge deinem Gefühl. Bewirb dich jetzt!”

Dramatis Personae: Berufsberater Mayer (hinfort “BB”, sprich “Bibi”) sowie Hänschenklein (hinfort “Hä”, sprich “Häh?”)

BB: “So langsam weiß ich wirklich nicht mehr, wo ich Sie noch vorschlagen soll, junger Mann… Wie man mir sagt, haben Sie in zwei Wochen Praktikum als Verkaufsheld für Theken- und Telefonverkauf nicht eine Theke an den festen jungen Kundenstamm losgeschlagen und als Vollblutverkäufer für Treppenlifte im Außendienst haben Sie sich dem Vernehmen nach schon am ersten Tag durch Höhenangst disqualifiziert. Mei, mei, mei. Aber, wie ich immer sag, nicht verzagen, sondern Ärmel hoch krempeln mit dem Spirit auf „Go“, gell? Dann schauen wir einfach mal, was noch gesucht wird. Sie bringen wir schon noch an den Mann! [Schaut mit zusammengekniffenen Augen in seinen Monitor und scrollt das Mausradl heiß.]

Hä: [Schaut zu.]

BB: Wie steht’s denn um Ihr Multi-Tasking? Können’S das? Da hätt’ ich zum Beispiel eine Stelle als Mehrfachagent? Oder, wenn Ihnen sowas mehr liegt, gäbe es hier auch Mehrkörpersimulation? Da bräuchten’S halt eine intelligente und plakative Kommunikationsfähigkeit.

Hä: [Schaut.]

BB: [Schaut zurück.] A-ha. Also eher nicht. Vielleicht dann was, wo Sie sich auf nur ein Thema konzentrieren? Zum Beispiel Spartenverantwortlicher Wasser?

Hä: [Schaut und murmelt.]

BB: Wie? Nichtschwimmer? Und beim Seepferdchen beinah ersoffen? Dann ist das vielleicht doch noch nicht das Richtige. Dann lassen wir das mit dem Data-Steward am besten auch gleich bleiben, nicht, daß der Arbeitsplatz am Ende noch ein Kreuzfahrtschiff ist, haha.

Hä: [Schaut.]

BB: [Bedauert, daß sein Witzle nicht ankam, läßt sich aber nichts anmerken und scrollt weiter. Hält an, liest, schüttelt den Kopf, liest nochmal, grinst.] Jetzt, glaub ich, habe ich den idealen Job für Sie. Demütigung der Sekretärin*. Na?

Hä: [Schaut nicht einmal mehr.]

BB: Ja. Nein. [Kopfschüttelnd und beiseit:] Da muß ich doch a mal ein ernstes Wort mit der IT-Abteilung reden… [Wieder an Hä gewandt.] Aber wo wir gerade quasi eh im Bett sind, haha, hier könnten Sie’s zum Manager Bedding & Pillow bringen, gesetzt den Fall, Sie schreiben modern und fehlerfrei und außerdem, seh ich noch, Telefonbeherrschung ist Bedingung. Na?

Hä: [Schaut und murmelt.]

BB: Wie bitte?

Hä: [Murmelt.]

BB: Ah so, Sie wollen unter sich keine Sklaven sehen und über sich keinen Herrn? Also, leicht machen Sie’s mir mit so einer Haltung auch nicht gerade.
[Greift sich an den Kopf, tut sich ein bißchen leid, verharrt, nickt einmal, nickt noch einmal und wendet sich mit breitem Strahlen an Hä.] Haben Sie ein Glück! Gerade ist ihre Traumstelle hereingekommen, da können Sie heute noch anfangen. Wir suchen zur Verstärkung unserer Abteilung Inbetriebnahme einen Inbetriebnehmer.
Auf geht’s! Dawai, Pronto, Move it, Jalla!

Wie üblich ist alles, was kursiv hervorgehoben ist, wörtlich einem Online-Stellenangebot entnommen.

 

* Da hat’s mich auch gerissen, da ist der Süddeutschen das “Erotik Highlight der Woche” irgendwie in die Stellenangebote gerutscht. Hat der Redakteur vielleicht ein bißchen zu viel “Secretary” geguckt… (s. http://imdb.to/1GelF02).

Neu im Kabarett – Lach und Schießgesellschaft “Wer sind wieder wir”

Das neue Ensemble, bestehend aus Caroline Ebner, Sebastian Rüger, Frank Smilgies und Norbert Bürger hat heute eine Voraufführung gegeben und wenn die paar winzigen Texthänger, kleinen Längen und Baby-Holperer weg sind, dann wird das am 27. Oktober eine sehr schöne Premiere und jede/r sollte hingehen und auch Spaß haben und mir hinterher bestätigen, daß Caroline Ebner eine ganz besondere Multibegabung ist und lässig ihre drei Männer an die Wand spielt.