Was tun?

Die zweite große Lebensfrage eines Amerikaners ist laut Turbotax, dem größten Online-Steuererklärungshilfeanbieter, diese:

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(Sinngemäß: Sparen oder Ausgeben? Das große Dilemma mit der Steuerrückzahlung.)

Diese Frage war für uns Zugewanderte nie so wirklich schwierig zu beantworten, denn mit “Sparen” ist gemeint, dass der Steuerzahler das Geld gleich beim Staat liegen läßt, als Anzahlung auf eventuell möglicherweise irgendwann in der Zukunft fällige Steuern. Zinslos, wobei das nun heutzutage nicht mehr der maßgebliche Grund wäre. Wir wollten unser Geld im allgemeinen wiederhaben und fürchteten uns auch nicht eventuell möglicherweise irgendwann im nächsten Jahr, Schulden beim Staat zu haben (“to owe”).

Die erste der wichtigen Fragen, fragt ihr? Mann, ist doch klar: “Shall I stay or shall I go?”, in diesen Tagen häufiger durch den Zusatz “to Canada” ergänzt.

Berechtigte Frage

Vorhin im Bus: “Mama, Mama, jetzt sind wir schon drei Mal an der Haltestelle “Neuer Friedhof” vorbeigekommen, müßte die jetzt nicht endlich “Alter Friedhof” heißen?

Heda, Mai!

Herhören! Erste und letzte Warnung! Wenn du so weitermachst, wird dir der Beiname Wonnemonat entzogen und durch Zweitapril, billiger ersetzt. Nein, Widerspruch ist zwecklos. Du hast dazu nichts zu sagen.

Sei einfach sonnig und wonnig und alles ist vergeben. Zefix!

Schon wieder

Der MVV, lese ich heute, erklärt die neuesten S-Bahn-Ausfälle auf der Stammstrecke mit einer defekten Gleisstopfmaschine. Alles Quatsch! Die Gleis-Stopfmaschine funktioniert doch wie eine Eins.

Neu im Kino: London Has Fallen

Es gibt gute Actionfilme und es gibt schlechte Actionfilme und es gibt eine Produktion wie “London Has Fallen”.

Spoiler-Alert!

Der Plot ist eigentlich gut: der britische Premierminister stirbt nach einer Routineoperation und alle Staatslenker der (vorwiegend) westlichen Welt, inklusive Big Oil und exklusive des russischen Präsidenten müssen sehr kurzfristig zur Beerdigungszeremonie nach London anreisen und kaum sind sie eingetroffen, dann… Dann dürfen sich alle CGI-Experten austoben und London explodiert. Westminster Abbey? Knall, Bumm, Feuer, Rauchschwaden, Schutt, Asche. Alle wichtigen Themsebrücken? Knall, Bumm, Feuer, Rauchschwaden, Schutt, Asche. Buckingham Palace? Der Tower? St. Paul? The Eye? Genau: Knall, Bumm, Feuer, Rauchschwaden, Schutt, Asche. Und so weiter, bis kaum mehr ein Stein auf dem anderen steht und fast alle tot sind.

Fast alle? Ja, noch lebt er, der amerikanische Präsident. Und warum das auch so bleiben wird? Weil er ein gutes Händchen bei der Einstellung seines Ober-Man-in-Black (Gerard Butler) bewiesen hat – der schießt, sticht und würgt die Bösen, wo er sie trifft. Jeder Schuß letal, jeder Stoß eine Leber, jedes Genick ein Bruch. Das Schurkenkillen zieht sich über eine gute Dreiviertelstunde, mal aus dem Helikopter, mal aus dem Auto, mal per pedes (rennend, versteht sich) und dann kommt’s zum großen Showdown: der gepanzerte Wagen aus dem Fundus des britischen Geheimdienstes hält einem Rammangriff nicht Stand (typisch Engländer!), überschlägt sich, der Sicherheitsgurt sitzt bombenfest (hihi), dem Helden wird sein Präsident weggenommen und soll zur Primetime vor laufenden Kameras exekutiert werden. Ahaber nicht mit Herrn Butler! 100 Terroristen in der Londoner Terroristenzentrale? Das ist exakt genau der richtige Ein-Mann-Job für ihn!

Knall, Bumm, Feuer, Rauchschwaden, Schutt, Asche, Blut, Schreien, Stöhnen (die anderen). Präsident befreit, Kopfwickelfeinde alle tot, MI-6 Maulwurf exekutiert, Held gerade noch rechtzeitig zur Entbindung der hochschwangeren Blondgattin daheim und weil er so ein dermaßener Held ist, ist auch das Kinderzimmer keine Baustelle mehr, sondern ein pastelliges Paradies. Und dann sitzt er da, der große Killermaschinenmann mit den Bärenpratzen und hält sein winziges Wutzeltöchterchen (mit extra nachgefeuchteten Haaren) und sie schauen miteinander Faux News, wo Vizepräsident Morgan Freeman gerade mit staatstragender Stimme erklärt, der Krieg gegen den Terror, inklusive gezielter Drohnenschläge auf Hochzeitsgesellschaften sei der einzige Garant für die Freiheit der westlichen Welt und unsere Kinder. Was bleibt einem Helden da zu tun? Er tut, was er tun muss: legt das Kind weg, geht zu seinem Mac und löscht seine Kündigung. Film aus.

Amerikanische Propaganda finanzieren traditionell die Heeresgattungen und die Geheimdienste. So ein Film braucht kein Crowd Funding, die Crowd soll einfach nur noch mal eingehämmert kriegen, dass der Westen gut, und die Nachthemdträger aus den staubigeren Ecken der Welt böse Terroristen sind.

Nicht anschauen.

Von wegen!

50 ist das neue 30

Neinneinneinneinnein!

50 ist 50 und wesentlich näher am Rentenalter als 30! Und das ist gut so.

Dernière

Ich mag letzte Vorstellungen auf dem Theater genau so sehr wie erste und habe mich darum sehr gefreut, dass ein kleines Häuflein Aufrechter mit mir am Samstagabend nach Tölz gefahren ist, um die Dernière von Penelope (https://flockblog.de/?p=30502) anzusehen. Es hat sich sehr gelohnt, die Premierenaufregung war verflogen, alle hatten sich freigespielt und waren mit der genau richtigen Mischung aus Spaß und Wehmut dabei. Ganz großes Lob!

Aus is, gar is und sehr schad is, dass wahr is.

Neu im Kino: How to Plan an Orgy in a Small Town

Es scheint sich um ein Thema zu handeln, das wesentlich mehr Menschen unter den Nägeln brennt, als man gemeinhin annehmen würde, denn es gelang Autor und Regisseur Jeremy LaLonde und seinem Team in recht kurzer Zeit via Crowdfunding 135,000 Dollar einzusammeln. Herausgekommen ist eine nette herzerwärmende Kleinstadtkommödie über das Erwachsenwerden, das, was die Nachbarn sagen und denken, und, tatsächlich, Sex. Bei dem die Beteiligten nackt agieren, denn es ist ein kanadischer Film.

Genau das richtige für einen verregneten Pfingstsonntagabend auf dem Sofa. Anschauen!

Kolportiert

Die Freundin eines meiner Freunde ist Frisörin und damit Angehörige eines Berufsstandes, dessen Kunden dem Glauben anhängen, über die Dienstleistung hinaus den Anspruch zu haben, dem/der Schnibbelnden wenigstens ein Ohr abzukauen.

Einer ihrer Stammkunden hatte ihr denn auch über lange Jahre von seinen vielen Versuchen erzählt, seine liebe Gattin zu einer gemeinsamen Reise nach New York zu überreden, allein, Madame sahen sich nie reisefähig in ein Land, in dem es von Schwarzen, also in ihrer Weltsicht Vergewaltigern, Dieben und Mördern nur so wimmele. Nichts da! Erst das Argument, dass es nun dort einen schwarzen Präsidenten gebe, der sich in nunmehr fast zwei Amtszeiten keines dieser Vergehen schuldig gemacht habe, ließ sie gelten und so checkte das Paar in diesem Frühjahr endlich im Waldorf Astoria ein. Der Big Apple zeigte sich von seiner besten Touristenseite, die Frau Gemahlin war auch beinahe mit Amerika versöhnt, doch dann geschah, was geschehen mußte: sie betrat den Waldorf-Lift, ein einzelner schwarzer Mann darinnen, und der sprach: “Down, Lady?”. Sie hatte es ja immer schon gewußt… und warf sich, das Fragezeichen am Ende des Satzes vorurteilsbedingt überhörend, sofort flach auf den Boden. Man fuhr in die Lobby. Der schwarze Mann stieg aus. Sie dann auch. Unbeschadet, denn im Waldorf könnte man vom Boden des Aufzugs je-der-zeit essen. Kein Staubkörnchen.

Das Paar betrat fürderhin auf Madames Wunsch Aufzüge nur noch gemeinsam, verbrachte auf diese Weise doch noch ein paar schöne Tage in New York, und fand bei der Abreise statt einer Zahlungsaufforderung ein Briefchen an der Rezeption: er habe, schrieb der schwarze Mann, angesichts der Situation neulich im Lift so sehr lachen müssen, dass er sich geehrt fühle, die Rechnung des Paares zu begleichen. Win:Win, oder? Will Smith bezahlt seinen Drehbuchautoren sonst sicher viel mehr Geld für die Entwicklung von garantierten Lachern.