Mehr Stoff

‘Wenn schon Mitbringsel aus Oregon (s. a. https://flockblog.de/?p=30658), dann soviel, dass es mindestens für einen zweiten Naschtag reicht – am besten vor einem langen Wochenende, damit die Kollegen am Dienstag wieder fit für seriöse Nachrichten sind, höhö’, muss dem seit seiner Rückkehr dauerbekifften Reisenden durch den Kopf gegangen sein, als er die Tüten verteilte. Bei den anschließend ca. 30 cm über dem Boden schwebenden Spon-Fogheads sind als Nebenwirkungen diesen Samstag wieder gehäuft schwere Fälle von Alliterationstourette (Ferrari verfahri), Dichterwortmißbrauch (So wild nach deinem Erdbeer-Salat), Inrätselnschreiben (Zwangsbekleidet ausgeschieden) sowie ganz ganz schlechtem Wortspiel (Eine Frage der Ähre) zu beobachten.

Hoffentlich ist das Zeug jetzt endlich aufgeraucht.

Fünfsterne-Bewertung

Wer online kauft, liest Bewertungen. Zum Beispiel diese:
Als ich diesen kabel gekauft habe dachte ich es würde nichts tauchen, aber ich hatte eine gute überaschung als ich es bekam.*

Wer online kauft, hat manchmal das Bedürfnis, Bewertern zu antworten. Zum Beispiel so:
Bestimmt, weil es mit Taucherbrille und Schnorchel ankam, oder?

 

* Nein, ich habs nicht erfunden – hier: http://amzn.to/1se4ki0

Völlig überfordert

Ich wollte Hosen. Neue Hosen. Keine mit Löchern drin, solche hab ich schon, warum sonst würde ich neue brauchen? Auch keine mit Flicken drauf, wenn ich so gut nähen könnte, bräuchte ich keinen Ersatz. Neue Hosen eben. Keine gebrauchten (“used”), schon gar keine zerstörten (“destroyed”) oder von Greisen gewaschene (“old washed”). Ich brauche auch keine Beinkleider, die mir Rechenaufgaben stellen – wieso Dreiviertel-, Fünfachtel-, Viertelvorzwölftelhosen, wenn ich einfach was suche, das das Bein bedeckt? Ich gedenke auch weder einem Bengalin (was ist das eigentlich?) noch einem Harem, Palazzo oder Pump beizutreten und von den derzeit in Verbindung mit diesen Bezeichnungen verkäuflichen hypermodischen Farbenfohmustern kriege ich Migräne. Und was zur Hölle sind Treggings? Jeggings? Biker-Sweats?

Wenn ihr wissen wollt, wie ein Fashion Victim wirklich aussieht – schaut mich an. Ich glaube, mir bleibt nur ein Ausweg: wo ist gleich die nächste Flicknähereischule?

Schöne neue Arbeitswelt

Heute habe ich gelernt, dass sich die Geologie häufig eines “Messmolchs” bedient. Das ist nicht, was sehr hübsch gewesen wäre, ein eigens abgerichtets Tier, sondern ein Werkzeug, gerne kugelförmig. Was es genau tut, konnte man mir allerdings nicht erklären. Messen, halt.

Neu im Kino

Mein Cineasten-Newsletter meldet neben schon wieder Marvel-Zeugs zwei neue Produktionen:

  1. Sharkansas Womens Prison Massacre
    Plot: Five escaped prisoners (Dominique Swain, Cindy Lucas)* use their guns and wits to battle prehistoric sharks that attack on land. 
  2. Pride and Prejudice and Zombies
    Plot: Five sisters in 19th century England must cope with the pressures to marry while protecting themselves from a growing population of zombies.

Ich nix Zielgruppe. Ich lieber Blumen auf Tapete zählen. Oder Löcher in Luft starren. Oder andere Dinge tun. Oder einfach mal nichts.

 

* Bei mir sind das nur zwei, aber vielleicht hat der Hai die anderen drei schon gefressen.

Fremdschämen

Irgendwo, auf einem der vielen freien Ablagepodeste in der Waschküche, liegt, was ich für einen ordentlich zusammengefalteten Stapel gewaschener und getrockneter Wäsche halte. Für einen anderen Nachbarn scheint es allerdings ein Dorn im Auge zu sein, denn er hat dem Stapel einen anonymen Brief geschrieben. “Das Zeug liegt schon seit einer Woche hier wenn das jeder täte wenn nicht bis Samstag verschwunden werde ich spenden Hochachtungsvoll.”

Mich dauert dieser Mensch, der offensichtlich nichts besseres zu tun hat, als den Waschkeller zu kontrollieren. Vielleicht könnte ich ihm für den Anfang ein paar Satzzeichen schenken?

Nathan der Weise im Volkstheater

Sehr geehrter Herr Stückl,

wir scheinen uns einig zu sein, dass der Herr Lessing kurz vor der französichen Revolution das große Stück der Aufklärung und ein Plädoyer für Toleranz verfaßt hat und sprachlich so sehr begabt war, dass Sie, Herr Stückl, in Ihrer Inszenierung auch einige Textzeilen im Original belassen konnten. Des weiteren, dass zu einer ordentlichen Weltreligion eine ordentliche Kleiderordnung gehört, weswegen Sie, Herr Stückl, die Muselmanen in Hängehinternharemshosen, Kaftan und Kopfwickeln auftreten ließen, die Christin im knitterfreien 50er-Jahre-Treviera-Kostüm in Madenbauchbeige und den Christen in der ebenso gräßlich beigen Hochbundhose aus dem Partnerlook-Ensemble für den Herrn und mit Uniformhemd, weil Tempelherr und den Juden schließlich im Mallorca-Rentner-Outfit mit Unfarbgraublouson und Bequemschuhen. Was sagen Sie? Nicht das Scheußlichgewand, die Yarmulke dazu sei die Botschaft gewesen? Ah so. Nun gut. Und darum trägt des Nathansche Ziehkind Recha auch so ein Ichweißnichtwas-Kleidchen mit riesigem Rückenausschnitt, weil sie zwar getauft und damit per definitionem Christin ist, aber im jüdischen Glauben großgezogen wird? Ja? Das hätte ich am Christenbeige des Modells erkennen können, wenn ich aufgepaßt hätte? Wenn Sie das sagen…

Manchmal bin ich anscheinend geradezu hartnäckig doof – erklären Sie mir doch bitte, Herr Stückl, was Sie uns mit der schwarzparkettenen Bodenwellenbühne sagen wollten? Sowas wie “meine Schauspieler schaffen es auch in hohen Schuhen auf dem Ding ohne Stürze rauf und runter zu rennen”? Wieso haben Sie im zweiten Teil so stark gekürzt, dass die Stimmungswandel des Tempelherren nur mit einer schweren Persönlichkeitsstörung zu erklären sind und warum wurde er keinem Arzt vorgestellt? Bedeutet Nathans stumme Zigarette danach, dass August Zirner (im übrigen ein brillianter Nathan!) es keine Minute länger ohne Nikotin ausgehalten hätte oder soll sie eine tiefere Bedeutung haben und wenn ja, welche? Und warum, Herr Stückl, können Sie einfach keine Frauen?

Ich verlasse das Theater so ungern mit offenen Fragen und sehe Ihrer Antwort daher freudig entgegen. Beste Grüße und so weiter.

Bisher nur in XRY

Aber wenn es nach mir ginge, hätte ich so einen kleinen Zufluchtsort, um sich mal eben zu sortieren, gerne überall. Auch zum Mitnehmen.

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