Ach, Schweden (unvollendet)

Du Land, wo es nur nachts regnet, du Land, in dem die Sonne nie untergeht und deren Schein Menschen milde bräunt und blondiert*

Backpapier

keine besteckschubladen

doppel d, verkehrszeichen

kalte Winter, Axtmörder, Eis & Schnee, Tote im Götakanal.

 

* “Wie?”, höre ich die Zweifler und Ungläubigen schon rufen. “Du, ausgerechnet du, schwärmst von einem Land,

Thanks for checking on me

You guys, thanks for reaching out – luckily, I wasn’t even close to the shopping mall in Munich where people were killed and injured by a shooter.

[Die Umstände sind vollkommen andere, als damals bei der Explosion der Gasleitung in San Bruno – die Sorge der Freunde von der anderen Seite des Atlantik ist dennoch genauso wohltuend.]

Lucky Star

Manchmal denke ich mir schon, dass ich unter einem Stern stehe, der meine Wege geschickt leitet und der mich im Jahr von Obamas Wahl in die USA führt und im Jahr vor Trumps Wahl heil wieder raus.

Just sayin’.

Ferienbücher

Louis Sachar: Holes
Diesen amerikanischen Jugendbuchklassiker über Strafe und Erlösung habe ich noch auf der Hinreise rasch weggeatmet und war angemessen erfreut.

Jonathan Littell: Die Wohlgesinnten
Das Buch war mir seinerzeit im Trubel meines Umzugs nach Amerika entgangen und dann war irgendwie die Zeit nie richtig oder vorhanden. Außer jetzt. Ich habe mir selten bei einem Buch so sehr gewünscht, dass ich es endlich ausgelesen haben werde und die Welt dieser fiktiven Memoiren eines erfolgreichen und hochgebildeten SS-Mannes endlich wieder verlassen darf und möchte dennoch keine Leseminute missen. Man braucht Zeit, und es ist gut, wenn jemand da ist, der in den Lesepausen beim Nachdenken hilft.

Jon Fasman: The Geographer’s Library
Nach einem fulminanten Start und einer mit Freude gut entwickelten Hauptfigur (Jungreporter bei seiner ersten investigativen Reportage über einen ungeklärten Todesfall) verzettelt sich der Autor in hübschen Nebengeschichten und dann wickelt er den Rest des Buches ohne große Einfälle ordentlich ab. Schade; die Idee um die alchemistischen Artefakte und ihre Historie ist gut, er hätte vielleicht vor dem Schreiben auch das andere Creative Writing Seminar besuchen sollen, nämlich das zum Thema “Wie beende ich mein Buch, damit der Leser nicht enttäuscht ist” .

Hej da, Schweden!

Ich weiß ja nicht, wie Abschied früher klang, aber ganz sicher, welches Geräusch heutzutage untrennbar damit verbunden ist: das Zuziehen eines Reißverschlusses. Durchs Otterbäckener Häuschen zippt es, dann nochmal rundgehen und Vergessenes einsammeln, wieder zippen, dann einladen, von Håkan verabschieden, dabei schon irgendwie sagen wollen “bis nächstes Jahr” oder gar sein Angebot zum Kauf des Häuschens annehmen und dann auf den Huvudväg.

In vielen Ansiedlungen wehen Wimpel und Fahnen von Zinnen (oder Laternenmasten), das ist aber nicht wegen uns, sondern weil man offensichtlich im schwedischen Sommer gerne Riddarspelen veranstaltet. Ich erwäge im Vorbeifahren spontan die Mitgliedschaft im Sofiel- undgolfclub, es schmälert meine Begeisterung kaum, dass wir ein paar Kilometer weiter an Sofielund vorbeifahren und sich mein neuer Universalclub als Verleser entpuppt. Das geht hier allen so, auch dem Navi, dass uns über Obstsalat (Uppsala) nach Eilanda (Arlanda) dirigiert und dann ist das Auto abgegeben und wir drängen uns durch laute und – nach so viel frischem Mückenwind – geruchsintensive Ansammlungen hektischer Menschen zu unserem Gate und dann fliegen wir heim und sind wieder da.

Das ist schon schön, wenn Heimweh ein Fremdwort bleibt und man gerne noch länger geblieben wäre.

Danke, Schweden!

Und auf einmal ist es dann fast schon vorbei: die letzte Exkursion in den Wald, eine allerletzte noch einmal hinunter zum See zum bisher schönsten Sonnenuntergang von allen und dann kommt die Erkenntnis, dass dies heute das Last Supper und morgen früh dann wirklich unwiederbringlich das letzte Frühstück sein wird. Dabei sind wir doch erst gefühlte drei oder so Jahre hier und die Bücher noch nicht alle ausgelesen und erst einer von den Strickpuschelsocken fast fertig und alles ist genauso, wie Tucholsky das (in inzwischen durch leider viel zu häufigen Gebrauch etwas abgenutzten Worten) geschrieben hat: Wir lagen auf der Wiese und baumelten mit der Seele. Der Himmel war weiß gefleckt; wenn man von der Sonne recht schön angebraten war, kam eine Wolke, ein leichter Wind lief daher, und es wurde ein wenig kühl. Ein Hund trottete über das Gras, dahinten. ›Was ist das für einer?‹ fragte ich. – ›Das ist ein Bulldackel‹*, sagte die Prinzessin. Und dann ließen wir wieder den Wind über uns hingehen und sagten gar nichts. Das ist schön, mit jemand schweigen zu können. Aber der Wind hat gedreht, und das ist seit Mary Poppins ein untrügliches Zeichen, dass eine Abreise bevorsteht.

Christoph recherchiert die Route zum Flughafen (wir haben treffsicher den einzigen Autoverleih ausgesucht, dessen Wegbeschreibung mit den Wort beginnt: “Machen Sie alles, aber biegen Sie bloß nicht am ‘Rental Car Return-Zeichen’ ab”) und dann bricht die Welt über uns herein. Nach dem gestrigen Anschlag in Nizza, heute der Putschversuch in der Türkei und wir kleben an den Sozialen Medien und CNN (wir hätten gerne und lieber BBC World geguckt, aber bleiben stur bei ihrem Porträt vom zukünftigen Ex-Präsidenten der Vereinigten Staaten) und als wir endlich schlafen gehen, ist eigentlich immer noch nichts klar, außer, dass der CNN-Anchor in direkter Linie von Mayflower-Reisenden abstammen muss, denn er war schon recht entrüstet, dass da in Istanbul noch so viele Menschen auf der Straße sind – man denke: “half an hour past midnight”.

Was mir am meisten fehlen wird? Das Licht. Es wird nie wirklich dunkel; die Sonne macht irgendwann weit nach 22:00 Uhr nach einem spektakulären Abgang einer hellen Dämmerung Platz und kommt gegen 03:00 Uhr früh schon wieder zurück. Und dann das Softeis… Und die springenden Fische im Teich und die hohen hohen Baumwollfelder (okay, das letztere war gelogen, aber jeder Tag in Otterbäcken klang wie Janis’ Summertime (http://bit.ly/1eWHkYZ).

Gibt es denn an diesen schwedischen Ferien gar nichts zu meckern? Ja. Doch. Zwei Dinge. 1. Schweden bettet seine Gäste gerne sehr sehr weich und das ist nix für teutonische Reckenrücken und 2. Schweden ist Mitglied eine großen weltweiten Verschwörung. Die haben hier nämlich gar keine Elche. Nur Warnschilder.

 

* Tiere erfinden ist die einzige Pflicht, die Schweden seinen Touristen auferlegt: Unser Beitrag sind zottelflauschige Hundsschafwollponies.

Heute: Auch Nichts bzw. “Ganz pfön viel Gepfziehe”

“Und die  Sonne geht auf und unter* und zieht über uns hinweg. Und der Mond** geht auf und unter und zieht über uns hinweg und die Sterne*** gehen auf und unter und ziehen…”

* Aber nur ganz kurz.

** Aber nur grad mal halb so hoch wie daheim.

*** So licht, wie das hier mitten in der Nacht ist, sind nur die allerhellsten drei zu sehen. Aber das gildet.

Heute: Nichts

Endlich “Die Wohlgesinnten” ausgelesen und einer und einem jeden ans Herz gelegt. Ein sehr großes Buch!

Nachschub

Mjölk aus, Saft aus, Wein aus. Kein Fleisch, kein Fisch und kaum noch Schokolade – es hilft nicht, wir müssen tatsächlich unser Häuschen verlassen und unter die Menschen. Ganze 10 Minuten Fahrt, bis nach Gullspång…

Dafür rühren wir uns aber die verbleibenden drei Tage nicht mehr von der Stelle.

Der Schwedeneffekt

Frage: “Wenn am Sonntag Fußball war, welcher Tag ist dann heute?”

Antwort: “Heute ist der Tag, an dem die Mjölk ausgeht.”