Ich packe meinen Koffer

Ein. Und Aus. Ein. Und Aus. Was nach Atemübung klingt, ist bei mir der VWK (Vierwochenkoffen – klingt besser als “Koffer“, oder? – für Krankenhaus und Reha) und steht mir hier oben! Ich habe bis dato immer gerne gepackt, denn dann gings auf Reisen und wenn keine sauberen Klamotten mehr übrig waren, ging es mit vielen neuen Eindrücken wieder nach Hause. Aber der VWK der schafft mich.

Für heute habe ich ihn einfach erst mal aus dem Weg geschoben. Mag nicht schon wieder alles zurück in Schränke räumen. Vielleicht morgen. Vielleicht orientiere ich mich aber auch an Mary Poppins und dirigiere die Inhalte mit einem Liedchen auf den Lippen zurück, wohin sie gehören. Doch, das ist eine schöne Vorstellung. Ich öffne alle Schranktüren und Schubladen, entfalte meinen Faltstock, stimme mein Ordnungschanson an und stehe stockschwingend schön mittig im Raum, während alles – und zwar ordentlich und wohlgefaltet – wieder auf seinen Platz segelt.

So mak wi dat.

Karma is a Bitch

Mit meinem seit gestern zu allem Überfluß auch noch frisch punktierten Knie habe ich selten so dermaßen überzeugend mitleiderregend gehumpelt wie vorhin beim Einkaufen, mit allen Komponenten wie zischend durch die Zähne Luft einziehen und die Gesichtszüge schwer leidend verzerrt.

Sowas wird nicht besser, wenn alle paar Meter glänzende glücksverheißende Cents* gestreut sind. Da frag ich mich doch: hat Frau Karma schlecht geschlafen oder ist sie einfach eher der bösartige Typ?

* Um das Maß voll zu machen, waren es insgesamt auch noch glückszahlige sieben. Miststück.

Milchmädchenlinguistik

Wenn der Angelsachse sagt “don’t cry over spilt milk”, dann meint er, man solle sich über Dinge, die halt mal passiert sind und sind wie sie sind nicht unnötig echauffieren*. Ich bin inzwischen sicher, dass die Erfinderin des Idioms OP-und Reha-Termine hatte, am Aufnahmetag ins Krankenhaus brav Verderbliches aus dem Kühlschrank entsorgt und die Restmilch weggeschüttet hat, um dann, frisch heimgeschickt, einen Tag danach die Vorräte wieder aufzustocken.

Soviel Gelassenheit kann ich nicht und neige doch eher zu “Drop the Surgeon, uh uh”.

* In der österreichischen Operette geht man noch einen Schritt weiter und empfiehlt gleich Amnesie: “Gliecklich iiist, wer vergiiieeßt, wos holt nicht zu ääändern iiist”.

Rechenaufgabe

Wenn ich das letzte Mal unter 24 Stunden gebraucht habe, um nicht operiert zu werden und dieses Mal schon über 30: wie lange dauert es dann, bis ich endlich ein neues Knie bekomme?

Krankenhaus, außen. Klappe, die zweite

Ich habe keine Worte, um zu beschreiben, wie dick ich es habe, dass man mich schon wieder nicht als operationsfähig befunden und nach Hause geschickt hat.

Wenn’s ein Witz wäre, hätte er Aussichten auf den schlechtesten dieses Jahrtausends. Ist aber keiner. Wieder Tests. Wieder warten. Frühester neuer OP-Termin (sollten die Tests negativ zurückkommen) ist in drei Monaten; da hatte ich eigentlich geplant, längst wieder herumzuspringen.

Ich habe angefangen, Astrid Lindgrens Tagebuecher 1939 – 1945 zu lesen und sie hat die Worte gefunden, die mir fehlen: „Man kann sich immer damit troesten, dass es noch schlimmer werden wird“.

Krankenhaus, innen. Klappe, die zweite

An Bademantel, Turnschuhe, Haarspangerl, dies, das, jenes, extra Minzbonbons, Strickwolle, Musik, Filme und Lektüre gedacht (wird nicht reichen, habe mir aber sagen lassen, es befinde sich “ein netter Buchladen gleich in der Nähe” meiner kronprinzlichen Residenz), Post auf lagernd umgestellt (bin gespannt, was die gelben Helden dieses Mal anrichten), Aufnahmetermin beim Krankenhaus bestätigt, bei der Pedikürin zum Zehennägel schneiden einschieben lassen (weiß ich, wie schnell ich wieder selbst dazu fähig bin), durchgefegt, Spülmaschine und Kühlschrank geleert, Pfefferminztopf mit einer Flasche der Selbstbewässerung überlassen, Müll runtergebracht, schweren Vierwochenkoffer zur Abfahrt heruntergewuchet. Also von mir aus kanns losgehen.

Man hat mir gestern schon gesagt, dass ich dasselbe Aufnahmeritual wieder durchlaufen darf, obwohl das letzte eigentlich gerade mal 6 Wochen her ist und ich mich noch gut an alles erinnern kann. Das heißt, ich werde heute Nachmittag auf meinem Krankenlager von lauter Menschen aufgesucht, die einen Pflegeberuf ergriffen haben und von denen aufgeklärt, wie mit Schmerzen und Narkose und Nahrungsaufnahme und dem prä-operativen Leben im allgemeinen und dem post-operativen im besonderen umzugehen sei.

Ich melde mich per flockblog, wenn ich wo ein Internet finde. Ansonsten Telefon.

Schon länger im Kino: Toni Erdmann

Ich hatte seinerzeit schon beim Trailer das Gefühl, dass das nicht so mein Film ist – aber, hey, ich lasse mich ja gerne eines besseren belehren und der Film ist mit Preisen nur so zugeschmissen worden, vielleicht ist ja doch was dran.

Dann das: Eine junge Frau verliert sich selbst vor lauter Karrierestreben und ihr Papa rettet sie und zeigt ihr den Sinn des Lebens. Da! Ich habs doch auch hingekriegt, diese über zweieinhalb qualvollen Filmstunden in einem Satz auszudrücken und dazwischen gäb’s auch noch eine Knappfünfminutenfassung: Whitney Houstons “The Greatest Love of All”.

Ich bin als Toni Erdmann-Zuschauerin fehlbesetzt, aber ich träfe gerne jemanden, dem der Film gefallen hat, damit der mir erkläre, was an ihm dran ist. Außer sehr guten Schauspielern.

B’schtellt is b’schtellt is b’schtellt

Die Post teilt mir per e-mail mit, dass sie mir den Lagerauftrag für meine vierwöchige Abwesenheit aus Datenschutzgründen (wtf?) per Post zuschickt, die Rehaklinik versichert auf Nachfrage, dass man mir alle Unterlagen längst zugesandt habe, meine Gewährsamerikanerin aus Palo Alto ist beleidigt, weil ich immer noch nicht auf ihre Weihnachtsgrüße reagiert habe – bloß: in meinem Briefkasten herrscht seit zwei Wochen gähnende Leere. Nix, nix und nix. Kein Brief vom Chiemsee, keiner aus Amerika und schon gar nichts aus Bonn. Mich beschleicht ein Verdacht: Die werden doch nicht etwa? Oh doch! Heute entnehme ich dem Briefkasten zwei dicke Kuverts mit der Aufschrift “Schön, dass Sie wieder da sind.” Herrschaften, ich war nie weg! Diese Knallchargen haben brav meinen längst stornierten alten Lagerauftrag ausgeführt und heute meine Post mit dem Vermerk “zustellbar ab 28.01.2017” zugestellt.

Wenn die gemeine Kundin mal so aus Interesse herausfinden will, wie es eigentlich um die von ihr bestellten und/oder stornierten Webservices steht, stellt sie zunächst einmal fest, dass es auf der Website keine Kontakttelefonnummer gibt. Aber eine Chat-Option. Von mir aus. Frisch getippt und mein Anliegen im Scrolldown-Auswahlmenü angeklickt und mit Bestellnummer und allem Trara vorgetragen, “Adelheid Schumberger” jedoch streitet jede Zuständigkeit ab: für lagernde Sendungen möge ich bitte eine Bonner Telefonnummer anrufen. Ich hätte meine Post wirklich gerne, bevor ich einen Monat lang weg bin, also nochmal: von mir aus. Nachdem ich das Sprachauswahlmenü durchgestanden habe (“Option 1”. “Ihre Eingabe ist nicht verständlich. Meinten Sie Option 1?” “Jaha! Zefix!”), geht einer ran, der in seiner Freizeit als Erkan und Stefan-Double arbeitet. Meine Anfrage paßt nicht in seinen Gesprächsleitfaden und er versucht, die Vorgaben im freien Fall der Situation anzupassen. Klappt nicht. Irgendwann bricht es aus ihm heraus: “Was wollen Sie eigentlisch?” Ist doch ganz einfach Sterkan: Ich hätte gerne die Schreiben, die ihr mir aktuell vorenthaltet und ab Donnerstag hätte ich dann gerne, dass ihr die Post für mich aufhebt. Dafür habe ich auch schon zwei Mal bezahlt. Sterkan nimmt das als Reklamation auf und sagt mir ein Bestätigungsschreiben zu, ich trauere der verlorenen Lebenszeit nach und bin froh, dass er für die Bearbeitung meines Anliegens nicht mehr zuständig sein muß. S. o.

Aber Volksaktien ausgeben wollen.

Koffer voll

Ich wäre dann mal wieder soweit. Der Vierwochenkoffer für Krankenhaus und Reha ist gepackt, das Klein- und Nochvergessenzeug kommt am Donnerstagfrüh kurz vor der Abfahrt hinzu. Mein nicht gerade überoptimistischer Vater hat darum gebeten, angerufen zu werden, wenn sie mich dann am Freitag wieder heimgeschickt haben werden. Habe ich nicht vor.

Ich rufe ihn dafür am Freitag an, weil man mir ein Neuknie installiert haben wird. Erfolgreich.

Määääähhh!

Zu einem neuen tollen teuren Bett gehören auch nur die allerfeinsten Accessoires und so habe ich mir nicht nur einen feinen Lattenrost und eine schöne steinharte Matratze, sondern auch einen superduper Zwischen-Matratze-und-Lattenrost-Matratzenschoner geleistet sowie eine von glücklichen Schafen geschorene Zwischen-Laken-und-Matratze-Matratzenauflage. Und weil die gutorganisierte Frau am Wochenende vor der OP schon mal das Bett neu bezieht, damit sie das a) nicht im Humpelzustand nach der Reha machen muß, und weil sie außerdem b) dann eh schon genügend Schmutzwäsche mit nach Hause bringen wird, habe ich letzte Nacht zum ersten mal auf Schäfchenwolken geschlummert.

Das ist der Nachtruhe viel zuträglich als Tiere zu zählen. Und soo kuschelisch!