The Bad Plus in der Unterfahrt

Ich hatte versprochen, manche Bestandteile meiner Kultursommerwoche in separaten Beiträgen zu würdigen. Ich breche die Chronologie und schreibe mich mit dem Donnerstagskonzert warm, denn das ist ganz einfach: es war, wie zu erwarten, ein ganz großartiges Konzert und trotz aller Routine, die 170 Live-Auftritte pro Jahr bringen mögen, haben die Herren immer noch Spaß an ihrer Musik und es ist zu wünschen, dass sie auch in der neuen Besetzung (der Pianist Ethan Iverson scheidet zum Jahresende aus) weiter so gut harmonieren.

Ich bin da ganz eigennützig: Hauptsache, der Drummer (Dave King) bleibt.

Kultursommer

Man kann es sich leicht machen, und irgendwem, der vorgibt, sich mit sowas auszukennen, Tickets für einen bunten Strauß von Veranstaltungen, wg. Jahreszeit auch mal mutig draußen gegeben, abkaufen. Dann nur noch absitzen, an den richtigen Stellen klatschen, fertig.

Oooooder, man bastelt sich seinen kleine Auswahl in einer Art Bausatz selbst zusammen, dann kommt meine letzte Woche dabei heraus. Zum Einstieg was Leichtes, a bisserl a Jam Session in der Unterfahrt. Ist an einem hochsommerlichen Sonntag a bisserl a Risiko, weil auch der gemeiner Jazzmusiker dem Biergarten- und Badesee-Doppel-B nicht immer widerstehen kann und dann kommt halt koiner, der mitspielt und es bleibt bei der Gitarre-Baß-Schlagzeug-Besetzung, was auf die Dauer ein wenig wenig ist.

Als nächstes Castlevania, Warren Ellis’ Adaption des gleichnamigen Computerspiels, bei der die Zeichnungen die an perfekten Animationen geschulten Augen ein wenig irritieren, weil sie eher wie ein schnell durchgeblätterter Comic anmuten. Die dystopische Zeichentrickserie, spielend in der Walachei, als die noch Vampire-County war, mit viel Religionskritik sowie einer gescheiten (!) Blondine, einem unglaublich edlen Heldenritter und viel Verschwörungsgeraune, macht aber viel Spaß und endet mit einem Höllen-Cliffhanger. (Hätte ich auch mal vorher nachsehen können, dass die aus 8 Episoden bestehende zweite Staffel erst nächstes Jahr kommt. Hmmm.)

Am freien Abend rasch zum Masseur, auf dass der knete, dehne, strecke, was in den nächsten Tagen noch viel gebraucht wird.

Mittwochs: Die nächste Dystopie: paradies fluten im Volkstheater; hierzu folgt, voraussichtlich morgen, eine Einzelkritik.

Donnerstags: The Bad Plus in der bis zum allerletzten Plätzchen ausverkauften Unterfahrt. Auch hierzu mehr separat.

Freitags: Salong-Lesung in Schwabing. Eine ganz neue Erfahrung, ein sehr interessantes Auditorium und zur Würdigung im Solo-Post vorgesehen. (Mann, ich muß wohl Morgen den ganzen Abend schreiben und bin dann mit der Woche immer noch nicht durch…)

Samstags: Jedermann in Braunau. Außerdem Stadtführung. Anschließend Nachtleben. Detailbericht folgt demain, wenn ich demain noch kann. Sonst Über-Demain.

Sonntags: Jawoll, Gespräche mit klugen Freunden sind app-so-lut Bestandteil des Kultursommers. Aber sowas von. Außerdem Tomatenernte wegessen.

Gastfundstück

Der Euphemismus der Woche wurde mir vom Leser eines Interviews mit einem beim G20 eingesetzten SEK-Beamten zugetragen. Dieser Sondereinsatzkommandist sprach davon, dass man “Ablenkungspyrotechnik” eingesetzt habe – ein schöneres Wort für Blendgranaten ist mir bis dato noch nicht untergekommen.

Herzlichen Dank an Herrn M. aus K.

Tournee de Geriatrie

Mir werden alle nicht jünger. Diese Binsenweisheit sah ich dieser Tage wieder unter Beweis gestellt, mit dem Plakat unten in der U-Bahnstation, das die Band Münchener Freiheit im Konzert anpreist. Mit “Stargast” (nix “featuring”) Markus (bei dem, weil das Gedächtnis ja auch nimmer ist, was es mal war, in Klammern daneben steht, Markus sei der mit dem “Top-Hit” von der “Kleinen Taschenlampe”).

Davon, dass an dem Umstand wirklich nicht mehr zu rütteln ist und alle irgendwie mindestens Rücken haben, kündet seit heute ein nachträglich auf dem Plakat angebrachter feuerroter Aufkleber: das Zelt, steht da in schwarzen fettgedruckten Lettern, sei “voll bestuhlt”.

“Wie lange dauert noch der goldne Schimmer?”*

“Jetzt, wo die Abende wieder kühler werden”, habe sie, die süddeutsche Zeitung meines Vertrauens, ein paar Tips für mich, wie ich mich auch ohne Biergarten und Open Air Kino / Konzert / Theater oder sonst einfach draußen sitzen und nicht frieren gut unterhalten könne.

Moooo-ment! Was, bitte, soll das? Seit wann zählt Juli hierzulande nicht mehr zum Hochsommer? Hmmm? In der Bay Area hab ich im kalten neblig-grauen siebten Monate immer jedem, ob er es hören wollte oder nicht, von den hellen warmen Sommernächten meines Heimatlandes vorgeschwärmt und dann werden die einfach abgeschafft? Ohne, dass mich wer fragt? So geht das nicht, Herrschaften!

Her mit den lauen Nächten! Und zwar pronto!

 

* Bei JWG entliehen.

Mobilität und ihr Preis

Ich hätte aber sowas von kein Problem damit, wenn mein Auto nach Autonomie strebte und zukünftig selbst fahren wollte, solange es mich weiterhin dahin bringt, wo ich sein möchte und unter der Bedingung, dass es sich künftig selbst um so leidiges Zeug wie Auftanken, Werkstattbesuche, Ölwechsel, TÜV und, weil wir in einer Region mit Jahreszeiten leben, Reifenwechseln kümmern würde. Ich ließe sogar ab und zu Geld für eine Wäsche springen, von mir aus sogar die Luxusvariante mit Unterbodenschutz.

Weil’s aber nicht soll sein, habe ich selbst den Wagen jüngst endlich zum Reifenwechsel vorgefahren (zu meiner Entschuldigung sei angeführt, dass die Sommerreifen in einer Garage in Simbach lagerten und erst kürzlich den Weg nach München fanden) und eine Woche später dann schon wieder, dieses Mal zum Schrauben nachziehen. Schon dabei klapperten die Felgen im Kofferraum fröhlich umanand (weil die Winterreifen schon so alt und abgenutzt waren, dass sich das Einlagern nicht gelohnt hätte und das Einlagern von nackten Felgen nicht vorgesehen ist), wie an jedem Tag seither. Es hat mich auch jeden Tag gestört, aber ich habe mich einfach zum Ausladen und in den Kellerschleppen und -räumen nicht aufraffen können, weil erstens Fuß und zweitens Knie und drittens den Wohnanstaltbaumeistern seinerzeit der Begriff Barrierefreiheit nicht bekannt.

Weil das aber erstens kein Zustand und zweitens frau selbst die Frau ist, habe ich heute die Zähne zusammengebissen und sie einzeln, links das Geländer umklammernd, rechts die Felge (Merke: Felgen sind viel schwerer, als sie aussehen), Schrittchen für Schrittchen (erst den linken Fuß auf die Stufe heben, dann den rechten) jeweils 14 Stufen hoch nach oben verbracht, sie durch die Eingeweide der Anstalt geschleppt und anschließend in meinem Keller gestapelt. Das ist, wohlgemerkt, selbstverständlich der vorletzte in einer langen Reihe von Verschlägen und liegt hinter drei massiven Brandschutztüren.

Dabei zwei Dinge beobachtet: Zum einen, dass es nicht mehr so ist wie ehedem, als ich zwar auch schon nicht schwer heben konnte, das aber damit wettgemacht habe, dass ich einfach öfter hin- und hergelaufen bin und zum zweiten, dass Verschnaufpausen i-de-al sind, um ordentlich zu fluchen.

Cineasten-News

Vorhin die Vorankündigung zum Film “Killer Mom” gelesen. Festgestellt, dass es sich um eine Produktion aus der Reihe Casting by Alliteration handeln muß.

Starring: Karen Cliche, Kirby Bliss Blanton, Maddy Martin

Vom Kinobesuch abgesehen.

Saudusel

In einer Sommerwoche, in der es jeden Abend mindestens einmal tröpfelt oder gleich mit ordentlich Blitz und Donner richtig aus Eimern gießt, da muß man schon unter einem besonders guten Stern stehen, wenn der einzige Grund zur Beschwerde ist, dass durch den Brunnenhof ab und an a bisserl kühlere Winderl wirbeln.

Aber von Anfang an: ich hatte Christoph zu dessen Geburtstag Eintrittskarten zum gestrigen Konzert von Quadro Nuevo & Cairo Steps im Brunnenhof der Residenz geschenkt und weil das schönste und wertvollste Geschenk Zeit ist (Quelle: mannigfache Geschenkratgeber in einschlägigen Frauenfachmagazinen), meine Begleitung gleich mit. Ja, und bevor wer fragt: selbstverständlich war auch Eigennutz dabei.

Hach, so ein schönes Konzert! In, hach, so einem schönen Ambiente! Reinhören? Hier: http://bit.ly/2urI0X1. Reinschauen? Da:

brunnenhof

Ich hab mich so oft weggeträumt, in Wüsten und Pyramiden und tote Steine und immer wieder in der Münchner Sternennacht den Duft wuseliger Basare in der Nase gehabt, dass ich dieses nächste Hausarrestwochenende dafür nutzen werde, meine Weihnachtsferien irgendwo im Orient zu planen. Wird ja nicht gleich wieder ein arabischer Frühling ausbrechen, wie das letzte Mal…

Zwei Schritte vor und drei zurück

Ich hatte El Knie ja schon mehrfach eines Aufmerksamkeitsdefizits bezichtigt, bin mir aber inzwischen nicht mehr nur nicht mehr sicher, ob dieser Verdacht zutrifft, nein, ich bin vielmehr überzeugt, dass El Knie ein Achtsamkeitsfuchs ist und vor allem bei der Schilderung des Genesungsprozesses (nicht linear, bei jedem und jeder ganz unterschiedlich und vor allem immer auch mit Rückschritten verbunden, wenn man gar nicht damit rechnet) ganz genau zugehört hat und seinen Ehrgeiz darin setzt, alle diese Vorhersagen umzusetzen.

Nur so kann ich mir erklären, dass El Knie seit ein, zwei Wochen wie vom Wagen gefallen scheint. Das muss ich erklären: to fall off the wagon steht im angelsächsischen Sprachgebrauch dafür, dass jemand seine guten Vorsätze auf- und sich seinem Laster wieder hingegeben hat und rührt wohl aus den Fünfzigern, wo die großen Colleges noch Paraden organisierten, bei denen die Musikband auf einem der Paradewagen herumgefahren wurde. Nicht alle folgten der Auflage, alkoholfrei zu musizieren und… s.o.

El Knie und sein linker Fuß scheinen sich über die Neuausrichtung der Beinachse nicht einig zu sein und so hat sich der arme Fuß hat aus purer Notwehr in eine Sehnenscheidenentzündung geflüchtet. Sowas macht das Auftreten schier unmöglich, tut weh und heilt nur ab, wenn der betreffende Körperteil ruhiggestellt, hochgelagert sowie geschont  und gekühlt wird und deswegen wurde mir letztes Wochenende Hausarrest auferlegt. El Knie, in seiner Rolle als körpereigene Rampensau, kann mit soviel Ignoranz nicht umgehen (“Derr Schmerrrz, c’est moi!”) und fährt das volle Mupperprogramm, nach dem Motto, “wenn du mich nicht bewegst, dann halte ich die Luft an und schwelle wieder grün und blau. Ha!”

Ich hab’s einfach nur dick. Heilt doch alle und laßt mich schmerzfrei rumlaufen. Zefix.