Semantik

Ich dachte ja bisher, punktieren komme von “Punkt”. Do hob i mi abbr deischd. Punktieren ist vielmehr der medizinische Fachterminus für morgens um halb sieben der armen Frau Flock eine sehr sehr dicke Nadel ins Knie rammen, dann mehrfach schmerzhaft zu drehen und zu nackeln, bis die Patientin sich in Rückenlage an der Liege festkrallt und zischend Luft durch die Zähne einzieht und dann genüßlich (Arzt) und sehr sehr langsam eine sehr sehr große Kanüle mit Flüssigkeit aus dem Gelenk zu befüllen.

Danach düst der Arzt in den Urlaub nach Brasilien und die Kniekranke zur Arbeit, wo das Knie im Laufe des Tages auf Fußballgröße anschwillt und nach Hochlegen und feuchten Wickeln verlangt. Kriegt es jetzt.

Hoffentlich machen die dieses Mal nicht wieder Schmuddel in ihre Kultur und nicht nur Erst-, sondern auch Zweitergebnis kommen negativ zurück. Dann habe ich nämlich gute Aussichten, am 22. März endlich operiert zu werden.

Daumen drücken!

Jetzt aber, 2017

Wie ich höre, besteht bei den Menschen die Übereinkunft, dass 2016 unter den Jahren eines der beschisseneren war, mit viel zu viel gestorbener Musik und Türkei-Putsch und Anschlägen und Trump-Wahl und noch einem schlechten Star Wars Prequel aus dem Hause Disney sowie hinreichend individuellem Mist bei jedem und jeder Einzelnen.

Bis jetzt kann ich nicht finden, dass 2017 eine bessere Alternative darstellt. Obwohl um mich herum alle kränkeln und ich als einzige “still standing” bin, weil mein Immunsystem weder Viren noch Bakterien an mich heranläßt und obwohl Ärzte aller möglichen Fachrichtungen mir Pumperlgesundheit (doch, doch, das ist der Fachterminus) bescheinigen, bleibt mein Chirurg zurückhaltend in seiner Bereitschaft, morsche Knochen gegen ein Kunstknie zu tauschen. Ich fühle mich langsam, als bliebe mir nur die Wahl zwischen Hausarrest oder, wenn Bewegung außerhalb eines sehr engen Perimeters gewünscht ist, immer noch mehr schmerzunterdrückende Drogen zu schlucken, inklusive ihrer Risiken und Nebenwirkungen. Und beides ist nicht wirklich attraktiv.

Und dann hat mir dieses mein Super-Immunsystem, olé! letzte Woche so dermaßen viele Krankheitsvertretungsüberstunden eingebrockt, dass ich außer zum Arbeiten und mit Glück mal schnell einen Happen essen zu nix gekommen bin – an den Abenden hat mir dann meist recht schnell der Fernseher beim Schlafen* zugesehen und wie Buch lesen geht oder gar mit Freunden was unternehmen, weiß ich schon fast gar nicht mehr.

Inzwischen hat man mir den nunmehr dritten OP-Termin zugeteilt, weil der aber in einem anderen Krankenhaus als bisher stattfinden soll und man dort die Formulare, wenn auch unwesentlich, anders gestaltet, habe ich den heutigen Nachmittag wieder einmal mit dem Ausfüllen von Zetteln verbracht. Und nicht nur fürs Krankenhaus, auch die nunmehr dritte Reha-Einrichtung hat geschrieben, wie sehr das dortige hochqualifizierte Personal sich darauf freue, mit mir eine Anschlußheilbehandlung durchzuführen und ich möge doch im Vorfeld bitte die unwesentlich anderen Formulare ausfüllen. Leicht ist das nicht: Ich kann inzwischen einfach nicht mehr glauben, dass irgendwann ein Messer an mich gesetzt werden wird und erwäge mehr und mehr eine DIY-Prozedur unter Anleitung von Youtube-Tutorials. Und vor dem Kofferpacken graust mir direkt. Hrrrrggn!

So. Genug. Rant end. Bestimmt sind nächste Woche alle Kollegen wieder gesund und munter, der Chirurg glaubt mir, dass meine von der Norm abweichenden Werte kein Risiko für seine Erfolgsquote darstellen und 2017 wird noch ein ganz tolles Jahr mit einem superheißen Sommer, in dem ich wieder laufen kann. Und Schwimmen. Und überhaupt.

 

* Leider kann ich die englische Redewendung “my TV is watching me” nicht besser ins Deutsche übertragen.

Korrekturleser dringend gesucht

Alterwerden

Ja doch, Spon. Jeden Tag. Genau wie Väter, Tanten, Schwippschwäger und Pinguine. Das ist so vorgesehen, wegen Biologie und so.

Wahrscheinlich wolltest du reißerisch anfragen, ob Frauen heutzutage eher in einem höheren Alter schwanger werden als in der guten alten Zeit. Dann wärs aber korrekt gewesen und du hättest keinen blogpost gekriegt.

Wo ist meine Bestellung?

May-Ling, aka Fiona, weiß es auch nicht, weiß aber, wen sie fragen muß:

Lieber mein Freund, es tut mir sehr leid zu spät, aber Porzellanpfosten erklären mir, dass Sie innerhalb 7 Tage empfangen können, sende ich Ihnen wieder oder gibt Sie Zahlung zurück, wenn Sie nicht innerhalb 7 Tage empfangen, ist es okay? Sehe vorwärts hören von Ihnen, bester Wunsch, fiona

Who the fuck is Porzellanpfosten? Und ist Google Translate eigentlich Fluch oder Segen?

Büttenrede

Ich bin bekennender Faschingsmuffel und umgehe daher die Närrischen Tage gerne weitläufig (zum Beispiel mit der Planung einer Anschlußheilbehandlung in einer spaßfreien Zone). Dies scheint dem despotischen Prinzen Karneval nicht zu gefallen – erst verschiebt mir der Saukerl die OP und jetzt impft er noch die Gemeinschaftswaschmaschinen mit klebrigen roten Glitterflitterpailletten. Mein Mutigermausgraulook ist total hinüber und sieht aus wie Mumps.

Tädäh. Tädäh. Tädäh.

Überhaupt, Google Translate

Wenn ich für einen blogpost die korrekte Schreibweise von “haut goût” recherchiere, dann meine ich schon so einen komischen Geruch und nicht “Google Hangouts”. Egal wie die riechen mögen.

Return to sender

Im amerikanischen Verkaufsoptimierungssprech gibt es schon lange keine “used*” Gegenstände mehr; inzwischen sind die Stücke aus zweiter Hand “pre-owned*” oder gar “pre-loved*”. Aber wir sind ja hier in Old Europe und müssen uns nicht an die drübrigen Euphemismen halten – diese letzte Woche war so was von heruntergewirtschaftet, dass, wer immer sie auf den Markt gebracht, sich ordentlich was schämen sollte.

Was los war? Der größte Teil unseres ohnehin nicht sehr großen Teams war auf der Messe und von der aus drei Personen bestehenden Stallwachentruppe arbeitet eine Kollegin Teilzeit und der andere hat sich einen Virus eingefangen. Damit blieb ich dann ganz alleine zurück und habe mehrere Telefone, an der Tür klingelnde Lieferanten und von allen Seiten auf mich einprasselnde Sonderwünsche dermaßen multitaskiert, dass ich abends zu nix mehr zu gebrauchen war (Futter, Soffa, Dummfilm, Wegratz). Darüber hinaus haben wir vier (4) Stellenangebote draußen und ich keine Enigma. Man verstehe mich nicht miß, es ist sehr erfreulich, dass es so viele Interessenten gibt, aber Google Translate macht ihnen und mir das Leben schon sehr schwer.

Pars pro toto dieses Highlight der Woche: Wofür genau bewirbt sich ein Herr, der Google Translate angeben läßt, er sei Officer Sergeant Außenposten (eine Coverversion)? Frau weiß sich zu helfen und schaut erst mal, was er bisher so getrieben hat, nämlich Dateisteuerung für Vollständigkeit und Rechtmässigkeit als Beobachtungen und Kennzeichnung Summen-Beitragsgebühr, die von in den Ordner Anwendungen anmelden. 700 Ordner ungefähre. Hmmm. Kannitverstan. Vielleicht hilft der Bildungsweg weiter? Ausbildung Musterstudium an der Musteruniversität Abschluss: Beispiel-Abschls. Hmmm. Niente. Vielleicht die sonstigen Kenntnisse und Fhigkeiten? Ah, mooderate Englisch sowie 10-Finger-Schreiben. Gut, das ist doch schon was. Aber was bitte sind diskriminierende Auszeichnungen? Und warum ist unter dieser Überschrift einzig die Teilnahme an Paraden, kulturelle Veranstaltungen – Zeremonien und Feste korrekt übersetzt? So kommen wir nicht weiter und das Telefon klingelt auch schon wieder. Habe den Herrn gebeten, die Unterlagen noch einmal in Englisch einzureichen.

Ich bin sehr für die in den USA angewandte Praxis, auf die Nennung von Geschlecht und Alter und ein Bewerbungsphoto zu verzichten, aber noch nicht einmal die Position zu erwähnen, für die man sich bewirbt, das heißt die political correctness doch ein bißchen zu weit zu strecken. Und auch die Geduld der Personalerin.

 

* Wörtlich: “used” = gebraucht; “pre-owned” = vorbesessen; “pre-loved” = schon mal angeliebt.

Aus dem Vokabelheft

Gestern bin ich über den Begriff  “to have a yen for…” gestolpert und hab mir gedacht, dass wohl im Zeichen der Globalisierung der gute alte “penny for your thoughts” (wörtlich: “ich geb dir einen Pfennig für deine Gedanken”, sinngemäß “ich wüßte gerne, was du gerade wirklich denkst”) eben durch eine asiatische Währung ersetzt wurde.

Ist aber nicht so, der “yen” bedeutet in diesem Zusammenhang, dass jemand ein starkes Verlangen nach etwas hat. Der Norddeutsche nennt sowas “Jieper”, der Süddeutsche eher “Gust”, die Schwangere spricht von “Essiggurke mit Schlagsahne”.