Morgenstund ist aller Laster Anfang

Mein Biorhythmus ist wieder voll im Nachteulenmodus. Der der zwei Männer, die unten im Innenhof zwei dicke Rohre mit heulenden Motoren tief ins Gebüsch drücken, ganz und sehr offensichtlich nicht.

Mensch! Herrschaften! Ein Laubbläsersolo klingt schon furchtbar, im Duett sind sie ein Grund, euch die Krätze an den Hals zu fluchen.

Wach und sauer. Sehr sauer,
die Frau flockblog

Exot

Ich muß erst einen Moment überlegen, bevor ich draufkomme, was mich an der Dame, die gerade den Biergarten betritt, so irritiert.

Ach, genau, das isses: sie trägt eine dicke Wollstrickjacke über dem Arm. (Und das in einer Zeit, in der selbst ich nachts nur die ganz leichte Decke brauche.)

Gelesen: James Patterson – The Store

Falls wer noch sowas für zum Weglesen an Meer oder Pool sucht: das isses.

Patterson schreibt über einen allmächtigen Onlinehändlerkraken, der immer noch mehr über seine Kunden wissen will, um dessen Bedürfnisse, vor allem die, von denen er gar nicht wußte, dass er sie hat, noch schneller und umfassender zu befriedigen und damit seine Markt- und politische Macht immer noch weiter auszubauen.

Patterson schreibt, wie Stephen King, was ich “Flughafenbücher” nenne. Man macht nichts falsch, wenn man im Vorbeigehen noch schnell eines als Reiselektüre mitnimmt. Sie lesen sich gut und flüssig und so spannend, dass man wissen will, wie’s ausgeht. Die Ingredenzien dieses Romans? David gegen Goliath, investigativer Journalismus, der Traum von der heilen guten alten Zeit der Fifties, bissele Dystopie, bissele Verschwörungstheorien, family values und am Ende das, was die Amerikaner einen “twist” nennen: eine sehr überraschende Wendung; man könnte es vom Blatt weg verfilmen.

Wer trotzdem lieber liest: weglesen. Reicht ungefähr für einen Nachmittag, mit Schwimmpausen.

Paulo’s Session oder A schene Leich’

Wir hatten unsere Freundin gewarnt. “Es ist Hochsommer”, hatten wir gesagt. “Und extrem heiß. Voll wirds nicht werden.” Von wegen. Der Unterfahrtkeller füllte sich zusehends und mindestens jeder Dritte hatte ein Instrument dabei. Hmmm. Überraschend. Angekündigt war eine Jam Session mit der jungen mongolischen Sängerin Enji Erkhem, stattdessen kam die Münchner Jazz-Szene, Wegbegleiter, Freunde, Schüler, Kollegen zusammen, um den letzten Wunsch des jüngst verstorbenen Paulo Cardoso zu erfüllen: Session statt Trauerfeier.

Ich hatte ihn nicht gekannt und kam mir angesichts der mit viel Gefühl vorgetragenen Abschiedsworte manchmal vor wie auf dem falschen Fest. Nicht aber, wenn die vielen unterschiedlichen und sehr hochkarätigen Formationen spielten. Was für ein wunderbares Konzert, was für ein schöner Tribut!

Mathäus 6,26

Es ist dies die beste Zeit, Freunde mit Gemüsegärten zu haben, denn die Ernte ist reich und das Fassungsvermögen der Freunde begrenzt. Seit Sonntagabend gibt es bei mir nur Tomatengerichte. Tomatensalat mit Schafskäse. Mozz-Tom. Sugo. Bunte Rohkost. Röstpilze mit Tomaten. Nudeln mit meiner kalifornischen Spezialsoße usw. usf.

Weil aber der Mensch nicht vom Tomat allein leben kann und meine Freundin sich auf feine Kräuter versteht, zupfe ich mir jeden Tag ein paar Blättchen vom Magic Michael und… nein, ausreden lassen…, und kröne die verschiedenen Tomatenzubereitungen mit dieser ganz außergewöhnlichen Basilikumsorte.

Für heute und morgen habe ich noch Nachtschattenfrüchte. Dann muß ich entweder zukaufen oder ich mache einfach wieder einen Ausflug aufs Land.

Hitzefrei?

Ich habe zunehmend Schwierigkeiten damit, mir vorzustellen, wie gestört ein einzelner Rückkanal (was immer das ist) sein muß, um so dermaßen viel Internet kaputtzumachen. Seit Ende letzter Woche ist mein Computer grundsätzlich ab dem frühen Nachmittag offline. Gegen 21:00 Uhr kommt er dann lustig wieder online, als wäre nie etwas gewesen. Daran, dass ein großer Provider meinen kleinen geschluckt hat und Migrationsprobleme hat, liegt es nicht. Sagen die.

Vermutlich ist die Lösung ganz simpel und Samsung ist einfach das koreanische Wort für Siesta…

… anders, als man denkt

Ich hatte es wirklich bis zum letzten Tag herausgeschoben, aber heute bin ich nimmer ausgekommen und mußte in die Kapuzinerstraße, mich arbeitslos melden. Fünf Minuten vor Beginn der offiziellen Öffnungszeiten stelle ich mich am Ende der bereits (gezählt) fast 60 Menschen starken Schlange an. “Total Klischee”, denke ich mir, freue mich, dass ich Wasser und eine Breze dabei habe und zücke mein Buch.

Die Pforten werden geöffnet und die Wartenden an sechs Schaltern zügig abgefertigt; keine 20 Minuten später bin ich schon dran, zeige vor, dass ich alle Unterlagen, die ich mitbringen sollte, dabeihabe und werde in den ersten Stock, Aufzug C, blauer Wartebereich 1 geschickt. Damit ich das auf der weitläufigen Strecke nicht vergesse, bekomme ich einen blauen Zettel mit, auf dem steht, dass ich mich im ersten Stock, Aufzug C, Wartebereich 1 einfinden soll. Heute habe ich mein Navi nicht dabei, das heißt, ich finde selbständig und auf dem kürzesten Wege hin. Setzen.

Ich richte mich auf eine längere Wartezeit ein, nehme einen Schluck Wasser, beiße in die Breze. Kauen muß ich aber schon im Gehen, denn ich bin bereits aufgerufen worden. “Holla!”, denke ich, “und was ist jetzt mit dem Klischee?” Dann beantworte ich die wenigen Fragen, die mir gestellt werden, bekomme ein paar Hausaufgaben und dann bin ich für heute fertig und kann wieder gehen.

Hmmm. Das hat ja gar nicht wehgetan.