Nimmer ganz neu im Kino – “Sometimes Always Never”

Dieser Film sollte an Filmhochschulen gezeigt werden, damit zukünftige Regisseur*innen ganz früh lernen, dass ein erklärungsbedürftiger Titel sowie Schönes in skurillen Färbungen und ein eher groteskes Leitmotiv (huiuiui – ein Brettspiel!) nicht automatisch einen Arthausfilm ergeben.

In diesem speziellen Fall hilft es noch nicht einmal, dass man den wunderbaren Bill Nighy als melancholisch-zynischen alten Mann besetzt. Der Film ist einfach nur laaaannngggweilig. Und ich habe auch nur deswegen bis zum Schluß durchgehalten, weil ich ihn eigentlich mögen wollte. Ging aber nicht.

Do sitzen de, de oiwei do sitzn’

  • Christiane fängt das Programm heute mit Hanteln an. Hanteln kommen sonst immer erst im zweiten Teil. Der Stammtisch ist not amused.
  • Christiane läßt die Wasserturner*innen mit den Hanteln Sachen machen, die man so (noch) nicht kennt. Der Stammtisch retiriert in der Protestecke (links hinten im Nichtschwimmerbereich), verweigert fürderhin die Mitarbeit, verschränkt die Hände über der Brust und brummelt.
  • Christiane legt die Hanteln weg und beginnt mit anderen Übungen. Der Stammtisch ist entsetzt, dass die Dinger nicht ordentlich “z’sammgraamt wer’n”, sondern lustig auf den Wellen tanzen, manche sogar nicht einmal paarweise. Sodom und Gomorrha! Der Stammtisch verleiht seinem Entsetzen Ausdruck. Lauthals.
  • Christiane schaut kurz in Richtung des Lärms, befindet ihn angesichts der Mehrheitsverhältnisse in der Gruppe (18 hüpfen brav, 3 sind dagegen) als ignorabel und läßt zu Amy Winehouses Rehab-Absage weiterplanschen.
  • Dann wird gedehnt und gestreckt, anschließend treiben ein paar Freiwillige unter viel Gelächter und Gespratzel die Hanteln zusammen und schaffen sie an Land. Und wenn sie nicht gestorben sind, geht es nächste Woche weiter.

Für Neuleser*innen: “Der Stammtisch” ist eine Gruppe sehr biestiger alter Weiber in der Wassergymnastik im Stäblibad, deren liebste Freizeitgestaltung darin besteht, jede Abweichung von der Norm (“Des is fei mei Plotz, gengan’S g’fällixt weg” – und das mitten in einem Schwimmbecken) mit schwerem Mißfallen beobachten und bösen Blicken und lautem Schimpfen ahnden.

Bitte um Korrektur

Heda, lange helle laue Sommerabende! Ich hab mir in Kalifornien (“um acht ist Nacht”) immer den Mund fusselig geschwärmt. Wie lang ihr seid. Und wie hell. Und wie lau. Das Wort “Wollsocken” kam nie vor. Und dass ich jetzt schon die zweite Nacht in Folge welche tragen muß, weil ich vor lauter Eisfüßen nicht einschlafen kann, erst recht nicht.

Das wollen wir ganz zügig wieder ändern. Gell?

Patrona Bavariae?

Mein Bäcker backt… ah, packt sein bayerisches Heimatbrot in eine bayerische Heimattüte von der mir die Konterfeis der Herren Bezzel und Schwarz entgegengrinsen, weil demnächst noch ein bayerischer Heimatroman der höchstwahrscheinlich bayerischen Frau Falk in die Lichtspielhäuser kommt.

Es ist wirklich nicht zum Aushalten, zefix! Jetzt muß aber dann bald einmal wirklich genug sein mit dem bayerische Spezialitäten durchnudeln, gnä Frau!

Gelesen: Adrian Czajkowski – “Children of Time”

Dem Autor, dessen Nachnamen sein Verleger binnen zwei Seiten in den Schreibweisen Czajkowski und Tchaikovsky variiert, ist mit seinem Science Fiction-Erstling ein ganz großer Wurf gelungen, der sehr verdient mit dem Arthur C. Clarke Award ausgezeichnet wurde. (Letztes Jahr unter dem Titel “Die Kinder der Zeit” auf Deutsch erschienen.)

Die Vorgaben sind bekannt. Der Heimatplanet der Menschheit ist kaputt. Ungezügeltes Wachstum und grausame Waffen grausamer Kriege haben die Erde ruiniert und nun suchen die letzten Menschen mit ihrem Raumschiff irgendwo weit draußen im Weltenall neuen Lebensraum. Was aber dann geschieht ist so neu und einzigartig, dass ich gar nicht mehr darüber erzählen, sondern nur empfehlen will: Lesen! Lesen! Lesen!

Tagkritik

Normalerweise gehen wir bei der Auswahl des Kulturprogramms streng arbeitsteilig vor: Theater mache ich, für Konzerte ist der Musikbeauftragte zuständig. Aber gestern…, gestern habe ich ausgesucht. Und was habe ich für ein feines Konzert gewählt.

Etienne Charles (Trompete, Congas) und seine sagenhaft guten Mitmusiker – Saxophonist “The Godfather” Godwin Louis (ein lässig die Zweizentnerlatte reißender Riese mit einem goldenen Uhrarmband in der Breite einer Dorfstraße am einen und Holzperlen- und Muschelschnüre bis fast zum Ellenbogen am anderen Arm), Pianist Jeremy Dumont (ein bis dato unbekannter Zwilling von Léon, dem Profi), Bassist “Cool wie eine Gurke*” Or Bareket und Klassenkasperhampelmann Harvel Nakundi an den Drums – hauen dem Publikum den Sound karibischer Inseln, gepaart mit Klängen aus den Louisiana Swamps sowie allem, was sie über Jazz wissen, um die Ohren. Ganz sehr wunderschön!

Ich habe noch nie zuvor bei einem Konzert in der Unterfahrt Bilder gemacht, aber ich hoffe, dieses transportiert die Stimmung wenigstens ein kleines bißchen.

* “melafefon” eben, mein Gesamtwortschatz in Hebräisch.