Amerikahaus: “Am I What You’re Looking For?” – Photography by Endia Beal

Endia Beal, Künstlerin mit Brotberufen als Director der Diggs Gallery und Assistant Professor of Art at Winston-Salem State University, NC, befaßt sich schon seit längerem mit der Darstellung farbiger Frauen (women of color) im Berufsumfeld von Corporate America und zeigt dabei fast beiläufig einen omnipräsenten alltäglichen Rassismus. Diesen Rassismus, dem sich fast alle Frauen, die sie in dieser Ausstellung porträtiert, als unvermeidbare Herausforderung stellen. “Isso”, sagen sie. Sie müssen bei gleicher Qualifikation weniger Gehalt akzeptieren, dafür härter arbeiten und besser sein, weil sie gleich mit zwei Nachteilen geschlagen sind, für die sie nichts können, die aber halt nicht übersehbar sind: Geschlecht und Pigment. “Isso”.

Beal läßt die Frauen vor einem Vorhang, auf dem ein typischer Gang in einem typischen Verwaltungsbereich in einem typischen Unternehmen abgebildet ist, in der Pose ihrer Wahl, umgeben von den Requisiten ihrer Wahl, Aufstellung nehmen und es ist irre, was dabei heraus kommt. Wir hatten zu jeder ziemlich spontan eine Meinung – genauso häufig wie nicht in Übereinstimmung mit den Textkärtchen neben den Photos, auf denen die Abgebildeten zu typischen Vorstellungsgesprächsfragen Stellung nehmen sollten.

Unbedingt anschauen!

Hier ist eine winzige Auswahl an Porträts: http://bit.ly/2VtDZKy – die Ausstellung geht noch bis zum 2. Juni, der Eintritt ist frei.

Schwer ist der Beruf

Was ich eigentlich so mache, den ganzen Tag? Ich quäle mich durch Myriaden von Stellenanzeigen. Damit meine Leserschaft das nicht tun muß und trotzdem in den Genuß der Höhepunkte kommt, sammle ich im Ordner “Bewerbungen – neuer Schwachsinn” die allerschönsten Auswüchse und wenn ich nach ca. vier Wochen wieder genug Material beieinander habe, schreibe ich für euch einen blogpost.

Wer sind sie denn nun, die potentiellen Arbeitgeber und was haben sie zu bieten?

  • Das „MACHEN“ ist ein Kernelement unserer Dienstleistung
  • Originelle Firmenfeiern, einschließlich der Kollegen aus anderen Standorten (Gilt als Inklusion oder was?)
  • Attraktive Zusatzangebote wie subventioniertes Mittagessen, kostenlose Fitness-Benutzung, Eis im Sommer, betriebliche Altersvorsorge, Kickertisch, Team-Events etc. (Ist die Reihenfolge nicht faszinierend?)
  • Team-Spirit: Unvergessliche Events und gemeinsamer Look durch unsere Collection (Frage mich, ob die Mitarbeiter*innen eine Art Schuluniform tragen müssen.)
  • Unsere Firmenkultur (Kaffebar, Summercamp, Oktoberfest…)
  • Firmenfeiern und Teamevents mit Teambudget. (… der Oktoberfestbesuch ist ein Muss!) (Hauptsache die Krüge hoch.)
  • Attraktives Gehaltspakte (Ich hoffe bloß, sie drucken wenigstens die Zahlen auf den Geldscheinen korrekt.)
  • Kein Dresscode und Feedbackkultur auf Augenhöhe
  • Bei uns findest Du Open Doors und Casual Fridays every day (Ich darf zusammenfassen: come as you are, auch wenn’s zieht.)

Das alles sind die Gründe, warum du uns einfach lieb haben musst. Aber sie können nicht nur geben, die Arbeitgeber. Nein, sie wollen auch nehmen.

Was wir erwaten (Alles, bloß kein rrrrollllendes “R”.)

  • „leadership from every chair“. (Für mich klingt das wie nur Häuptlinge und keine Indianer. Würde mich interessieren, wie dieses Konzept aufgeht.)
  • Last but not least bist du unser Feelgood-Manager, der mit kreativen Ideen Dreh- und Angelpunkt für die Kollegen ist
  • Du bist Dr. Feelgood
  • Feelgood ist in deiner DNA
  • In Dir steckt ein Feelgood-Manager (m/w/d) (Wurscht, ob innen oder außen, mit oder ohne akademischem Titel. Hauptsache Feelgood.)
  • Entwicklung von Ideen und Implementierung von Prozessen, um unseren Besuchern ein  außergewöhnliches Erlebnis in unseren Büros zu garantieren
  • (Das bedingt allerdings ein) Ausgeprägtes Diskretionsgespür
  • Sicherer Umgang mit katholischer Terminologie
  • Be the difference in a complex reality (Zweifellos, das eine bedingt das andere…)
  • Affinität für moderne Kommunikationsmedien und -tools (Smartphones, Ipad, Apps, Internet etc.) (Stichwort Neuland.)
  • Beherrschung aller neuen sozialen Kommunikationsformen (Im Gegensatz zu asozialen Formen wie “auf’s Maul” oder was?)

Wenn zum Schluß dann alles paßt, dann steht dem ja nichts mehr entgegen, dem Arbeiten in der schönsten Stadt der Welt mit Herz.

 

Wie üblich, alles was kursiv gedruckt ist, ist wörtlich aus Stellenangeboten entnommen.

Burger-News

Burger

… und zwar alle US-Burger. Egal ob Wendy’s, Burger King, Five Guys…

 

PS: Ich kontempliere noch, ob das ein Ösi-, ein Ami- oder ein Kombiwitz ist. Tendiere zu letzterem.

Fremde Welt

Stüberl mit original bayerischem Wirtshausmobiliar inkl. Hirschgeweihen, Zebrazimmer mit Tierhautteppichen (aus Fairtrade Baumwolle), Grünpflanzen und Bambusmöbeln, Barfußraum mit Kunstrasen und von der Decke baumelnden Hängeschwingsesseln, Denkerstübchen mit Sitzsäcken in Bonbonfarben, eine Küche im WG-Stil mit Nachrichtenaustauschzetteln an den knatschbunten Kühlschränken (!) (“Afterwork mit Mara und Yasin”, “Hüttenwochenende, hier eintragen”, “Alle Lebensmittel werden jeden Freitag weggeworfen. Alle. Jeden Freitag.”). Draußen auf dem Gelände Klettergerüste, Rutschbahnen, ein Pool mit bunten Sitzkissen.

Was? Nein, ich war nicht in einer besonders coolen Kita. Ich war zum Vorstellungsgespräch bei einem wahnsinnig hippen Start-up-Unternehmen und bin mir zum ersten Mal im Leben richtig alt vorgekommen.

Gelesen: Harry Bingham – “Love Story, With Murders”

Kaum fängt Detective Constable Fiona Griffith an, mir ans Herz zu wachsen, schon expandiert Autor Harry Bingham ihr Charles-Bronson-Gen*. Was bisher “anonyme” Tips an die ermittelnden Behörden waren, wächst sich in diesem Band zum Rachefeldzug mit Todesfolge aus. Obwohl ich eigentlich diese Schatten- und Selbstjustizmotive nicht mag, wars doch wieder so sauspannend, dass ich erst nach 4:00 Uhr heute früh das Licht ausgemacht habe.

Ich bin zwiegespalten, was eine Empfehlung angeht. Mal sehen, ob ich nach Band 3 eine eindeutigere Meinung habe.

 

* Hier die Erklärung für die Spätgeborenen: https://imdb.to/2E8lrtD

Genderei

Wenn es nach den Überschriften der eingegangenen e-mails geht, scheint mein Spamfolder ein ziemlich konservatives Frauenbild zu haben…

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