C-Schnipsel

# Auch noch nie dagewesen, seit ich mich erinnern kann: eine U-Bahnstation ohne Werbung. Die einzigen, die annoncieren, sind das Unternehmen, das krampfhaft versucht, diese verwaisten Werbeflächen zu verkaufen. Und Bibione. Letztere mit einer vermutlich lange im Voraus bezahlten Kampagne aus Vorpandemietagen.

# Was macht dieses “Fass die Oma nicht an” eigentlich mit kleinen Kindern? Auf lange Sicht gesehen?

# Die Kassandra der Zwanziger Jahre des 3. Millenniums, Rick Bright (per NYT-Definition “Career government scientist-turned-whistleblower”), prophezeit den “darkest winter in modern history”. Wenn ich mir was wünschen dürfte, wäre es, dass er falsch liegt.

# Lebensmitteleinkauf wird für mich mehr und mehr zum Dreikampf. Ausweichballett, Durchfeuchtmaskenhecheln, Zeugschleppen.

# Die Kanzlerin warnt vor “Retraditionalisierung”. Man höre auf sie.

# Bin gerade ständig überfordert: Wenn sich einer, maskenlos und gehetzt, in den Lift dazudrängelt. Ist der dann ein rücksichtsloser Gefährder und mein ungutes Gefühl gerechtfertigt? Oder bin ich überempfindlich?

# Heuchler, elender!

The Lincoln Project*…

…hat am Montag diese Anzeige geschaltet: https://lincolnproject.us/news/this-week/

und heute gleich noch die hinterher: https://lincolnproject.us/news/gop-cribs/. Ich müßte mich schon sehr täuschen, wenn 45 die heutige Anzeige nicht sehr viel mehr unter die Orangenhaut geht. Schließlich wird unterstellt, dass sein Wahlkampfmanager ihn um eine Menge Kohle bescheißt. Tote Amerikaner sind ein Ding, aber Donnies Geld klauen? Total NoGo.

* s. https://flockblog.de/?p=41454

Is there anybody out there?

In jüngster Zeit sind zur Gilde der wahrnehmbaren Balkonbenutzer hier in der Wohnanstalt viele Neue Sozialdistanzer hinzugestoßen. Luis, der Nacktgießer, Ludmilla, die Katzenkämmerin (freundlich für Massig-Katzenhaare-in-die-pollengeschwängerte-Luftverteilerin), Gisi und ihre Ratschkathln, die Demirsche aus dem Dritten (seit ihre eklige Kläfftöle in die Hundehölle abgestiegen ist, muß der Enkel als “Komm-zur-Oma”-Rufobjekt herhalten) und Adalbert, der Außenrasierer (Selbstbild: Adonis, Fremdbild: wa-as?) sind treuen Leser*innen schon wohlvertraut.

Laßt mich die Neuzugänge vorstellen:
Bis dato nur akustisch kennengelernt habe ich Schorsch, den Platzhirsch, der im Nebenhaus von seinem relativ tiefgelegenen Balkon stets Streit mit Vorübergehenden sucht. Findet er ihn, tauscht er mit großer Leidenschaft Beschimpfungen aus. (Ich habe den Verdacht, dass er sie auf Effekt wählt, so dass sie im Innenhof besonders schön nachhallen.) Wenn ihm die ausgehen, beendet er den Austausch mit der größtmöglichen denkbaren Beleidigung “Wohnst du überhaupts do?”. Offensichtlich von Schulbesuchsverbot sowie einem dauerleeren Althandyakku betroffen, wußte sich Nabelschnurnadine schon früh zu helfen. Sie rückte jeden Tag mit einem Konstrukt aus miteinander verbundenene Steckdosen aus der Wohnung aus und begann ihr telefonisches Halte-Kontakt-Tagwerk, das zuverlässig mit der Frage losging, ob sie dem Menschen am anderen Ende denn schon ein “pic” ihrer “Lifeline” geschickt habe. Am anderen Gebäudeende hat Raschid, der Wäscher zu tun. Jeden Tag beleidigt er die Augen der Nachbarschaft mit einer Auswahl frischgewaschener sehr bunter und ausgesucht häßlicher Poloshirts aus einem offensichtlich endlosen Fundus.

Hören, Sehen. Was fehlt? Richtig, die Nase. Immer, wenn ich etwas früher zu Bett gehe, schlafe ich in diesen Tagen wesentlich schneller ein als früher. Es ist Frühling, Balkontüren und Fenster stehen weit offen und Kiffer-Kathl und ihr Kumpel Günther Gras exhalieren dicke Schwaden sedierenden Rauchs in mein Schlafgemach. Nicht selten mischt sich darunter das Bouquet von Röstzwiebeln und scharf angebratenem halben Ochsen. Wer, um Himmels Willen, brutzelt sowas um kurz vor Mitternacht? Wie nenne ich diesen Bratmann? Attila, der Carnivore? Ganz egal.

In diesen Mischdunstnächten träume ich schlecht.

C-Schnipsel – Heute nur schlimme Nachrichten

# 36+ Millionen Amerikaner*innen arbeitslos gemeldet. Die Dunkelziffer aller dort inzwischen Erwerbslosen läßt sich nur schaudernd vermuten.

# Bevölkerungsexperten der UN erwarten, dass die Coronakrise weltweit 47 Millionen Frauen die Möglichkeit zur Verhütung nehmen wird und deswegen mit sieben Millionen zusätzlicher ungewollter Schwangerschaften gerechnet werden muss. Was unsichere gefährliche Schwangerschaftsabbrüche, tote oder schwerverletzte Frauen, verwaiste Familien und jede Menge mangelernährte Kinder nach sich ziehen wird. Nicht das Material für einen lustigen Coronialscherz.

# Einmalgeschirr, -besteck, -becher sowie Plastiktüten erleben ein nie erwartetes Comeback, in den Rinnsteinen vergammeln Einmalmasken und -handschuhe. Es sehe aus, als hätten sich die Deutschen die “Lizenz zur Vermüllung” erteilt, schreibt die SZ heute.

# In – wahrscheinlich nicht nur – ukrainischen Leihmuttervermittlungsagenturen liegen wegen der Einreiseverbote Babies auf Halde.

Entgangen

Ohne La Covid würde ich Morgen mein Langes-Wochenende-Köfferchen gepackt haben und am Nachmittag nach Limone aufgebrochen sein.