Wolle Mütze kaufe?

Ein Bekannter von mir hat sich “nur aus Versehen” in die Trump-Wahlkampf-Unterstützer-Liste eintragen lassen. Er bekommt seitdem täglich zwei, drei, sieben solcher Bettelbriefe. Mir leitet er die schönsten weiter, die teile ich dann mit euch. Großes Plus: wir müssen uns nur leicht angeekelt drüber amüsieren und haben sonst weiter nix mit 45 zu tun.

TRUMP PENCE MAKE AMERICA GREAT AGAIN  
Friend,
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President Trump promised you he would Make America Great Again, and that’s exactly what he’s doing. With your support, he’ll do it for FOUR MORE YEARS!

We are only offering these limited edition hats to a very small group of supporters, so DO NOT share this email with anyone else.

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Thank you,

Team Trump 2020

Vorhin auf dem Markt

Die Eierfrau gibt der Kundschaft zu jedem gekauften Karton noch ein Extraei. Warum? Ihre Hühner, sagt sie, hätten die Open-Air-Saison ausgerufen und sich in die Hühnerköpfe gesetzt, lieber draußen als drin zu legen. Manchmal komme es dann eben vor, dass sich ein Ei schon einen Sonnenstich geholt habe, bis man es finde.

Wie man das denn erkenne, will daraufhin eine Dame in der weitläufigen Schlange wissen. Sie bekommt umgehend Antwort vom Chor der Erfahrenen Hausfrauen um sie herum (fast einstimmig, übrigens): Eier immer einzeln über einer Tasse aufschlagen.

Ich räsoniere im Abgehen, wie lange ich das eigentlich schon weiß und genauso mache. Wird wohl heute nicht mehr gelehrt. Wahrscheinlich waren Eier früher fauler als heute.

Muttermund

Meine weit über 80-jährige Mutter teilt mir vorhin am Telefon mit, dass sie seit der Hitze gestern schielt. Ich reagiere auf die Nachricht mit Besorgnis, sie auf meine Besorgnis mit Unverständnis. Bis es ihr dämmert: “Dafür bist du zu alt. Das sagen die jungen Leute heutzutage so, wenn sie faulenzen.”

Passt wie Schielbrille auf Nase.

Sommer in der Stadt

Auf dem Weg zum Büro, noch lang hin bis zum ersten Kaffee, strahlt viel zu fröhlich für die frühe Stunde ein übermannsgroßer Gartenzwerg von einem Anhänger. Tschuldigung, Herr Gartenzwerg natürlich (https://www.herrgartenzwerg.de/). Ein Zeichen? Und wenn ja, wofür?

Frisch koffeiniert höre ich bei weit geöffnetem Fenster, wie auf dem Nebenhof im Industriegebiet einer mit dem Sandstrahler Sand strahlt. Dazu singt er. Ununterbrochen und immer nur die eine Zeile aus dem Refrain eines alten Schlagers. “Alles, alles geht vorbei”. Alles in allem für ungefähr zweieinhalb Stunden. Dann hat er Pause und ich hasse Drafi Deutscher.

Endlich zu Hause. Nach so langer Abwesenheit steht mal wieder ein Lebensmitteleinkauf an. Liste, Tasche, Maske, los. Es ist heiß und die dichte Mundnasenbedeckung erweist sich als sehr transpirationsfördernd. Meine Brille ist mit dem Ding sowieso dauerbeschlagen. Quasi Gesichtssauna. Voll ist es auch, irgendwer hat die Drängler rausgelassen und die Hälfte dessen, was ich brauche, ist nicht vorrätig. Das heißt Zwischenstop zu Hause und noch einmal mit trockener Zweitmaske zum Zweitsupermarkt. Inzwischen hasse ich alle und alles, ausnahmslos und mit Fug und Recht.

Endlich zu Hause (II) und aller weiteren Pflichten ledig. Ich sitze leicht behemdet mit nacktem Gesicht und einem freundlichen kühlen Getränk in lauer Luft auf dem Balkon. Vogelgezwitscher, vom Spielplatz her fröhliches Kindergeschrei und … was ist das? Ach wie hübsch. Keine Haus-, sondern Hofmusik. Drei Musiker spielen unten Weisen, ein kleines Publikum applaudiert von Wiese und Balkonen und ich ärgere mich einmal wieder, dass ich nicht genug von klassischer Musik verstehe, um die Stücke benennen zu können. Aber als sie dann nach Tochter Zion noch Vom Himmel hoch anstimmen, denk’ ich mir meinen Kästner* und bin mir der Welt und diesem Abend auf einmal sehr versöhnt. …

* In einem Gedicht, das ich jetzt gerade nicht finden kann, beschreibt Erich Kästner böse langweilige Menschen mit den Worten: “Und sie singen keine Weihnachtslieder, noch nicht mal mitten im August.”

Zeitreise

Ich bin grad vorhin ins Schlafzimmer gegangen und habe den Wecker für Morgen früh gestellt. Meine Woche war offensichtlich schon lang genug, so dass ich mich heute extrem freitäglich fühle und man will ja nichts riskieren…

Post von Don jr.

TRUMP PENCE MAKE AMERICA GREAT AGAIN

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ENTRY STATUS: N/A
 
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My father can’t wait to meet you, Friend. Remember, if you win:

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Thank you,
Donald Trump Jr. 

* Ich hoffe ja, dass CONTRIBUTE $42 auf einen verdeckten Doug-Adams-Fan im Wahlkampfteam hinweist. Wenigstens ein guter Mensch.

Wo andere Urlaub* machen

* In Funktionskleidung. Zum Wandern.

Abfahrt am Montag um 05:30 Uhr. Rückkehr am Mittwoch, 22:05 Uhr. Dazwischen lange Hunsrück-Büro-Arbeitstage.

Irgendwie habe ich mir “Work and Travel” anders vorgestellt.

Nachtverkürzer

Seit neuestem lebt hier gegenüber von Frau Wirtins Pension ein Hahn* mit seinem Hühnerhaufen. Es gefällt dem Gockel, schon vor vier Uhr früh die zu dieser Zeit ganz sicher nicht sichtbare und, wenn man es ganz genau nimmt (und das tue ich um diese Zeit), noch nicht einmal recht erahnbare Sonne mit lautstarkem begeisterten Heisergekrähe zu begrüßen.

Habe anschließend viel Zeit, nachzudenken. Was, wenn Herr Hahn gar kein schlechter wäre? Was, wenn sein Krähen eine verzweifelte Anstrengung ist, dem Tag ein paar Minuten hinzuzufügen? Was, wenn er gleich mir eines nicht abkann? Den bösen kalten Winter nämlich, auf den wir uns seit gestern mit Riesenschritten schon wieder zu bewegen? Aber warum, oh Tier, so dermaßen laut zu so dermaßen früher Stunde? Hmmmm?

Man weiß es nicht. Ich komme zu keinem abschließenden Ergebnis und nochmal rumdrehen geht nicht. Es ist die Zeit, dem jungen Tag jetzt auch selbst ins Gesicht sehen.

* Sie habe, versichert die Frau Wirtin, schon bei der Verwaltung angerufen. Man könne da nichts machen, habe man ihr gesagt. Man lebe hier in so einer “Mischzone” und die Anwesenheit des Lärmtiers sei rechtens. Sie phantasiere allerdings inzwischen von nächtlichen Halsumdreh-Exkursionen aufs Nachbargrundstück.

Aus dem Vokabelheft

Bayern 2 beliefert mich auf langen Autofahrten meistens mit sehr schönen Beiträgen und immer mit neuen Erkenntnissen. Zum Beispiel mit diesem schönen Euphemismus: Man könne doch statt dem abwertend klingenden “Allesfresser” in Zukunft vom “Nahrungsgeneralisten” sprechen.

Unbedingt!