C-Schnipsel – Die Ein-Kessel-Buntes-Edition

# Sind sie zu stark, bist du zu schwach? Von wegen. Der Fischermann hat seit der Maskenpflicht die Regeln für Brillenträger noch einmal verschärft. Wem noch nie Scharfminzexhaliertränen in die Augen gestiegen sind, werfe den ersten Drops. (Mir wurde aufgetragen, für die Anregung zu diesem Beitrag Frau W. aus S. zu danken, was ich hiermit tue.)

# “We’re already spending our days in yoga pants and t-shirts if we even make it out of our pajamas. Add to that a mask that may or may not have stains (there was that time we forgot we had it on and tried to drink coffee — what, just me?). Yep, we are pretty much a society in a fashion fail state.”

# Mir scheint, dass eine wichtige Frage fehlt: muss man bei Pandemie nicht mehr Grammatik?

# Der Preis für die Wortschöpfung der Woche geht an den “Gesichtsdeckel”. Der “Gesichtsschal” hingegen schafft es nicht einmal in die engere Auswahl.

# Mit Maske auf im Starkregen. Abhängig von der Sozialisierung drängen sich folgende Bilder auf: a) Nasse Badehose, mitten im Gesicht; b) Waterboarding, selbstgemacht; c) alle Pappmachébasteleien aus Kindertagen. (Letzteres findet nur bei Papiermasken Anwendung.)

# Corona-Déjà vu. Vorhin, vor dem Supermarkt: Ein Herr schiebt im Schweiße seines Angesichts einen mit Klopapier übervoll beladenen Einkaufswagen Richtung Parkplatz. Der könnte den ganzen 2. Lockdown lang durchgehend Durchfall haben und hätte danach immer noch Vorräte.

# Kapuze, Mütze, Brille, Kopfhörer, Piercings und anderes Bling, Maske, Schal – hey, Evolution: wäre es nicht angebracht, schleunigst die Köpfe der Menschen vergrößern? Wahlweise könntest du auch einfach das Virus verschwinden lassen.

# The Sound of Pandemic. Zum Händewaschen ein doppeltes Happy Birthday, das wissen wir schon. Und wie lange lüften?

# Woher wissen eigentlich Fashionistas, was man diesen Winter trägt? Wenn man sich eher wenig um Mode kümmert, kriegt man in normalen Jahren wenigstens auf dem Weg zu Theater, Kino, Konzert, Restaurant anhand der Auslagen in Schaufenstern auch nach Ladenschluss mit, welche Farben und Styles angesagt sind. Im Jahr 2020? No effing clue.

# Wo die einen das Loblied der Wiederentdeckung der Spontaneität singen, sprechen ordentliche Dystopiker von einer “post-planning world”.

# Früher war mehr Liberalitas.

Rentner vergrätzen

Image

Wow! Gehts dümmer? Okay, Photoshop-Lizenzen sind teuer, aber das Ding sieht doch aus, wie von 45 selbst ausgeschnitten und aufgeklebt. Ob Biden sich davon angegriffen fühlt, sei dahingestellt. Wählende Rentner hingegen ganz sicher.

Und noch einer…

https://twitter.com/i/status/1316501630880083968

2020 wird, neben anderen Themen, totsicher als das Jahr in die Annalen eingehen, in denen die kreativsten Anti-Amtsinhaber-Anzeigen und -Filme veröffentlicht wurden.

Wintergedicht

Auf einem Bein leicht schwankend
die Schultern hochgezogen und
das Federkleid dick aufgeplustert
trotzt die Taube
der Kälte.

Gelesen: Margaret Atwood – “The Testaments”

35 Jahre nach “The Handmaid’s Tale”, hat Margaret Atwood für dieses Werk, kaum auf dem Markt, den Booker Prize bekommen und schon wieder nicht den Literatur-Nobel-Preis, worüber mit der Akademie zu sprechen sein wird. Ich habe so langsam das Gefühl, sie würden die Auszeichung lieber posthum verleihen, weil sie Atwoods Dankesrede fürchten.

Aber nun zu “The Testaments”. Ungefähr 15 Jahre nachdem die nun herrschende männliche Elite den demokratischen Staat in einem Coup gestürzt und ihr theokratisches Schreckenssystem Gilead errichtet hat, begegnen wir drei Frauen, die Zeugnis ablegen. Aunt Lydia, die Atwood als eine Überlebende schildert. Eine Überlebende freilich, die große Schuld auf sich geladen hat. Ehemals Richterin, nach der Machtübernahme vor die Wahl gestellt, entweder grausam zu sterben oder ein Erziehungssystem für den weiblichen Anteil der Bevölkerung zu etablieren, das sie im Namen eines patriarchalischen Gottes zu freudigen Mägden heranzieht. Daisy, gezeugt in einer jener ritualisierten Vergewaltigungen einer Handmaid durch einen Commander, als Säugling nach Kanada geschmuggelt und bei Adoptiveltern aufgewachsen, die an ihrem 16. Geburtstag anläßlich eines erfolgreichen Attentats auf ihre Adoptiveltern von all dem zum ersten Mal hört. Agnes, erstes Kind der Handmaid Offred, das ihr bei einem Fluchtversuch entrissen und regimetreuen Eltern zur Aufzucht überlassen wird und sich, wiewohl perfekt indoktriniert, einer Ehe verweigert und stattdessen die Aufnahme in die Kaste der Tanten anstrebt.

Diese Tanten sind die grauen Eminenzen der Männermacht. Sie schaffen aus den Mädchen und den Frauen aus der Zeit davor gottesfürchtige gehorsame analphabetische Geschöpfe (Sticken: Sehr gut), sie wissen alles, haben immer und unbegrenzt Zutritt zu allen Häusern, führen die genealogischen Akten. Kurz: die Oberste Founding Aunt Lydia sammelt Informationen für die Dossiers, die letztendlich den Sturz des inzwischen vollkommen korrumpierten und dekadenten Systems herbeiführen sollen.

Wie? Es möge ein/e jede/r selbst entdecken. Ich habe große Freude daran gehabt, einer gebildeten, altersweisen und sehr sarkastischen Autorin dabei zu folgen, wie sie die Fäden zusammenführt und für (fast) alles logische Zusammenhänge entwickelt.

Los jetzt. Buch besorgen, lesen! Lesen! Lesen! Lesen!

Knapp bei Kasse?

45 läßt schreiben:

Image

Da haben sie aber nochmal Glück gehabt, die Trumpites. Ihr Präsident ist nicht böse. Nur enttäuscht.