“former guy” findet das nicht so gut. Außerdem hat er das mit dem “Ex-” vor dem Titel immer noch nicht verstanden.

“former guy” findet das nicht so gut. Außerdem hat er das mit dem “Ex-” vor dem Titel immer noch nicht verstanden.

“Überwältigt”, sagt der Duden, bedeute “von etwas so stark beeindruckt, dass man sich der Wirkung nicht entziehen kann”.
Gut. Verstanden. Und jetzt weiter. Wo bitte ist “unterwältigt”? Und könnte ich einfach einmal nur “wältigt” sein? Bitte?
Einer der Insassen der hiesigen Wohnanstalt muss seine Heldenverehrung offensichtlich dadurch zum Ausdruck bringen, dass er alle ritzbaren Oberflächen (Aufzugtüren, Türrahmen, Briefkästen etc.) mit dem Schriftzug ACDC verziert, irritierenderweise in sehr schön abgerundeten und liebevoll ausgefüllten Lettern. Darüber habe ich aus alter Angus-Sympathie bisher gnädig hinweggesehen. Was soll er auch machen, der junge Mensch, während einer Pandemie? Inzwischen hat er einen Konkurrenzkünstler bekommen. Dessen Motiv sind ausschließlich auf dicken Eiern aufrecht stehende Penisse*. Ich kenne dergleichen bis dato nur aus dem Scherzartikelbedarf. Zum Aufziehen. Nun ja.
Vorhin, beim Hochfahren, habe ich mich gefragt, warum ich mir sicher bin, dass es sich bei den Wandschmuckbeauftragten um halbstarke Menschen mit gemischtem Chromosomensatz handeln muss. Wahrscheinlich, weil ich mir beim besten Willen keine jugendliche Vandalin vorstellen kann, die Vulven in Wände stanzt. Trotzdem. Sie sind mir alle beide noch allemal lieber als der Hakenkreuzritzer, der hier eine Zeitlang sein Unwesen trieb (s. https://flockblog.de/?p=39512).
* “Penisse”. Ein unschöner Plural. Ich schlage hinfort die Verwendung des Begriffs “Penen” vor.
Nein, nein, nein! Das letzte Mal wenigstens bloß Laienspiel (s. https://flockblog.de/?p=43715), gestern ein-wahnsinnig-gewolltes-und-so-derart-nicht-gekonntes unkomisches Mehrebenendrama im Sexklischeecamp. Ach, Mensch. Schade.
War denn gar nichts komisch, Frau flockblog? Doch. Der Moment, als die Ex-Pressesprechersgattin aus dem Designereigenheim in den Freie-Liebe-Wohnwagen umzieht. Mit einem Animal-Print-Luxus-Kofferset mit alles sowie Beauty Case. Und den Kindern.
Insta, vermeldet ein junger sich dort tummelnder Mensch, der natürlich nur die Kurzform verwendet, laufe inzwischen über von Nacktfotos. Will heißen: nackte Oberarme mit Pflästerchen drauf.
Wie so ein Bild heißt? Ist doch klar, das ist ein “Impfie”.
So ein aller-, aller-, allerliebster Zeichentrickfilm! Der Plot ist denkbar einfach: früh verwitwete junge Frau zieht mit Säugling und Kleinstkind aufs Land, um sie dort fern von den Unbillen städtischer Zivilisation großzuziehen. Der Twist: Papa war ein Werwolf. Der Film begleitet Heldin Hana (“Blume”) und ihre Kinder Yuki (“Schnee”) und Ame (“Regen”) über ungefähr 12 Jahre, dann sind die Lebenswege der Wolfskind/-welpen angelegt und gefestigt und die Mutter bleibt alleine in ihrem Haus in den Bergen zurück.
In wunderschönen Bildern (Hach, die Jahreszeiten! Hach, die Gewässer! Hach, die Farben, Farben, Farben!) erzählt Autor und Regisseur Mamoru Hosoda eine Geschichte vom Heranwachsen und Erwachsenwerden, von Mutterliebe und extrem gegensätzlichen Geschwistern, vom Scheitern und Gelingen, vom Anderssein und Dazugehörenwollen. Ruhige und dramatische Zeiten, wie es halt so ist im Leben. Er spielt ganz großartig mit Farbsymboliken (die Reflexion einer winzige Gestalt im gelben Regenmantel in einer Pfütze nach dem großen Unwetter, eine weiße Winterlandschaft, nur aufgebrochen von bunten Schals) und hat ein ausgesprochen gutes Auge für Details wie Regentropfen auf Lotusblättern oder in einem Spinnennetz, Tropfen aus einem durchnäßten Fell, von Tauwasser geschwollene Bachläufe. Hach! Hach! Hach!
Der Animationsstil entspricht sicher nicht mehr den heutigen Sehgewohnheiten, ist aber in seiner schlichten Ruhe und Detailverliebtheit eine Wohltat fürs Auge. Tut zwischendrin mal ganz gut. Darum: Anschauen! Anschauen!
Ich hätte mal vorher die IMDB konsultieren sollen, s. https://imdb.to/3xDImqJ, da hätten sie mir gleich gesagt, dass der Film unmöglich zu verstehen ist, wenn man sich vorher nicht durch umpfzig Staffeln britisches Ihr-da-oben-wir-da-unten gesehen hat. Kann aber mitteilen, dass es sich wohl um das Insel-Schauspielerversorgungs-Pilcher-Traumschiff-Äquivalent zu handeln scheint. Mir war, als hätte ich so gut wie jedes Gesicht schon mal in einer anderen Film- oder Fernsehproduktion gesehen.
Und Maggie Smith’s Dowager Countess of Grantham ist tatsächlich das herrliche Giftstück, dessen Beschreibung man auch als Nichtschauerin mit Zugang zu Trivialpopkultur (ja Internet, du bist gemeint!) nicht entgehen konnte. Gegen die ist Marthe Schwerdtlein ein Waisenmädchen. Aber ihre Aperçus reichen nicht, als dass man den ganzen Film mit seinem undurchdringbaren Beziehungsgeflecht sehen mögen wollete.
Dann doch lieber wieder was lesen.
Also, pass auf: London im viktorianischen Steampunk. Frauen, die aufgrund eines bis dato unerklärten Himmelsphänomens auf einmal mit bis dato unerklärbaren übermenschlichen Fähigkeiten ausgestattet sind und von einer sehr sinistren Männer-mit-dicken-Koteletten-Organisation und deren maskierter Assassinen-Kavallerie in atemberaubenden Verfolgungsjagden durch enge Kopfsteinpflastergäßchen zur Strecke gebracht werden sollen.
Waha?
Ja, ich weiß auch noch nicht. Ist aber der neueste Wurf von Joss Whedon. Abwarten.
Die Morgengymnastik, berichtet die Regionalkorrespondentin, habe man heute den Klängen von “Auferstanden aus Ruinen” absolviert.
Bravo, sowie ein tiefempfundenes Rot Front, Genossin!