Wiedergelesen: Jason Aaron / R. M. Guéra – “Scalped”

Nach dem Reinfall mit meinem vorigen Buch (s. den vorhergehenden blogpost) brauchte ich dringend wirklich Gutes und Bewährtes und habe auf “Scalped” zurückgegriffen. Eine 10-bändige Graphic Novel Serie, so noir, dass dunkelschwarz noch untertrieben ist.

Die Serie spielt im fiktiven Prairie Rose Indianer Reservat im South Dakota unserer Zeit. Und Brecht hat wie immer recht: Das Recht des Menschen ist’s auf dieser Erden,/da er doch nur kurz lebt, glücklich zu sein,/teilhaftig aller Lust der Welt zu werden,/zum Essen Brot zu kriegen und nicht einen Stein./Das ist des Menschen nacktes Recht auf Erden,/doch leider hat man bisher nie vernommen,/dass etwas recht war und dann war’s auch so!/Wer hätte nicht gern einmal Recht bekommen?/Doch die Verhältnisse, sie sind nicht so./Ein guter Mensch sein! Ja, wer wär’s nicht gern?/Sein Gut den Armen geben? Warum nicht?/Wenn alle gut sind, ist Sein Reich nicht fern./Wer säße nicht sehr gern in Seinem Licht?/Ein guter Mensch sein? Ja, wer wär’s nicht gern?/Doch leider sind auf diesem Sterne eben die Mittel kärglich und die Menschen roh./Wer möchte nicht in Fried’n und Eintracht leben?/Doch die Verhältnisse, sie sind nicht so!

Genau.

Die Serie nimmt die amerikanische Geschichte und ihre Ungerechtigkeiten der Jetztzeit aufs Korn, zeigt den Kampf vieler Jedermänner und -frauen ums nackte Überlegen in einer Gegend mit elendskalten Wintern, Unterversorgung mit allem, von gesunder Nahrung bis Medizin und Bildung, mangelhafter Infrastruktur, korrupten Politikern, Polizisten, Stammesoberen, FBI-Agenten, Mobstern – und jeder nimmt, was er kriegen kann. Immer auf Kosten derer, die tiefer in der Nahrungskette stehen. Aber irgendwann ist halt ganz unten und es geht nie nie nie nach oben.

Klug und brutal, mit Bildern, die lange haften bleiben.

Lesen! Lesen! Lesen!

Same Day Delivery

Man fragt sich aktuell: wozu eigentlich? Reicht mit der langsamsten Schneckenpost und ist wahrscheinlich selbst dann zu früh…

Wobei mich die Geschäftstüchtigkeit des Herrn Bezos doch in ehrfürchtiges Staunen versetzt.

Das Ei an sich

Ich esse lieber Rühr- als Spiegelei und habs lieber wachsweich gekocht als mit glibbrigem oder hartem Dotter. Nicht festes Eiweiß geht gar nicht.

Neulich hatte mir jemand geraten, für das optimale Dottererlebnis Eier vor dem Kochen heftig zu schütteln. Obwohl ich mich in meinen Shake-Anstrengungen lässig mit Bonds Barkeeper messen lassen zu können glaubte, muß ich irgendwas falsch gemacht haben: der Dotter meines heutigen Frühstückseis war unverändert dotterförmig, das Eiweiß hingegen von eher widerlicher hüttenkäsig-pickeliger Textur.

Vielleicht hätte diese Krönung deutscher Wertarbeit geholfen?

Brandneu auf Amazon Prime (US): Resident Alien

Ein Außerirdischer mit der Mission, sämtliche Menschen zu vernichten, bruchlandet in den Bergen Colorados, übernimmt formwandelnd für die Zeit, in der er Ersatzteile für den Rückflug nach Hause zusammensammeln will, Menschengestalt und wird durch eine Verkettung seltsamer Umstände zum Arzt des Kleinstädtchens Patience. Außerdem majestätische Landschaften, Scheißwetter, Regierungsverschwörung (MiB), mysteriöser Mordfall, Beziehungsdramen.

Zuviel für die ersten 10 Folgen? Nö. Gerade richtig. Aber auch nur, weil der hoch-, hoch-, hochverehrte Alan Tudyk als Alien seine gesamte Palette Alan Tudykness in die Rolle einbringt und es einfach schöner nicht geht. Er wird unterstützt von einem mutigen Skript, das deutlich von dem dunkelschwarzen Originalkomik (Dark Horse) abweicht und viel Humor und Menscheln zuläßt und einem vorzüglich zusammengecasteten Team, das viel Raum für Nebenschauplätze bekommt.

Der Dorfarzt-Alien mit dem klaren Auftrag wird zum Zweifler – haben sie ihn möglicherweiser mit Menschlichkeit angesteckt und was heißt das für die weitere Zukunft des Planeten?

Anschauen! Anschauen!