Sprachliche Sozialisation

Irgendwie kein Wunder, dass, wenn man als junger Mensch bei den großen Friedensdemos sich seinerzeit im Bonner Hofgarten drängte, wo auf jedem dritten Banner “Schwerter zu Pflugscharen” stand, man heute, kriegsunerfahren, und mit noch nachtverklebten Augen in den Schlagzeilen auf dem kleinen Handy-Display von “Pflugverbotszonen” liest.

Stillgestanden!

Neulich im Zug saß in der Sitzreihe neben mir eine Soldatin in vollem Flecktarn, offentsichtlich auf dem Heimweg und sah sich in aller Ruhe die Nachrichten an.

Auftritt Schaffner. “Hier noch jemand zugestiegen? Die Faaahrscheine bitte.” Kontrolliert alle ohne besondere Vorkommnisse, bis er auf die Uniformierte stößt. “Ha, eine Frau kann heutzutage [habichnichtverstanden] werden, hätte es ja zu meiner Zeit nicht gegeben.” Das kommentiert sie nicht, lächelt unverbindlich, hält ihm nur das Ticket hin und will erkennbar einfach in Ruhe gelassen werden.

Will er aber nicht, nicht, wenn er die Chance hat, mit einem ganzen Großraumwagen voller Zugreisender ein intimes Gespräch von Uniform zu Uniform zu führen. Er persönlich glaube ja nicht, dass die Bundeswehr in dem Zustand, in dem diese Ministerin das Heer hinterlassen habe, da unten auch nur den Hauch einer Chance habe. Da solle sie doch mal was zu sagen. Tut sie nicht. Weist allerdings darauf hin, dass ein Einsatz in der Ukraine nur im Rahmen der Nato überhaupt möglich und hoffentlich vermeidbar sei.

Obwohl er nicht weiterkommt, hört er partout nicht auf und wird widerlich. Und in der Kaserne oder im Manöver? Wie das da mit den Duschen sei? Das bescheidet sie ihn kurz und knapp mit “wie im Schwimmbad, das kennen Sie ja”. Das beendet das Gespräch.

Hut ab, Frau mit der goldenen Kordel an der Uniform, welcher Rang immer das sein mag. Ich bezweifle, dass ich dieses schweineäugige Gesabbere so gelassen ertragen hätte.

Zitat zum Wochenanfang

Man sagt, der alte Schorsch sei ein rechter Miesepeter gewesen, aber so ganz falsch liegt er nicht:

“The longer I live the more convinced am I that this planet is used by other planets as a lunatic asylum.” — George Bernard Shaw

Gut gemeint

Bin ich eigentlich der einzige Mensch, der diesen Recruiting-Slogan von Penny immer mit “mich mal” komplettieren möchte?

Gelesen : John Scalzi – “The Consuming Fire” (Band 2 der Interdependency Trilogy)

Hach!

Science Fiction, wie man sie nur mögen kann. Gut, ach was, sehr gut geschrieben, unwahrscheinlich unterhaltsam, Raumschlachten und Drama, Wortwitz und ganz wunderschöne Flüche, intelligente Gespräche und dumme Kommentare, und immer, wenn man glaubt, es geht nicht mehr, kommt wieder eine (im Nachhinein vollkommen logische) Wendung daher, die Karten werden neu gemischt und die Machtverhältnisse durchgerüttelt. Was freue ich mich auf die Ferien und darauf, im 3. Band endlich zu lesen, wie er all die Handlungsfäden zusammenführt und die Geschichte auflöst.

Lesen! Lesen! Lesen!

Verwirrung der Gefühle

Mehl, lese ich vorhin im Supermarkt, werde nur noch in Einheiten von “2 x 1” verkauft. Bin ich jetzt ein guter Mensch, weil ich nur einen Packen mitnehme oder ein Halbhamster, weil ich eigentlich noch genug zu Hause hätte?

U-rum nur?

“Sorry” scheint nicht mehr “the hardest word” zu sein. Nicht bei diesem Raubkopierer.

Kein Zeichen, drum Wundern

Wenn man ganz nah hingeht und die Augen fest zusammenkneift, dann läßt sich sehr schemenhaft ein vor langer Zeit wohl noch vorhanden gewesen seiendes Ampersand erkennen.

Von weiter weg steht auf dem Schild “Yoga für Schwangere Senioren” und löst bei der Betrachterin doch eher Verwirrung aus.