Fehlzündungen

Heute beschäftigt sich das “Streiflicht” der Süddeutschen mit Wintersport und zitiert wunderbare Synapsenblitze aus der Welt des Sports. Will ich euch nicht vorenthalten:

Also sagte einmal der Fußballer Philipp Lahm: “Man muss nicht immer das Salz in der Suppe suchen.” Und natürlich der frühere Werder-Trainer Viktor Skripnik: “Ich schmeiße nicht das weiße Handtuch.”

Mitten im Lesen: George Saunders – “A Swim in a Pond in the Rain: In Which Four Russians Give a Master Class on Writing, Reading, and Life”

Hach, Hach und Triple-Hach!

George Saunders, der seit 20 Jahren an der Universität Syracuse lehrt, hat diese lange Zeit des Lehrens und Lernens in einem Buch zusammengefaßt, das nichts anderes ist, als eine lange Vorlesung eines begeisterten Lesers und Schreibers.

Ich bin gerade erst mit der ersten Lektion zu einer Kurzgeschichte von Tschechow durch, rückhaltlos begeistert und freue mich schon jetzt auf die nächste literaturphilosophische Unterrichtseinheit.

Lesen! Lesen! Lesen!

Gelesen: N. K. Jemisin – “The World We Make”

Es war einmal, vor langer Zeit (also vor circa vier oder fünf Jahren), da plante die Autorin eine Trilogie “The Great Cities Series”, die in einem phantastischen Setting große Fragen behandeln sollte. Wie die, welchen Einfluss die Gründung von Siedlungen und deren Entwicklung zu Städten bis hin zu Megalopolen auf die Entwicklung der Menschheit hatte. (Der Begriff “Megalopolis” wurde von Oscar Spengler in seinem 1918 erschienenen Werk “Der Untergang des Abendlandes eingeführt. Schon das könnte ein Zeichen sein. Oder nicht?) Wie und welche Menschen warum zusammenleben. In welchem Zusammenhang Städtebau und Macht stehen. Und. Und. Und.

Der erste Band wurde 2020 veröffentlicht (Kritik s. hier: https://flockblog.de/?p=45358). Überholt von einer Welt und einer Zeit, in der Covid-19 in enger Zusammenarbeit mit Damalsnochpräsident Trump die Zeitgeschichte und den Hauptschauplatz New York in ihren eigenen dystopischen Albtraum umgemünzt hatten.

Im Nachwort zu diesem zweiten und letzten Band der nunmehr Duologie beschreibt Jemisin eindringlich, in welche Konflikte sie diese Etnwicklung gebracht und wie und warum sie sich dennoch zu dieser Fortsetzung entschlossen hat.

Man kann ihr für diesen Kraftakt nur danken. Dieses Buch ist unglaublich dicht und intensiv, es bleibt kaum Zeit, einmal durchzuatmen, so sehr treibt die drohende und real existierende Katastophe von außen die Geschichte voran. Hinzukommt, dass diese Situation von der politischen Rechten ausgenutzt wird, einen extrem schmutzigen Wahlkampf um die Position des neuen New Yorker Bürgermeisters und das zukünftige Schicksal dieser Stadt zu betreiben.

So sehr tagespolitisch war Jemisin noch nie. Ich traue mich dennoch vorherzusagen, dass auch dieses Buch Bestand haben wird, eben weil sie den Mut hat, Fiktion daraus zu machen. Wieder kämpfen die Avatare der Stadt für deren Überleben, mit- und gegeneinander, wieder ist die Sprache atemberaubend und ungeheuer präzise. Hinzukommt, dass Jemisin hochgebildet ist. Ich habe mich über jedes Zitat, jede Anspielung, jede Referenz, die ich erkannt habe, gefreut wie ein Kind. Bin aber sicher, dass mir mindestens ebenso viele entgangen sind. (Vielleicht beim nächsten Mal.)

Wie ich den online zu lesenden Zeitungen entnehme, ist es inzwischen üblich, die voraussichtliche Lesezeit anzugeben. Hier ist es ein Winterfeiertag, von früh bis spät, mit gelegentlichen Unterbrechungen zur Nahrungsaufnahme.

Unbedingt lesen! Lesen! Lesen! Lesen!

Gut, dass wir das geklärt haben

Ich brauche eine neue Schmutzfangmatte (vulgo “Teppich”) für den Flur und treibe mich auf Online-Basaren herum. Dabei heute folgendes gelernt:

Auf Schwäbisch ist das anders. Auf Schwäbisch bedeutet “Teppich” (sprich “Debbich”) Decke. So wie eine Wolldecke, die man auf dem Kanapee zu liegen hat.

Hab das Modell aber dann doch nicht genommen. Hättet ihr?

Aus dem Vokabelheft

Es habe, berichtet die vom Heimatbesuch zurückgekehrte Kollegin, bei den vielen Besuchen bei Freunden und Verwandten gar nicht so oft großartig gekochte Mahlzeiten gegeben. Man habe vielmehr “Knüsekes” zu sich genommen.

Egal, wie schlecht eines und einer jeden Sauerländisch auch sein mag: dass dieser Begriff nur für lecker Knabberzeug stehen kann, ist doch eindeutig.

Ein dreifaches Hoch auf die Onomatopoesie!

Feuer frei!

Lametta mag weniger geworden sein, Feuerwerk ganz sicher nicht. Hier in Hadern böllert die Nachbarschaft bereits seit Tagen und hat gestern schon eine halbe Stunde vor Mitternacht kollektiv “Freuer frei” gegeben. Erst als das neue Jahr eine Stunde alt war, ließen Lärm und Lichter langsam nach.

Waren ja auch viele böse Geister zu vertreiben. Möge es nützen.

In der ARD-Mediathek: “Kurzschluss”

Nicht weniger als ein “kleines Silvesterwunder” hat Dirk Peitz, der Filmkritiker der “ZEIT” gesehen und fragt sich und uns (mehr so rhetorisch): “Wie gut ist das denn, wie brüllkomisch, wie gegenwärtig auch, wie zugänglich und universell und dabei total eigen.”

Ja doch, Herr Peitz. Anke Engelke und Matthias Brandt spielen da ein kleines feines mehr als überdurchschnittliches Kammerspiel, das sie, zwei nicht mehr junge Menschen mit leicht geknickten Biographien am Silvesterabend im plötzlich zugesperrten Geldautomatenvorraum einer Bank zusammenbringt.

Ich pflege sowas eine “Sternstunde” des öffentlich-rechtlichen Fernsehens zu nennen, Seibt nutzt es zu einer Generalabrechnung mit den Rundfunkanstalten an sich sowie einem Publikum, das sich Ansprüche ohnehin längst abgewöhnt habe. Ruhig, Brauner. Ganz ruhig. Jetzt freuen wir uns doch erst einmal an dieser gelungenen halben Stunde Fernsehunterhaltung mit zwei sehr sehr guten Schauspielern und bauen darauf auf.