Erst von meinem Balkon aus angemessenen bewundert, wie der große rote Feuerball im Meer versinkt und lasse jetzt als Soundtrack zum Blogschreiben eine überraschend starke Brandung (nein, nicht “Brandursache” , du Korrigierdepp) anschlagen. Triple-Hach!
Zu den hiesigen Abendroutinen scheint zu gehören, dass ein Mann mit Traktor den Touristentag unterpfluegt, und ein anderer alles Grünzeug heftig bequalmt. Hust. Ausserdem im Zwielicht eine Flugschau mit Nils-Holgersson (nicht “Johansson”) Gänsen in perfekter V-Formation sowie verblüffend viele Sächsinnen (nicht “Sängerinnen”) reiferen Alters und sehr urteilsfreudig. Werde mich eher fernhalten, höre auch nicht so gut mit dem Kopf unter Wasser…
Ich? Pläne? Heute? Erstes Buch auslesen (nein, nicht “ausleihen”), Adapter (nicht “Ägypter”) besorgen wg. Stromnachschub, Essen, Schlafen mit Meeresrauschen. Quadrupel-Hach!
… im deutschen Winter (jaha, ich weiß, winterunähnlicher geht nicht) für Tagestemperaturen über 30 Grad zu packen und sich extra Jäckchen und warme Socken zu versagen.
Den Film habe ich im Sommer irgendwie verpaßt, war wohl zuviel Sommer und ich immer im Freibad (hihi).
Das Buch hingegen habe ich heute an einem sehr wunderbar sonnigen Novembernachmittag gelesen. Wobei, das ist zu hoch gegriffen. Ich habe ein ausgesprochen schönes Bilderbuch mit ein wenig Text, da wo er gar nicht vermeidbar war, durchgeblättert und sehr viel Freude daran gehabt.
Sollte uns wirklich ein kalter Winter ins Haus stehen, mit diesem Sommerbuch und seinen Denkanregungen kann man sich sehr schön aufwärmen.
Ein schmales Bändchen Exilliteratur, in dem Keun das zufällige Zusammentreffen einer Gruppe von Menschen in einem Abteil dritter Klasse auf der Bahnfahrt von Berlin nach Paris (über die damals real existierende “Devisengrenze”) in präzisen und sehr herzenswarmen und stellenweise urkomischen Dialogen auslotet. Keinem geht es wirklich gut, keiner möchte, wo er herkommt, bleiben, jeder hofft auf eine bessere Zukunft, woanders. Ihre Hauptfigur, Magdalene, ein blondes Gretchen, hier Lenchen genannt, dürfte autobiographische Züge tragen. Immer an die falschen Männer geraten, trotzdem naiv und zukunftsfroh.
Man sollte das lesen. Keun ist in der Nachkriegszeit nie mehr so richtig bekannt geworden und war immerhin eine der wenigen veröffentlichten Autorinnen der Weimarer Republik.
Im Sommer hatte ich mit Spaß und Freude die Serienverfilmung des Buches angesehen (s. https://flockblog.de/?p=47062) und kann jetzt mit Fug und Recht sagen, das Buch steht dem Bewegte-Bilder-Medium in nichts nach. Vielmehr ist es so geschrieben, dass mans vom Blatt weg abfilmen könnte. Angesichts der schieren Menge, die Herron produziert, scheint er einer dieser Autoren zu sein, denen leichtfüßiges Schreiben leicht fällt. Dass die Texte dennoch analytisch genau, komisch, sauspannend und die Figuren glaubhaft und komplex sind, macht die Qualität seiner Bücher aus.
Ich habe für kleines Geld eine mehrbändige Slough House-Sammlung erstanden und werde in loser Folge berichten. Wer Spaß an Spionagegeschichten im und fürs dritte Millennium hat, macht mit der Lektüre nichts falsch.
Der Bücherstapel ist so gut wie gerichtet, die paar Klamotten, vor allem Schwimmzeugs und Fähnchen (Tagestemperatur im Schnitt ca. 33°, nachts sowas um die 23°) zusammengesucht, die Vorfreude wächst.
Wenn ich jetzt nur noch den Schnorchel finden könnte…
In meiner Welt gibt es schon Pluspunkte, wenn eine Fortsetzung nach dem vorhergehenden Teil spielt und man sie nicht mit phantasievollen Namen benennt, sondern logisch aufsteigend mit Zahlen durchnummeriert.
Damit zu “Enola Holmes 2”.
Das Gute zuerst: es hat ein bißchen was von der Familienfeier bei der besten Freundin. Man kennt die Leute alle, und man kann sie viel leichter mögen oder wenigstens tolerieren, weil sie nicht mit einem selbst verwandt sind. Ich hatte wieder große Freude an Millie Bobby Brown (Enola) und besonders an ihrem Talent für Hosenrollen und Helena Bonham Carter (Enolas Mutter) und den hübschen jungen viktorianischen Männern, Henry Cavill (Enolas Bruder Sherlock) und Louis Partridge (Enolas Freund, Last und Lover to be), der ganze Film kommt auch vertraut und liebenswert daher, ahaber…
Aber: so nett das alles war, man sollte sich nicht zu sehr auf Bewährtes verlassen. Nicht den Bruch der vierten Wand überstrapazieren. Nicht zu viele Kampfszenen einbauen, in denen zarte korsettgeschnürte mädchenhafte junge Frauen die bösesten Schurken dank ihres intensiven Jiu Jitsu-Trainings gerade mal um Haareslänge doch noch besiegen. Nicht zu viele Verfolgungsjagden, wobei die Kutschenszene nach dem Gefängnisausbruch* (war im ersten Teil das superstrenge Mädchenpensionat) ausgesprochen sehr schön geraten ist, das viele Gerenne durch die viktorianische London-Szenerie sich aber irgendwann doch totläuft (hihi).
Schön, dass der Kampf um Gleichberechtigung so viel Raum bekommt, besonders schön, dass dem historischen “Matchgirls’ strike” ein Denkmal gesetzt wurde, aber, wie gesagt, aufpassen! Zu viel des Guten ist halt dann auch zuviel. Auszunehmen vom Schimpfen wünsche ich ausdrücklich die Händel mit Händel. Das “Hallelujah” habe ich noch nie so jauchzend frohlockend erlebt. Da…
Man kann auch den zweiten Enola-Holmes-Film noch gut ansehen. Eine etwas längere Pause würde jetzt aber nicht schaden.