Wie man seinen Samstagvormittag verbringen kann

Zum Beispiel könnte man auf dem Markt leckere Dinge einkaufen gehen und dann ein schönes Frühstück zubereiten. Oder gaaaaanz lang ausschlafen. (Nicht, dass ich das nicht immer könnte, aber samstags ist besonders schön. Immer noch.) Oder früh das Auto satteln und wohin fahren, wo die Wintersonne ganz besonders schön scheint. Oder, oder, oder.

Man kann aber auch, weil der Vorverkauf für März im Resi pünktlich um 10:00 Uhr beginnt, wie ich heute, auf drei Browsern (ich kenn mich aus!) auf die von dreistellig herunterzählende Position im “Warteraum” starren und, endlich auf Platz 1 vorangekommen, viele Male erleben, dass die Eventim-Website einen zu hohen Andrang vermeldet und einen auf “Start” zurückschickt.

Aber ich habs geschafft. Zwei Superduperkarten! Ganz vorne, fast mittig und Ende März werden wir dann angesungen werden: “Willkommen! Bienvenue! Welcome!”

Wie freu ich mich!

PS: So oft, wie ich heute “Refresh” gedrückt habe, müßte die Luft in München rein sein wie nie zuvor.

Neu zum Strömen: “Star Trek: Starfleet Academy”

Nach den ersten beiden Folgen war ich mir nicht sicher: taugt das nun was? Wo doch Holly Hunter die Schulleiterin und Kapitänin des Schulschiffes spielt und die Figur total unkonventionell ist: barfuß in Schule und Raumschiff, wo sie im Kaptiänenstuhl herumlümmelt (!). Außerdem ist sie steinalt, hat alles schon gesehen und erlebt und ist deswegen die ideale Besetzung, um 100 Jahre nach dem allvernichtenden “Burn” nunmehr junge Menschen zu begleiten, “to boldly go where no man has gone before”. Uhund sie trägt, unkoventionell, wie sie ist, für Kleingedrucktes eine Lesebrille (!), und das, wo der Visor, der Blinde sehen läßt, schon lange erfunden ist, gell, Geordi La Forge? Dann ist Robert Picardo wieder dabei, der opernsingende herrlich arrogante Doktor und Stephen Colbert* gibt den “Digital Dean”. Eigentlich kann diese neue Star Trek-Serie doch nur gut sein?

Nach nunmehr dreieinhalb Folgen kann ich klar verneinen. Nicht gut. Die vielen jungen Menschen, die die Studenten und Innen der Akademie geben, wurden nur wegen ihres Aussehens, die Herren hübsch und muskulös, die Damen anorexisch und ebenfalls gut defniert, gecastet. Nicht etwa wegen der Schauspielerei. Die einzige, die anders aussieht, also Normalfigur mit Mondgesicht und einer Auswahl blöder Frisuren, arbeitet als “comic relief”, und man hat ihr leider dafür keine lustigen Texte geschrieben. Ansonsten gehts an der Starfleet Academy zu wie an jeder amerikanischen Hochschule: es wird jeder Trope abgearbeitet. Die, die sich anfangs nicht ausstehen können, werden beste Freunde, der eher wenig soziale Typ ist nicht böse, sondern bewältigt ein frühkindliches Trauma, die Mädels zicken untereinander auf Cheerleaderniveau und im Bubenschlafsaal stinkts nach ungewaschener (Sport-)Kleidung.

What an utter shyte! Gene Roddenberry dürfte sich demnächst in die andere Erdhälfte rotiert haben.

Nicht anschauen!

* Stephen Colbert, langjähriger Late-Show-Host und ausgesprochener Kritiker des aktuellen Präsidenten, seiner Politik und seines Stabes, wurde, wir erinnern uns, von seinem Sender CBS (Paramount) auf dem MAGA-Altar geopfert und wird Mitte Mai das letzte Mal auf Sendung sein.

Gelesen: Katinka Buddenkotte – “Früher war wenigstens Sendeschluss – Film und Fernsehen für Fortgeschrittene”

Eigentlich mag ich Budenkotte. Aber, wie meine kluge Leserschaft deduziert, wenn ein blogpost schon so anfängt: dieses Buch ist nix. Eine Sammlung von Histörchen übers Fernsehen, knapp 10 Jahre alt, und sie ist, wie das Medium selbst, nicht gut gealtert. Seicht. Fad. Laa-aangweilig.

Ich habe bis zum Schluß keinen guten Grund gefunden, weiterzulesen und werde das Büchlein im roten Bücherschrank bei der Feuerwehr deponieren. Vielleicht findet es woanders ein gutes Heim.

Nostalgie-Kino: “Firefly”, 2002 und “Serenity”, 2005

Der kleine Pummelnerd Joss Whedon, mit dem roten Lockenkopf und dem Flusenbart hat sich mit dieser Serie den Traum seiner Nerdjugendjahre erfüllt.

Große starke Muskelmänner prügeln sich (Zack! Schmack! Prack!), zu zweit und zu vielen, schießen aus allen Rohren, reiten wilde Hengste und Raumschiffe. Und, noch besser, zarte anorexische Mädchen (mit trotzdem Busen) machen das auch, und zwar nicht untereinander, sondern mit den großen starken Muskelmännern. Und die Mädels gewinnen! Ha!

“Firefly” ist das, was passiert, wenn sich der Sender Fox sich was traut, aber dann doch nicht und die Produktion nach 14 Folgen wieder einstellt. “Serenity” ist das, was passiert, wenn das Zuschauervolk keine Ruhe gibt und wissen will, wie es ausgeht. Man kann diese wilde Kombination aus Science Fiction, Western und Dreck entweder nur lieben oder hassen, dazwischen geht nicht. Ich bin bekennender Fan, sehr begeistert von Buch, der Regie, dem mehr als gelungenen Casting, den Schauspielerinnen und Schauspielern, der sagenhaften Ausstattung, der Kameraführung, den vielen tollen Ideen und … und ich finde es bis heute schade, dass der Sender nicht mutig genug war, zu sehen, wie sich das entwickelt.

Wenigstens gibt es das bißchen, das es gibt und ich habe diese Woche mit ein paar “Alle-paar-Jahre-wieder-Firefly”-Abenden verbracht und sehr genossen.

Anschauen! Anschauen! Anschauen!

Spielregeln

Ihr Opa, erzählt ein Mädele im U-Bahn-Vierer gegenüber ihrer Freundin, habe ihr in den Weihnachtsferien das Schachspielen beigebracht. Ein schweres Spiel. Komplizierte Regeln. Ganz wichtig, wenn man den Gegner geschlagen habe, sei es, umgehend “Schachmattundbonapetit” (ein Wort, gesprochen wie geschrieben) zu rufen. Nur dann gelte es.

Ich glaube ja, der Opa war abgestellt, das Kind zwischen den Mahlzeiten vom Handy fernzuhalten. Aber was weiß ich schon.

Anlageberatung

Meine Bank schreibt mir heute, dass ich mich einwählen soll, für neue Anregungen zum Wachstum meines Vermögens.

Ich glaube, weder die Bänker noch ich hätten uns die Länderkombi oben je im Zusammenhang mit meinem Geld vorstellen können.

Es sind schon sehr eigenartige Zeiten.

Aus dem Vokabelheft

Es ist Winter und ich habe mich, wie das einer älteren Dame geziemt, seit langen Jahren einmal wieder mit Handarbeiten beschäftigt und nun ein paar Restbestände an Wolle. Denk ich so bei mir: “da strick ich doch ein Paar Socken draus” und, bevor ich was falsch mache, lasse ich mir auf YouTube nochmal rasch den tricky part zeigen: “Verse stricken”.

Gut, dann halt keine Socken. Dann dichte ich eben.

Gestern Abend im Künstlerhaus am Lenbachplatz: “Holz­fällen” mit Nicholas Ofczarek und Musicbanda Franui

Vorausgeschickt: Der Große Festsaal im Künstlerhaus ist kein guter Veranstaltungsort für diese Veranstaltung. Die Bestuhlung ist unglücklich, unsere 5. Reihe nicht versetzt mit der vierten, so dass der Blick auf den lesenden / vortragenden Ofczarek die meiste Zeit durch den nicht einmal besonders großen Herrn vor mir blockiert ist. Dafür sind die Sitze so dermaßen unbequem, dass man irgendwann nicht mehr weiß, welche Körperhaltung einzunehmen sei, um die 2:20 Stunden durchzuhalten.

Es gibt eine Lichtregie. Die ist vielleicht sogar gut. Die Qualität ist bloß nicht recht nachzuvollziehen, weil sie die ersten paar Reihen komplett einschließt und das geneigte Publikum eher geblendet wird, als den Effekt erlebt. Außerdem wird ununterbrochen eingenebelt. Weil die Lüftung des Saals aber älter zu sein scheint, als das ganze Haus, löst der Dauerqualm irgendwann Atemnot aus.

Bitte, bitte, bitte: das nächste mal wieder im Prinzregententheater spielen. Dort können sie sowas. Mit links. Nachdem ich meine Beschwerde nun losgeworden bin, nun zu Stück und Vortragskünstlern.

Als Studentin der Theaterwissenschaft in den Achtzigern bin ich an Thomas Bernhard nicht vorbeigekommen. DAS enfant terrible, neben Handke. Und, weil der Bernhard ja die Österreicher beschimpft hat und nicht die Deutschen, war sein Werk ein ganz ein herrlicher Tummelplatz für uns möglicherweise zukünftige Dramaturginnen oder Kritikerinnen.

In “Holz­fällen” führt der böse Bernhard sie alle vor: die Künstler, seien es Musiker oder Schauspieler, das Burgtheater und seinen eigen- und einzigartigen Platz in der österreichischen Rangordnung, die Wiener und ihr und sein Wien, Österreich im Ganzen und im Kleinen. Und sich selbst. Weil, was ist der Österreicher ohne Selbsthaß? Er tut das, indem er als Beobachter einer “künstlerischen Abendgesellschaft” aus seinem Ohrensessel heraus das ganz ganz feiner Skalpell ansetzt und jede, jeden und alles seziert. Auslöser der Zusammenkunft ist die Beerdigung einer alten Freundin, die sich just umgebracht hat. Erhängt. Was der Erzähler lakonisch als einen recht typischen, ja fast erwartbaren Schauspielertod kommentiert.

Ofczarek sitzt, in schlichtes Schwarz gekleidet auf einem simplen Stuhl in der Bühnenmitte, umrundet von der Musikbanda, vor sich einen Notenständer mit dem Text und setzt seine Stimme ein wie ein Skalpell. Er läßt die Hausfrau (und gealterte Sängerin) ehrfürchtig über den zu einem späten Abendmahl erwarteten Burgschauspieler tremolieren, den Hausherrn in einen fürchterlichen Rausch abgleiten – dessen allerdümmste Sprüche Franui mit einem getragenen “Auferstanden aus Ruinen” untermalt – eine alte Liebe und nun ganz furchtbar achtsame Schriftstellerin in einer sehr geschäftigen Stimmlage heillos unsensibel herumwüten, den spät nun endlich eingetroffenen Burgschaupieler gräßlich arrogant im eigenen Safte schmoren und läuft zu besonderer Hochform auf, wenn Bernhard wieder heftig gegen sich selbst tritt. Und die Musi spielt dazu. Es ist ein Fest! Franui spielen Trauermärsche so gekonnt wie Tischgespräche, unterschwellige Bosheiten so schön wie offenen Streit. Ich weiß gar nicht, wie ich diese Kunstform nennen soll und lasse es deswegen einfach sein.

Dabei vergißt keiner zu keinem Moment, dass dieser Ofczarek da vorne ja auch ein Burgschauspieler ist, und mit genau dieser Schimpftirade seit vorletztem Jahr ein Solo mit 10 Musikern auf den geheiligten Brettern der Bühne des Burgthaters spielt. Außer den beiden Damen neben uns, die beim ersten Black, der die Pause einleitet, glauben, nun sei das Stück aus und sich zu gehen anschicken. Sie können aufgehalten werden, mit dem Hinweis, dass doch das großartige dumme Zitat vom Burgschauspieler: “Wald, Hochwald, Holzfällen.” noch gar nicht gesprochen worden ist.

Wie schön, dass der junge Mann damals nach der Aufführung von “Die letzten Tage der Menschheit” (im Prinzregententheater, wo sowas hingehört) (s. https://flockblog.de/?p=51475) Flyer für “Holzfällen” verteilt hat und ich gleich wußte, wem ich mit diesem Abend eine Freude machen kann.

Dank meiner Begleitung, Herrn E. aus M.