Bye-bye Miss

Die Frau Königin hat noch einmal alles mobilisiert, was ihre Armee hergibt. Infanterie, Kavallerie, Gebirgsjäger, Taucher, Synchronschwimmer, sie scheint sogar eine Luftwaffe aufgebaut zu haben (das sind die, die sich einfach von der Decke oder vom Duschkopf fallen lassen) und alle vollzählig angewuselt zur feierlichen Abschiedsinvasion in mein Bad.

Oh Mann, Madame, wir haben das doch schon so oft besprochen: ich habe Gel. Ihre Jungs bringen die Pampe als Beute heim, Sie naschen davon und dann bumm, tot. Und weil ich ich bin, habe ich genug von dem Zeug vorrätig, daß es für die erste Attacke auf meine potentiellen Nachzügler ausreicht bzw. ausgereicht hätte.

Dann halt doch wir beide. Und der Tod aus der Tube.

Schwätzle mit der Nachbarin

Carmen: Und, wie war dein Tag? Was hast du so gemacht?

Sabine: Och, nix besonderes. Eigentlich wie immer. Zeug eingepackt und rausgestellt, heute so ungefähr eine dreiviertelte Küche.

kitchen on the sidewalk

(Und wenn ich morgen Abend heimkomme und alles nach Plan gelaufen ist, dann haben die guten Menschen von http://www.parca.org/home alles abgeholt und machen irgendwas Nützliches damit. Und ich esse nie wieder in meinem Leben von Konfettigeschirr.)

Merksatz #8

Man kann beim Auszug aus einem Land mit vier Jahreszeiten, davon eine Winter und Brrrrhhhh, in ein Land mit zweien, davon eine eher lau und die andere schön warm, viel Blödsinniges einpacken. Eine Spitzenreiterposition nimmt fraglos eine Trühelchen voller Wolle sowie eine Auswahl angefangener Pullover und Schals und Weißichjetztauchnichtmehrsogenau ein. An die habe ich in den knapp sieben Jahren nicht ein Mal gedacht, genauso wenig wie daran, mit klappernden Stricknadeln wärmende Bekleidung herzustellen.

Ich weiß, ich weiß, winter is coming und lange dunkle Nächte in der Stube are upon me. Ich kann nicht ausschließen, daß ich irgendwann mal wieder mit Wolle hantieren will, dann aber ganz bestimmt mit anderen Farben und Stärken und überhaupt. Hier und heute: Spendensack!

Aus dem Vokabelheft

Daheim, ja, da haben sie immer über sie gelästert und sie eine “Ratschkathl” genannt, “eine elendige” gar; hat ja keiner wissen können, daß sie gar nix dafür kann, wo doch Logorrhöe in ihrer Familie erblich ist. Irgendwann hats der Kathi g’langt und sie ist ausgewandert.

Den Sprechdurchfall haben sie bei der Immigration auch wieder mit durchgewinkt und drum kennt man sie in der neuen Heimat nur als “Chatty Cathy”.

The Big Babypool Incident*

Gestern erst soll in Beijing ein Radl umgefallen sein und jetzt is scho wieder was passiert: ein Kind hat ins Becken gekackt. Red Alert! Alle raus! Raus! Raus! Go! Go! Go! Go! Goooo! Anschließend die Bälger dekontaminieren und mit den richtig Harten den Schwimmunterricht im Gar… Quatsch, im flachen Teil des großen Beckens fortsetzen. Zugegeben, diesen Teil (bis auf den Scheißhaufen) habe ich mir ausgedacht.

Als ich mittags im Schwimmbad ankomme, hängen schon überall Zettel, daß es einen Zwischenfall** im Babypool gegeben habe und die Dame an der Rezeption informiert mich, daß das Kinderbecken sofort “frosted” worden sei und noch nicht wieder zur üblichen Tritscheltemperatur aufgeheizt habe werden können. “Seltsam ist das schon”, denke ich mir. So, wie die Amis sonst gepoolt (hihi) sind, hätten sie Das Böse doch eigentlich dem Feuertod überanworten und das Schwimmbecken mindestens einmal sprudelnd aufkochen müssen, statt es angenehm tiefzukühlen. Aber was weiß ich schon von Schwimmbadentgiftung?

Dann höre ich mit dem Denken auf und ihr wieder zu und komme gerade richtig zu dem Teil des Rituals, wo sie sich im Namen von Schwimmbad, Schwimmbadbetreiberclub, Neptun und der Welt für die “Inconvenience” vielmals entschuldigt und mir rät, mich noch nicht umzuziehen. Man müsse erst noch einmal Messungen vornehmen, um das Gefährdungspotential einschätzen zu können. (Ernsthaft, sie spricht von “Danger” und “Public Safety” und ich frage mich langsam, ob da frühmorgens unter Ausschluß der Öffentlichkeit ein Kurs für Cholerakinder stattfindet.) Ich hätte an sich mindestens die Nationalgarde erwartet, doch die läßt sich von Bademeistern vertreten, die an langen Stangen kleine Plastikflaschen zu Wasser lassen, sie gewichtig nach hintern (ins Labor?) tragen und nach angemessener Prüfzeit mit einem “All Clear” zurückkehren. Alle lachen, tanzen, singen, springen: Hurra! Hurra! Hurra! Der Pool ist geheilt und die Öffentlichkeit ist wieder zugelassen. Unter Öffentlichkeit sind Drei Dicke Damen zu verstehen, die dem Treiben eine Viertelstunde lang zunächst amüsiert und über die Zeit mit zunehmend sarkastischeren Kommentaren zugesehen haben. Und ja, das mit dem lachen, tanzen, singen, springen und Hurra! Hurra! Hurra! ist frei erfunden, hat sich aber so ähnlich angefühlt.

Weil das Wasser nur knapp 20°C statt wie sonst 28°C warm ist, turnt Desha ein extra flottes Programm vor und wir lachen, tanzen, singen, springen und haben so lange unseren Spaß, bis nach kaum 20 Minuten ein Bademeister mit Leichenbittermiene auftaucht und mitteilt, man habe sich vermessen und wir müßten das Becken zu unserer eigenen Sicherheit jetzt sofort umgehend verlassen und am besten mit viel Seife lang heiß duschen.

Was eine Kinderkacke!

* Die Rechte an dem Filmtitel gehören mir. Damit kann man von Horror bis Porno alles drehen.

** “Big Shitcitend” bzw. “Kakakatastrophe”

“Bad German”

Eine ganz eine schlechte Deutsche sei ich, hat man mir heute gesagt. Warum? Weil morgen im Levis Stadion Manchester United gegen den FC Barcelona im Soccer antritt und zwar mit Shwinshticker. Meine fußballbegeisterten Kollegen haben bis zu 400 Dollar für mittelschlechte Tickets ausgegeben, weil man dieses Spiel einfach sehen MUSS.

Nein, Herrschaften, muß man nicht. Ich kann euch gar nicht sagen, wie dermaßen mir FCB-Transfers am Derrière vorbeigehen. Das einzige, was ich MUSS, ist packen. Sonst nix.

Spare some change*

Als Landverlassende hat frau viel zu organisieren: Strom abbestellen, Lebensmittelschrank leerkochen, Fassungsvermögen der Mülltonnen bis zur physikalischen Unmöglichkeit ausdehnen, Alkoholvorräte leertrinken (lassen), Internet kündigen**, Zeitungsabos umleiten, zum umpfzigsten Mal noch ein Dokument ausfüllen, in dem ich bestätige, daß mir nichts ferner liegt als Menschen- und/oder Drogenschmuggel, ich selbstverständlich bereits längst in Deutschland als Einwohner gemeldet bin, mein Paß gültig, mein Geld ungewaschen und meine Absichten gut und edel sind. Dabei will ich doch nur wieder weg; wer sich hier niederzulassen gedenkt, sagt der Spediteur, schlägt sich, grob geschätzt, mit der dreifachen Papiermenge herum.

Worauf wollte ich gleich nochmal hinaus? Ach ja, meine To-Do-Liste. Ich versuche seit Tagen, mein Glas voller schwer erbückter Findelpennies, Nickels (Fünferl), Dimes (Zehnerl) und Quarters (Fünfundzwanzigerl) endlich in einer Coinstar-Maschine zählen und in einen Einkaufsgutschein umwandeln zu lassen und es will mir einfach nicht glücken. Überall sind die Dinger “out of order”. Toni weiß Rat, im Lucky-Supermarkt bei ihm ums Eck steht auch einer, da können wir auf dem Heimweg rasch anhalten. Gesagt, getan. Die Maschine ist zwar funktionstüchtig, aber leider schon voll, und ich kriege die Münzen wieder nicht los. Dammit!

An der Parkplatzausfahrt sitzt einer. Im Rollstuhl und mit einem handgemalten Schild, dem wir entnehmen, daß er Robert heißt, obdachlos und einer kleinen Spende nicht abgeneigt ist. Und weil ich eh seit Tagen an Robert, meinen Mitraucher, Wachmann und Philosophen in unserem ersten Büro in der City denken muß, nehme ich das als Zeichen, daß der lahme Robert die Gelddose kriegen soll. Bis ich das alles bedacht und entschieden habe, sind wir mit zwei Reifen schon wieder auf der Straße. Weil aber Toni auch ein guter Mensch ist, fährt er fürs gute Werk halt nochmal um den Block.

Robert freut sich, wünscht alle Formen von Segen auf uns herab und winkt uns bei der abschließenden Runde über den Parkplatz heftig nach. Das hätte Coinstar niemals getan.

 

* “Spare some change” bedeutet wörtlich, ein wenig Wechselgeld zu erübrigen oder ganz prosaisch: “Haste mal ‘ne Mark”.

** San Bruno Cable sieht das mit dem Internet abbestellen ganz pragmatisch. An dem Tag, an dem ich das Modem persönlich in ihrem Büro zurückgebe, wird mein Kundenkonto geschlossen.

Kapitalanlage

Es ist Stau. Richtig dicker Freitagabendstau, Stoßstange an Stoßstange, und ich habe viel zu viel Zeit, darüber zu spekulieren, was der Halter des Luxusfahrzeugs mit dem Nummernschild “BYAHOWS” uns wohl damit sagen will?

  • Ätsch, Mutter! Habe alle deine gutgemeinten Ratschläge ignoriert und mir statt einer Immobilie ein Mobil angeschafft.
  • Ätsch, andere Verkehrsteilnehmer! Das was ich da so lässig herumkutschiere, entspricht lässig dem Wert eines bescheidenen Eigenheims.
  • Ätsch, Linguisten! Ich kann aus sieben Buchstaben einen Satz bauen, für den ihr neun und ein Satzzeichen braucht. (“Buy a house.”)
  • Ätsch, potentielle Partner! Seßhaftigkeit ist nichts für mich, ich will Spaß, ich geb Gas.
  • Danke für das Auto, Schatz! Sobald du ein Haus gekauft hast, komme ich zurück.
  • Und noch einen für alle Missionare: Gute Menschen müssen bleiben, böse fahren weg. Weit weg.

Dabei habe ich mir die ganze Zeit das Hirn zermartert, ob ich dieses Kennzeichen nicht schon mal gesehen (kommt hier recht häufig vor) und einen vergleichbaren blogpost schon einmal geschrieben habe. Mir ist so, die Suche hat jedoch nichts ergeben.

Wenn doch, dann ist es Zeit, zu gehen.

Aus dem Vokabelheft

Immer die gleiche alte Leier oder wie man hier sagt: “He harps on and on and on.”

Ach, jetzt, Harfe und Leier, kommt raus aus dem Schmollwinkel. Die Menschen haben euch gern. Doch, ganz bestimmt. Denen war Xylophon nur zu kompliziert.

Katastrophal!

Als ich gestern angestaubt und müde, mit beiden Händen voll zum x-ten Mal vor der schweren Entscheidung Müll-, Spenden- oder Umzugscontainer stand, klingelten zwei Ensemblemitglieder des “Book of Mormon” in weißen Hemden, schwarzen Anzügen, mit frischgewaschenem Antlitz und wohlmodulierten Sprechstimmen und wollten mir nach einem schwungvoll antrainierten gutgelaunten viel-L-igen “Helllllllooo” nicht nur ihr übliches “Good Book” dalassen, sondern gleich noch einen weiteren Stapel Broschüren über Stipendienspendenoptionen für die Aus- und Weiterbildung von noch mehr hoffnungsfrohen Jungmormonen. “Jungs,” hab ich gesagt, “geht mir weiter mit dem Zeug! Ich glaube nicht an euren und keine anderen Götter und wenn für diese Stapel buntbedrucktes Papier schon Bäume und Pigmente ihr Leben lassen mußten, dann bringt sie wem, der sie brauchen kann. Go away!”

Die Beiden waren hard-core geschult und hatten auch für die Frau, die gerade im Umzugsstreß ist, noch was passendes dabei. Ein dünnes Heftchen, in dem die wichtigsten Gedanken zusammengefaßt seien, des Abends zur Entspannung zu lesen. Neiiin! Will nicht! Geht weg! Schönentachnoch und Türzu!

Und was finde ich 20 Minuten nach ihrem Abgang auf meiner Türschwelle? Dieses Faltblatt, in dem auf kleinstem und sehr effizient genutztem Raum gebündelter Mormonenschwachsinn verbreitet wird: Schlechtwetter? Sagt uns, daß Gottes Sohn zu uns unterwegs ist, zu richten und zu strafen, die Böcke (alle Nicht-Mormonen) zu sondern von den Schafen (schräges Selbstbild, aber das war auch nicht anders zu erwarten). Die Schafe kriegen dann eine Art Stempel auf die Stirn und bleiben von “massive earthquakes“, “killer tsunamis“, “unstoppable fires“, “overflowing floods“, “horrific tornados” sowie Tod und Teufel verschont (“death’s icy grip” and “the Devil and Satan” – jaha, alle beide!). Die anderen, die “24-7 irreligious, happy-go-lucky, party-loving multitudes” holt die Katz – die guten Mormonen haben offensichtlich sehr viel Spaß an der Vorstellung, wie die Party People ersaufen, verbrennen, vom Winde verweht, von Bäumen erschlagen und wilden Tieren aufgefressen werden. Vielleicht sollte ich den nächsten, die bei mir läuten, aus der Bergpredigt vorlesen?

Moron1

Solchene Lauser!