Ui, Schnee. Schon wieder.

So langsam fühle ich mich wie in der Geschichte, die vor Jahren im Netz kursierte, in der ein Mann angesichts der ersten Schneeflocken in eine naiv-glückliche Winterwunderlandeuphorie ausbricht, um nach überraschend kurzer Zeit, von der er den Löwenanteil mit Schaufeln und Räumen, vereiste Rohre repa- und sich alles Mögliche abfrieren zugebracht hat, einem nicholsonesken Winterhaß zu verfallen.

Merke: Dante wußte Bescheid.

Kabarett: Martin Frank – “Es kommt wie’s kommt“

Regelmäßige Leserinnen und Leser des flockblogs kennen den Martin ja schon. Nicht? Doch. Tut ihr! Als ihr das letzte Mal von ihm gehört habt, trug er eine blonde Perücke und war ein deutscher Held mit Hort (aka “Siegfried”).

Also nochmal: Aufmerksame Leserinnen und Leser des flockblogs kennen den Martin ja schon. Als Rampensau in einem Ensemble von Rampensäuen unter der Regie der Schweinemeisterin Rothmüller. Aktuell tritt er mit seinem 2. Soloprogramm auf. Mann, bin ich vielleicht erschrocken! Weil, in den ersten paar Minuten beim “Wommap” hatte ich richtig Angst, dass ein Künstler, den ich gern mag und weiter mögen will, eine Karriere als niederbayerischer Mario Barth* anstrebt und dann wär’s das nämlich gewesen, mit dem Mögen.

Es ist dann aber doch ein sehr schöner Abend geworden, weil Martin Frank das kokette Spiel mit seiner niederbayerischen Herkunft (“Niederbayern, Land der angeborenen Emotionslosigkeit”) aus dem Effeff beherrscht und sich für keine aus der Bauernhofbiographie abgeleitete Pointe zu schade ist. Und er singt sehr schön!

Außerdem haben wir folgendes fürs Leben gelernt

  1. Wenn da Doag ned geht, war d’Hefe z’bleed. (Oma)
  2. Wurscht sei dir nichts; egal doch vieles. (Glückskeks)
  3. Wenn eine Tür sich schließt, geht eine andere auf. Wenn nicht, schlog d’Scheibn ei. (Papa)

und damit kommt man dann doch schon recht weit.

Ich hätte auch gerne allen, die das Programm noch nicht kennen, einen Besuch ans Herz gelegt (Tourplan hier: https://bit.ly/2sI6Yyx), aber es scheint, als wären in der nächsten Zeit alle Vorstellungen in und um Niederbayern ausverkauft. Trotzdem probieren, Herrschaften. Es lohnt!

Übrigens, und weil es mich jedes Mal ärgert: Das Lustspielhaus ist einer der Orte, an denen man sich von Herzen wünscht, es gäbe die Menschheit (oder wenigstens das Publikum des Abends) auch in einem anderen Aggregatszustand. Zum Beispiel gasförmig, auf kleine Flakons gezogen. Nur nicht in Normalmensch, der sich mit den anderen seiner Art zu sechst um eines der eng an eng gestellten Bistrotischchen rotten muß, das mit vieren mehr als und mit zweien anständig besetzt wäre. So bleibt nur Schnappatmung (die Lüftung schafft solche Massen auch nicht) in der Legebatterie. Irgendwann tut der Arsch weh, die Schulter ist vom schiefen Sitzen schon ganz verzogen und der Fuß meldet den Hirntod, weil er schon seit einer Stunde reglos an das Stuhlbein des Vordermanns gepreßt war. Jetzt will er auch kein Blut mehr. Das schmälert den Kunstgenuß schon arg und das ist schade.

PS: Wie bedient ein Niederbayer den Computer? Ganz genau richtig: “Puschdabaddn”.

 

* Ja, dieser schleimige Schlonzcomedian verfolgt mich grade irgendwie und das ist gar nicht schön.

Jam Session in der Unterfahrt

Bei den Sonntagabendsessions in der Unterfahrt tritt in letzter Zeit häufiger mal eine Dame auf, die die Baßklarinette spielt. Weil sie eine kleine zierliche Asiatin ist, ist das Instrument ungefähr genau so groß wie sie und das sieht sehr heiß aus. Weil sie leider unter furchtbarem Lampenfieber leidet, wartet sie mit ihrem Auftritt meistens, bis endlich alle anderen was vorgespielt haben, und betritt die Bühne fast immer als letzte. Weil sie aber so derartig gut ist (letzten Sonntag hat sie ihr Instrument ein paar richtig dreckige Witze erzählen lassen), wartet man gerne auf sie und freut sich hinterher, dass man durchgehalten hat. Mögen gnädige Götter ihr die Nervosität nehmen. Sie braucht sie nicht.

Und wenn die Götter eh grad schon dabei sind. Bitte, bitte schickt dem Session-Manager Valentin Preißler eine eurer Eingebungen: er möge sich auf sein Saxofon-Spiel konzentrieren und nicht mehr moderieren.

Merke: es geht immer noch schlechter als das Original. Und das ist im Falle Preißler eh schon Mario Barth.

Ausstellung “Magnum Manifesto” (Kunstfoyer der Versicherungskammer Kulturstiftung)

Anläßlich des 70-jährigen Bestehens der Agentur, ist eine Auswahl von Fotos der Magnum Fotografen zu sehen. Viele sehr großartige Bilder. Möglicherweise hat sich mir deswegen das Konzept nicht ganz erschlossen. Bilder, die geradezu danach verlangen, sehr groß und einzeln zu hängen, sind in kleinen schwarzen Klobildrähmchen (15 x 25) zu Serien zusammengefaßt. Ihre eigentlich Wirkung kann man so nur erahnen.

Wie es hätte sein können, zeigt das Foto von Jonas Bendiksen “Villagers collecting scrap from a crashed spacecraft, Altai Territory, Russia, 2000”, das den Flyer ziert und gleich am Eingang in einem Riesenformat sehr prominent plaziert ist. Was auf dem Winzbildchen weiter hinten in der Ausstellung mühevoll als weiße Flecken erkennbar ist, sind im großen Druck Schmetterlinge.

Man verstehe mich nicht miß. Der Besucher bekommt einen Abriß der Geschichte der Agentur, ihrer Künstler und ihrer Vision und Mission. Was aber fehlt, sind die “Oh”-Erlebnisse, die viele dieser Bilder bergen. Trotzdem, wer Zeit hat, gehe schauen.

Die Ausstellung wird in Deutschland exklusiv nur im Kunstfoyer gezeigt, läuft noch bis zum einschließlich 27. Januar und der Eintritt ist frei.

Heiße Ohren

Aus gewöhnlich sehr zuverlässigen Quellen wurde dem flockblog das Liederbuch des gestrigen CSU Parteitags zugespielt:

  1. Der Horst ist fort (Kanon)  –  Zum obligatorischen Mitsingen für alle
  2. Maggus an die Macht  –  Die jungen Parteitenöre ft. Herbert Grönemeyer
  3. Oinr Isch Emmr Dr Arsch  –  Die Frankenkassandras unter Leitung von Ilse Aigner

Moralphilosophie

Ist es angemessen, die Gaffer von Gafferformaten wie dem Dschungelcamp elendige Gaffer zu nennen, wenn man sich selbst jeden Morgen wie ein Schnitzel über Anja Rützels Bericht von der Vortagesfolge freut? (http://www.spiegel.de/thema/dschungelcamp/)

Herr Kant aus Königsberg, bitte übernehmen Sie.

 

Bonusfrage, weil ich das immer schon wissen wollte: Wie freut sich ein Schnitzel und was unterscheidet es vom Schneekönig?

Sofern die Winde wehen

Ist eigentlich einer, der wochenends im Aufzug Flatulenzen frei läßt, beruflich irgendwo als Sesselfurzer tätig? Oder ist einfach nur einer der Darsteller aus Hangover 1-∞ neu zugezogen? Und ist schon mal jemandem aufgefallen, dass Hangover und Hannover im Englischen sehr ähnlich klingen? Und wieviele Fragen kommen einem in den Sinn, wenn man eine Fünfstockwerkestrecke mit angehaltenem Atem in einem Stinkelift reist?

(Aus gegebenem Anlaß.)

Vorhin, in der Fußgängerzone

Der Laden mit den knallbunten Billigfähnchen hat sein Schaufenster zugepflastert mit feuerroten Schildern, die SALE verheißen. Auch SOLDI. Sowie % % %.

Davor steht ein sichtbar aufgeregter Teenager, (w, ca. 14 oder 15, strohblond) und hektikt ins Mobiltelefon: “Mama, Mama, Mama. Darf ich das T-Shirt? Kostet nur 50 Prozent.”

[Die Mama am anderen Ende scheint eine Nachfrage zu haben. Die Teeniestirn wird faltig].

Dann der Nachwuchs, trotzig: “Weiß ich doch nicht. [Pause. Weiter im Kleinkindtonfall.] Maamaa, bitte. Ich kann jetzt nicht zum Taschenrechner wechseln. Kannst du das ausrechnen?”

 

Bedeutet das, dass Prozentrechnen komplett aus den Lehrplänen verschwunden ist? Und gesunder Menschenverstand gleich mit?

Das fliegende Klassenzimmer

Mann, Spon. Als ob es nicht schlimm genug wäre, dass die Second Lady der USA wieder an einer fundamentalistischen Schule unterrichtet, mußtest du diesen Umstand auch noch superschlampig übersetzen.

Klassenraum