“The New Normal”

… so heißt der neue Corona-Newsletter von National Public Radio (NPR). Wer wissen will, wie das noch normale Amerika gerade so tickt, lese ihn.

Welcome to the first edition of The New Normal, NPR’s daily newsletter about the coronavirus pandemic. So much has changed in such a short time, and we’re all feeling unmoored. We hope we can deliver something useful to help you get through whatever comes next. Drop us a line at TheNewNormal@npr.org with questions, advice and suggestions. Or anything funny. Extra points for funny.

Tomorrow is the last day you will automatically receive this newsletter, so please subscribe by clicking here. Hang in there, friends. We’re in this together. — Jill and Suzette

Die Entdeckung der Langsamkeit

Frage: Wieviel Zeit sollte man eigentlich einplanen, um Christopher Nolans “The Dark Knight” zu sehen?

  • Früher im Kino: Werbung, Trailer, Film, vielleicht vorher noch einen Happen essen gehen, An- und Abfahrt mit der U-Bahn. Macht so 5 – 6 Stunden.
  • Früher vor dem Streaming Device: Rüstzeit (Jogginghose anziehen, Chips und Bier holen), Film, zwischendrin auf dem Handy daddeln, kurz zurückspulen, ein paar Mal aufs Klo, mehr Bier holen. Sollte in guten 4 Stunden zu schaffen sein.
  • In Zeiten von Corona: mit Glück vier Abende. Das weiß ich, weil der Kollege, der mir diese Frage gestellt hatte, jedes Mal spätestens nach 40 Minuten auf seiner Couch eingeschlafen ist und keine Ahnung hatte, was Batman und der Joker in Gotham derweil treiben. Habe ihm empfohlen, alle fünf Abende dieser sehr anstrengenden Arbeitswoche einzuplanen: erfahrungsgemäß geht man ja immer so ca. ein Viertelstündchen zurück, um wieder “reinzukommen”.

Antwort: Das hängt davon ab. Q.e.d.

Knusper, knusper, Knäuschen

In den ehernen Regeln des Lebens in München ist festgeschrieben, dass man beim Pfister in der Happy Hour kurz vor Ladenschluß nicht die Backwaren bekommt, die man möchte, sondern das nimmt, was noch da ist. Gfällixt.

Nicht so heute. Die Auslagen voll wie am frühen Morgen und die Bäckersfrau einsam und alleine hinter den Einmeterfünfzigabstandsstreifen. Ihre Erklärung ist so einfach wie bestechend: “Die Hamsterer von letzter Woche essen jetzt alle altes Brot.”

Freizeitgestaltung (in echt)

Ich habe angefangen, Serienkonserven wegzugucken. Drei davon taugen nichts, die möchte ich anderen ersparen.

  1. Tribal
    Eigentlich mag ich Odd-Couple-Polizeiserien. Bei dieser hier wird eine indigene Polizistin (“call me Chief”) mit einem von allerlei Traumata+Opioidabhängigkeit geplagten Big City Cop in eine Zwangsspartnerschaft gezwungen, um Verbrechen an den Schnittstellen zwischen Reservat und Großstadt aufzuklären.

    So billig und vorhersehbar und noch dazu schlecht gespielt, dass ich mitten in der zweiten Folge beschlossen habe, es bleiben zu lassen.

  2. Watchmen (die Serie)
    Wie macht man aus der ikonischen Graphic Novel eine Serie? Indem man sich eine ganz neue Geschichte ausdenkt und mit Versatzstücken aus dem Buch garniert. Wir befinden uns in einer Zeit 30 Jahre später. Der Schurke ist immer noch Adrian Veidt, ganz wunderbar überzogen und schräg gegeben von Jeremy Irons. Das blöde Luftschiff von Nite Owl gehört jetzt zur Polizeistandardausstattung und Rorschachs Schriften dienen White Supremacists als Bibel. Die Jagd auf die Ordnungsmacht ist eröffnet, ganz besonders, wenn deren Repräsentanten die falsche Hautfarbe zur Uniform tragen. Ausstattung? Ja, aber hallo! Den ganzen Steampunk-Katalog leergeshopt. Leider weiß die Serie auch in Folge 5 noch nicht, wo sie eigentlich hinwill. Brutalität alleine langt halt doch nicht.

    Das kann man ganz getrost bleiben lassen. Auch wenn sich die Kritik vor Begeisterung überschlagen hat, ich tus nicht.

  3. Prodigal Son
    Papa ist ein Serienkiller. Was macht das aus dem Buben? Richtig, einen Profiler mit PTSD.

    Daddy wurde damals aufgrund der Anzeige des ungefähr 10-jährigen Sohnes verhaftet und fristet nun sein Leben in bequemer Freizeitkleidung (nix oranger Strampelanzug) in einer äußerst geräumigen Studierstube unter Bewachung des immer gleichen schwarzen Wärters. An einer hinten an der Kleidung befestigten Leine, soviel Knast muß sein.

    Der Vater, “The Surgeon”, gehörte zur New Yorker Aristokratie und war neben seiner Profession als Serienkiller einer der weltweit besten Chirurgen. Sein Rat wird noch heute gesucht. Auch von Sohn, Tochter, Ex-Frau – in der Zelle geht es manchmal zu wie im Taubenschlag. Es gibt noch eine unterliegende Story und irgendwann am Ende wird wohl sowas rauskommen, wie dass sein Frau die eigentliche Möderin war oder sonst ein Twist. Ist mir aber wurscht. Wie diese Serie es auf 7,6 Punkte bei der IMDB gebracht hat, ist mir ein Rätsel.

    Damit muß man gar keine Minute vergeuden.

Ich glaube, heute lasse ich das mit den Filmen und lese stattdessen mein Buch aus. Ich werde berichten.

Freizeitgestaltung

Seit heute habe ich mir angewöhnt, auf Nachfrage von meinen anstrengenden Wochenenden zu berichten. Vom Rave am Freitagabend, (“teilweise so voll, dass Leute draußen warten mußten”) und von der 200-Personen-Hochzeit auf dem Schiff am Chiemsee, die ich feste mitgefeiert habe (“obwohl ich von der Abtanzerei am Vortag noch fix und alle war”).

Ich stelle fest, es tut Menschen gut, von soviel Normalität zu hören und es dauert immer (bei allen beiden Probanden, mit denen ich getestet habe) einen guten Moment, bis sie merken, dass ich lüge.

Wenn ich deswegen nicht in den Himmel kommen sollte, war es das wert.

Aus dem Vokabelheft

Wie ich vom flockblog-Auslandskorrespondenten höre, sind unsere “Ausgangsbeschränkungen” deren “shelter in place”. Warum klingt das bloß schon wieder so viel netter?

Neues vom Frühen Vogel

“Steht auf! Steht auf! S’wird hell! S’wird hell!” Nein, du Spinner, es ist noch keine drei Uhr früh und stockdunkle Nacht, halt den Schnabel!

Warte nur, wenn ich wach bin, klaue ich dir die Batterien aus deinem Nachtsichtgerät.

Lungenlüftspaziergang

Mehr Momentaufnahmen von der Frau flockblog

Die Forsythien gelben in hämischen Chören ihren Goethe. “Nicht nurrr die Sonne duu-uldet kein Weißes. Auch wirrr nicht!” (Sie klingen dabei wie Zarah Leander selig, keine Ahnung warum.) Vögelein zwitschern gebeugt unter schweren Futterlasten ihren spätbalzenden Kollegen zu, dass sie sich das noch einmal überlegen sollen mit dem Eiermachen, weil alles danach nur noch stresssig ist. Weidenkätzchen schnurren, die Gemeine Hasel verschleudert von ihren Drüsenhaaren reichlich Pollen, alles sprießt und blüht und tut und macht. Jeder jodelt das Lob der eigenen Fruchtbarkeit.

Nur ein paar andere Menschen stemmen sich dem Eiswind entgegen, ihre Hände tief in die Taschen gestopft und stapfen trübe starrend vor sich hin. Noch nicht einmal ein “Hallo” wollen sie erwidern. Keiner. Kein einziger.

Freundlichkeit ist offensichtlich nicht ansteckend.

Gut aufgepasst

Gestern angefangen, die “Watchmen”-Serie* zu sehen. Die Darsteller benutzten U-Bahnen und Flugzeuge, standen Schlange, machten Protestmärsche, gingen ins Kino, luden andere zu sich nach Hause zum Essen ein. Und sie faßten einander an und sich selbst ins Gesicht. Auch mehrfach.

Schon interessant, dass ich bei jeder dieser Aktionen erst einmal zusammengezuckt bin und gedacht habe, “das geht doch nicht”. Meine Ratio ließ ausrichten, dass das neulich noch ganz normal war und ich mich mal beim Film angucken nicht so haben sollte.

* Mehr dazu, wenn ich durch bin. Vorerst nur soviel: Jeremy Irons spielt eine im Wortsinne wahnsinnige Rolle.