Aus dem Vokabelheft

“Die kriegen den Hals nicht voll” oder, wie mein amerikanisches Telefongegenüber heute sagte: “They want everything – soup to nuts”.

Die im Dunkeln

Im Treppenhaus ist es dunkel. Bis zum Aufzug vor der Praxistür finde ich trotzdem. Dort spricht mich ein Herr an und will wissen, ob ich denn keine Angst hätte vor ihm, dem schwarzen Mann, hier so im Dunkeln.

Ma-hann. Ist doch kein Licht. Woher soll ich wissen, wie du aussiehst? Der Lift wackelt herauf, die Türen öffnen sich, drin funzelt eine winzige rote Stockwerksanzeige-LED, sonst nix.

“Vorsicht”, meint der dunkle Spaßvogel (den ich immer noch nicht deutlich sehen kann), “vielleicht kommt jetzt der Aufzugsgeist.” Sag ich, dass es mittwochs keine Geister gibt. Sagt er “HUHUUU.”

Beseelt von fünf Folgen “The Power” und weil ich das Buch zwecks Vergleich von Bewegtbild und Text am Sonntag auch noch mal angefangen habe, erwidere ich sehr kaltblütig. “Keine Angst, ich pass schon auf Sie auf.” Ich weiß nicht, ob er verblüfft geguckt hat. Aber die Sprache hat’s ihm bis unten auf alle Fälle verschlagen.

Da sage mal noch einer, dass nicht in einer jeden Frau The Power schlummert…

Gelesen: Kurtis J. Wiebe (Text), Various Artists – “Rat Queens”

Was im ersten Band “Sass and Sorcery”, (Artist Roc Upchurch) noch als sehr witziger bösartiger gut gezeichneter Fantasy-Comic zu überzeugen weiß, ist im nunmehr achten Band “The God Dilemma” (Autor Ryan Ferrier, Artists Moritat, Casey Silver, Priscilla Petraites, Marco Lesko) zu einem derartig schlecht erdachten, getexteten und gezeichneten Humbug verkommen, dass sich die weitere Lektüre erübrigt.

Schade. Ich hasse es, wenn gute Ideen gemordet werden.

Neu zum Strömen: “The Power”

Vor gut fünf Jahren hatte ich das Buch meiner treuen Leserschaft sehr empfohlen (s. https://flockblog.de/?p=35415), nun ist die “Was-wäre-wenn”-Geschichte in bewegte Bilder umgesetzt und gerade bei Massenszenen (noch dazu aus der Luft gefilmt, wie beim Frauenaufstand in Riad) tut das neue Medium gut. Auch beim Entwickeln der Figuren lassen sich die Macherinnen (nicht gegendert, es sind einfach wesentlich mehr Frauen an der Produktion der Serie beteiligt als Männer) Zeit, nicht so viel, wie sie könnten, aber doch genug, als dass die Schauspielerinnen und Schauspieler zeigen können, was sie können.

Nach nunmehr fünf Folgen ist die Gesellschaft an einem Scheideweg angekommen: was, zur Hölle, machen wir mit jungen Mädchen und Frauen, die auf einmal ein Organ haben, das ihnen ermöglicht, Elektrizität aus den Händen zu “schießen”. Rausoperieren? Chemisch “kastrieren”? Alle wegsperren? Damit die Welt wieder “normal” wird? Oder anders? Den Wandel erst mal anschauen und annehmen? Selbst eine Ladung transferiert bekommen, wie beim Fremdstarten einer Batterie?

Ich werde mir die restlichen vier Folgen der ersten Staffel ansehen, wenn ich aus den Ferien wieder da bin. Wer früher will: immer wieder freitags wird auf Amazon Prime eine neue Folge in die Welt entlassen.

Gelesen: Daniel Bellingradt / Claudia Heise / Till Lenecke – “Hamburg 1686”

Handelte es sich hier um ein Zeugnis, so läse man, dass sich Till Lenecke im Rahmen seiner sehr bescheidenen Fähigkeiten sehr bemüht hat. Lenecke hat, ohne wirklich mitreißend und überzeugend zeichnen oder gar texten zu können, einen Comic zur “Hidden Cities” Hamburg-Stadtführung auf Basis des gleichnamigen Buches von Bellingradt und Heise produziert, der sehr eigenartig leblos daherkommt. Aber die Architektur ist gut gelungen. Dafür gibt es ein Fleißsternchen.

Schon länger nimmer im Kino: “Freibad” von Doris Dörrie

Endloser Sommer. Kühles Nass. Ein Freibad, nur für Frauen, wo jede sein kann, wie sie ist und sein mag. Von wegen. Es guckt, urteilt, eifersüchtelt und eine jede hat ja so recht. Und unrecht. Aber, um Recht und Unrecht geht es gar nicht. Sondern “nur” um leben und leben lassen. Erst, als alle das erkennen, wird es doch noch ein schöner Sommer.

Genau wie das gleichnamige Bilderbuch (s. https://flockblog.de/?p=47266) ist der Film die beste Kur gegen diesen saukalten nassen April. (Oder ein Beitrag zum Countdown. Heute in einer Woche um die Zeit…)

Der Countdown läuft

Heute in einer Woche um diese Zeit habe ich schon lä-ängst Feierabend und die Frau Füßeschön hat mir die Zehennägel bunt lackiert.

Und am Sonntag in einer Woche um diese Zeit kann ich das Rote Meer schon sehen und wahrscheinlich auch schon riechen. Hah!

Man verheißt sonnige 30°. Nehm ich.

Die Frau, die freitags nicht kann

Freitagsabendshetz im Supermarkt. Keine Einkaufswagen. Nirgends. Ich bin schon fertig und biete meinen zum Selbstkostenpreis von einem Euro der nächsten Kundin an. Es täte ihr ja sehr leid, sagt sie, aber “der ist mit meinem Format nicht kompatibel”. Ich bin viel zu müde, um auch nur ansatzweise über diese Aussage nachzudenken und übergebe das Ding dem nächsten Wartenden.

Aber jetzt, wo ich so gemütlich daheim sitze und nix mehr muss, täts mich doch interessieren…

Aus dem Vokabelheft

Jemanden als “fett” zu bezeichnen, geht nicht mehr. Man frage Roald Dahl. Vielmehr Roald Dahls Erben. Auf Politischkorrekt heißt das “andersvoluminös”.

Oh Mann! “Fett” geht in meiner Welt sehr wohl. Mit einer Einschränkung: der Begriff muss beschreibend und nicht beleidigend/diskriminierend verwendet werden. Mich erinnern diese Diskussionen an meine Zeit in den USA, wo man Kinder zur “Farbenblindheit” erzog und bei der Beschreibung eines anderen Kindes im Kindergarten alle Attribute außer der Hautfarbe zulässig waren. Ich war damals schon fassunglos, denn beschreiben ohne zu werten war keine Option.

Wahrscheinlich zu simpel.