Daheim ist daheim

Ich hatte ja schon immer das Gefühl, dass ich hier im Morgenland richtig bin. Ich kann Hitze ab, liebe Meer und Wüste gleichermaßen, kann gut mit den Menschen und das Essen schmeckt immer nach Leibspeise.

Man trägt mich so dermaßen auf Händen, dass es mir schwerfallen wird, mich daheim wieder zu akklimatisieren. Heute hat mir der Hoteldirektor seine Karte überreicht. Mit privater Handynummer und E-Mail-Adresse, falls ich mich mal melden wollen täte. Wo sich andere Gäste den Arm auskugeln, um einen Kellner herbeizuwinken, tanzen um meinen Tisch drei herum, um nur ja jeden Wunsch sofort von meinen Augen abzulesen. Ach, und bevor ich’s vergesse: ich kriege jeden Abend Um Ali, meinen Lieblingsnachtisch. In der Küche läuft seit letzter Woche unter den Herren mit den hohen weißen Mützen ein Wettbewerb, wessen Variante auf mein höchstes Wohlgefallen trifft. Echt. Hauptsache, mir fehlt es an nichts…

Ich hätte damals vor vielen vielen Jahren bei meinem ersten Aufenthalt in Luxor doch dem Impuls folgen und gutsituierte Kolonialsbeamtenwitwe werden sollen. Hinterher ist man immer klüger.

Exklusiv für Herrn E. aus M.

Ha! Von wegen, “Kind, aus dir wird nie eine Dame.”

Bin heute mit den Worten , “Harry, lass die Dame doch mal durch” in den Damenstand erhoben worden.

Endlich. Ich habe es endlich geschafft.

Akustische Umweltverschmutzung

Den nächsten Touristen, der auf die Frage nach seinem Befinden antwortet, dass es schlechten Leuten immer gut geht, hänge ich hinten an meine Kielholleine.

Gleich hinter die CDs mit der unfassbar unerträglichen Aufzugmusik, die hier in einer Endlosschleife zu den Mahlzeiten durchgenudelt werden.

Aber sonst geht’s mir gut.

Danke, Herr Doktor!

Man tut hier viel für das Wohlbefinden seiner Gäste. Im angeschlossenen Hotel nebenan gibt es neben Kindern und Animation auch ein “Sp”, mit einer Auswahlkarte an Schönheits- und Wohlfühlbehandlungen, die im Umfang nahe an die Speisekarte eines Chinarestaurants hinreicht.

Brauch ich aber alles nicht, die hiesige Direktion hat nicht Kosten und nicht Mühen gescheut und in meinem Badezimmer eine Wechseldusche einbauen lassen, die in unregelmäßigem Turnus zwischen den beiden Temperaturstufen “Abbrühen” und “Abschrecken” hin- und herspringt.

Ganz eindeutig das Luxusmodell “Wõrrishofen”. Und im Preis enthalten. Ich Glückskind, ich.

Gelesen: Pat Barker – “Regeneration Trilogy”

Ich bin meiner neuen Entdeckung Ms. Barker neulich erst mit großer Begeisterung in das griechische Feldlager vor Sparta gefolgt (hier: https://flockblog.de/?p=47689) und nun habe ich mich mit mindestens ebenso großer Begeisterung durch ihre dreibändige Auseinandersetzung mit dem ersten Weltkrieg gelesen.

Meine Fresse! Wäre es mir nicht zu mühsam, mich einfingrig auf dem Tablet durch eine Rezension zu tippen, der blogpost umfasste leicht 1000 Wörter und wenigstens zwei Albträume. Darum vorerst nur so viel: Lesen! Lesen! Lesen!

Mehr, wenn ich daheim bin. Hab eh nur noch einen Tag hier, Übermorgen um diese Zeit bin ich schon wieder zurück.

Wenn ich ein Vöglein wär,

…noch dazu in einer ägyptischen Hotelanlage, dann würde ich’s mir mit den Gästen nicht verderben wollen. Nicht so das Sauvieh im Gärtchen hinter meinem Bungalow, das schon vor dem ersten Licht loslärmt. Mit einem Ruf, der klingt wie mißbilligendes Zungenschnalzen. Immer fünf Mal nacheinander. Immer. Und oft. Bis ich dann halt doch viel zu früh aufstehe.

Mein neuer ornithologisch begabter Bekannter rät, mir den Vogel doch einfach als “Wüstennachtigall” schön zu denken.

Mag nicht. Ich stelle mir viel lieber vor, wie ich das Drecksvieh kiehlhole und mit einer Schnur um den Hals Bahn für Bahn im Pool hinter mir herziehe, bis ihm das Krach machen ganz und gar vergangen ist.

Lela za ida, zefix!

Wer hat an der Uhr gedreht?

Überall in Ägypten wurden in der Nacht von Donnerstag auf Freitag die Uhren um eine Stunde vorgestellt. Überall in Ägypten? Nein. Mein Tablet weigert sich beharrlich, diesen Unfug mitzumachen. Ägyptische Sommerzeit? Gibt’s in der Tabletwelt nicht, braucht auch keiner.

Wozu auch? Seit ich hier bin, liegt das Handy ausgeschaltet im Safe. Ich stehe auf, wenn ich genug geschlafen habe, packe Schwimmzeug und das Buch des Tages, finde irgendwo Kaffee und einen Happen zum Essen und dann findet man mich, je nach Wind, am Meer oder am Pool. Dass es wieder was zu essen gibt, erkenne ich an der Völkerwanderung gen Restaurant und wenn ich Hunger bekomme, gehe ich gegen den Strom dann nach oben, auf die Terrasse, wo mir nicht mehr gestresste Kellner jeden Wunsch von den Augen ablesen. So geht das.

Nu fehlt mir eine Stunde Ferien, das Tablet wähnt sich UTC+3 in Saudi-Arabien und ich habe mir einen Orden verdient, weil ich der selbstgerechten Dame, die lautstark kundtat, dass man “in Deutschland die Uhren ja am Wochenende” umstelle, nicht ungefragt mitgeteilt habe, dass man das hier genauso macht.

Soll sie doch dumm sterben. Mensch!

Vom Winde verweht

Dem Internet ist es heute wieder zu stürmisch und es kommt und geht mit jeder Bö. Mühselig. Ich vertraue darauf, dass es morgen wieder besser wird und gehe nun mit Buch ins Bett. Ich habe nämlich seit heute Nachmittag eine funkelniegelnagelneue sehr leistungsstarke Leselampe….

Gelesen: R. F. Kuang – “Babel – An Arcane History”

Hallo Ballet! Das ist aber mal eine Entdeckung! Da erfindet sich eine junge Autorin eine royale Bildungseinrichtung im akademischen Oxford der 1830er Jahre und bringt alles unter, was den Intellekt der literarisch und linguistisch interessierten Leserin kitzelt, nämlich die Sinnhaftigkeit (oder eben nicht) von Übersetzungen aus und in andere Sprachen, mit anderer Semantik, anderem sozio-kulturellem Hintergrund und Umfeld und daher nicht deckungsgleichem Wortschatz. Außerdem Weltherrschaftsanspruch (The British Empire über alles), Kolonialismus, Rassismus, Feminismus sowie ein Fantasyelement, das ich für potentielle Leser*innen nicht spoilern möchte.

Ich hätte der Autorin ein Lektorat gewünscht, das Redundanzen mutiger gekürzt hätte, aber “Babel” ist auch so ein sehr lesenswertes Buch.

Lesen! Lesen!

Le Gala Dinner

In einem Ton und Duktus, der der Ankündigung der Verlobung der jüngsten Tochter eines britischen Landadligen (endlich alle aus dem Haus, und die teuren Mitgiften Geschichte) in nichts nachsteht, lädt die Direktion des Hotels zum Abendessen.

Im Gegensatz zu sonst wird das Essen serviert, dafür darf man es sich aber nicht selbst aussuchen. Macht mir, die ich ja üblicherweise ein Mäkelfritz vor dem Herrn bin, aber gar nix, das mag ich alles:

  • Meeresfürchtesalat mischen
  • Spackelcremesupp
  • Rindermedalle und Krautergarnillen, serviert mit Pilzsause, Kartoffelpre und Gemüsemisch
  • Käsekuchen

Sehr fein, das alles. Und so eine schöne Spieskarte. Hach!