Als wären sie nie weggewesen

Mein Balkon ist per Definition der Ort, wo ich mit der Freundin kaffeeklatsche, mal schnell die nassen Sachen raushänge oder (und ganz besonders) der Platz, an dem ich mich in einem angemessenen Verhältnis von Licht und Schatten meiner Lektüre hingeben kann. Mein Balkon ist kein Taubenklo!

Fast zehn (10) Tage lang war mein Balkon mein Balkon. Wundervolle Zeiten.

Heute morgen hat mich das erste Guruh gegen sieben (7) – was für eine Unverschämtheit – geweckt und seitdem bin ich unzählige Male zum Wedeln draußen gewesen. Sie kommen im Rudel angeflattert, landen auf Geländer, Tisch und Stühle, kacken kurz und schauen dann blöd zum Fenster herein, während ich wutentbrannt zum nächsten Wedeln ansetze. Zu dritt, zu viert, zu fünft, tiefenentspannt. Auffliegen tun sie nur, wenn ich sie mit dem Handtuch treffe, der Nebentaub bleibt sitzen und wartet, ob ich nicht vielleicht doch aufgeben will. (Nein, will ich nicht.)

Ich habe den Eindruck, die waren in Urlaub. Und sind jetzt gut erholt und vollgefressen. Hrrrrggggnnn. Was mach ich bloß?

Vielleicht könnte ich auch vergiftete Zettel aushängen?

https://www.youtube.com/shorts/oj7dVnbTTBk

Gelesen: Antonia Baum – “Achte Woche”


Eine junge Frau – eine Abtreibung, ein Kind, kein Partner – ist schwanger. Sie schreibt an ihrer Dissertation, jobbt in einer gynäkologischen Praxis. Tag für Tag versorgt sie dort schwangere Frauen, sieht ihre Freude, ihre Unsicherheit, ihre Wege zur Gewissheit. Für manche ist es das größte Glück, für andere eine Katastrophe. Sie bekommen ein Kind oder brechen ihre Schwangerschaft ab, und Laura weiß nicht, was sie selbst tun soll. Eigentlich ist es ganz klar, denkt sie. Und zugleich: wie soll man eine solche Entscheidung überhaupt treffen?

Statt selbst eine Zusammenfassung zu schreiben, zitiere ich vorgehend den konzisen Klappentext.

Das schmale Büchlein hat mich sehr beeindruckt. Als Leserin nimmt man Anteil an einem ununterbrochenen inneren Monolog, an den Gedanken, den Optionen, den Freuden, den Schrecken, die permanent durch den Kopf der Protagonistin kreisen – und kommt wie sie nicht aus. So, wie man unvermittelt in den Gedankenfluss gerät, taucht man auch wieder auf, ohne zu wissen, wie er endet.

Keine leichte Kost. Aber mit großem Gewinn zu lesen!