Da sind wir sooo kurz vor dem Beginn der Freibadsaison und dann machen mir die Stadtwerke mein Stäblibad dicht. Mit noch nicht mal einem Monat Vorlauf. Dabei ist das Stäbli eins der wenigen Bäder in München ohne Spaß. Nur Schwimmhalle und für die, die mehr brauchen, noch ein Saunerl und eine schöne Liegewiese mit altem Baumbestand.
Soweit ich das nach Betrachtung der vielen großformatigen Fotografien sagen kann, ist das Anthropzän in der Hauptsache pickepackevoll und plastikquietschebunt.
Ein Wimmelbild.
Man sollte nicht zuviel erwarten, kann die Ausstellung aber dann gut ansehen.
Schon wieder so ein geschenkter Tag, wie er noch vor drei Monaten nicht möglich gewesen wäre.
Die Freundin auf Durchreise fragt Samstagnacht an, ob ich denn wohl gerne montags einen Paarstundenstopover in München mit ihr verbringen wolle. Und ich sage binnen Minuten und sehr erfreut zu.
Das Wetter soll nichts besonderes werden, aber kaum treffen wir uns zum vereinbarten Zeitpunkt bricht die Sonne durch und wir nehmen den Kaffee zur Stärkung vor dem Ausstellungsbesuch draußen, ohne Jacken. Dann Ausstellung (➟ nächster blogpost), anschließend Nachbesprechungslunch im Innenhof der Residenz im allerschönsten Sonnenschein.
Nun ist sie auf dem Weg zurück nach Hamburg (Gute Fahrt, ma chère!) und ich kann erzählen, wie schön das ist, wenn man nix muss und alles kann. Hach!
Es ist jetzt schon wieder fast 10 Jahre her, dass der schon immer sehr hellsichtige Herr Boyle diese Geschichte vom “Menschenexperiment” veröffentlicht hat.
Worum geht’s? In kurz: ein sehr sehr reicher etwas eigenartiger Mann läßt irgendwo weit hinten in Arizona die Erde im Kleinformat unter einer Glaskuppel nachbauen, mit ein paar Klimazonen vom Regenwalddschungel über Ozean bis zur Wüste und bevölkert sie nach einem langen anstrengenden Auswahlverfahren mit acht Terranauten, die dort für zwei Jahre leben und arbeiten sollten.
Boyle ist gerne gemein und darum findet das Experiment unter den Augen der neugierigen Öffentlichkeit, statt – im Buch kann die Reise zum Habitat “E2” als Package mit Übernachtung und Halbpension gebucht werden. “Wissenschaftliches” Ziel ist es, das Experiment für die nächsten 50 Jahre alle zwei Jahre mit einer neuen Terranauten-Besetzung zu wiederholen, bis endlich das ideale Habitat für die zukünftige Besiedlung des Mars entwickelt ist. Wie gesagt, 2016 veröffentlicht.
Boyle erzählt die Geschichte quasi dreistimmig, aus den jeweiligen Blickwinkeln dreier Protagonisten und alle haben sie ihre ganz eigene Agenda und ganz besonders ihre ureigenen Macken, Fehler und Schwächen. Es macht großen Spaß zu lesen, wenn der Schürzenjäger erklärt, warum die Frauen (selbst) schuld sind. Immer. Oder wie sich zwei beste Freundinnen langsam zerfleischen. Sehr gelungen. Der Sapiens ist schon eine sehr eigenartige Spezies.
Das Buch ist dick und man sollte dranbleiben. Es empfiehlt sich also für die Sommerreise und passt gut an Strand, Bergsee oder Pool.
Es mag ein Quentchen (ich weiß schon, in neudeutsch ist die Schreibweise Quäntchen vorgesehen – aber wie sieht das denn aus, Mann?), ich betone also: es mag ein Quentchen Eigennutz dabei sein, wenn ich mir um die Einhaltung des Arbeitszeitsgesetzes bei den Männern auf dem Dach gegenüber Sorgen mache, die am hellerlichten Samstag schon wieder seit heute früh um sieben mit sehr lautem Gerät da oben herumwerkeln. Ein Quentchen. Höchstens.
Ob es angemessen ist, über mangelnden bezahlbaren Wohnraum, Zeltstädte vor Unis und Vermieter, die vor sexueller Nötigung angesichts der Notlage potentieller Mieterinnen nicht zurückschrecken, ob es also angemessen ist, über all das herumzuwitzeln? Nun ja. Muss so dringend nicht sein.
Das Thema dient als Hintergrund für den aktuellen Tatort aus Münster und auch diese Folge krankt wieder an der Frage, ob man sich nun einen klamaukigen Jux machen will oder mindestens einen Mord aufklären. Die Entscheidung fiel offensichtlich dafür, beides zu tun und das geht zum wiederholten Male schief. Nicht Fisch, nicht Fleisch.
Ein Börne-Kalauer ist mir trotzdem als lustig in Erinnerung geblieben: “Wenn ich mir ein Brötchen mache, dann ist das wissenschaftlich belegt.” Echt nett, aber das reicht doch nicht als Beute für eineinhalb Stunden gucken. Mann.
Was ein Abend! Die Unterfahrt so voll, dass selbst die Barhocker noch mit Reservierungsschildchen vorgebucht waren und das zu recht. Was diese vier jungen Menschen, Shuteen Erdenebaatar am Piano und verantwortlich für die meisten Kompostionen, Jakob Manz an Altsaxophon und Blockflöte (ja, der https://flockblog.de/?p=50752), Nils “Megabling” Kugelmann am Bass und – zum ersten Mal dabei – Amir Bresler am Schlagzeug da auf der Bühne vorzauberten war nicht von dieser Welt und sehr sehr wunderschön. Schwer-Hach!
Ich wünsche jedoch bei der Evolution neben den schon lange vorbestellten Ohrenklappen nunmehr auch Nasenklappen zu ordern: die neue Lüftung im Keller tat zwar ihr bestes, schaffte aber leider nicht mehr, als die Erinnerung an die vor dem Konzert an so gut wie jedem Tisch servierten Bärlauchspaghetti wachzuhalten. Der Vampör hatte es schwör.
Ach, und ans Quartett: mein Vorschlag für das noch namenlose Werk (2. Titel nach der Pause) wäre: “Re-Inventing Baroque”.
Sie müsse mir das jetzt mal sagen, sagt die alte Nachbarin, als wir uns im Gang treffen. Ich sei ja erst neu zugezogen – na ja, vor zehn Jahren, aber Zeit ist ja bekanntermaßen ein relativer Begriff – und könne gar nicht wissen, wie schön es hier früher einmal war. Nun sei alles verkommen, ihre Freundinnen würden sie schon damit aufziehen, dass sie ja jetzt im “Russenviertel” wohne. Ausgerechnet im “Russenviertel”, das müsse ich mir mal vorstellen, wo sie doch von Putin gar nichts halte. “Wer tut das schon?” versuche ich, zur Konversation beizutragen, ist aber erfolglos, denn sie redet sich ohne Punkt und Komma weiter in Rage. Das Reisebüro, sagt sie, habe “der Russe schon geschluckt”, so fange es immer an.
Zum Verständnis: besagter Schluckrusse ist ein Lebensmittelhändler mit Schwerpunkt auf Waren aus Osteuropa und hat, nachdem das Reisebüro nebenan das Rentenalter der Eigentümerin, die Zeiten im allgemeinen und die Covid-Pandemie im besonderen nicht überlebt hatte, dessen Flächen mitangemietet und seinen Laden um Frischetheken für Obst, Gemüse, Fleisch, Fisch, Eingelegtes und allerlei Milchprodukte erweitert. Ich finde das nicht schlimm. Ich bin aber auch der Typ Mensch, der gerne über Märkte streunt und Spaß an “fremden” Lebensmitteln hat.
Ob mir das denn nicht aufgefallen sei: selbst bei Edeka an der Kasse sprächen sie nur noch Russisch… Ist es nicht und meine Bemerkung, dass ich leider zu wenig von osteuropäischen Sprachen verstehe, um Russisch und Ukrainisch unterscheiden zu können und dass ich ein Land, in dem Krieg herrscht, auch fliehen würde, geht unter, denn jetzt geht es um die Hauptsache: den Waschkeller. Diese Russenweiber würden ihre Wäsche ja tropfnass über die Leinen werfen, da habe man als korrekte Schleudererin gar keine Chance mehr auf Platz im Trockenraum. Nie mehr. Der Weltuntergang ist nahe.
Ich versuch a) zu fliehen und b) bis dahin irgendwie bedauernd zu gucken und sage ihr c) deswegen lieber nicht, dass ich beim Buchhändler in der Passage auf den Tischen draußen zwei (2) Bücher in kyrillischer Schrift liegen sehen habe. Dann wäre für sie wirklich alles zu spät.
Wir haben doch hier in der Ecke alle Sorten Menschen. Die paar mehr machen den Kohl auch nicht mehr fett. Mann, Frau Nachbarin.
* Für die Nachgeborenen: das ist eine Referenz. Darauf.
Nach dem Aufwachen angemessen gestreckt, gereckt und getrödelt. Zum Kaffee Nachrichten aus aller Welt und Telefonate mit Menschen, die vormittags auch nichts besseres zu tun haben. Anschließend mit einer Freundin zu Mittag die Restaurantterrasse beim Griechen eröffnet, lecker Fisch gegessen, feinen Mokka getrunken und zum krönenden Abschluss das erste Eis der Saison am ersten Eisverkaufstag der Eisdiele geschleckt. Danach gerade mal noch ein Stündchen Zeit, um das aktuelle Buch auszulesen und dann SEV zum Konzert in der Unterfahrt.
Man sage, was man will, aber ich finde, ich bin ein absolutes Naturtalent im Rentnern.