Fahrgast: “Does this train stop in San Mateo?”
Zugbegleiter (toternst): “I hope so.”
Gibt es ein “Afterlife”?
dazu ganz aktuell der gestrige Screenshot der website von last.fm.de

IOU
das steht im hierzulande gängigen Abkürzungswahn für “I owe you”, also für einen Schuldschein.
Kalifornien ist dramatisch überschuldet ($ 26.300.000.000) und als Gegenmittel hat Gouverneur Schwarzenegger heute um 2pm den finanziellen Notstand ausgerufen und damit angefangen, Schuldscheine im Gegenwert von $ 53.300.000 drucken zu lassen. Jeder, der Anspruch auf Leistungen des Bundesstaates hat (unbenommen davon, ob es sich um Rentner, Lieferanten, Behörden, Studenten oder andere Vertragspartner handelt) bekommt bis Ende 2010 statt Geld ein Papier. Das trifft vor allem auch säumige Steuererklärer, wer zu spät kam, den straft der Gouvernator.
Bin ich froh, dass ich in meinem Bestreben, alles richtig zu machen und keine Fristen zu versäumen, sowohl von den Feds wie vom CA-Treasurer Steuern zurückbekommen habe. Nächstes Jahr wirds wohl nicht mehr so leicht werden.
Neulich im Bus
Der Busfahrer wartet, als er beim Anfahren einen recht abgerissen wirkenden Mann (man nennt einen solchen Menschen hierzulande “Bum”) mit einem Akkordeon heranhetzhumpeln sieht, läßt ihn einsteigen und vergewissert sich, dass er und das Instrument gut sitzen, bevor er losfährt. Ein Fahrkartenverkauf findet nicht statt. Sie unterhalten sich, ziemlich lautstark, um einander bei dem Motordröhnen des Busses verstehen zu können, und es stellt sich heraus, dass der Musiker bald, ganz bald, wieder einen “Gig” haben wird. Irgendwie ist aber allen Anwesenden klar, dass das Wunschdenken ist. Als er, von dem schweren Instrument fast zu Boden gezogen, ausgestiegen ist, will ein Fahrgast vom Busfahrer wissen: “Do you know where he comes from?” Dessen Antwort: “Don’t we all come from the same place?”
May the forth be with you!
Die Unabhängigkeit führt hier zu seltsamen Sprachschöpfungen… Wichtig ist frühmorgens doch nur eins: “One more day to go, honey…” Auf meine Rückfrage ob er, Robert, denn morgen nicht arbeite (Freitag ist frei, weil der 4. Juli auf einen Samstag fällt), bekam ich zur Antwort: “Hey, man, I am up and I made it here – this day doesn’t count anymore.”
Ach so.
Potrero Hill
… ist, wie jedes Stadtviertel in San Francisco, was ganz besonderes. Nicht nur, weil unser Büro da liegt. Nein, auch weil wir (steile Hanglage, Süden) die meisten Sonnenstunden in der Stadt haben. Und am wenigsten erdbebengefährdet sind, weil der Boden richtiger Felsen ist.
Außerdem sind jede Menge schräge Vögel unterwegs, und so langsam kennt man einander. Da gibt es den Stadtstreicher mit der Katze, der auf seinem Einkaufswagen neben seinem Hausstand einen Kratzbaum und ein Katzenklo mitführt. Den alten Herrn, der jeden Morgen bei Krystie in aller Seelenruhe die Speisekarte durchliest, um dann in wohlgesetzten Worten wie an jedem Tag einen Kaffee zu bestellen, “hot and black, my dear”. Allan, der sich mit Handlangerdiensten (für Robert Autos waschen, in Krysties Café morgens Tische und Stühle auf die Straße räumen und dergleichen) seinen Lebensunterhalt verdient und mit dem ich jeden Montagmorgen über die am Wochenende jeweils gelesenen Bücher diskutiere. Er liest sich zur Zeit durch Kriegsromane und wir sind uns noch nicht einig, ob “Wem die Stunde schlägt” wirklich hohe Literatur ist. Dann gibt es noch die alte japanische Dame, die immer am frühen Morgen, mit den Armen wie Windflügel schlagend und im Storchenschritt ihre Gymnastik macht. Oder die andere, die auf einem Wägelchen ihre Sauerstoffflasche nachzieht und Stöpsel in immer mal anderen Farben in der Nase trägt (heute pink). Wenn ein Rolltor zu einem der alten Fabrikgebäude hochgeht, kann man schnell einen Blick auf drei museumsreife, auf Hochglanz polierte alte Porsches erhaschen. Der Hausmeister von nebenan läßt jeden Morgen und Abend den Gehweg vor seinem Gebäude ordentlich vom Sprinkler beregnen, damit sich auch ja keiner zum Schlafen dort einrichtet. Vorhin kam mir ein Mann entgegen, der auf weit nach vorne gestreckten Armen einen frisch lackierten Goldengel von Antiquitätenhandel A nach B verbrachte.
Robert kennt alle, weiß über und für jeden was und grölt (auch schon mal über zwei Straßen) Grüße und Beleidigungen in die Welt. “Y’know what. I’m in charge here – I got to keep an eye on the ‘hood.”
Lady Marmelade
Ich bin ziemlich sicher, dass mein Reineclaudenbaum keine Ahnung von Grimms Märchen hat. Bedenkt man ihn nämlich aufmunternd mit den Worten “Bäumchen rüttle dich, Bäumchen schüttle dich…” wird man nicht etwa mit Gold und Silber beworfen, sondern mit reifem Obst. Ich habe von Kopf bis Fuß geklebt und im Geiste schon gesehen, wie sich die Ameisen rundum ihre Lätzchen umbinden, in der irrigen Annahme, noch nie ein sooooo großes Bonbon vernascht zu haben.
Nix da, erst habe ich aufgeklaubt, dann bin ich mit einem Wäschekorb voller Früchte bei den Nachbarn hausieren gegangen, damit sie sich bitte ganz ganz viele für geschenkt nehmen. Mit einem unwesentlich leichter gewordenen Korb habe ich mich dann in den Garten gesetzt und Fruchtfleisch vom Kern gelöst, with a little help from my Sheffield Steel Knife. Eine im übrigen sehr sinnliche Erfahrung, wenn man das Messer durch reifes Obst zieht wie durch reifes Obst…
Dann war meine riesige Emailschüssel übervoll (das ist die, in der ich üblicherweise Kartoffelsalat für 20 Menschen anreiche) und selbst die Waage überfordert, die kann nämlich nur 5kg max. Also habe ich in drei Etappen Marmelade gekocht und wild herumexperimentiert: wenn ein Päckchen Pektin (Gelierzucker habe ich nirgends bekommen) für 3/4 qrt Zucker reicht, wie strecke ich dann die Menge, die ich im Hause habe plus den Zucker auf die Unmgengen Obstkompott, die inzwischen gekocht sind und täusche dabei vor, irgendwie entfernt nach Rezpept vorzugehen? Ich habe es gelöst wie sonst auch, wenn ich koche: noch eine Prise davon, ein Scheibchen von dem, das muss sowieso weg und hier jenes könnte ganz gut dazu passen. Schmeckt immer.
Übrigens, an alle zukünftigen Gäste: ich habe jetzt mehr als 20 Gläser Marmelade vorrätig. Nein, nicht mißverstehen, das ist keine Drohung…
Tuesday Lecture
“‘Y’know what? Sometimes me talk to people and I tell ’em ‘you may not like what I am sayin’ and I may not like what you say, man. But – me maybe wrong and you maybe either. Why don’t we just talk together and find out the truth?’ I am Robert Johnson and I am a black man in America – this is the only thing I do know for sure.”
Genau.
San Francisco Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender Pride Celebration & Parade
“Happy Pride, Sweetheart” begrüßte mich am U-Bahnausgang eine dicke Dame in einer Regenbogentoga und drückte mich herzhaft an sich (sie trug definitv nichts drunter). Vielleicht hätte ich doch nicht mein allerpinkestes T-Shirt, den bunten Schmuck und den lila Hut anziehen sollen. (Aber, gell Jürgen, ich kann das tragen.)
Ach was, “Free Hugs” gabs eh an jeder Ecke und ich war eigens in die Stadt gefahren, um den SF Pride mitzuerleben, der jedes Jahr am Christopher Street Day mit einer Riesenparade und zweitägigem Fest am Civic Center gefeiert wird. Die Paraden-Teilnehmerliste findet, wens interessiert, im Post davor – es waren einfach alle dabei: von den besorgten Lutheranern über die Park Ranger bis hin zu Whole Food. Und natürlich Gay-ble Cars (nein, das ist nicht sächsisch!), die Feuerwehr, jede Menge Marching Bands, der Verein hiesiger Libertinisten, die Stadtreinigung, die Herren und Damen vom Öffentlichen Nahverkehr und der Sinderella Club. Alle halt.
Es war ein riesengroßes Straßenfest, bunt und friedlich (sonnendurchflutete Regenbogenfahnen können einen einfach nur frohgemut stimmen) und die Zuschauer waren in ihrer Exotik den Protagonisten des Umzugs mindestens ebenbürtig. Mindestens.
Es gab einige wenige Gegendemonstranten, darunter viele kleine asiatische Nonnen, die Zettel verteilten, des Inhalts, man möge sich doch fragen, ob nicht der eigene Vater ein Mann und die Mutter eine Frau gewesen sei. Wer das mit Ja beantworten könne, möge seiner sündigen Neigung abschwören und auf den Pfad des Herrn Jesus zurückfinden. Auch sie wurden, zu ihrem großen Entsetzen, von riesigen Drag-Queens auf Highest Heels umarmt und haben ansonsten nicht weiter gestört. Bilder? Klar.
http://picasaweb.google.de/mucbiene/20090628_USSFPride?feat=directlink
