Coupons

Am Wochenende hatte ich’s mit Lyn von nebenan kurz über das hiesige Discountcouponrabattextrabilligschnäppchenunwesen und dass wir beide doch zum Glück davor gefeit seien. Sie hatte, scheint es, einen ihrer “Senior Moments”. Heute beim Heimkommen lag in meinem Briefkasten ein Kuvert voller liebevoll ausgeschnittener Coupons und ein Zettelchen “Enjoy your shopping adventure. Lyn”.

Ich bin gut erzogen und weiß, was sich gehört. Ich werde mich selbstverständlich bedanken, bevor ich die Dinger ins Altpapier schmeiße.

Im Internet gibt’s keine Blondinen

Das ist nämlich so: Am Sonntag hat mir Sam bei unserem Kaffeeklatsch anvertraut, dass er der einzige Sohn ist, der noch unverheiratet sei, und dass er an diesem Zustand gerne etwas ändern würde. Man brauche schließlich jemanden im Haus, der Lebensmittel einkauft, kocht, putzt und wäscht. Ich war lange genug Aktivistin in der Frauenbewegung, so dass meine Autopilotin spontan in die Feststellung ausbrach: “You don’t need a wife, Sam, you’re looking for a maid.” Ja, nein, nicht nur für den Haushalt,  also auch so, zum Tanzen und für den Kirchgang, “and for the kids”.

Man habe ihm erzählt, dass es im Internet Frauen gebe, ob da wohl auch Mexikanerinnen zu finden seien? Das konnte ich nicht ausschließen, habe aber deutlich darauf hingewiesen, dass ich noch nie gezielt danach gesucht hätte. Hmmm. Möglicherweise auch Amerikanerinnen? Ja, wahrscheinlich schon. Auch blonde Amerikanerinnen? Und da hat es mich gerissen: “Nein, Blondinen sind im Internet verboten.” Ich weiß, ich hätte das nicht tun sollen. Aber bei der Vorlage…

Sam ist’s zufrieden. Er würde auch ein Rothaarige nehmen. Und die sind im Internet legal.

So isch’s no au widdr

Kommentar unsere Flurnachbarin Donna heute zum Regenwetter. Die Einleitung ein Klassiker, nämlich das kalifornische Mantra: es sei zwar “nasty, but we need it”, die Fortsetzung die freudige Feststellung, dass sie dann heute Abend schneller zu ihrer Margherita komme, weil sie schließlich den Garten nicht gießen müsse. Konnte ich ihr als Anbauerin von Kräutern, Gemüse und Salat natürlich nur uneingeschränkt zustimmen – das gleichmäßige Regnen auf mein Beet ist sicher Balsam für die Saaten. Campari gabs auch früher – alles gut.

Auf dem Heimweg habe ich die Stauseen am 280 überprüft. Sieht gut aus. Die waren früher nicht so voll…

Ortsansässig

Um einen Gemeinplatz zu bemühen: man merkt es an den Kleinigkeiten… Zum Beispiel, wenn Landmarken verändert werden (also Shell eine Avero Tankstelle übernimmt und klammheimlich die Farben tauscht) oder, noch schlimmer, wenn der Haus- und Hof-Supermarkt zum Zwecke der Verkaufsoptimierung seine Warenregale neu anordnet.

Ich amüsiere mich dann schon über mich selbst, wenn ich großspurig erzähle, dass das hier früher alles ganz anders war…

“quiet and pissful”*

Mein Wochenende war sonnig und so dermaßen erfreulich ereignislos; ich habe mich schon lange nicht mehr so erholt und ausgeruht gefühlt. Das Häuschen ist auf Hochglanz gewienert und geschrubbt und ich freue mich immer wieder sehr dran, den kleinenn Staubsaugerroboter losbrummen zu lassen, wenn ich mit einem Zimmer durch bin. Der saust mit Enthusiasmus durch den Raum und tiriliert bei jedem “Dirt”, den er findet – ich finde das immer noch süß. Darüber hinaus macht er wirklich sehr schön sauber.

Sam und ich haben das Gemüsebeet angelegt und ich habe gesät und Schildchen gesteckt und angegossen. Wenn das alles aufgeht, hoffe ich, dass demnächst viele Mitesser anreisen, der Reinclaudenbaum hängt jetzt schon voll mit kleinen grünen Früchtchen und im Apfelbaum summen die Bienen und kommen vor lauter schweren Nektarbeinchen fast nicht mehr in die Luft. Es war Sam ein Anliegen, dass er noch vor seinem Heimaturlaub in Mexico mit allem fertig wird – er verbringt traditionell den “Cinco de Mayo” daheim bei den Eltern. Wir waren so schnell, dass noch Zeit für Kaffee und Kuchen blieb. Er hat von seiner Familie erzählt, die sei recht klein, “nur” sechs Brüder. Wie? Und keine Schwestern? Doch, doch, auch noch vier, aber die werden in der Genealogie nicht mitgerechnet. Sein Vater hingegen, vierzehn Brüder! Ja, doch, neun Schwestern auch noch. Das wäre doch mal eine größere Familie. Seine Cousins zählen in die Hunderte, bei einem Familienfest väterlicherseits kämen schon mal so ca. 500 Menschen zusammen. (Auf Nachfrage stellte sich heraus, dass es mütterlicherseits noch mehr Onkels und Tanten gibt. Und Cousins. Und Cousinen. – Aber die geballte Ladung würde nur zusammentreffen, wenn er, Sam, mal heirate.) Am meisten freue er sich auf seinen Opa, weil “Granddad kills a pig.” Ah. “The week after, Granddad kills some lambs…” Im allgemeinen lege er bei seinen Ferien daheim so um die 10 pounds zu. Ich habe glaube ich auch zugenommen, nur von der Schilderung der Speisenfolge.

Eigentlich wollte ich ja heute den YMCA (oder wie wir coolen Amerikaner sagen “The Y”) in San Mateo ausprobieren, vor allem deren Schwimmbad, für den Rücken… Ich gehe zuversichtlich davon aus, dass das viele Beugen und Strecken beim Putzen und Pflanzen mindestens ebenso zuträglich war. Nachmittags, als ich soweit fertig war, war die Sonne zu verführerisch und der Garten so ruhig und friedvoll (das haben wir wahrscheinlich dem isländischen Staubwolkenvulkan zu verdanken) – da wollte ich einfach nicht in ein Chlorwasserbecken.

* Zitat Sam, angesichts der flugzeugfreien Ruhe beim Kaffeetrinken.

Der größte Lump im ganzen Land…

 Keine Ahnung, was einen Menschen hierzulande zu einem großen, gar zum größten Lumpen machen würde, Denunziantentum ist es definitv nicht. Dazu wird nämlich allerorten aufgefordert.

Wo immer “suspicious activity” beobachtbar wäre (Bus, Bahn, Park…) gibt es auch eine Kontaktnummer zur Berichterstattung. An der Autobahn stehen alle Nase lang Schilder mit der Aufforderung “report drunk drivers” und wer im Kaufhaus einen “Shoplifter” anzeigt, bekommt dafür als Belohnung einen Einkaufsgutschein (noch nicht strafmündige Jugendliche sollen dem Vernehmen nach daraus ein recht einträgliches Businessmodell entwickelt haben).

Endlich gibt es www.tipnow.org: anonymes Denunzieren via eigenem mobile Device… Das freut euch den freundlichen Kontaktbereichsbeamten in Palo Alto: http://www.youtube.com/watch?v=Hp9QzDtRA8k&feature=player_embedded#1

“Freedom’s just another word for nothing left to loose…”

Autokennzeichen “NO SHOEZ”

Das war wieder eine ganz ganz arme Frau, am Steuer eines riesigen Geländewagens – und bestimmt barfuß.

Ganz anders die Dame jüngst im Zug: am Riemen ihrer Umhängetausche baumelte ein Paar ausgetretener, sichtlich bequemer Laufschuhe. Sie schlüpfte gerade aus den ebenso bequem wirkenden Trecking-Sandalen (kamen ins Täschchen) in schwarze Lackstöckelschuhe, Absatzhöhe vorsichtig geschätzt 12cm. (Ich hätte mit der Umkleideaktion ja noch gewartet, bis ich die Zugtreppen heruntergeklettert wäre, aber da ist jede anders risikofreudig…)

Ich wette, auf ihrer license plate steht “ZAPATA”.

Englischer Rasen

Heute muss einer von den zweiten Donnerstagen sein, an denen die Grüne Tonne zum Leeren ‘rausgestellt wird. Warum? Sam, der ganz ganz gute großartige Sam (4G-Sam, quasi), hat noch mal schnell den Vorgarten gemäht, damit die Tonne gut voll wird (und sie natürlich gleich an den vorgeschriebenen Platz gerollt). In Kalifornien gehört zur Ausstattung eines Protzhauses in Suburbia im allgemeinen der Poolboy (standardmäßig tief gebräunt in Badehosen, beschlagene Gläser mit Obst und Schirmchen dran servierend) und mindestens ein mexikanischer Gärtner. Ich habe das zu meinem San Bruno Häuschen geschenkt bekommen.

Den Gärtner. Nicht den Poolboy. Obwohl, Sam ist ja so begabt….