“Cloudy, with a chance of rain”

Vorhersagt der Wettervorhersager heute morgen im Radio. Damit aber keiner nach der langen Trockenperiode am Ende in Panik ausbricht, legt er gleich nach: “It might not rain at all in your neighborhood, your chance of liquid sky is 10%. Only Fremont has a 20% chance.”

Das haben die Fremonter anscheinend voll ausgeschöpft. San Bruno hat nämlich keinen Tropfen abbekommen.

Aus dem Vokabelheft

“On the bubble” bedeutet wörtlich “auf der (Seifen)blase” und im übertragenen Sinne, daß jemand oder etwas Spitz auf Knopf steht.

Dein Name sei Schall und Rauch

Toni hatte heute früh einen Termin. Macht nix, hol’ ich mir einfach gschwind einen Kaffee und warte solange im Auto. Von Bestellen bis Pappbecher mit Heißgetränk in der Hand verstreichen gut und gerne 20 Minuten. Nix da, “gschwind”! Starbucks jugendliche Baristas haben zwar keine Hüft-, aber ganz offensichtlich sowohl Logik- wie Logistikleiden: wenn vier Grünschürzen Bestellungen aufnehmen und nur eine Kaffee kocht*, dann kommt es zwangsläufig zu einem Wartehaufen Kaffeedurstiger (für eine geordnete Schlange ist weder genug Platz, noch werden die Orders in der Reihenfolge ihres Eintreffens abgearbeitet).

Warum Starbucks sich nicht an die Coffeeshop-Nomenklatura halten kann und die mittlere Bechergröße “Grande” nennen muß und nicht “Medium”? Geschenkt. Warum sie aber meine ohnehin schon auf ihren Laden angepaßte “Sabrina” (http://bit.ly/1jLN6kB) zu “Saberner” machen müssen, das hat mich heute früh doch zum Grübeln gebracht.

Nächstes Mal heiße ich Molly. Oder Hannelore. Je nachdem, wie dringend ich Koffein brauche.

 

* Hierzulande wird Kaffee übrigens nicht gekocht, sondern gebraut.

God Bless America!

Also erstens Mal ist alles größer, schöner und besser als vor fünf Jahren. Und was noch nicht viel größer, viel schöner und viel besser ist, das wird es ganz bald werden. Bestimmt. Ganz bestimmt. “America has never come easy”, aber es ist schon seit 200 Jahren das größte, schönste und beste Land, das es gibt und geben wird, immer und immerdar.

Nein, ich habe nicht an der Klebstofftube geschnüffelt – ich habe mir die “State Of The Union”-Rede (SOTU) des Präsidenten angehört und ich bin vollkommen weggebeamt. Nicht von den Inhalten. Nicht doch. Umgehauen hat mich diese gigantische Marketing-Rhetorik-Umarmung. Michelle, Veteranen, kleine Kinder, Langzeitarbeitslose, Öl und alternative Energiequellen, Diversity, Wahlrecht, Amokschützen, Terror ist böse, kauft mehr Gas, unterprivilegierte Minderheiten, ein Scherzle, Mittelklasse, 10 Dollar UND 10 Cents, Eigenheimbau und Mindestlohn, Hungersnot, Wirbelstürme, lokal und weltweit, der Kongreß ist doof, Autoindustrie und New Economy, Veteranenhelden, Frauen, Schwule, Schreiner, Treckerfahrer, Eltern wie Michelle und ich, NSA ist okay, Studenten, Heldenveteranen und Google und Microsoft und Apple und “Team USA brings home the gold” – alles und noch viel mehr. In eineinhalb Jubelstunden. Alles größer, schöner und besser als vor fünf Jahren, und wenn die anderen nicht mitmachen, dann macht er halt in Zukunft seine Politik alleine.  Außerdem ist morgen Big-Block-Of-Cheese-Day im Weißen Haus. Größer, schöner, besser und viel mehr “cheesy”*.

bigblockofcheeseday

Falls irgendein Gott gerade frei ist: er möge dieses Land und sein Selbstbild schützen. Und alle anderen Völker vor ihm.

 

* Pun intended. “Cheesy” kann ganz wertfrei käsig, also wie Käse bedeuten, aber auch schmierig, billig, kitschig, geschmacklos.

Nur ein Viertelstündchen

Ende letzten Jahres sind wir mit unserem Büro ein paar Meilen weiter nach Norden umgezogen. Sah zunächst nicht so aus, hat aber meine Fahrt- bzw. Im-Stau-Steh-Strecke um ca. 15 Minuten verkürzt. Das klingt jetzt vielleicht nicht nach viel, reicht aber doch pro Woche für einen Extra-Kinobesuch, inklusive Anfahrt und Popcorn kaufen oder ein halbes Buch oder Zusatzschlaf und steigert die Lebensqualität fühlbar.

Wir sind immer noch ein Start-up und ziehen bestimmt irgendwann* wieder um. Man darf als gesichert annehmen, daß es mich noch weiter nördlich zieht!

* Wenn der bisherige Turnus eingehalten wird, wahrscheinlich 2015. Im Herbst.

1000 x Nebel

Feierabend. Schon bevor ich in meine Straße einbiege, ist das Auto in Nebelschwaden gehüllt und die Scheinwerfer erhellen gerade mal noch einen meterbreiten Streifen. Sollte die Foggy Season dieses Jahr echt schon so früh losgehen?

Nicht doch. Irgendein game is on, man hat die Kumpels geladen. Die Nachbarn vorne an der Ecke betreiben simultan drei Monster-BBQs und haben scheints gerade nochmal ordentlich Grillbeschleuniger nachgekippt.

Nimmer ganz neu im Kino: Dallas Buyers Club

Dankeschön an die zuständigen Entitäten, mein Flehen ist erhört worden: nach dem vielen Müll der letzten Wochen ein guter Film.

Der Film basiert auf einer wahren Geschichte: Matthew McConaughey spielt Ron Woodroof, einen hyper-hetero-“handsome, in a Texas, hick, white trash, dumb kind of way”-Guy, der 1985 mit HIV diagnostiziert wird und sich nicht mit der Prognose “Sie haben noch 30 Tage zu leben” abfinden will.

Ich bin Zeitzeugin und kann mich noch gut an die AIDS-Verunsicherung und -Hysterie der ersten Jahre erinnern, an Peter Gauweilers AIDS-Stempel und die Fassungslosigkeit, als die “Schwulenseuche” auf einmal auf “normale” Menschen oder gar Kinder traf. Habe ich alles in diesem Film wiedergefunden, natürlich um den texanischen Faktor größer und paranoider.

Unbedingt anschauen!

Aus dem Vokabelheft

Je länger ich hier lebe und in diese Sprache eintauche, desto mehr Schätze kommen zum Vorschein. Ich kann und will sie nicht für mich alleine behalten – möge die geneigte Leserschaft an den Fundstücken ebenso viel Freude haben wie ich.

Aus der beliebten Reihe “Subtile Beleidigungen”

  • “Well, you’re not the scum of the earth but you’re certainly suspect…” – Du bist nicht wirklich der/die/das Letzte, aber ganz nah dran.
  • “He’s such an MMI-guy!” MMI bedeutet ausgeschrieben “Mom, may I?” und beschreibt ein unselbständiges Muttersöhnchen, das bei allem, was es tut, erst mal Mutti fragt, ob es das auch darf.

Aus der Reihe “deutliche Drohungen”

  • “If he doesn’t stop being so bloody stupid, you can watch me go July 4th on his ass.” – Wenn der sich weiter so saublöd aufführt, dann knallt es demnächst ganz gewaltig.
  • “It’s all shits and giggles until someone giggles and shits.” – …bis einer heult.

Unkonventionelle Grüße

  • “Hello and good evening, ladies and germs!” – Da macht der Sprecher Herren zu Bazillen.

Lebenshilfe und Erbauliches

  • “Get your act together, man!” – Reiß’ dich endlich zusammen! Wenn der solchermaßen Angesprochene dann immer noch nichts auf die Reihe kriegt, wird er – schon ungeduldiger – angeraunzt:
  • “Man up!” – wörtlich “ermanne dich”; im Deutschen habe ich das glaube ich zum letzten Mal bei Schiller gelesen. Vesatil, wie diese Sprache ist, ist die Kombination “X + up!” für so ziemlich alles anwendbar. Deine Blagen erweisen sich als schwerziehbar? Dann “Mother up!” Dein Leben ist schrecklich und du weißt nicht mehr weiter? Dann gefälligst “Cowboy up!” (Dem Vernehmen nach vor allem in Wyoming stark verbreitet.) Weniger spezifisch und häufig zu hören:
  • “Gear up and soldier on” – Zähne zusammenbeißen und weitermachen.

Lautmalerei:

  • “Thingmajiggers” – wörtlich: Dingsbumse.
  • “Final Fillip” – Das Tüpfelchen auf dem I.
  • “Befuddle” und “discombobulate” – stehen beide für etwas oder jemanden durcheinanderbringen.

Zugabe:

  • “They’re a well–to–do family” – Nicht täuschen lassen; das heißt nicht unbedingt, daß sie Gutes tun, sondern nur, daß sie reichlich haben.