… und die Welt ist wieder rosa
Fehldisposition
Das haben die Beckenbelegungsbeauftragten aber gründlich verbaselt: Während Desha und Die Dicken zu meditativen Klängen Kontakt zu ihren Inneren Kranichen suchen, gestikulieren und gluckern mehrere Kleinkindgruppen im Babypool und werden dabei von den anderen drei Beckenrändern von ihren Schwimmlehrern unermüdlich angefeuert “Soldier, Monkey, Airplane”, “Soldier, Monkey, Airplane”, “Soldier, Monkey, Airplane”… Bedauerlicherweise nicht synchron, obwohl sich das bei dieser Sportart doch anböte. Das lenkt sehr ab und ich möchte wetten, daß ich nicht die einzige bin, die zu ihrem Inneren Soldaten ein “Bring-dieses-Pack-zu-Ruhe”-Verhältnis aufbaut, mein Kranich ist auf jeden Fall längst ausgeflogen.
Ommm! Es ist Wochenende, die Sonne scheint und ich verdanke der Inkompetenz einen Blogpost. Alles wieder gut. Daheim wartet “The Girl Who Soared Over Fairyland and Cut the Moon in Two” auf mich. Und eine Mahlzeit! Außerdem hält die Wirkung meines Steroid-Shots immer noch an und mir tut nix weh! Ommm!
Jute statt Plastik
Wir Zugereisten wissen es schon länger: Plastiktüten sind böse, denn sie haben ein fast ewiges Leben und würgen Delphine. In Amerika hat man das neulich erst herausgefunden. Weil nun Kalifornier glauben, den Umweltschutz für sich gepachtet zu haben und sich für die besten unter den Amerikanern halten, sind seit letztem Jahr fast im ganzen Staat Plastiktüten verboten worden und wenn einer keine Einkaufstasche mitbringt, muß er im Supermarkt 10 Cents pro Papiertüte ausgeben.
Muß er? Nicht doch. Die Lösung, so ein Kollege, liegt auf der Hand – einfach öfter zum Einkaufen (fahren): “If you can carry it in your hand you don’t need a bag.”
Manchmal komme ich aus dem facepalmen gar nicht mehr raus.
Gelesen: Carl Hiaasen “Star Island”
Carl Hiaasen schreibt seit Jahrzehnten immer das gleiche Buch. Jedes Mal lesen wir von skrupellosen Immobilienmaklern, korrupten Politikern, den Reichen, Schönen, Dummen sowie von einem Häuflein Aufrechter, die den Ausverkauf ihrer floridischen Heimat Florida mit allen vom Zweck heiliggesprochenen Mitteln verhindern wollen. In Hiaasens Sunshine State sind die Guten gut und die Bösen böse. Zwischentöne überflüssig.
“Star Island”s Protagonisten sind ein talentfreies-DummwieBohnenstroh-Schlagersternchen mit seiner Entourage, bestehend aus überehrgeiziger Mutter, gleichgültigem Vater, gieriger Sippschaft, geldgeilem Produzenten, brutalen Bodyguards, eiskalten PR-Tussis und weiterem Klischee-Gesocks, ein Paparazzo mit Illusionsverlust sowie sintemalen erschlichenem Pulitzerpreis, die übliche Corona aus geldgeilen Immobilienhaien und ebensolchen Politikern sowie die schon seit dem ersten Buch bekannten nicht weniger schrillen Guten.
Hiaasen lesen ist wie der Spezialeisbecher mit Früchten und Schokoladenerdbeervanillesaucesoße und Mandelsplittern und Schokoflocken und buntem Zuckerkonfetti, garniert mit Glitzerspießchen und mindestens drei Schirmchen und einer Wunderkerze: man ist gefeit vor Überraschungen, es geht schnell und macht Spaß.
Ideale Urlaubslektüre.
Kanon (unvollendet)
Mit dem Kanon ist das so eine Sache. Ich meine, woher soll ich denn wissen, was Goldilocks mit welchen wilden Tieren tut? An meiner Wiege ging der Mond auf und Näglein wurden gesteckt und keinem einzigen Schwein das Haus weggeblasen. Meine Helden waren Schweinehirten und Gänsemägde und wenn böse Königinnen bestraft wurden, mußten sie sich in rotglühenden Eisenschuhen zu Tode tanzen.
Dann endlich emanzipiert und selber lesen können. Mein erstes Buch war “Heidi”, genau, diese Schweizer Alpenliesel mit dem Öhi und dem Ziegenpeter. Die Autoren meiner frühen Lesejahre waren James Krüss und Max Kruse und Michael Ende und später Enid Blyton sowie sämtliche Vorschlagsbände aus dem Bertelsmann Buchclub. Marie-Luise Fischer war mir ebenso recht wie Han Suin oder Mario Puzo, Hauptsache, was zum Lesen. Wenn hier einer Heidi kennt, dann nur die Manga-Version.
Pippi Kunterbunt Afrika Tacka Tucka. Bullerbü und Lönneberga. Immer mindestens fünf Freunde. Okay, auch Hanni und Nanni. Aber das war in der Phase wo ich adoptiert sein wollte oder wenigstens im Internat.
Qualität lernen kam später.
Itsy Bitsy spider
Charlotte’s web
nachfolgende Generationen: Harry Potter und Bella und Edward – gemeinsame popkulturelle Memes? Schnittmenge?
Pudels Kern vs. “We’re not in Kansas anymore” (Sorry, Herr Geheimrat.)
Formatierung.
“Eine Insel mit zwei Bergen…”
Jim Knopf, der hier wg. PC nie veröffentlicht worden wäre und der in DE auch keinen guten Stand mehr hat. (Rassismusdiskussion vs. Kinderbuchtradition, s.a. “Die Kleine Hexe”, Faschingskostüme.)
Ich weiß, wer weiß, wieviele Sternlein stehen, ein angelsächsisch geprägtes Kind hingegen, daß Mary ein kleines Lämmchen hat.
Ene, mene, mu und wann ist das angelsächsiche Kind raus? Noch am nähesten ist vielleicht
Eenie meenie miney moe,
Catch a tiger by the toe,
If he squeals, let him go,
Eenie meenie miney mo.
Nimmer ganz neu im Kino: “The Hunger Games: Catching Fire”
Zugegeben: ich habs mir nur angeschaut, um mein Urteil “das ist aber mal ein schlechtes Buch” um die Variante “und ein schlechter Film ist es auch” zu ergänzen. Mission, like, totally accomplished.
Suzanne Collins hat einfach Teil 1 nochmal geschrieben, die Hunger Games in Jubiläumsfestspiele umbenannt und dann passiert genau dasselbe wieder. Fräulein Everdeen wird in supertolle Kostüme gesteckt und sehr sehr aufwenig geschminkt und frisiert, anschließend hetzt sie mit Pfeil und Bogen sowie Feind und Freund durch einen Truman-Show-Wald, wird (fast) von Pavianen totgebissen, (schier) vom Nebel des Grauens vergiftet und (beinahe) ersäuft. Dann ist sie ein Symbol für den Freiheitskampf und der Film ist aus.
Leider sind die Filmmenschen werktreu, das heißt, die junge mutige Frau aus dem ersten Band mutiert so langsam zur hysterischen fremdbestimmten Heulsuse. Ganz grausig. Im dritten Band wird Frau Collins dann ganz tough und bringt ein paar Lieblingscharaktere um, denn Krieg ist grausam und die Guten gewinnen gar nicht wirklich immer und Katniss verkommt vollkommen zum Püppchen. Das habe ich schon im Buch nicht gemocht und deswegen werde ich mir “Mockingjay” gar nicht erst anschauen. Noch dazu, wo Buch 3 auf 2 Stück Film aufgeteilt werden wird.
Jetzt wirds wirklich mal wieder Zeit für einen guten Kinofilm.
Aus dem Vokabelheft
“NAR”, ausgeschrieben: “No Apparent Response” bedeutet, das jemand etwas saudummes tut oder sagt. Wird hierzulande selbstverständlich auch verbalisiert (“I totally narred out”), substantiviert (“The dude’s such a nar!”) und selbstverständlich als Adjektiv verwendet (“That’s a narry beeatch”).
Hochsprache isses nicht.
Neu im Kino: “Anchorman 2: The Legend Continues”
Diesem Film gebührt ein Spitzenplatz! Ganz oben im Olymp der Filme, an denen alle Beteiligten wesentlich mehr Spaß hatten als die Zuschauer.
Meine Fresse! Dummer und dümmerer Hangover-Ami-Pisse-Kaka-Kotze-Humor, mit einer Garnierung aus Rassismus, Krüppelwitzeleien und Frauenfeindlichkeit. Die wenigen gelungenen Scherze hätten gut in einen 1:30-Trailer gepaßt.
Weitergehen! Hier gibt es nichts zu sehen!
Neu im Fernsehen: Hinterland (Y Gwyll)
Hinterland ist eine neue BBC-Krimi-Produktion, angelegt auf vier Folgen à zwei Stunden, ermittelt wird in Wales.
Nach zwei Folgen ist deutlich, daß Kurt Wallander gegen den brillianten (aber natürlich wegen einer dem Zuschauer noch unbekannten Vergangenheit auch sehr zerissenen) DCI Tom Mathias ein Sonnenscheinchen ist. Wales ist eine gigantische Kulisse für die Stories, in der die Nachfolgenden sich nicht in der Gnade der späten Geburt sonnen (Kunststück, bei dem Nebelwetter), sondern für die Sünden der Väter teuer bezahlen.
Unbedingt ansehen!
Schon lange nicht mehr im Kino: World War Z
Achtung: Spoiler!
Den Virologen haut’s beim Aussteigen aus dem Flugzeug hin. Bumm. Tot. Was schert’s Brad Pitt, den reaktivierten UN-Sondereinsatzbeamten ohne Studium der Virologie? Ü-ber-haupt nicht. Jettet er eben allein einmal um die ganze Welt, dem Ursprung des Zombie-Virus auf der Spur, entwickelt noch rasch das Gegenmittel und fährt wieder heim.
Besonderes Lob für eine darstellerische Glanzleistung geht an die “Harry S Truman”, den Flugzeugträger. Den Rest muß man sich nicht anschauen.
Das Internet sagt, das Buch sei viel besser. Wenn genug Zeit vergangen ist, werde ich das verifzieren.
