Pearl Harbor, re-visited

Jim Beam, der kentuckyistischste unter den Bourbons ist kein Amerikaner mehr. Der japanische Getränkekonzern Suntory hat letzte Woche die Destillerie für 16 Milliarden Dollar gekauft.

‘Em Rednecks are not amused.

Übrigens

Wenn Briten eine Spritze bekommen, dann ist das in der Umgangssprache ein “jab”. Amis bekommen einen “shot”.

Könnte ich kommentieren, muß ich aber nicht.

On steroids

Wenn einem Götter oder Gene übel wollen, dann sind sie mit Krankheiten schnell zur Hand. Das lehrt Demut und neue Perspektiven. Vor allem im Alltag, wo Socken anziehen, was aus der Küche holen, Schnürsenkel binden, was in den Briefkasten werfen – alles Aktionen, die ein Schwabe inhärent “g’schwind macht” – gar nimmer geschwind gehen, wenn der Schwabe Arthrose hat. Dann ist jeder Einsatz des Bewegungsapparates eine logistische Herausforderung mit einem einzigen Ziel, nämlich Schmerz zu minimieren.

Wasserturnen hilft ein wenig. Drogen lindern die Symptome nur über einen bemessenen Zeitraum und mit Nebenwirkungen, aber irgendwann erreicht der Leidensdruck das nächste Stadium. In den letzten Wochen war ich soweit, daß ich die kaputte Hüfte gegen ein funktionstüchtiges Modell aus Titan eintauschen wollte. Jetzt. Gleich. Sofort. Und nach einer angemessenen Reha-Phase wieder hüpfen, springen und im Stehen Strümpfe anziehen. Mein Doc hat mich dann aber doch überredet, noch einmal einen Steroid-Cocktail ins Gelenk spritzen zu lassen.  Am Donnerstag habe ich die Injektion bekommen und seitdem bin ich baß erstaunt, wie mir bei bestimmten Bewegungen nichts weh tut. (Jetzt möge sich der geneigte Leser vorstellen, wie ich im Woody-Woodpecker-Stil auf alles verfügbare Holz klopfe.) Mit Glück wird das anhalten und ich kann Airport Scanner weiterhin ohne Warngeheule passieren.

Wish me luck.

PS: Danke an Toni, der mich chauffiert, im Krankenhaus auf mich gewartet und Notfallbereitschaft im Gästezimmer übernommen hat.

PPS: Nein, trotz Steroiden strebe ich keine Karriere im Bodybuilding an. Neon-Bikinis stehen mir nicht.

Alles nur geklaut

Wenn Amerikanern kein Superlativ mehr einfällt, dann greifen sie gerne zur deutschen Vorsilbe “über” und verlieren den Umlaut. Das funktioniert. Wie neulich, wo ein Getränk als “uber-spritzy” beworben wurde.

Bissele schwieriger wird es bei einem Adjektiv: “uber-old” klingt einfach nicht. Hatten die Deutschen da nicht auch was?

Haben sie: ur1

Gern geschehen.

Cash Flow

Daß Colorado Pot legalisiert hat, gleichermaßen mit dem Ziel, Nutzer und Händler zu entkriminalisieren sowie reichlich Steuergelder einzunehmen, weiß inzwischen jeder. Soweit so gut. Weil aber die Bundesgesetzgebung Marihuana nach wie vor als Droge auf der gleichen Stufe wie zum Beispiel Ecstasy oder Heroin wertet, ist der – wohlgemerkt in Colorado legale und steuerpflichtige – Geldfluß aus dem Geschäft in förderalen Augen illegales Drogengeld und kann jederzeit beschlagnahmt werden. Kreditkartenunternehmen unterliegen ebenfalls dem Bundesgesetz und stoppen “drogen”bezogene Transaktionen.

Und nun? Händler und Produzenten wickeln ausschließlich Bargeldgeschäfte ab: ob sie ihre Mitarbeiter bezahlen oder Steuern oder Mieten, Krankenversicherungen, Renovierungen, Lieferanten usw. und lagern ihre Geldstapel irgendwo außerhalb von Banken. Weil aber das Verbrechen nie schläft, beschäftigt sich die Polizei seit 1. Januar im wesentlichen mit der Aufklärung von mehr oder weniger gewalttätigen Raubdelikten.

Noch in diesem Jahr planen weitere Bundesstaaten (Washington State als erster) die Legalisierung von Marihuana und die Sanierung ihrer Haushalte über zusätzliche Steuereinnahmen. Wenn die Feds sich nicht bald bewegen, wird das sehr interessant werden.

as easy as pie*

Wer mit deutschem Kinderliedgut sozialisiert wird, der weiß um seine Backzutaten: Eier und Schmalz, Zucker und Salz, Milch und Mehl sowie eine Prise Safran. Und dann wird gemessen, gewogen und gerührt, ausgewellt und ausgestochen und schließlich gebacken. Das dauert.

Zeit aufwenden, um Mahlzeiten zu produzieren? Das mag der gemeine Amerikaner nicht. Und wird innovativ. So wie Otis Spunkmeyer (s. http://bit.ly/1azKwZT, Fußnote). Otis kauft die Zutaten en gros, mißt, wiegt, rührt, wellt, sticht aus, friert ein und wirft die Marketingmaschine an.

Zielgruppe für seine Tiefkühl-Fettundzuckercookies sind die Fundraising-Zuständigen im Land. Ob an Schulen, Militärstützpunkten, Kirchen – alle wollen schnell viel Geld für den jeweiligen guten Zweck eintreiben. Möglichst ohne großen Aufwand und auf keinen Fall schon wieder mit schlechter Schokolade (s. http://bit.ly/1dFav4P). Im November wars bei Nachbarin Carmen wieder soweit, die Belle Air School brauchte Geld für “Field Trips” (Ausflüge). Ich helfe gerne und habe zwei Container à $16 mit Plätzchen-Teiglingen erstanden.

Und so geht Plätzchen backen à l’Americaine, zwei Bleche, zwei Sorten in 10 Minuten:

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Den Löwenanteil reiche ich an Sam weiter, Lyn mag die Dinger auch und wenn wirklich am Dienstag (Montag ist hier Feiertag) noch welche übrig sind, kriegen sie die Kollegen.

 

* wörtlich: so einfach wie Kuchen = kinderleicht

High as a Kite

Seit Anfang dieses Jahres ist Marihuana in Colorado legalized. Rückblickend scheinen die State Officials eine ziemliche Weitsicht an den Tag gelegt haben, als sie schon 2007 den John Denver Folksong “Rocky Mountain High” http://bit.ly/1b81b7h zum zweiten offiziellen State Song ernannten.

Mile 419.99Eher kurzsichtig waren sie wohl, was Mile Marker 420* an der Interstate Autobahn 70 angeht – die wurden ihnen nämlich alle Nase lang von Pot-Afficionados geklaut. Bis es den Straßenschilderdruckern zu bunt wurde. Seitdem wird an der I-70 nun Mile 419.99 markiert.

 

* Es ist ja gerade mal 200 Jahre her, daß dieser Kontinent von Neuankömmlingen besiedelt wurde und an manchen Straßen ersetzen die Mile Marker heute noch Ortsschilder (zum Beispiel auf der Florida Turnpike Extension FTE von Miami nach Key West).
Four-Twenty, der 20. April, ist hierzulande Weed-Day, der inoffizielle Feiertag aller Kiffer. (s. http://bit.ly/1ae9jox)

Dürre

Januar - RoseJanuar - es blühtWir haben hier ein neues Unwort, und wer’s öffentlich ausspricht, wird sofort sofort in die Schublade “one of ’em bleedin’ heart liberals”* gesteckt. Es hat weder mit Sex noch mit Politik oder anderen unaussprechlichen Themen zu tun, sondern mit Meteorologie. Also genau der Art Wetter, die ich ständig bejuble. Schöne konstante Tagestemperaturen von 25°C, immer sonnig und das im Januar. Oder an Weihnachten. Das, so die Unwortaussprecher ist gar nicht gut. Das bedeutet “drought” (Dürre). Ich bin vollkommen ihrer Meinung. Wir haben mitten im Januar höchste Waldbrandstufe, die Wiese in meinem Garten ist von zentimeterbreiten Rissen durchzogen und wenn ich von einem Rosenstrauch eine Hagebutte abzupfe, stehe ich in einer Staubwolke.

Trotzdem. Mir reichen drei Jahreszeiten unter Auslassung des Winters.

PS: Die Bilder sind von heute Nachmittag aus meinem Garten. Leider sind die Blüten rechts wegen eines Windhauchs ein wenig verwackelt.

* Als Liberaler gilt man in Amerika, wenn man ein ganz kleines bißchen links von den Demokraten steht und an Dinge wie Erderwärmung oder Ozonloch glaubt. Damit ist man in der hiesigen Weltsicht eigentlich schon Kommunist.

Neu im Fernsehen: Sherlock

Letzten Sonntag ist hier die letzte Folge der dritten Staffel der BBC-Serie mit Benedikt Cumberbatch und Martin Freeman gelaufen.

Hmmm. I am not amused. Dieses Mal haben sie sich beim Schreiben keine große Mühe gegeben. Das wäre mir vielleicht nicht so aufgefallen, wenn ich nicht zur Vorbereitung die ersten beiden Staffeln in den Weihnachtsferien nochmal mit großem Genuß angeguckt hätte. Ich kann mich nach wie vor an Cumberbatch nicht satt sehen, aber dann doch lieber in einer anderen Rolle. Und einer anderen Produktion.

Schade.

 

Aus dem Vokabelheft

Jennifer Lawrence hat gestern den Golden Globe für die beste Nebendarstellerin in “American Hustle” (s. http://bit.ly/JWUXwz) bekommen.

Und die englische Sprache ein neues Wort: ein Kommentator kreierte für ihren “Ichdankemeinerfamilieunddemteamunddemregisseurundderjuryundüberhauptderganzenwelt” -Auftritt den Begriff “adorkable” – quasi liebenswert vertrottelt.