Es werde Licht

Meine Küche mutete zuletzt an wie ein eher schummriges Bistro. Die Art, wo der Arzt aus der Nachbarschaft auf einer schlechtgewischten Tafel mit einem viel zu kurzen Kreidestümpchen das abendliche Menü hinkrakelt, man auf wackeligen Stühlchen an viel zu kleinen Tischen winzige Portiönchen serviert bekommt, die wesentlich schöner aussehen als sie schmecken und man sich aber nicht traut, das laut zu sagen. Nicht bei den Preisen!

Wo war ich? Genau. Licht in der Küche kaputt. Glühbirnen austauschen erfolglos, es blieben einfach zwei neue Birnen dunkel. Hmmmm. Wen kenne ich, der einen Elektriker kennt? Hah! Meine Allzweckwaffennachbarin Carmen. Der fällt denn auch gleich ihr Cousin ein, der ist Elektriker. Aber auf der anderen Bay-Seite. Macht nichts, “I just have to get him down here.” Das ist mir schon wieder peinlich, meine Mutter hat mir nicht umsonst die heilige Verpflichtung auferlegt, nur ja keine Umstände zu machen, nirgends und niemandem. Carmen kennt meine Frau Mama nicht und läßt das a) nicht gelten und hat b) einen Gatten. Der kommt denn auch ein paar Minuten später angedackelt, sieht sich die Sache an und diagnostiziert: “Schalter kaputt”. Das kann er selbst, für sowas braucht man doch Carmens Vetter aus Dingsda nicht zu bemühen. Vorhin war er hier, und seitdem ist es wieder hell. Wenn ich wieder zurück nach Deutschland gehe, dann suche ich mir da auch ein mexikanisches Wohnviertel mit solchen Nachbarn!

Gracias! Muchas Gracias! Muchissimas Gracissimas!

Disaster Training

Wenn man Katastrophenschützern glauben wil, leben wir hier in einer saugefährlichen Gegend.

1. Es brennt. “Fire drills” sind an der Tagesordnung (in Schulen, Gemeinden, Office Parks, überall), was nicht zuletzt an der Bauweise der Gebäude – Holzlatten und Tyvek Housewrap –  und den abenteuerlich darüber montierten Stromtrassen liegen mag. Außerdem dokumentiert der Energieversorger PG&E bis heute nicht ordentlich, wo genau er seine Erdgasleitungen verlegt und weniger Waldbrände sind durch die Dürre auch nicht gerade zu erwarten.

2. Es wackelt. Der San Andreas Graben war für Siedlungsgründer, egal ob Indiander, tschuldigung “Native Americans”, Missionare, Gold- oder Totengräber offensichtlich die allererste Wahl – und drum üben wir in diesem viel zu dicht besiedelten Flecken Land regelmäßig Erdbeben, denn “The Big One” steht uns innerhalb der nächsten 40 Jahre ins Haus. Empfohlen werden stabile Türrahmen sowie Wasservorräte und Taschenlampen, Bargeld und dann “Duck&Cover”.

3. Wasser wallt. Heute ist die “Tsunami Prepardness Week” angelaufen. Ja, Tsunamis haben wir auch noch, kein Wunder, wenn man sich auf einer Halbinsel zwischen einer riesigen Bucht und einem noch viel riesigeren Ozean niederläßt. Sollte das Meer sich erheben, “here’s what you need to do to stay safe:  keep calm; walk or run to higher ground, 100 feet above sea level or 1 mile inland“.

Dann schauen wir mal, wer zuerst kommt. Wahrscheinlich ist, daß es eine Kettenreaktion geben wird. Ob da die “Disaster-Kits”, die man gerade wieder überall günstig kaufen kann, in allen Größen, für Erwachsene, Kinder, Haustiere, wirklich nützen? Vermutlich hilft einfach nur umziehen. Oder, und das scheint die allgemeine Maxime zu sein, sich mit dem heiligen Florian gutzustellen. Muß mal schauen, ob der Mexikaner für den auch ein Kerzerl hat.

Frühling an der Bay

Jetzt hat der Frühling wirklich begonnen: Meine Steuererklärung ist noch reichlich vor Tax Day am 15. April e-gefiled und durch San Bruno pfeift wieder der kalte Märzenwind, der zwar Wäsche turboschnell trocknet, mir aber das Draußenlesen vergällt. Wie war das gleich gestern im Schwimmbad? Genau. Asiatinnen in Tiger-Mom-Burkas (in die Stiefelchen gesteckte Skinny Jeans, langärmliges T-Shirt, Schal, weiße Handschuhchen, Puck-die-Stubenfliege-Sonnenbrille und ein Sonnenschild, größer als der gemeine Biergartensonnenschirm) betteln vom Beckenrand aus die Schwimmlehrer ihrer  winzigen Kinder um Hausaufgaben an.  Halt a mal. Das kann ich auch. Also ersteres. Flugs den neuen roten Tüpfelschal* und ein Hoodie an, Buch geschnappt und eine Decke über die Beine. Besser als Davos. Alles gut.

Wer jetzt noch nicht blüht, ist ein Loser.

* Überhaupt Schals: ich trage ja nur noch Handgemachtes von Müncher Freundinnen. Einen warmwollenen gedeckten Möbius für den Winter und einen in rotem Flies und vielen Tupfen für die andere Jahreszeit. Danke dafür!

Praise the Lord!

Da ist man über Mittag zwecks Wassersport eine Weile weg und wupps, schleichen sich die Zeugen doch schnell zum Haus und hinterlassen eine Einladung” zu einem “Special Bible Talk” mit dem Thema “Why Would a Loving God Permit Wickedness?” (Warum würde ein liebender Gott Schlechtes zulassen?) – “Millions will be coming. Will you?”

So wie ich euch kenne, lautet die Antwort: Er täte es nicht. Es liegt nur an den dummen Menschen mit ihrer unreifen Wahrnehmung, die das Gute in SEinem Werke nicht erkennen und dagegen hilft beten und spenden.

Toll, wie ich das weiß, gell? Und das als bekennende Atheistin.

 

PS: Ich komme dann mal nicht zum Event der “Watch Tower Bible and Tract Society of Pennsylvania”.

Every drop counts

Fünf Menschen in Businesskleidung mit Klemmbrettern klopfen an meiner Tür. Erster Gedanke: “Die Zeugen Jehovas können es nicht sein. Die haben mich als nicht ordentliche spanisch sprechende Unbekehrbare inzwischen abgeschrieben. Die draußen vor der Tür können keine Türklingel bedienen. Sind das womöglich die Bullen? Oha und Obacht!” Ich öffne vorsichtig, man tauscht ein paar Begrüßungsfloskeln, dann räuspert sich der Senior-Krawattenmann und lobhudelt: da hätte ich aber mal ein wunderhübsches Anwesen und sein Vize sekundiert umgehend und preist meinen Vorgarten. Was sie wollen, weiß ich immer noch nicht, doch ich bin sicher, daß die Herrschaften ganz offensichtlich an schwerem Realitätsverlust erkrankt sind. Mein Häuschen wäre seinerzeit in Wandlitz noch nicht einmal als Anbau zum Geräteschuppen durchgegangen und daß die Wiese vor dem Haus irgendeinem Schönheitsideal entspricht, glaube ich erst, wenn Naomi Campbell in einem Kurzmäntelchen aus dem räudigen Fell einer nach langer schwerer Hautkrankheit entschlafenen Hyäne läuft.

Man sei, räuspert sich der Älteste wieder in den Vordergrund, die “City of San Bruno”, also vielmehr deren Repräsentanten. Und man sei abgeordnet, um mit mir über Jahrhundertdürre in Kalifornien zu sprechen. Auf dieses Stichwort hin wechseln alle den Gesichtsausdruck von Begrüßungsgrinsefreundlich zu Abersowasvonbetroffen. “Schlimm, gell?”, versuche ich mich ins Gespräch einzubringen. Habe aber keine Chance, im Drehbuch ist an dieser Stelle kein Dialog vorgesehen. Krawattenheinzi wedelt mit dem Klemmbrett zur Ordnung, was bei seinen Adlaten La Ola auslöst, und spricht pastoral getragen von Gemeinwesen und Wassersparen und Opfern, die wir alle bringen müssen. Hilfskraft I, Kostümchen, rosa Rüschenbluse, Haarreif, löst die Liste “What YOU can do to conserve WATER” von ihrem Klemmbrett und überreicht sie mir mit einem ebensolchen Lächeln. Ich bin fast überrascht, daß sie keinen Knicks macht. Hilfskraft II, Kostümchen, hellblaue Rüschenbluse, Haarreif tritt vor und beginnt, mir eben diese Liste vorzulesen: “Nicht täglich duschen!” [Mache ich eh nicht, ist schlecht für die Haut.] “Replace your shower with a washcloth.” [Waschlappen statt Dusche. Klingt gut. Vielleicht das nächste Mal dazuschreiben, daß das nur mit einem feuchten Tuch geht. Nicht daß die Leute am Ende den Duschkopf rausreißen und sich wundern.] “Strom sparen. Wäsche draußen aufhängen.” [Mache ich eh, mein Haushalt ist trocknerfrei.] “Nicht jedes Wochenende das Auto waschen.” [Wahh? Der Passat kann sich glücklich schätzen, wenn das einmal im Jahr passiert. Noch nicht einmal in der Werkstatt duscht man ihn nach dem Service wg. Wassersparens mehr.] “Die alte Toilette gegen ein Energiesparmodell austauschen.” [Mein Vermieter ist so geizig, der überläßt mir allenfalls einen alten Eimer zum Spülen.] Und so weiter, alles Selbstverständlichkeiten. Ich hätte auch alle diese Eckig-Klammer-Anworten gegeben, wenn Blaublüschen ein einziges Mal zum Luftholen unterbrochen hätte. Tut sie aber nicht. Dann räuspert sich der Alte wieder und stellt den letzten Krawattenträger vor. Das sei der “Garden Counsellor”. Der legt auch gleich los, erzählt mir von den Vorteilen eines pflegeleichten Steingartens und drückt mir einen Stapel Prospekte in die Hand. Seine Landscaping-Firma sei im Re-Modelling von Gärten das allererste Haus am Platze und wenn ich mich gleich heute jetzt sofort entscheide gibt’s einen Coupon UND noch einen Tausender von der City of San Bruno. Naaaa?

Wie? Ach so, bin ich jetzt dran? Ja dann. Das klingt alles super und ich mache auch gerne bei der freiwilligen Selbstverpflichtung 10% Wasser einzusparen mit. Bloß, hier im und am Haus kann ich nichts ändern, da müßten sie mit meinem Landlord sprechen und der wohnt in San Diego. Soll ich Ihnen vielleicht die Adresse…? Nein, wollen sie nicht. Sie müßten jetzt leider wirklich gleich weiter und die Prospekte hätten sie auch gerne zurück. Bye!

Von mir aus. Ich muß eh los, zum Dicke-Damen-Turnen und anschließend im Schwimmbad duschen.

1000 x Nebel

Hinter einem Vorhang wogender Pastellschleier in Fastschonweiß-Gelb bis Sooooknappvorlila läßt sich Frau Sonne, gehüllt in ein Négligée in mutigem Waldbrandloderrot in ihre pazifischen Wasserpfühle sinken. Wie jetzt? Nebel? Ach so ja, weiß ich doch eigentlich. Hier läßt der Lenz nicht sein blaues Band flattern, sondern graue Schwaden wabern.

Schönen Frühlingsanfang allerseits.

Bumper Sticker

bumpersticker TrabantMein Co-Auto-Eigner ist ja total gegen Unordnung im Fahrzeug. Deswegen wackelt meine Hula-Dame auf der Lautsprecherbox daheim und Aufkleber haben wir auch keine. Aber heute habe ich einen gesehen, der selbst vor seinen strengen Augen bestehen können müßte.

Oder?

“Our Vision is to improve yours”*

Ich werde mich sicher irgendwann daran gewöhnen, daß das Anbieten ärztlicher Leistungen hier genauso ein Geschäft ist wie Gemüsehandel oder Autoverkauf. Mit Rabatten aushandeln und Werbegeschenken. Heute bekam ich als “Welcome Gift” beim neuen Augenarzt gleich eine Plastiktüte mit kleinen Gimmicks. Brillenputztücher, gut das liegt noch nahe. Augentropfen, jeeiiin, ohne Untersuchung und Diagnose. Weiß nicht recht. Der Clou war der Coupon in Knallorange und von der Sprechstundenhilfe zeremoniell mit dem Tagesstempel versehen: wenn ich heute eine neue Brille verschrieben bekommen sollte und die auch sofort anschließend gleich nach dem Arztbesuch heute anmessen lasse und bezahle, dann bekomme ich auf Fassung und Gläser einen Discount vom praxiseigenen Optikerladen im Wartezimmer. Danke. Aber nein danke.

Beim Rausgehen springt mich die “Scheduling Specialist” schier an, es sei wegen des Kontrolltermins. Ja, aber, den hatte ich doch gerade? Schon. Aber der nächstes Jahr sei doch noch nicht im Kalender und wir könnten doch gleich… Herrschaften, ihr habt das vielleicht noch nicht gemerkt, aber es gibt einen Unterschied zwischen Kundenbindung und grober Aufdringlichkeit. Möglicherweise ist das nun wieder so ein”cultural” Ding und was ich lästig finde, ist im Verständnis des gemeinen Amerikaners nur guter customer service. Wurscht, ich will nicht sofort eine Brille und auch keinen Termin für nächstes Jahr. So lange im Voraus plane ich nicht.

 

* Ach, Herr Schmidt, wenn Sie wüßten… Hier haben die Ärzte Visionen.

Starkbieranstich auf dem Nockherberg

Luiserl hat zu ihrer erfreulich hinterfotzigen Mama Bavaria gefunden, Amelie Fried und Co-Moderator Christoph Deumling sind adabei und immer sehr froh, wenn sie nach einer Weile nix Gscheits daherreden zu Hof- und Saalberichterstatterin Eva “The Dirndl” Mähl umschalten können und dem Rosi ist in seinem Singspiel die ganz hohe Kunst aus dem Ruder gelaufen – das hätte er a bisserl derber besser machen können. Uli “Ude” Bauer ist jetzt arbeitslos (sehr schöner Abschied für sein Rollenvorbild Christian) und Bayern offensichtlich vollends zur Horstokratie verkommen.

Die Krüge hoch auf den Urhorst. Meine Fresse! Ist das wirklich so schlimm?

Neu im Kino: Veronica Mars

Ich habe die Serie schon als sie in Deutschland im Nachtfernsehen lief ganz gern gemocht, kannte aber eigentlich niemanden sonst, der sie sich ansah. Die Geschichte von der bad-ass High School Detektivin wurde denn auch nach drei Staffeln wieder abgesetzt – guckt ja keiner. Oder doch? Kaum fragt Autor-Regisseur Rob Thomas bei Kickstarter die Geek-Community, ob man denn Vroni wiedersehen wolle, kommen statt der angestrebten zwei Millionen Dollar fast sechs zusammen und der Film in die Kinos.

Veronica und alle anderen sind ein paar Jahre älter, aber ohne Schule und alte Freund- und Feindschaften geht es halt doch nicht und so trifft man sich in Neptune, CA zur High School Reunion. Und dann ist es wie früher: Lügen, Intrigen, Korruption, Stutenbissigkeit, rivalisierende Lover, Show Business, unanständiger Reichtum und dazwischen die kleine Blonde, die inzwischen Harvard UND Stanford mit Auszeichnung abgeschlossen hat und die Schnüffelei doch nicht lassen kann. Schon gar nicht, wenn ihre alte Immer-Wieder-Oder-Doch-Nicht-Flamme unter Mordverdacht steht.

Die alten Fans werden gut bedient, ich weiß nicht, ob man als Erstseher alle Feinheiten versteht, ich weiß aber auch nicht, ob man das muß. Gut gemacht.

Jetzt wird es allerhöchste Zeit, daß sich jemand der Serie “Firefly” annimmt. Einmal “Serenity” reicht nicht!