Richtig

Wenn dieser Artikel, werte Spiegelredaktion, bei Bento erschienen wäre, eurem bei mir für vielfache Aufreger gesorgt habenden, nunmehr schon lange eingestellten Jugendmagazin, dann hätte ich mich nicht gewundert. Kein bißchen.

Es würde mich aber interessieren, wieviele Menschen bereit waren, für die Wochenendzeitungslektüre eure Bezahlschranke gegen Geld zu überwinden, um herauszufinden, wie es um das “echte Leben der Internet-Stars Stachel, Cengko und Theo” bestellt ist.

Gelesen: Cemile Sahin – “Kommando Ajax”

Sahins drittes Buch ist ein superschnelles Actionfilm-Drehbuch mit alles und scharf. Absurder Komik, alten und neuen Heimaten (der Plural ist nach wie vor schwierig), Schmugglern und Kunsthändlern (die Distinktion ist ebenfalls nicht leicht), Klein-, Mittel- und Großkriminellen, Zockern, Künstlern und schwerstarbeitenden Premium-Premium-Putzfrauen (das sind die mit Schlüssel und mit freier Zeiteinteilung am Wochenende), Schuld und Sühne. In schnellen Schnitten, markiert durch Collagen der mehrfach begabten Autorin, dazwischen wieder Sätze, wie aus Metall geätzt.

Dieses Mal kein Stoff, aus dem Alpträume sind, sondern einer, der geradezu nach einem mutigen Regisseur schreit.

Lesen! Lesen!

Gestern Abend in der Unterfahrt: Yazz Ahmed Quartett

Pass auf: Fusion Musik, britisch und orientalisch. Hach! Die Bandleaderin mit einem Namen, der schon wie ihr Musikstil kling, einer ersten Heimat in Bahrein, in einer megamonstercoolen Addidas-Abaya, mit einem poshen Akzent aus der westlichsten Westlage des Londoner Westends. Und sie spielt Trompete. Und Flügelhorn. Flügelhorn. Hach!

Ich hatte den Herrschaften (Ralph Wyld, sagenhaft am Vibraphon, David Manington, Bass und Rod Youngs, yes!!, Schlagzeug) schon allein wegen der vermeintlichen Exotik viel Vorschußjubel gegeben, wobei mein weiser Begleiter schon bei der Kartenbestellung gewarnt hatte: “die find ich ein bißchen fad”.

So war es dann auch. Alles gute Musiker, aber halt a weng langweilig. Mein sehr freundlicher Begleiter beschrieb den Klang mit den Worten “es mäandert”. Ich bin ja nicht so gut erzogen und nenne den Effekt “wabern” (ganz recht, Frau R. aus M., wie in “Lohe”). Also nicht ganz das Gelbe vom Ei.

Wir haben nachgezählt und bis zum Jahresende noch sechs weitere Konzerte gebucht und sind sehr hoffnungsfroh, dass die nächsten besser werden.

Hey, Fee…

…wenn ich nach Frieden auf Erden, kein Mensch muss je wieder hungern und die Geschichte mit dem Klima ist auch gelöst noch einen Wunsch freihaben sollte, dann wünsche ich dem norwegischen Nobelkomitee morgen eine glückliche unerschütterliche Hand.

Für die Nachgeborenen: Die Vereinigten Staaten von Amerika (was man halt so nennt) haben den 45. Präsidenten auch zum 47. gewählt (was man halt so nennt). Seinem Vorgänger, dem 44. Präsidenten, einem auf Hawaii geborenen Schwarzen, wurde der Friedensnobelpreis verliehen. Darum will er den auch (für die Beendigung von – je nach Tageslaune – fünf bis acht Kriegen (die keine sind). Und für seinen “Deal”, die Einigung bei den Gaza-Verhandlungen, welche er gestern (Mittwoch) exklusiv auf seiner eigenen Plattform verkündete.

Morgen (Freitag) wird der Preisträger bekannt gegeben. Man möchte gerade nicht in einer norwegischen Haut stecken.

Aus dem Vokabelheft

Wenn ich nicht in den USA schon beruflich umpfzich Formulare ausgefüllt hätte, wüßte ich nicht, dass im Angelsächsischen “Professional bodies” sowas wie Berufsverbände oder Standeskammern oder dergleichen sind, und wäre doch sehr verblüfft gewesen, als mir heute auf einem offensichtlich von einer Künstlichen na ja Intelligenz übersetzten Fragebogen neben “Autoritäten” (= “Authorities”, Behörden) auch die Option angeboten wurde “Professionelle Körper” anzukreuzen.

Andererseits hätte ich sonst nie ein paar vergnügliche Momente damit verbracht, mir auszumalen, was wohl unprofessionelle Körper ausmacht. Es ist nicht alles schlecht.

Gelesen: Alessandro Tota – “Die Grosse Illusion 1 – New York 1938”

New York, Ende der Dreißiger Jahre. Immigranten aus der ganzen Welt, inklusive der landwirtschaftlichen dürregeplagten Bundesstaaten der USA selbst, drängen in die große Stadt, die Glück (und Brot) verheißt. Es ist eine Stadt, in der das Leben tobt (man denke “Babylon Berlin”), Verbrechen an jeder Ecke stattfinden, jeder für sich um sein kleines bißchen Leben kämpft und Superhelden fliegen lernen – sprich, die Literaturgattung Comic zum Leben erwacht.

In diesen großartig gezeichneten Moloch (ja, es ist eine Graphic Novel) kommt die großäugige junge Naive aus Kansas und erst mal fast unter die Räder – wie es dann für sie und ihre Begeisterung für Schundbücher und -heftchen weitergeht, lese eine und ein jeder selbst. Es macht Freude. Ein Ausflug in eine Geschichte, in der Amerika noch “the Land of Dreams” war, eine kommunistische Partei nicht nur existent, sondern auch Herausgeberin mindestens einer Zeitung “Rise of the Masses”, New York eine Stadt, in der Schmuddel und geniale Architektur, Kunst, Kultur, Kommerz und Suppenküche zusammengehörten, kurz, eine Zeit, die lange vorbei ist.

Ich freue mich schon sehr auf den 2. Band und empfehle, den ersten bis dahin gelesen zu haben.

Gelesen: Mattie Lubchansky – “Boys Weekend”

Der beste Freund einer Transfrau möchte, dass sie sein Trauzeuge wird (das englische “best man” macht ihre mehrseitige Verletzung noch klarer) und lädt alle seine Kumpels zu einem Junggesellenabschied auf einem futuristischen hedonistischen Eiland ein, auf dem es alles gibt und alles geht und das Las Vegas aussehen läßt wie ein sehr lahmes Euro-Disney.

Außerdem noch ein irrer überkapitalistischer Orden oder Sekte oder so – “The Gray Hand” – der massig Mitglieder, auch die Kumpels, für ein Schneeballsystem anwirbt und seine Opfer zu Zombiearbeitssklaven macht, die man daran erkennt, dass sie wenig reden, weil sie wenig Hirn haben. (Was ich bei der Ausgangslage jetzt gar nicht soo schlimm finde.) Und Schlangen. Und Seeungeheuer.

Ich weiß nicht mehr, woher ich die Empfehlung dafür hatte, vermute aber stark die Website: www.whatanuttershyte.com. Was für ein uninspirierter wehleidiger Dreck!

Bloß nicht lesen.

No Shit

Seit ich auf meinem Balkon zu den Aluknispelstreifen noch eine Installation aus diversen Borsteninstrumenten, ja, was… installiert habe, schlacken (das ist mein persönliches Kunstwort aus Schlafen und Kacken zusammengesetzt und gildet als neu erfunden) die Herrschaften Mistviecher woanders.

Möge es so bleiben.