Verheißung

An jedem sonnigen Morgen, an dem ich von der Hauptverkehrsstraße in dieses grausig-graue Gräfelfinger Industriegebiet abbiege, fällt mein Blick auf das unruhig gepflügte graubraune Feld mit den ersten matschig-grünen Stoppeln zu meiner Rechten und wenn ich ihn hebe, schiebt sich die grau-ernste Nadelbaumwand des Friedhofs am vorderen Feldhain in mein Sichtfeld. Davor prangt ein einziger recht kleiner aber umso lebensbejahender Weißblühbaum und weiß gar nicht, wohin mit seiner Saftkraftlenzenergie.

Nur ihm ist es zu danken, dass ich dann doch mit einem Lächeln im Gesicht auf dem Firmenparkplatz zu halten komme und mein Tagwerk frohgesinnt beginne. (Hält nicht lang, der Frohsinn, aber das ist eine andere Geschichte.)

“Weniger lesen?”

Ich hätte nie gedacht, dass ich dieses Angebot von Amazon mal ernsthaft in Erwägung ziehen würde, aber angesichts dieses Werks und seiner Autorin ist das wohl einfach Notwehr…

Weniger lesen

Aus dem Vokabelheft

Begriffe und Redewendungen, die durch übermäßigen Gebrauch starke Abnutzungserscheinungen zeigen nennt der höfliche Brite: “Tired Terms”. Das nehme ich, ist doch allemal hübscher als ausgelutscht oder abgedroschen. Wobei ich mich frage, ob sie dann, wenn sie vollends obsolet geworden sind, zu “Retired Terms” werden?

Meine Sorgen möchte ich haben.

Unbestimmtes Gefühl

Auf Parkplatz 539 im Bauch der Anstalt steht sehr schön mittig ein rosa lackiertes Mädchenfahrrad mit einem blumenverzierten Körbchen am Lenker. Erst denke ich “wie rührend” und dann weiter, ob es da wohl aus Trotz geparkt wurde, so in der Art “Wenn ich schon einen Parkplatz zwangsmieten muß, dann stelle ich da auch mein Fahrzeug ab” oder ob die Besitzerin wohl hofft, dass sich das Radl an den vierräderigen Fahrzeugen rundrum ein Beispiel nimmt, quasi “Wenn ich groß bin, werde ich Auto”.

Abschließend denke ich mir noch, dass ich wohl sonst nix Gescheites zum Denken hab und gehe heim, damit sich da was findet.

Man reiche mir ein Leihkind

Sie ist Schwedin. Autorin. Kinderbuchautorin. Eine Kinderbuchautorin, die Kinder in Alltags- und/oder Ausnahmesituationen beschreibt und sie selbständig denken und handeln läßt. Und nein, sie ist nicht Astrid Lindgren. Sondern Gunnel Linde, knapp 20 Jahre jünger als Astrid und für ihre Bücher mit sehr vielen Astrid-Lindgren-Preisen ausgezeichnet worden.

Neulich, auf einer U-Bahnreise zwischen Hadern und Ostbahnhof und zurück, habe ich die 1965 verfaßte Geschichte “Mit Jasper im Gepäck” inhaliert*, und möchte sie nun einer und einem jeden, die/der kleinen oder mittelgroßen Kindern vorliest, sehr empfehlen. Die Erzählung von den zwei Kindern, die beim Urlaub mit der ältlichen Tante bei der Tombola im Zoo ein Zwerppferd gewinnen und es umständlich und abenteuerlich auf einer Bahnfahrt im Schlafwagen nach Hause in die elterliche Garage schmuggeln, ist vielleicht ein bißchen aus der Zeit gefallen, aber das sind Michel, Karlsson und Pippi auch und darum nicht weniger anrührend und nicht weniger zeitlos. Quasi ewig.

Ich habe Jasper so sehr ins Herz geschlossen, dass er als Junior-Trostbuch neben Mary Poppins auf dem Nachttisch zu liegen gekommen ist. Für die schlechten Nächte.

 

* Ich bin aber auch schon groß und extremer Schnell-Leser. Außerdem steckte die Bahn sowohl hin wie zurück für jeweils ein paar Extraleseminuten im Tunnel fest. Warum so ein schönes Buch erst 2010 zum ersten Mal ins Deutsche übersetzt wurde, muß man nicht verstehen. Hauptsache, dass.

Lichtblick

Es ist von relativ geringem Unterhaltungswert, schmerzensreich zu Ärzten aller möglichen Disziplinen zu hinken, auf dass endlich eine/r herausfinde, warum meine Blutwerte nicht der Norm entsprechen und was er oder sie dagegen tun kann.

Heute stand der Test der Tests an. Also der letzte final finale. Wenn der nun wieder negativ ausfällt, hat sich der Chirurg bereit erklärt, trotz aller Falschwerte zu operieren. Die Augenscheinuntersuchung ergab schon mal keine Auffälligkeiten, das Ergebnis der detaillierteren Laboruntersuchung sollte – toi toi toi und dreimal über die Schulter gespuckt – am Freitag vorliegen und wenn nicht, dann spätestens am Montag, dann ist immer noch alles im Zeitplan, um am 5. April endlich ein neues Knie zu kriegen.

Als ich aus der Praxis komme, ist es immer noch so sonnig und so warm, dass ich mir, vom München-leuchtet-Lebensgefühl überwältigt, auf der Leo das erste Eis des Jahres genehmige. Sitzend und schmerzfrei und UV-bestrahlt.

Zeit is wor’n, du Lahmfrühling, du!

Zeitumstellung

Mein geschätzter Deutschlehrer verewigte sich seinerzeit in meinem Poesiealbum* mit den Worten des Lord Chesterfield: “Verliere am Morgen eine Stunde und du wirst den ganzen Tag nach ihr suchen”.

Wie wahr. Ich hoffe, ich erlebe es noch, dass dieser Unfug wieder abgeschafft wird.

 

* Das Poesiealbum ist nach den vielen Umzügen noch nicht wieder aufgetaucht. Muß noch überlegen, ob es mir fehlt.