It’s always sunny in Bernau

Tja, ich fürchte, da müssen die Herren und Damen Medical Park ihre Broschüren noch einmal überarbeiten.

Chiemsee01

Andererseits: für Werktag langts. Hab heute schon mein Seebankerl gefunden und bin soviel rumgelaufen, dass ich vielleicht mal früher schlafen gehen sollte. In meinem Einzelzimmer, mit Blick auf die Kampenwand und einem Bett, dass sich elektronisch (!)  in alle Richtungen verstellen läßt.

Und nicht ein einziger Mitschläfer. Nur ich und eine sehr schweigsame Motte.

Sauer

Der Angelsachse hat keinen Muskelkater, wenn er am Tag 5 nach der OP wieder recht herumstrebert und viel rumhampelt, also das tut, was er “Walk the extra mile” nennt; er spricht dann vielmehr von “sore muscles”. Wobei “sore” nicht, wie man meinen könnte, für “sauer” steht, sondern für “wund”.

Und so fühle ich mich heute auch. Muskelwund. Das sollte dem reizenden Pfleger Cyprian (den Namen wollte ich mal geschrieben haben) doch eine Doppel-Oxy-Ration wert sein…

Mehr Netz!

In den Zeiten zwischen Traum und Tag, wenn der Frühe Vogel Lebensmittel besorgt, da versuche ich zu ergründen, warum. Warum nur kriegt es die Krankenhausleitung im Jahre 2017 nicht hin, ihr Haus mit W-Lan zu versorgen – oder wenigstens mit einem halbwegs anständigen Handy-Netz. Man sieht hier laufend verzweifelte Patienten, die mit langgestreckten Armen ein Netz, irgendein gottverdammtes Netz, Kruzitürken noch einmal, suchen – das ist doch für uns Krückenkrüppel gefährlich. Schon mal was von Unfallrisiko gehört? Menno.

Wollt ihr Zweit-Ops? Ist das als Physiotherapie-Ansatz zu verstehen? (Strecken ist gut. Mehr strecken ist besser?) Oder der letzte Versuch, des klinikeigenen Röhrenfernsehen-und-Telefonverleihs, in Zeiten von Smartphones, Tablets und Datenkarten in tragbaren Computern noch irgendwie ein bißchen Geld zu machen?

Sagt’s mir. Oder nein, sagt’s mir nicht. Gebt mir einfach W-Lan.

Essen kommen!

Höhepunkt des Tages scheint in diesem auf Körperfunktionen (und beileibe leider nicht nur der eigenen) reduzierten Mikrokosmos die Nahrungsaufnahme zu sein; das Anrollen der Essenswägen drei Mal am Tag ruft Pawlow’sche Reflexe hervor: Totgeglaubte können sich auf einmal rühren, Tiefschläfer erwachen und nesteln ihre tischtuchgroßen Erwachsenenlätze im lustigen Schrebergartenkarodesign um sich herum und hätten sie schon Besteck oder Blechnäpfe: sie würden lautstark damit klappern.

Noch schöner ist zu beobachten, was geschieht, wenn Diätberater Dimitri (fürderhin: DD) auftritt. Der gottgleiche DD weiß nämlich schon heute, was in der nächsten Woche gekocht werden wird und trägt aus seinen Schriften vor, auf dass die Gläubigen daraus wählen. Das tun sie, mit großer Sorgfalt und viel Zeitaufwand (irgendwie muß der Tag ja rumgebracht werden) und trotzdem – oder gerade deshalb – besteht anschließend der größte Spaß bei den Mahlzeiten darin, daran herumzumäkeln “weil’s DD (in diesem Kontext für der “Depperte Depp”) falsch aufgeschrieben hat.” Mich mag DD nicht; ich hab mich nicht mit Einzelbestellungen aufgehalten, sondern einmal durchgehend vegetarisch bestellt und verlasse mich ansonsten auf Snickers-Nachlieferungen. Ich bin eh auf Diät, solange Charybdis noch zeitgleich mit mir Mahlzeiten einnimmt. Sie setzt, weil wir “unter uns Madln” sind, ihre “unbequemen” Zähne nicht ein (aus dem selben Grund trägt sie auch keine Unterwäsche) und schlürft und schlingt, als sei sie zu knapp dran für den einzigen Bus, der im Wochenrhytmus in die große Stadt fährt. Desgleichen praktiziert sie “Trinken ohne Zähne”, dafür aber auch ohne Glas.

Was machts schon, wenn ich dann von Tentakeln mit riesigen Saugnäpfen träume, die langsam und mit einem Geräusch, als sögen 50 alte Damen ohne Zähne die letzten Tropfen aus Plastikflaschen, an der Aquariumswand abrutschen…

Keine Mordpläne, lohnt nicht: ihr Transport kommt morgen.

Passiv turnen

Für Neukniehaber gibt es hier so ein Gerät, das wird ins Bett gestellt und an die Stromversorgung angeschlossen, dann wird das Bein eingespannt und in einem täglich sich steigernden Winkel (Ziel sind mindestens 90°) gebeugt und gestreckt; die sogenannte “Schiene”.

Ich muss dabei immer an eine Zeichentrickserie aus meinen Kindertagen denken, Dr. Dolittle, mit der Heuschreckenrockband im Arztkoffer und dem widerspenstigen Tier mit den beiden Köpfen, dem Stoßmich-Ziehdich (kennt das noch wer?) und beliebe daher das Maschinchen “Dehn-mich-Streck-mich” zu nennen und habe seitdem noch mehr Spaß an meinen Fortschritten…

Und wie, ich plappere Schwachsinn? Das bin nicht ich, ey. Das sind die Oxies…

Mordprävention

…ist ja so einfach:

Beteiligte: Nachtschwester Claudia, gross, kühl, blond, ebenmässige Züge, ganz im weißen “Hello-Nurse”-Dress; man stelle sich einfach den Vornamen wie von Lagerfeld ausgesprochen vor und fertig ist die wandelnde Männerphantasie. Außerdem ich, vom Schlafentzug bereits leicht gebeutelt und zerzaust.

Auf die Frage nach “Irgendwas zum Schlafen, bevor ich mit einem kampfbereiten Kopfkissen Amok laufe?” fragt diese Göttin nur zurück: “Wollen Sie Ohropax?” “Oh ja, Schwester, ich will! Und wie!”  Ich stopfe mir die gelben Würmer in die Ohren und die Welt wird friedlich. Mein eigener Herzschlag macht mir die Walgesänge, ich bin ganz ruhig, irgendwo, stark gedämmt, rauscht und rumpelt es, doch mein Hirn ist schon sehr versöhnlich gestimmt und geneigt, einen Wildbach zu assoziieren oder Nordseewellen, die an den S-trand trecken. Alles ist gut.

So viel an einem Stück geschlafen habe ich hier noch nie und das Gewitter von heute Nacht kenne ich nur vom Hörensagen. Hach!

Und morgen kommt der Transport und holt Skylla. Doppel-Hach!

Zwischen Skylla und Charybdis

Mittelsitz, Sandwichkind, Mittlere Laufbahn; all diesen Begriffen haftet immer etwas seltsam verzweifeltes an – selbst das Mittelalter ist als Epoche gerade mal ein lumpiger Stolperstein auf dem Weg zur Neuzeit.

Ich schlafe ja hier im Mittelbett.

Was heißt “schlafen”? Ich friste meine Nächte, wie es der gebüldete Amerikaner ausdrückt, zwischen “A Rock and a Hard Place” und quäle mich jede Nacht mit der Frage, wann es wohl endlich nicht mehr zu früh ist, um das Licht wieder anzumachen und mich der Morgenlektüre zu widmen?

Schuld sind natürlich meine Zimmergenossinnen, die sich mit einer, zwei, drei “Schlafen-Tabletten” zudröhnen lassen und mich dann auf eine musikalische Weltreise mitnehmen: mehrstimmige Bläsersätze vor Jericho, Schafsstampede in Christchurch, Rotholzwald-Stihlsägensäger-Festival, Klöthen-Quetschen in den Pampas, Preisverleih beim Kröten-Stampfen auf den Florida Keys, Stippvisite bei Tenöre Knödeln für den Frieden während sie auf den Lofoten Ottern würgen und immer wieder mehrstimmige Synchronisation von Billigpornoproduktionen mit viel zu vielen Akteuren.

Am nächsten Morgen klagen beide darüber, dass sie “wieder kein Auge zugetan haben” und mir hat immer noch keiner die Frage beantwortet, wieviele Vögel zwitschern müssen, damit die Nacht als vorbei gildet.

Morgen bringe ich sie um.

Aus der Redaktion

Falls sich wer wundert, dass ich jetzt eine Handvoll blogposts im Minutentakt heraushaue: das liegt daran, dass ich die in langen Wachherumliegenächten mit einem Finger schon fast druckreif in mein elektronisches Notizbuch getippt hatte, und jetzt nur noch ein wenig zu editieren brauche, um sie unter die Menschen zu werfen.

Hab noch so das eine und andere in petto. Und nein, das ist keine Drohung. Oder höchstens eine ganz kleine…

Oxycodon

Wie schon damals bei der Hüfte bekomme ich auch jetzt gegen die allergröbsten Schmerzen wieder Oxies. Allerdings nur eine und nur vor dem Schlafengehen und nur unter Aufsicht einzunehmen (da waren die Amis lockerer). Damit bleiben meinem Umfeld die Laberflashes erspart, dafür träume ich ganz besonders wirr. Mein Favorit aus den letzten Nächten:

Bob Dylan wird die Papstschaft angetragen. “And what’s that exactly”? will er wissen? Antwort: “Sowas wie der Grönemeyer Italiens”.

Schnauze!

Es gibt Themen, die ich nicht öffentlich zu diskutieren wünsche.

Aus gegebenem Anlass weise ich darauf hin, dass das Thema Stuhlgang ziemlich weit oben auf dieser non-discutandum-Liste steht. Und zwar sowohl meiner als auch der anderer Menschen. Der Vollständigkeit halber möchte ich hinzufügen, dass sich diese Abneigung auch auf Subthemen wie Kotqualität, Einläufe und Vor- und Nachteile diverser abführender Substanzen bezieht.

Geht mir doch alle aus den Ohren und am Arsch vorbei, zefix!