Versuch macht kluch

El Knie glaubt immer noch, es wäre lieber ein Schwellkörper. Alle anderen (also sämtliche Physiotherapeuten und ich) wollen, dass El Knie diesen Schwachsinn endlich bleiben läßt und meine Beine wieder halbwegs symmetrisch auftreten (hihi, Wortspiel).

lymphtapeSeit ein paar Tagen bin ich einem neuen Therapeuten zugeteilt worden. Der hat der Schwellung nun persönlich den Kampf angesagt und zu diesem Behufe heute meine Lymphe ge-taped (mit leuchtend blauen Klebestreifen, nicht so langweiligen schwarzen – die helfen bestimmt auch noch mehr wg. wasserfarben…)

Wenn alles so funktioniert, wie er sich das vorstellt, werde ich, sagt er, heute Nacht ungefähr stündlich zum Bieseln gehen, morgen Nacht würden die Toilettengänge dann schon weniger.

Ja dann schau ma moi.

Aus gegebenem Anlaß

sollten wir uns den Begriff “Duell” und seine Bedeutung einmal gründlich ansehen.

Ich werde im folgenden das Gebot meines Deutschlehrers verletzen, niemals eine Definition mit “XYZ ist, wenn…”; ich brauche das diesmal aus stilistischen Gründen anders und hab mein Abitur zum Glück längst.

Duell…

  • ist, wenn Gary Cooper um 12:00 Uhr mittags auf der staubigen Dorfstraße tut, was ein Held tun muß
  • ist, wenn Ferdinand Lassalle statt Satisfaktion den Tod findet
  • ist, wenn Romeo den Tybalt ersticht
  • ist, wenn irgendwer aus Winterfell irgendwen von einer anderen Familie dahinmeuchelt

Genug der Beispiele, ich denke, das Prinzip ist verstanden.

Duell hingegen ist nicht, wenn die vermeintlichen Kontrahenten die Äußerungen des anderen mit beifälligem Wackeldackelnicken begleiten, die Stelleninhaberin solchermaßen matronig und staatstragend daherkommt, dass Marie-Luise Marjan dagegen als Wildfang zählt und man mit Amtsvorgängerin Inge Meysel die reine Anarchie assoziiert und es beim – nennen wir ihn mangels besserer Ideen – “Herausforderer” nur zu ein, zwei, drei dummen und inhaltsfreien Wadelbeißattacken langt. So einen Auftritt nennt man in Fachkreisen Koalitionsverhandlung, ach was: Großkoalitionsverhandlung.

Dieses sogenannte “TV-Duell” der Spitzenkandidaten von CDU und SPD war so dröge, so bräsig, so öde, so dürftig, so [hier bitte beliebiges zweisilbiges Adjektiv, das mindestens unerträgliche Langeweile beschreibt sowie mindestens einen Umlaut enthält einsetzen] und es wurde auch nicht wirklich aufgelockert durch den mit falschen Zahlen operierenden Agent-Provocateur-Interviewer WaserlaubenStrunz* und nur ganz kurz durch Sandra Maischbergers Frage, ob die Herrschaften Kandidaten denn heute früh in der Kirche gewesen seien. Werte Frau Maischberger: das ist egal und hat egal zu sein! Die Angehörigkeit bei einer christlichen (!) Religionsgemeinschaft ist nicht länger mehr Bedingung für ein öffentliches Amt. Und das, danke Klausi, ist gut so. Dass die Kandidaten dann herumschwurbelten und von Kapellen und anderen Gotteshäusern sprachen, die sie an diesem Wochenende sehr wohl besucht hätten, machts nicht besser. Kein bißchen.

Ich hätte eh keinen von denen gewählt und werde wohl tatsächlich der Empfehlung des Wahl-O-Mat folgen, wenn auch nicht gerne und schon lange nicht mehr aus Überzeugung.

 

* Claus Strunz, SAT1 und eher im rechten Lager zu Hause

Wochenendlektüre

In der Süddeutschen stand neulich ein Artikel über eine der bekanntestes Gerichtsmedizinerinnen Deutschlands. Das klang sehr interessant und da sie ein Buch über ihre Arbeit als Gesichtsrestauratorin geschrieben hat, dachte ich mir, dann lese ich doch am Wochenende mal Constanze Niess’ Werk “Die Gesichter der Toten”. Das Buch liest sich dann auch weg wie nix und ist tatsächlich so interessant, wie der Artikel vermuten ließ.

Warum sich die Frau Doktor jedoch eigens der Mitarbeit einer Dame namens Stephanie Fey versichert hat, die laut Klappentext schon “mehrere erfolgreiche Rechtsmedizin-Thriller geschrieben [habe] und am Starnberger See lebt” ist allerdings unklar. Frau Fey spricht nämlich offensichtlich nur sehr mangelhaft Deutsch und läßt haufenweise falsche Bezüge, Plurale und sehr sehr schräge Sätze durchgehen. Lieblingsbeispiel:  “Bei uns ist es nicht wie in den USA, wo unbekannte Tote oder Vermißte auf jede Milchtüte gedruckt werden.”

Ist aber eigentlich auch wieder nett, wenn bei solchermaßen ernsten Themen auf fast jeder Seite unfreiwillig komische Stilblüten gedeihen. Übrigens: Ich verleihe das Buch, wenn es wen interessiert.

Meins gegen deins?

Der Auslandskorrespondent meldet: Nordkalifornischer Parkplatz, gestern Abend um 19:00 Uhr PDT: 39,5° im Schatten. Celsius.

Hier hingegen wurde am Donnerstag per Hebel umlegen der Sommer abgestellt und ein feuchter kühler Herbst begonnen sowie Dauerregen und ein Temperatursturz um 20 Grad. Genau, wie du es magst…

Duhu, Auslandskorrespondent: wollen wir tauschen?

Wohl mit’m Klammerbeutel gepudert, wa?

Erst dusche ich im Duschraum neben einer, die mit einer Nagelschere ihr Schamhaar in eine Art Paisley-Komma trimmt. Von mir aus, auch wenn mir vor den Krusselhaaren, die an meinen Füßen vorbei in den Abfluß treiben, ein wenig graust. Doch hey, damit kann ich umgehen, ich nehme einfach die Brille ab und bin außerdem eh schon fast fertig, nur noch schnell Haare ausspülen.

Als ich abgetrocknet bin, mich ankleide und – draußen is koit – meine Haare trocknen will, holt sich die nächste gerade einen Hocker, legt ein Sitzerhöhungskissen drauf, nach einem kurzen prüfenden Blick noch ein zweites, wickelt dann ihr Handtuch vom Körper und breitet es, penibel gefaltet, auf der nunmehr krüppelkompatiblen Sitzgelegenheit aus. Aufsitzen, Föhn aus der Wandhalterung wurschteln, dann die heiße Luft erst in die Achselhöhlen blasen, danach unter die Brüste, als nächstes über dem Bauchnabel kreisen, langsam weiter am Körper nach unten arbeiten, abschließend föhnt sie die Zehenzwischenräume.

Ich habe meine Haare inzwischen zu einem Dutt verknotet und werde halt draußen ein Tuch umbinden; nur noch flugs alles im Rucksack verstauen und die Regenjacke anziehen. Dazu muß ich an der Nächsten vorbei, die gerade flächendeckender als einst die Amis in ‘Nam ihr Agent Orange ihr schleimhautverklebendes Deodorant versprüht, um sich anschließend im Duftpartikelschauer zu ergehen. Hust, Würg, Spotz – raus hier! Sagt’s einmal, ihr Damenumkleidenmitnutzerinnen, muß das sein, dass ihr andere zur Teilhabe an euren intimsten Reinigungsritualen zwingt? Könnte man die Detailverrichtungen nicht im eigenen Badezimmer zu Hause vornehmen, wo sie hingehören?

Man merkt schon deutlich, dass wir nicht auf dieselbe Schule gegangen sind. Mein spitzbärtiger Physiklehrer, der Teufel siede ihn langsam auf kleinstmöglicher Flamme, pflegte nämlich mit schöner Regelmäßigkeit Sprüche abzusondern wie “Wenn du denkst, du bist allein, machst du deine Nägel rein”. Es spricht nicht gerade für sein didaktisches Geschick, dass ich zwar heute don’t know much about physics, mich aber an eine ganze Auswahl derartiger Schwachsinnsmerksätze erinnern kann und weder öffentlich meinen Nabel föhne, noch mein Schamhaar onduliere oder gar andere Menschen mit Stinkgas angreife.

Ich kann meine verbleibenden IRENA-Termine (s. https://flockblog.de/?p=33002) inzwischen an drei Fingern abzählen. Das heißt auch: nur noch drei Aufenthalte in der Damenumkleide in der Reha-Einrichtung und dann nimmermehr. Jubel!

Mobilmachung, 2. Anlauf

Die Herrschaften von der Physiotherapie haben, seit dem ersten sehr schmerzhaften Anlauf, die Patella nicht nur von rechts nach links, sondern auch mal fuß- und kopfwärts zu bewegen, von weiteren Bemühungen in dieser Richtung Abstand genommen. Erst der neue Kollege, dem man mich diese Woche als Patientin zugeteilt hat, ist neulich mit El Knie den Was-ein-gutes-Neuknie-fast-fünf-Monate-nach-der-OP-können-sollte-Anforderungskatalog durchgegangen und befand, nicht zu Unrecht wahrscheinlich, dass man im Juni (s. https://flockblog.de/?p=33169) die Bemühungen um die Beweglichkeit der Kniescheibe nicht hätte einstellen, sondern forcieren sollen.

Nun macht er das. Im Schweiße seines und meines Angesichts. El Knie muppert sich einen und schreit zum ersten Mal seit längerem wieder nach Eis. Ich auch.

Mein wöchentlicher Siegfried

Gestern, vorletzte Vorstellung, im fast ausverkauften und sehr sehr sehr warmen Lustspielhaus. Und die toben da vorn auf der Bühne in Fellgewändern (Siegfried im aparten Heldenröckerl mit dem Einehandbreitübermkniesaum), Spitzschleierhutjungferngewändern, Göttertogen, Waberlohen und Dickbartzwergensäcken umeinander, dass man aus reiner Sympathie für die Akteure noch ein bissele extra mitschwitzt.

Eine sehr schöne Vorstellung. Mit einem willigen begeisterungsfähigen Publikum und einem Stück, das mit jeder Aufführung noch ein bißchen mitgewachsen, text- und pointenreicher geworden ist und Schauspielern, die sich richtig schön freigespielt hatten. Ich lobe sie eh immer alle, und sie haben es auch so recht von Herzen verdient, aber gestern hat Kriemhild doch den Vogel abgeschossen. Sie hat einen Bruchhax, und wo andere auf Krücken mühselig hinken täten, grooved Constanze Lindner so derartig, dass, wer’s nicht weiß, es niemals nimmer nie nicht gemerkt hätte. Bravo, oh Krüppelkriemhild!

Außerdem schade, dass es für diesen Sommer schon rum ist. Was mach ich bloß nächste Woche mit dem nibelungenfreien Abend?

Eins noch: Hatte ich eigentlich schon erwähnt, dass Severin Gröbner, der Ur-Siegfried, gestern einen Gastauftritt hatte? Der an zusätzlicher Komik gewann, weil der Severin seinerzeit in einer anderen Choreographie zum Schlußlied unterrichtet worden war und es halt immer lustig ist, wenn einer aus der Reihe tanzt und ganz besonders, wenns ein sächsischer Ritter aus Wien ist. Noch einmal ein Kompliment an das Autorenteam für den Ritter Richard, the most versatile role in all of the Germanicals I’ve ever seen.

Und jetzt ist Schluß mit Siegfriedloben. Vielleicht an Weihnachten wieder.

Gedächtnislücke

Die Dame im Radio moderiert den nächsten Beitrag mit jener gedeckt-tragischen Stimme an, die den Könner sofort eine Toter-Promi-Story erwarten läßt. Der Könner hat recht. Es werde sich, so raunt sie aus dem Empfänger, wohl jeder, der heute jenseits der 35 sei, daran erinnern, wo er war und was er getan habe, an dem Tag, als die Two-Letter-Lady, Englands Windkerzenrose, die Lilifee vom Windsor Palais durch einen grauenhaften Tunnelunfall mit Araber und Mercedes von uns genommen wurde.

Ich hab mir, während Elton Johns Totenlied gedudelt wurde, das Hirn zermartert, was ich auf den Tag genau vor 20 Jahren gemacht haben könnte. Ich weiß es nicht. Es ist auch sowas von wurschtegal.

Auch neu im Kino: The Hitman’s Bodyguard

Gestern lief vor Dunkirk ein Trailer: Bumm, Knall, Klirr, Schepper, Inflammenaufgeh, Reifenquietsch, Bremsenlauterquietsch, Kreisch, Anbrüll. DaCapo.

Die tiefgreifende Story: da soll ein weißer Bubi (Ryan Reynolds; ich find ja, die sehen zur Zeit alle aus wie Ryan Gosling…) auf einen schwarzen Mega-Bad-Ass-Hitman mit einem wahnsinnigen Sehrvielzahnlachen (Samuel L. Jackson) aufpassen. Kann nicht gutgehen, soll nicht gutgehen, sonst gäb’s ja den Film nicht.

Ich brauch mir ihn mir nach diesem Trailer gar nicht erst anzusehen; schöner als dieses nachfolgende Zitat kanns nämlich nicht mehr werden. Da sagt Reynolds Babysitterbubi über Jacksons Hitman:

This guy single-handedly ruined the word “motherfucker.”