Bayernwahl

Die SZ macht heute auf mit:

Finale

Dazu der Herr in Trachtenjanker und Hut, der im Zeitungsladen hinter mir ansteht: “Zeit wird’s. Wenn’s nach mir gegangen wäre, auch schon früher. Dann wäre uns vielleicht die machtgeile Hackfresse vorne links erspart geblieben…” (Der letzte Satz ist bearbeitet; seine Formulierung war weit drastischer. Aber möglicherweise lesen das Kinder.)

Im Übrigen schließe ich mich der Aussage meines Vorredners vollinhaltlich an.

Der frühe Vogel kann mich mal!

06:12 Uhr. Ein Geräusch von draußen hat mich aus dem Schlaf gerissen. (Beide Balkontüren stehen sperrangelweit offen. Danke, du guter Oktober!). Kling. Kloing. Was ist denn das? Der Klang ist unbekannt neu und ziemlich regelmäßig. Kling. Kloing. Kling. Kloing. Kling. Kloing. Kruzifümferl! Wer randaliert denn hier zu noch sehr nachtschlafender Zeit auf meinem Balkon im, wohlgemerkt, fünften Stock herum? Kling. Kloing. Kling. Kloing. Kling. Kloing.

Brille auf, raus aus dem warmen Bett und den Augen nicht trauen: Eine große Elster hämmert irgendwas gegen mein Balkongeländer. Sie ist so konzentriert bei der Sache, dass sie nicht einmal aufsieht, als ich geistgleich im Nachthemd im Türrahmen erscheine. Jetzt aber! Kusch! Schuh! Weg da! Klingkloing gefälligst woanders rum, du Sauvieh! Schuh! Hinweg mit dir!

Mein Zweitschlafansatz wird begleitet von einem dumpfen Pochen. Sie scheint sich wohl für das Dach des Häuschens unten auf dem Spielplatz entschieden zu… Schnarch!

Nachtkritik: Ein Sommernachtstraum im Volkstheater

Sommernachtstraum. Phhhh. Hat man doch schon 1000 Mal gesehen. Hat man. Ja.

Aber nicht in dieser neuartigen und ungewöhnlichen Inszenierung von Kieran Joel. Eine großartige Ensembleleistung mit stimmiger Musik, Bühne, Licht, Kostümen. Wunderschön, intensiv, tempo- und spannungsgeladen. Ja, ich weiß, ich habe das Ensemble schon gelobt, möchte aber trotzdem die Einzelleistungen von Luise Deborah Daberkow (Titania), Jakob Geßner (Zettel, Pyramus), Oleg Tikhomirov (Flaut, Thisbe) und Pascal Fligg (Oberon) ganz besonders hervorheben. Zum Niederknien.

Hingehen! Bald!

PS: So schaut die Kritik vom Münchner Merkur aus und da freut man sich doch, dass die jungen Menschen auf der Bühne ihre Berufswahl nicht ganz verfehlt zu haben scheinen:
”Max Wagner gibt seinem Puck eine herrliche Mischung aus Konzilianz und Kontrolle. Doch trägt das ganze Ensemble mit großer Spiellust und guter Körperbeherschung diese stimmige Inszenierung; gerne schaut man den Schauspielern zu.”

PPS: Oktober: ganz großes Lob! Dass der Vorstellungsnachbesprechnungswein draußen im Meschuggegarten genommen werden konnte, das war sehr nett von dir. Wissen wir sehr zu schätzen!

Shopping

Im Zuge einer Haushaltsauflösung hat eine Freundin von mir das eBay-Kleinanzeigenportal gefühlt mehr oder minder allein betrieben, um a) den ganzen Schotter loszuwerden und b) ihrem Anekdotenschatz einige lustige Geschichten über Dinge hinzuzufügen, für die manche Menschen viel Geld auszugeben bereit sind (Jahrgangssalzstreuer einer Fluggesellschaft, zum Beispiel).

Ich wäre ohne sie wahrscheinlich gar nicht erst auf die Idee gekommen, im Oktober dort nach einem Sonnenschirm zu suchen, den ich den ganzen Sommer über nicht gebraucht habe (Sonne steht hoch, Balkon drüber macht Schatten), jetzt im Herbst und Winter aber schon (Sonne steht schräg und knallt). Nu hab ich einen, neuwertig, günstig und flott in einer denkbar einfachen Transaktion erworben und bin dann mal für den Rest des Nachmittags mit einem Buch draußen zu finden, während sich das Laub zusehends verfärbt.

Aus der Reihe: Filme, die die Welt nicht braucht

Bibletown

 

Beworben wird der Dreck mit den Worten:

Join best friends Jimmy, Sarah and Tammy as they travel to the most incredible place on earth: BIBLE TOWN where all the inhabitants tell inspirational bible stories. What could be more fun?
(Komm mit, wenn die besten Freunde Jimmy, Sarah and Tammy zum allertollsten Ort auf der Erde reisen: Bibelstadt, wo alle Einwohner ihnen inspirierende Geschichten aus der Bibel erzählen. Kann es etwas geben, das noch mehr Spaß macht?)

Weiß nicht? Eine Wurzelbehandlung ohne Betäubung vielleicht?

Modediktat

Wann genau wurde vom geheimen Moderat beschlossen, dass in diesem Herbst hauchdünne auf Taille geschnittene seltsam metallicfarbene Steppanoraks zu tragen seien? Und zwar von ausnahmslos allen, generationsübergreifend und in vollkommener Ignoranz dessen, ob dieses halb-michelin Design das Individuum kleidet oder nicht?

Und warum wehrt sich keine/r?

Für Odysseus

Ich hab ja immer gefunden, dass eine Wohnlage in München, ein paar Steinwürfe von einer U-Bahn-Station entfernt, den Wohnungsinhaber privilegiert, vor allem im Vergleich zum gemeinen S-Bahnbenutzer, wurscht, ob nur Stammstrecke oder weiter draußen. (Ja, damit bist ganz besonders du gemeint, S7! Glaub bloß nicht, dass ich dir dein Vierteljahr der unzumutbaren Unzuverlässigkeiten schon vergessen hätte. Hab ich nicht.)

Gestern Abend sind mir leise Zweifel gekommen. Für die Strecke von der Münchner Freiheit zum Haderner Stern habe ich U-Bahn gehoppst und sage und schreibe, vier (4) verschiedene Züge gebraucht und doppelt so viel Zeit wie sonst, um nach Hause zu fahren. Und das gut nach Mitternacht, wenn einem eigentlich nur noch nach Heimkommen zu Mute ist. Dauert ja zum Glück nimmer lang, der Dreck: “Innerhalb von sechs Jahren soll bis 2022 ein Zukunftsbahnhof* entstehen”, sagt die MVG.

Immerhin bin ich mit meinem Architektenbuch vorangekommen. Es ist leider nicht besser geworden, aber zu dergleichen nächtlichen Irrfahrten paßts wie das Buch zum Zuch.

 

* Für Flugtaxis, wahrscheinlich.

Lach- und Schießgesellschaft: Maurer & Novovesky – Deutschland-Premiere “Jetzt”

Jeder sollte eine Gabi haben. Meine ist Regisseurin und ein ganz besonderer Glücksfall. Bei ihren Ferninszenierungen (s. https://flockblog.de/?p=36154) kümmert sie sich gleich um das ganze Paket (Transport und Unterbringung sowie Abendunterhaltung), bei lokalen Aufführungen spricht sie persönliche Einladungen aus. Die Nutzung des ÖPNV erfolgt in diesen Fällen selbständig; dazu später mehr.

Das Programm der Herren Maurer & Novovesky hat sie vor ca. eineinhalb Jahren in Wien inszeniert und nun zur Deutschlandpremiere in die Lach- und Schieß begleitet. Los geht der Abend damit, dass die Beiden auf der Bühne über Erwartungen philosophieren und dass es meist ganz anders kommt, als man denkt und dann – bumm – verabschieden sie sich, das Licht geht aus, Ende.

Dann tun sie, was Künstler nach der Vorstellung tun müssen. Sie sitzen in der Garderobe, unterhalten sich über den Abend und das Abendpublikum, treten ihre getrennten Wege zum Hotel an und treffen sich im, vom preisbewußten Veranstalter gebuchten, Doppelzimmer wieder. Dazwischen stoßen sie (nicht vollzählige Aufzählung) auf einen Taxifahrer, einen ganz grauseligen Fleischhacker, der größere Chargen Puszta-Leberkäs an Mann und Frau bringen will, den Hotel-Manager und seinen Bodyguard-Adlatus, ein Mordkomplott, ausgebeutetes Proletariat im Bügelkeller des Hotels sowie die Wiener Arbeiterbewegung, ein ungarisches Unterhalterduo, auf quasi alle, nur nicht auf die (höchstwahrscheinlich unglaublich gut aussehende) Rezeptionistin. Auf die? Nie.

Das ist sehr schön und sehr kurzweilig, wie mit ein paar wenigen Requisiten (Wollmütze, Schürze, Messer, Sonnenbrille, im Seglerstil übergeworfener Pullover, Schiebermütze, die imaginäre Katze Bertl, Alleinunterhalterhüte und -westerl) und den Figuren entsprechender Gestik und Mimik ein ganzes Panoptikum von Irren und Wirren auf dieser winzigen Bühne Handlungsstränge miteinander verwurschtelt und bewundernswert, dass sie nicht durcheinandergeraten. Außerdem geht sich Bügelmaschine kaputt.

Bonuserwähnungen:
a) der hollywoodreife bebilderte Abspann, der gar keine Fragen offen läßt.
b) die Musikauswahl, bei der ich der Regisseurin ziemlich viel Mitsprache unterstelle.

Tammy Wynette läßt übrigens wärmste Grüße ausrichten. Sie sei sehr gerührt gewesen (“extremely touched, especially by the guy with the hair”).

2. Anlauf

Der FC Bayern verliert gegen Borussia Mönchen-Gladbach mit 0:3, der US-Senat bestätigt Brett Kavanaugh als Mitglied des Supreme Court*, auf dem Dessertbüffet ist als erstes der leckere Zutschinikuchen alle und auf der sehr späten Heimfahrt schüttet es ununterbrochen, was ich weder im Hellen und schon gar nicht im Dunkeln mag.

Manche Tage sollten es einfach nochmal versuchen.

 

* So schnell kannst du gar nicht gucken, wie sein Eintrag in Wikipedia upgedated wurde: https://en.wikipedia.org/wiki/Brett_Kavanaugh