Mit freundlicher Unterstützung von Telefonprovider, Händler und Lieferdienst sind Ersatzsimkarte und -telefon termingerecht angekommen und eingerichtet.
Wer mag, kann mich jetzt auch wieder telefonisch erreichen.
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Heute wird als der Tag in die Annalen eingehen, an dem ich zum ersten Mal seit einer gefühlten heißen Ewigkeit wieder lange Hosen trug. Nicht Flatter oder Schlabber, nicht halb-, dreiviertel-, siebenachtel- oder sonst einen Modebruch lang, nein, eine stinknormale lange Hose.
Die gute Nachricht dabei: sitzt a weng lockerer als vor dem Sommer. Die schlechte ist dieselbe wie jeden Tag: es wird wohl Winter.
Rant end.
Ich habs in diesen Ferien auf zweieinhalb Bücher gebracht (am dritten lese ich noch).
Das erste ist von Jesmyn Ward: “Sing, Unburied, Sing” (bereits auf Deutsch erschienen unter dem Titel “Singt, ihr Lebenden und ihr Toten, singt”)
Ein ganz großes Buch. Ward erzählt die Geschichte vom Roadtrip einer sehr dysfunktionalen Familie durch den amerikanischen Süden, um Daddy nach seiner Haftstrafe aus dem Zuchthaus abzuholen aus drei Ich-Erzähler-Perspektiven. Aus der von Leonie, der jungen schwarzen Frau und Mutter zweier gemischtrassischer Kinder, die von ihrem Leben überfordert ist und nur dann kurze scheinbare Glücksmomente findet, wenn sie in Drogen flüchtet. Aus der von Jojo, dem Dreizehnjährigen, mit dem sie mit siebzehn ungewollt schwanger wurde und der mehr von seinen Großeltern als von ihr großgezogen wird. Jojo ist im wahrsten Sinne der Worte ein Herz und eine Seele mit seiner kleinen dreijährigen Schwester Kayla (die ihre Mutter, nach dem Vater, Michaela nennt), für deren Wohlergehen er die Verantwortung übernommen hat und steht auf der schwierigen Schwelle zum Erwachsenwerden. Die dritte Perspektive ist die von Richie, einem Jungen, der unter mysteriösen Umständen in demselben Zuchthaus ums Leben gekommen ist, als Pop, der Großvater dort einsaß und aus dem sie Michael nun abholen.
Ward schreibt eine sehr schwarze Sprache (ich habe keine Ahnung, wie man das ohne Mißklang ins Deutsche übetragen kann) und über Menschen, die keine Chance haben, ihrer kleinen und gemeinen Welt aus Rassismus, Armut und Unbildung zu entkommen, aber jede davon nützen. Als Literaturprofessorin kennt sie altes Testament und Odyssee und aus beidem finden sich Anklänge wieder, sie scheut auch nicht davor zurück, mystische Elemente einzusetzen. Mich hat das Buch sehr gefangen genommen. Es sollte gelesen werden.
Das zweite Buch ist von Paolo Bacigalupi, den ich schon oft empfohlen habe: “Tool of War” (kommt unter dem Titel “Tool” noch in diesem Monat auf Deutsch heraus). Die Geschichte von Tool, dem “Halbmann” aus menschlicher DNA und der diverser Raubtiere mit dem Ziel, den “Universal Soldier” zu erschaffen, spielt im Umfeld der distopischen “Drowned Cities” und der “Ship Breaker” (kann aber auch unabhängig davon gelesen werden) und behandelt die Auseinandersetzung mit dem Thema freier Wille im Rahmen einer spannungsgeladenen Sci-Fi-Story. Ganz andere Baustelle. Ganz anders gut. Unbedingt lesenswert.
Das dritte, an dem ich gerade noch kaue, ist Amy Waldmans “Der amerikanische Architekt” in der Übersetzung von Brigitte Walitzek. Es geht um das amerikanische Trauma 9/11. In Manhattan soll auf Ground Zero eine Gedenkstätte errichtet werden und die anonyme Ausschreibung gewinnt ein Architekt, mit dem nicht alle einverstanden sind. Das Buch behandelt das “Was nun?” und ich bin erst ca. in der Mitte und Ms. Waldman führt aktuell immer noch mehr neue Figuren ein. 100 Seiten gebe ich ihr noch.
Warmer Wollpulli. Dicke Socken. Schuhe (!). Statt draußen auf der Terasse Sommerwein, wie sich’s gehört, heißer Tee in geschlossenen Räumen und blubbernde Kürbissuppe auf dem Herd. Mollige gefütterte Winterjacke bestellt und morgen werden die Winterreifen aufgezogen. Alles schlimm. Alles schlecht. Hrrrrgggnnn!
Ja, ich weiß, ich wohne hier schon länger und sollte das kennen und dass Jammern nicht hilft, ist mir auch bekannt. Trotzdem. Mögen muß ichs deswegen noch lange nicht. Nämlich.
Dass es für seine ausgezeichnete Qualität gerühmt wird, kennt das Münchener Leitungswasser eh zu genüge. Als besonders weich, geradezu samtweich wird es allerdings nur von jemandem gelobt, die ein paar Tage lang Haut und Haar mit dem Wasser aus Karins Zisterne gewaschen hat – da oben auf dem Berg ist das Wasser so kalkhaltig und hart, dass es fast krümelt.
So, eine hab ich noch versprochen und die kommt jetzt, dann ist aber auch gut mit den Geschichten aus Andalusien.
Die Gegend um Algodonales ist in der Phase, in der man als guter Gastgeber versucht, mit den inzwischen vermehrt auftretenden Touristen in ihrer Zunge zu kommunizieren. Viele Volkshochschulen bieten Englischkurse für Anfänger an, und wers gelernt hat, setzt die frischerworbenen Kenntnisse sofort in einem Saisonjob an der Küste um (das ist da, wo wir auch nicht hingefahren sind).
Manche bleiben daheim. Als ich zum Beispiel mit vielen “por favors” und Gesten ausdrücken will, dass mir der empfohlene Payoyo sehr gut geschmeckt hat, mir die Portion aber zu groß war und ich die Reste gerne mitnähme, antwortet der erfolgreiche Absolvent nickend und strahlend mit Si, Takeaway und drückt mir Minuten später ein liebevoll in Staniolpapier gewickeltes Päcken in die Hand und wir freuen uns beide, dass uns das so gut gelungen ist.
In dieser Prä-von-Menschen-aus-aller-Herren-Länder-überlaufenen-Periode kommt es traditionell zu herrlich ungelenken Übersetzungen von Speisekarten. Hier meine schönsten Fundstücke, als Menü zusammengestellt:
Für mich gabs eine Entdeckung und das war berenjena (Aubergine), gestiftelt wie Kartoffeln für Pommes frites und wie diese frittiert. Weiß leider nimmer, wie das Gericht hieß, aber ich hätte es jeden Abend essen können. Außerdem, dass man wirklich aus allem Kroketten machen kann.
* Alles, was im Text kursiv hervorgehoben ist sowie die Überschrift, habe ich wörtlich so mitgehört bzw. von einer großen Auswahl an Speitskarten abgeschrieben.
Wenn man selbst kein Telefon mehr hat, auf dem man ständig was nachsieht, fällt einem erst auf, dass alle anderen es tun. Alle. Kind und Kellner, Tourist und Torrero, Señora und Skilehrer. Alle. Zufälliger Blickkontakt ist zur Seltenheit geworden.
Mir haben vor allem Leo und Wikipedia gefehlt und die Option, mir ein schnelles Bild machen zu können (wie es der Herr mit der teuren Kamera so hübsch formulierte, nachdem er die Landschaft mit und ohne Gattin, aber immer mit ordentlicher Belichtung abphotographiert hatte: “Bleib da, Schatz, ich mach jetzt noch ein paar Handyphotos für gleich”) und dass ich ein paar Geburtstage verbaselt habe, weil, selbst wenn ich mich ans Datum erinnerte, keine e-mail-Adresse oder Telefonnummer greifbar war.
Aber sonst war mit Notizbuch und Photoapparat (und dem Umstand, dass zwei Menschen um mich waren, die ihre Handys nicht verloren hatten) gut auszukommen. Die Erkenntnis ist auch was wert.
Danke an Karin, die ihr Haus, ihr Leben und ihr schönes Andalusien mit uns geteilt hat. Ich werde bei jeder deiner selbst eingelegten Oliven daran denken, wie du sie mit dem Hammer aufgeknackt hast und sie dann doppelt, wahrscheinlich so gar dreifach, genießen.
Danke an Christoph, der vielleicht doch seinen Beruf verfehlt hat und Stuntfahrer mit der Spezialität sehr steile Berge hätte werden sollen. Außerdem für Gnu- und Giraffengespräche.
Danke an Andalusien. Dass du an den Vollmond gedacht hast. Und daran, Zahara so schön zu beleuchten. Und diese Sonnenuntergänge. Hach. Seit ich meine Augen an deinen Feldern und ihren Farben geweidet habe, weiß ich, dass es gar nicht so schwer sein kann, Stroh zu Gold zu spinnen.
Last but sowas von not least: Ganz spezieller Dank an Chico. Wie du dich an einem heißen Tag brettelbreit und ellenlang im Fluß liegend auf Betriebstemperatur herunterkühlst und dann über die ganze Schnauze strahlend alle an deinem großen Glück teilhaben läßt, das kann man nur schwer in Worte fassen. Ich habe dir ganz spontan diesen (ganz und gar laienhaften) Haiku gedichtet
Nasser Hund.
In Staub getrocknet.
Liebestrunken.
und viel Schmutzwäsche mit nach Hause gebracht.
5:00 Uhr früh: kein Hahn, nirgends. Kein Kauz, kein Schaf, kein Hundsgebell? Oh verdammt! Die andalusischen Ferien müssen vorbei sein.
Nächstes Indiz: beim Semmeln holen frieren die nackten Füße in den offenen Sandalen und das sicherheitshalber übergeworfene Hoodie langt auch nicht, um den Rest warmzuhalten. Das ist dasselbe Hoodie, das in Spanien die ganze Zeit nutzlos im Koffer rumlag. Hrrrrggggn!
Immerhin, ein bißchen Spanien bleibt noch: meine Einkäufe bezahle ich in Juan Carlossen und über meinem Koffer liegt ein distinkter Odeur de Ziegenkäs’.
Hab ich eigentlich schon von unserem Ausflug nach Ronda erzählt? Nein, nicht antworten. Ich weiß, dass ich das noch nicht getan habe, auch wenn er schon am Montag vor einer Woche stattgefunden hat. Aber man kommt ja auch zu nix, s.a. –> Diazepam, andalusisches. Jetzt aber. Nicht, dass ich das noch aus der Münchner Kälte tun muß und mich dann nicht mehr erinnern kann, an die maurische alte Altstadt (La Ciudad) mit ihren von der Sommerhitze aufgeladenen Steinen und den wunderschönen Fächer, den man mir dort verkauft hat. (Ich glaube, den wollte sonst niemand, weil er keine Sternchen und Rüschen und Glitzersteinchen und noch nicht mal aufgestickte Blüten hat. Ich find ihn toll.) Oder die neue Altstadt (El Mercadillo) mit ihren von der Sommerhitze aufgeladenen Steinen. Oder die Puente Nuevo („Neue Brücke“), die die beiden über die Tajo de Ronda (Schlucht) verbindet. Oder die Neustadt, die kein Stück weniger aufgeheizt ist.
Wir bewegen uns in der Mittagshitze von Schatteninsel zu Schatteninsel, und machen gerne eine Zwischenrast auf von Schattenbäumen umstandenen Plätzen, auf denen Herren in engen schwarzen Hosen und weiten weißen Hemden klassische Gitarre spielen, bis wir den Bolero zum Anlaß nehmen, das mit dem Bewegen sein zu lassen und stattdessen auf einer von einem leichten Lüftchen umspielten Terasse mit grandiosem Blick Tinto de Verano, Paella (manchmal muß man Klischees bedienen) und Kaffee? claro, auch Kaffee nehmen und dem Tag beim Verstreichen zusehen. Nach der Siesta besichtigen wir Ca’a Don Boco* und erfreuen uns vor allem an den schönen Garten- und Brunnenanlagen (ui, Springbrunnen, ui, Bänkchen) und ich bin fast nicht mehr aus der Bibliothek wegzubekommen, wo der Kanon der spanisch-sprachigen Literatur in schönen ledergebundenen Bänden zu bewundern ist. Während Karin Christoph die Stierkampfarena und den Park in der Neustadt zeigt (kenne ich schon vom letzten Mal), beobachte ich auf der Plaza Touristen; ist auch wichtig. Asisaten beiderlei Geschlechts tragen heuer gerne Imkerhut mit dichten Vorhängen, wenn nicht, dann stattdessen Knirps, kopfnah. Die Damen entscheiden sich mehrenteils für einteilige Kinderspielhosenschnitte mit Karos oder dicken Tupfen bedruckt, die Herren tragen lieber voluminöse Kameraobjektive vor dem Bauch. Selfiesticks sind sehr Vorjahr und kommen nicht mehr allzu häufig vor.
Auf dem Weg zum Parkplatz kommen wir wieder durch so einen Park mit Gitarrenmann und der spielt ganz herzzerreißend schön Cohens Hallelujah und weil ich ja keine schnellen Handybildchen mehr knipsen kann, merke ich mir den Moment. Dann lösen wir das Auto für knallhart kalkulierte €7,76 aus und dann fahren wir nach Aldi und wie das geht, brauche ich nicht zu erzählen, das weiß jeder selber.
* Wer beim Andalou-Lehrgang aufgepaßt hat, weiß, dass es sich nur um das Haus des Don Bosco (Casa Don Bosco) handeln kann.