Frühlings Erwachen

In den zurückliegenden Bitterkaltundschneetagen scheinen die Herren und Damen Tauben sich in Iglus oder ihre Bettelpositionen (arme frierende Plustervögelchen) vor Bäcker- und Metzgerei zurückzogen zu haben. Nun aber, da die ersten freundlichen Sonnenstrahlen vom Himmel scheinen, die anderen Herren und Damen Vögel sich schon wieder vermehrungswillig die Lungen aus dem Leib zwitschern und vermutlich die Iglus vollgekackt sind, sind sie wieder unterwegs, um die vermeintlichen Bedürfnisanstalten in den höheren Lagen (vulgo: meinen Balkon) flächendeckend zu bescheißen. In den letzten paar Tagen habe ich mir einen Muskelkater im rechten Arm angescheucht.

Morgen ist es vorbei, ihr Dreckviecher! Morgen installiere ich den Taubenschreck. Und sagt bloß nicht, ihr seid nicht gewarnt worden.

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Ich hatte es, glaube ich, schon mehrfach erwähnt, dass ich das Gros meiner Bücher inzwischen gebraucht kaufe und meistens an Vorbesitzer gerate, die ihre Bücher ebenso so sorgsam lesen wie ich: keine Brösel, keine geknickten Seiten, keine Anmerkungen und Unterstreichungen. Sie haben halt bloß, so wie ich auch, nach einmaliger Lektüre nicht das Bedürfnis, das Buch ihrer Bibliothek einzuverleiben. Gut so. Für alle. Paßt.

Was war ich also neulich überrascht, dass ein Mensch, der mit der Gesamtsituation sehr unzufrieden zu sein scheint, ein gebrauchtes Buch als Vehikel für die Verbreitung seiner Mißstimmung verwendet. In (wohl eigens gefertigten) Stempeln drückt (!) er alle paar Seiten seine Unzufriedenheit mit der “Überfremdung” seiner deutschen Heimat Deutschland aus. Damit aber nicht genug. Dieser Mensch schreibt Zitate aus gräßlichen völkischen Büchern ab, druckt sie auf Papierstreifen in Buchbreite aus und überklebt damit den Text. Was für ein Aufwand!

Ich habe mir die Mühe gemacht, jede dieser Stellen in dem Buch mit post-its zu markieren und den Gebrauchtbuchhänder zu informieren und hoffe, dass diese Person dafür den Ärger bekommt, den sie verdient. Mannomann!

Wiedergelesen: Ralf König – “Jago”

König, hierzulande zuständig für das Zeichnen knollennasiger schwuler Männer schickt seine Protagonisten in “Jago” in Shakespeares Globe ins elisabethanische England, eine Zeit, in der Frauen auf der Bühne verboten waren und alle weiblichen Rollen von (gerne verteufelt gut aussehenden) jungen Männern gespielt wurden. Er verwebt des Barden Vorlagen, namentlich “Othello” (Kunststück, bei dem Titel und ja, Eifersucht ist ein wichtiges Motiv, hier wie da), “Romeo und Julia” (Hach, junge Liebe, Huh! Mord und Totschlag!), “Macbeth” (die Hexen sind ein Geschenk von Walter Moers und sehr sehr hübsch, außerdem: Mord und Totschlag!, Bonus: Geister und Gespenster) und nicht zuletzt “Ein Sommernachtstraum” (Durcheinanderwirrgerenne im Nachtwald, Elfengesocks) zu einem ganz eigenen Gespinst, in dem Lust, Leid, Mord und dauernd kampfbereite Schwellungen in den Strumpfhosen zu gleichen Teilen vorkommen.

Von Zeit zu Zeit lese ich Königs Take on Shakespeare ganz gerne, aber jetzt ist auch wieder gut.

Gelesen: Luz – “Katharsis”

In diesem Buch verarbeitet Luz den Tag an dem ihm “das Zeichnen abhanden gekommen [ist]. Am selben Tag wie auch eine Handvoll teurer Freunde.”, den Tag des Anschlags auf Charlie Hebdo.

Ich habe es nicht gerne gelesen. Es fühlte sich nicht richtig an. So, als würde man die Therapiesitzung eines Menschen belauschen, von dessen Trauma man zwar weiß, den man aber gar nicht kennt.

Falls sich jemand ein eigenes Bild machen will: mein Exemplar ist zu haben.

Rechenaufgabe

Samstag, High Noon im Supermarkt. Von fünfeinhalb* Servicekassen sind zwei besetzt, bei den drei Selfservicekassen leuchtet reihum ein gelbes “Ich-habe-eine-Störung-ruft-einen-Menschen”- bzw. das rote “Ich-bin-besetzt-und-es-dauuuuert-bis-der-Barcode-sich-auf-der-Ware-manifestiert-und-jetzt-stelle-ich-mich-tot”-Licht auf.
Aufgabe 1: Berechne, wie oft ein Mensch seine Arbeit an der Servicekasse unterbrechen muss, bis a) zwei bzw. b) alle drei Selfservicekassen funktionieren?
Bonus: Gib in a) Sekunden, b) Minuten an, wie lange dieser Zustand anhält. Merke: Antworten wie “wenn die Hölle zufriert” führen zu Punktabzug.
Aufgabe 2: Wie kann Lauch (2 lumpige dünne Stangen Lauch) im Rezept für Kartoffellauchsuppe ersetzt werden?
Bonus: Muss es unbedingt Kartoffellauchsuppe sein? Hmmm?

Das kommt davon, wenn man seinen Vormittag in das Erstehen geistiger Nahrung investiert…

* Die halbe wird nur in absoluten Notlagen eingesetzt, denn sie ist verflucht und gibt meist dann ihren Geist auf, wenn ein Großeinkauf fast fertig eingetippt ist. Das so enstandene Problem kann nur gelöst werden, indem jede längst ein- und dann mühselig wieder ausgepackte Einzelposition zwengs Storno rückwärts über den Scanner geführt wird.

Wie man seinen Samstagvormittag verbringen kann

Zum Beispiel könnte man auf dem Markt leckere Dinge einkaufen gehen und dann ein schönes Frühstück zubereiten. Oder gaaaaanz lang ausschlafen. (Nicht, dass ich das nicht immer könnte, aber samstags ist besonders schön. Immer noch.) Oder früh das Auto satteln und wohin fahren, wo die Wintersonne ganz besonders schön scheint. Oder, oder, oder.

Man kann aber auch, weil der Vorverkauf für März im Resi pünktlich um 10:00 Uhr beginnt, wie ich heute, auf drei Browsern (ich kenn mich aus!) auf die von dreistellig herunterzählende Position im “Warteraum” starren und, endlich auf Platz 1 vorangekommen, viele Male erleben, dass die Eventim-Website einen zu hohen Andrang vermeldet und einen auf “Start” zurückschickt.

Aber ich habs geschafft. Zwei Superduperkarten! Ganz vorne, fast mittig und Ende März werden wir dann angesungen werden: “Willkommen! Bienvenue! Welcome!”

Wie freu ich mich!

PS: So oft, wie ich heute “Refresh” gedrückt habe, müßte die Luft in München rein sein wie nie zuvor.

Neu zum Strömen: “Star Trek: Starfleet Academy”

Nach den ersten beiden Folgen war ich mir nicht sicher: taugt das nun was? Wo doch Holly Hunter die Schulleiterin und Kapitänin des Schulschiffes spielt und die Figur total unkonventionell ist: barfuß in Schule und Raumschiff, wo sie im Kaptiänenstuhl herumlümmelt (!). Außerdem ist sie steinalt, hat alles schon gesehen und erlebt und ist deswegen die ideale Besetzung, um 100 Jahre nach dem allvernichtenden “Burn” nunmehr junge Menschen zu begleiten, “to boldly go where no man has gone before”. Uhund sie trägt, unkoventionell, wie sie ist, für Kleingedrucktes eine Lesebrille (!), und das, wo der Visor, der Blinde sehen läßt, schon lange erfunden ist, gell, Geordi La Forge? Dann ist Robert Picardo wieder dabei, der opernsingende herrlich arrogante Doktor und Stephen Colbert* gibt den “Digital Dean”. Eigentlich kann diese neue Star Trek-Serie doch nur gut sein?

Nach nunmehr dreieinhalb Folgen kann ich klar verneinen. Nicht gut. Die vielen jungen Menschen, die die Studenten und Innen der Akademie geben, wurden nur wegen ihres Aussehens, die Herren hübsch und muskulös, die Damen anorexisch und ebenfalls gut defniert, gecastet. Nicht etwa wegen der Schauspielerei. Die einzige, die anders aussieht, also Normalfigur mit Mondgesicht und einer Auswahl blöder Frisuren, arbeitet als “comic relief”, und man hat ihr leider dafür keine lustigen Texte geschrieben. Ansonsten gehts an der Starfleet Academy zu wie an jeder amerikanischen Hochschule: es wird jeder Trope abgearbeitet. Die, die sich anfangs nicht ausstehen können, werden beste Freunde, der eher wenig soziale Typ ist nicht böse, sondern bewältigt ein frühkindliches Trauma, die Mädels zicken untereinander auf Cheerleaderniveau und im Bubenschlafsaal stinkts nach ungewaschener (Sport-)Kleidung.

What an utter shyte! Gene Roddenberry dürfte sich demnächst in die andere Erdhälfte rotiert haben.

Nicht anschauen!

* Stephen Colbert, langjähriger Late-Show-Host und ausgesprochener Kritiker des aktuellen Präsidenten, seiner Politik und seines Stabes, wurde, wir erinnern uns, von seinem Sender CBS (Paramount) auf dem MAGA-Altar geopfert und wird Mitte Mai das letzte Mal auf Sendung sein.

Gelesen: Katinka Buddenkotte – “Früher war wenigstens Sendeschluss – Film und Fernsehen für Fortgeschrittene”

Eigentlich mag ich Budenkotte. Aber, wie meine kluge Leserschaft deduziert, wenn ein blogpost schon so anfängt: dieses Buch ist nix. Eine Sammlung von Histörchen übers Fernsehen, knapp 10 Jahre alt, und sie ist, wie das Medium selbst, nicht gut gealtert. Seicht. Fad. Laa-aangweilig.

Ich habe bis zum Schluß keinen guten Grund gefunden, weiterzulesen und werde das Büchlein im roten Bücherschrank bei der Feuerwehr deponieren. Vielleicht findet es woanders ein gutes Heim.

Nostalgie-Kino: “Firefly”, 2002 und “Serenity”, 2005

Der kleine Pummelnerd Joss Whedon, mit dem roten Lockenkopf und dem Flusenbart hat sich mit dieser Serie den Traum seiner Nerdjugendjahre erfüllt.

Große starke Muskelmänner prügeln sich (Zack! Schmack! Prack!), zu zweit und zu vielen, schießen aus allen Rohren, reiten wilde Hengste und Raumschiffe. Und, noch besser, zarte anorexische Mädchen (mit trotzdem Busen) machen das auch, und zwar nicht untereinander, sondern mit den großen starken Muskelmännern. Und die Mädels gewinnen! Ha!

“Firefly” ist das, was passiert, wenn sich der Sender Fox sich was traut, aber dann doch nicht und die Produktion nach 14 Folgen wieder einstellt. “Serenity” ist das, was passiert, wenn das Zuschauervolk keine Ruhe gibt und wissen will, wie es ausgeht. Man kann diese wilde Kombination aus Science Fiction, Western und Dreck entweder nur lieben oder hassen, dazwischen geht nicht. Ich bin bekennender Fan, sehr begeistert von Buch, der Regie, dem mehr als gelungenen Casting, den Schauspielerinnen und Schauspielern, der sagenhaften Ausstattung, der Kameraführung, den vielen tollen Ideen und … und ich finde es bis heute schade, dass der Sender nicht mutig genug war, zu sehen, wie sich das entwickelt.

Wenigstens gibt es das bißchen, das es gibt und ich habe diese Woche mit ein paar “Alle-paar-Jahre-wieder-Firefly”-Abenden verbracht und sehr genossen.

Anschauen! Anschauen! Anschauen!