Danke, Leser E. aus M.

Da kommt der Mann aus dem Urlaub zurück und noch vor dem Koffer auspacken und Kühlschrank füllen fragt er nach, ob es mir denn wohl gut gehe. Wo mein letzter blogpost doch “schon so lange her ist”.

Das ist a) sehr rührend und b) dem Umstand geschuldet, dass ich wieder eine Woche auf Montage im Hunsrück war und jetzt zuallererst einmal Schlaf nachholen muss. Dringend. Aber dann schreibe ich auch wieder. Versprochen.

In Rauch aufgelöst

Okay. Seit heute also ist Kiffen, wenn auch unter komplizierten Auflagen, erlaubt.

Oder um es mit anderen Worten und nicht weniger kompliziert zu sagen, eine langanhaltende Wirklichkeit hat nun endlich offiziell Anerkennung als Realität gefunden. Schwurbel.

Nachtkritik – Vorhin im Residenztheater: “Agamemnon”

Das ist jetzt nach “Elektra” und den “Räubern” meine dritte Rasche-Inszenierung und ich bin noch ganz erfüllt und erschlagen von der Mensch-Maschine, die er da wieder geschaffen hat. Vier Musiker*innen geben auf monströsen Schlagwerken zentral mittig auf der Drehbühne auf einem dauerhaft rotierenden Steg den Rhythmus der Tragödie vor. Die Schauspieler*innen stampfen dazu mit. Als Chöre, Tänzer, Solisten. Die zentrale Botschaft ist und bleibt, dass Krieg Scheiße ist und alle daran Beteiligten Verlierer.

Man gehe hin, gehe unbedingt hin und sehe sich das an und frage sich zum wiederholten Mal, warum Kirchen und Fußballstadien in der Pandemie mit aller Macht zugänglich geblieben sind und Theater nicht.

Gelesen: Jan Weiler – „Der Markisenmann“

Hab ich geliehen bekommen, weil es “so ein nettes Buch ist”. Stimmt. Selten so nett gelesen vom Erwachsenwerden, deutsch-deutscher Geschichte, einem Jahrhundertsommer im Ruhrpott und seinen Originalen – und über all dem schwebt liebevoll und wohlwollend der Geist von “Tschick”.

Das muss man, wie die anderen Werke Weilers auch, nicht gelesen haben. Aber wenn’s mal leichter sein darf und dennoch nicht doof, dann ist man hier richtig.

Keine gute Tat bleibt ungesühnt

Jüngst habe ich ein paar Kollegen bei Verhandlungen mit einem einen besonders eigenartigem Akzent sprechenden Gegenüber in den Staaten ausgeholfen. Er und ich haben uns vor dem staunenden Publikum hitzige Händel und Handel geliefert, dann haben wir beide ein paar Konzessionen gemacht und zum Schluß stand eine Vereinbarung, mit der beide Seiten glücklich und zufrieden waren. Win:Win, wie man das unter uns Denglish-sprechenden Menschen nennt.

Was war ich jüngst baß erstaunt, als mir ein in die USA entsandter Kollege, der als erster mit eben diesem amerikanischen Partner unter diesem Vertrag arbeitete, ein Geschenk mitbrachte. Ein Buch gleich gar. Huiui.

Dieses.

Mein neuer Buddy war nämlich im Irak-Krieg als Scharfschütze tätig und hat dann zu Jesus Christus als seinem Herrn und Retter für sein Leben danach gefunden. Was gut, dass ich damals weder das eine noch das andere wußte…

Mir hat er in seiner Widmung zwei Bibelzitate mit auf den Weg gegeben. Ordentlich durchnummeriert:

  1. Tim 6:12: “Fight the good fight of the faith. Take hold of the eternal life to which you were called when you made your good confession in the presence of many witnesses.”
  2. Tim 4:7: “Have nothing to do with godless myths and old wives’ tales; rather, train yourself to be godly.”

Und vor dem “Thank you!” und seiner Unterschrift noch einmal betont: “Keep The Good Fight!”

Ich schließe daraus jetzt mal, dass ihm die Schacherei mindestens ebenso viel Spaß gemacht hat wie mir. Amen, Habibi!

Fehlzündungen

Ich hätte es ja nicht geglaubt, dass nach der “Wollmüllsau” neulich noch was kommen könnte.

Geht aber. Heute hat die eierlegende Vollmilchsau das Licht der Welt erblickt.

Gestern Abend im Cabaret des Grauens: “Der Enkeltrick”

Burghausen hat nicht nur die längste Burg der Welt, nein, auch eine sehr lange Rundherumstraße (seeeehr lang), den Chemie-Giganten Wacker (man möchte dort, vor allem nachts, gerne ein paar gigantische Industriefotos schießen, wenn die beleuchteten Gebäude in Waberlohen wanken), ein sehr bekanntes Jazzfestival, jetzt doch keinen Windpark, dafür aber ein winziges, sehr rühriges Kleintheater. 40 Sitzplätze in einem ungefähr 65qm großen Raum. Da wo kein Publikum ist, ist Bühne und auf der spielen Lisa Hanöffner und Patrick Brenner den “Enkeltrick”.

Ganz klassischer Boulevard (Buch: Frank Piotraschke), quasi eine zum Slapstick überdrehte Episode des “Tatortreinigers”. Die Chemie zwischen Hanöffner und Brenner stimmt, das Tempo auch, die Aberwitzspirale dreht sich vor dem wohlwollend-dankbaren Publikum im ausverkauften Haus höher und höher. Das macht großen Spaß und deswegen habe ich mich um so mehr geärgert, dass man sich bei Omma Veronicas sprachlicher Prägung nicht ein bisschen mehr Mühe gegeben hat. Sie scheint ihre Jugend gleichermaßen am Jungfernstieg, auf der Kö und im Ruhrpott (“Hömma, ey”) verbracht zu haben und mich haben die ständigen Wechsel arg irritiert. Dabei wäre das so einfach einzufangen gewesen.

Noch einfacher, da sind sich meine Gastgeberin und ich einig, wäre es gewesen, die über die Maßen laute und fürchterlich gesellige Bühnendialogenachplapperin in der ersten Reihe zum Schweigen zu bringen. Das nächste Mal werden wir vorsorglich Augenbinden und Knebel mit uns führen und schrecken, Madame, nicht davor zurück, sie einzusetzen! Hah!

Meinen Gastgebern wie immer Dank für alles! So bringt man Menschen dazu, wiederzukommen.