Umziehen. Das bedeutet Entdecken. Neuer Ort, neue Umgebung, neue Wege, neue Restaurants, neue Bedarfsdecker und ein neues Postamt. In der Hamilton Street in Palo Alto. Ein wunderschönes altes Gebäude, mit Efeu bewachsen – wenn man’s nicht von Google Maps schon kennen würde, käme man nie drauf, dass es sich um ein Postamt handelt – sowas wie ein Posthorn als Zeichen gibts hier nicht. Ein gut restaurierter Fliesenboden, die Wände verkleidet mit in Würde gealterten dunklen Holzpaneelen, lange Reihen von P.O. Boxes mit einer Patina auf den Messingklappen, die vermuten läßt, dass die früheren Postfachmieter Persönlichkeiten wie Wyatt Earp, Wild Bill Hickok, Calamity Jane oder Billy The Kid gewesen sein könnten (ginge heutzutage gar nicht mehr, man darf nämlich keine Waffen auf die Post mitbringen, noch nicht mal zum Verschicken). Zwei große Schalter, an denen jeweils wenigstens drei Mitarbeiter Platz finden könnten, um ihren Dienst am Kunden zu verrichten. In echt waren es natürlich pro Riesenschalter nur einer – aber das geht schließlich auch nicht anders: zur Original-Fullblown-Post-Experience gehört Schlangestehen, sonst tät’ was fehlen. Ich kam gerade wohlgespeist und entsprechend wohlwollend und sanftmütig vom Kariben und war willens, ihnen Kredit zu geben. Mein Anliegen war simpel: ein Brief, im Format Letter (das ist sowas ähnliches wie Din A4), per Einschreiben und ohne Trödeln nach Deutschland.
Nach knapp einer Viertelstunde „in line“ bin ich dran und höre: Einschreiben gibt’s nur „domestic“, das geht ins Ausland gar nicht. Auf meinen Einwand, dass ich aber doch früher schon Einschreiben nach Deutschland verschickt hätte, stoße ich zunächst auf Nicht-Wahrhaben-Wollen, bin im weiteren Aufbrechenden Emotionen ausgesetzt, werde Zeuge der Phase Suchen – Finden – Sich Trennen (nämlich nach dem Wisch, den der Postkunde ausfüllen muss, um einen “Registered Letter” zu versenden, seiner Manifestion in einer Schublade und der äußerst widerwilligen Herausgabe desselben) und schließlich enthusiastischen Neuen Selbst- und Weltbezugs – in dem Moment, als wir gemeinsam befinden, dass das nun die beste Lösung war, einen “eingeschriebenen” (nämlich in ihr “Certified Letter” Buch) Brief in die Welt zu senden. Und das ganze hat kaum eine Dreiviertelstunde gedauert.
Es gibt trotzdem Punktabzug: der Familienpaketsasiate hat gefehlt. https://flockblog.de/?p=5593