Aus dem Vokabelheft

Sprache, wie wir wissen, lebt und entwickelt sich ständig weiter. Und wenn’s dem Google Translator nicht schnell genug geht, dann erfindet er sich halt was neues.

In Wirklichkeit wird “groundswell” meist im übertragenen Sinne verwendet, und bedeutet eben nicht nur Grunddünung (lange, tiefe Ozeanwellen, die durch Stürme weit entfernt vom Strand entstehen), sondern eine spontane Welle der Unterstützung (z. B. bei Abstimmungen oder Wahlen) oder ein rasches Anschwellen (z. B. der öffentlichen Meinung).

Oder halt Bodenschwell. Ist auch hübsch.

Social Media

Für den frisch renovierten algenverseuchten Reflecting Pool vor dem Lincoln Memorial kursiert die hübsche Umbenennung “Strait of Warm Ooze”.

Und das, wo ein Großteil der Amerikaner (und der restlichen Weltbevölkerung) vor ein paar Monaten noch nie von der “Strait of Hormuz” gehört hatten…

Es ist doch noch nicht alles verloren, wenn die Schwarmintelligenz mit so hübschen Sprachbildern aufwartet.

Etymologie

Für mich gibt es kaum eine spannendere Wissenschaft als die von der Herkunft, Geschichte und Entwicklung der Wörter und als mir neulich der Gleichklang zwischen den Völkermord-Begriffen “Holocaust” und “Holodomor” auffiel, wollte ich natürlich wissen, ob es, und wenn ja, welchen Zusammenhang gibt.

Vorausgeschickt: Nein, es gibt keinen. Habe ich mir von ein paar Quellen bestätigen lassen.

Ich finde es nämlich nicht leicht, der aufdringlichen und unaufgeforderten KI bei Google irgendwas zu glauben, wenn sie gleich in der Überschrift von “sprachlichen Ursprüncken” faselt…

Nebenwirkung?

Mein Spamfolder läuft gerade ständig über – schlimmer als zu Weihnachten oder Ali Babas Feiert-den-Single-Feiertag. Woran liegt das?

Möglicherweise ist es den Bots auch zu heiß und sie sitzen in ihren schattigen Kellern und hauen Dreck raus, weil ihnen fad ist?

Schnell, schnell,

noch Besorgungen erledigen, bevor die Temperaturanzeige aus dem noch halbwegs kühlen Zwanzigerbereich auf heiße Dreißiger hüpft. Wintermantel (eigenartiges Konzept: dicke warme Kleidung) in die Reinigung gebracht, Rezept bei der Ärztin abgeholt (doch, das gibts noch. Kann es mir nur so erklären, dass der Extra-Weg schon Teil der Physiotherapie ist) und beim Viktualientandler Melonen, Tomaten und – endlich – türkische Zuckeraprikosen erstanden.

Daheim ist es kühl und dunkel. Nehme meine Beschwerde von gestern zurück.

Im Dunkeln munkeln

Jetzt sitze ich schon den zweiten Tag in Folge im abgedunkelten Zimmer, starre auf den Monitor und erzähle einem Auditor, wie super wir vorbereitet sind und was wir alles können.

Wenn mich das eins gelehrt hat, dann, dass die Rentnerei eine Supersache ist.

So, Mittagspause um. Weiter gehts.

Ganz besonders Schlechte-Wortspiel-Kasse

Jedes Mal, wenn ich an dieser Werbung unten in der U-Bahn vorbeikomme, möchte ich am liebsten Schbeiben. Das ist doch gar nix, Mensch! Nichts halbes und nichts ganzes. Nicht Fisch und nicht Fleisch. Wer immer das verbrochen hat, soll in eine ganz besondere Hölle kommen und dort lange, lange frieren müssen. Hah!

Gelesen: Deon Meyer – “Fever”

Eigentlich hatte ich mir ja ein wenig leichtere Kost verordnet, aber was geht mich mein saudummes Geschwätz von gestern an. Also wieder Dystopie. Dabei hätte mich der Blurp auf dem Umschlag schon mißtrauisch machen sollen: Stephen King lobt sich (The Stand) und Cronin (The Passage), der Kritiker der Times fühlt sich an McCarthy erinnert (The Road).

Mit letzterem hat “Fever” die Ausgangssituation gemein. Vater und knapp dreizehnjähriger Sohn haben die Seuche überlebt, die 95% der Weltbevölkerung dahingerafft hat und sind jetzt unterwegs. Allerdings nicht, wie bei McCarthy und wie das blutrot eingefärbte Foto auf dem Umschlag suggeriert zu Fuß, sondern mit einer Volvo-Zugmaschine und einem dicken fetten Container voll erbeuteter Konserven, Wasser, Medikamenten, Waffen sowie Büchern hinten drauf, denn Papa ist Intellektueller sowie Idealist und hat das Ziel, eine neue friedliche und demokratische Gesellschaft zu schaffen, in der die Menschen edel und gut sind und das Leben besser als vorher. Pustekuchen. Wie zu erwarten.

Meyer schreibt im Nachwort, er habe über vier Jahre lang recherchiert und geschrieben und das merkt man beim Lesen. Er hat viel Wissen über eine postapokalyptische Welt angehäuft und darüber, was es braucht, um wieder und neu aufzubauen. Meine Lieblingsszene wird bleiben, wie die junge Siedlung endlich Elektrizität bekommt, die Lichter angehen und dazu Beethoven aus den Lautsprechern dröhnt. Er ist auch ungeheuer belesen und zitiert sich durch philosophische und wissenschaftliche Werke, dass es die helle Freude ist. Natürlich habe ich auch gerne gelesen, wie er fanatische Religiosität als großen Spalter einer Gesellschaft inszeniert. Und dass das Buch in Südafrika spielt und Apartheid noch immer Thema sein kann – spannend.

Trotzdem ist für mich der Funke auf über 500 Seiten nie ganz übergeprungen. Wahrscheinlich, weil nichts wirklich neu war. Die Volte, die er auf den letzten 30 Seiten noch schlägt, habe ich erwartet und trotzdem wirkt sie wie halt-noch-angeklebt. Als Einsteigerbuch in dystopische Literatur kann ich “Fever” empfehlen, für Fortgeschrittene ist es zu wenig.

Alles relativ

Ich frage mich, wo der Wettervorhersager herkommt, wenn das für den “geringe Hitze” ist und warum er davor warnt. Dann denke ich mir wieder: was schert’s mich, an meinem See gibt es Schattenbäume und mir geht es gut.