“Zeit, dass sich was dreht”…

…schallt es aus den Lautsprechern im Supermarkt und ich singe textsicher wie immer und außerdem fröhlich den Refrain mit und weil mir der schmissige Ohrwurm auch zu Hause noch im Kopf umgeht, lasse ich ihn mir von YouTube noch einmal vorspielen und stelle baß erstaunt fest, dass Häbätt ja von Fußball singt und dass das Lied einen eigenen Wikipedia-Eintrag hat und als “Titelsong der “Sommermärchen”-Fußball-Weltmeisterschaft 2006″, geführt wird. Warum sagt mir denn das keiner, Mann?

Stelle einmal wieder fest, dass ich ein ungeheures Talent haben muss, auszublenden, was mich nicht interessiert. Zum Glück habe ich zuverlässige Elfmeterschießenmelderinnen (nicht gegendert, sind alles Frauen), sonst würde wahrscheinlich auch diese Demnächst-WM wieder vollkommen an mir vorbeigehen.

Andrerseits… es gelingt einem ja nicht mal mehr beim Lebensmitteleinkauf, dieses Event zu ignorieren, wo jedes Produkt mit Fußball in Verbindung gebracht werden muss, egal wie weit hergeholt. Was ich meine? Das:

Wiedergelesen: Paolo Bacigalupi – “Drowned Cities”

Ich kann gar nicht oft genug sagen, wie augenöffnend es ist, Bacigalupis dystopische Science Fiction zu lesen. Warum? Seitdem ich ihn entdeckt und jedes seiner Bücher gleich nachdem sie erschienen waren verschlungen habe, sind wir der von ihm beschriebenen Zukunft immer nur näher gekommen und haben nichts oder allenfalls viel zu wenig getan, um sie aufzuhalten. Dabei, und das zeigt er deutlich auf, hätte man es wissen können.

Die “Drowned Cities” spielen in einer Zeit, in der fossile Energiequellen bis auf den letzten Tropfen ausgeplündert sind und ein paar wenige fanatische Anführer zur Befriedigung ihrer Gier (und vorgeblich hehrer Ideale) ihre zu absoluter Grausamkeit gedrillten Kinderarmeen gegeneinander und vor allem gegen die restliche verbliebene Zivilbevölkerung, die unter den extrem verschlechterten Bedingungen (Klima, verseuchte Böden und Luft, Epidemien…) einfach nur zu überleben versucht, antreten lassen.

Bacigalupi ist ein meisterhafter Autor, und wir verstehen erst so nach und nach beim Lesen, dass, als die große Weltmacht USA wegen ihrer Gier und Ignoranz implodiert war, die wegen Voraussicht und sorgsamer Planung Dann-Weltmacht China Friedenstruppen entsandt – und nach einer Dekade wegen Erfolglosigkeit wieder abgezogen hatte. Nun werden wir Zeugen des letzten Kampfes um den weißen Palast mit der Kuppel gleich am Potomac River. Inzwischen sehr vorstellbar. Bacigalupi sagt selbst, er habe deswegen mit dem Thema Science Fiction aufhören müssen und sich der Fantasy zugewant (s. https://www.youtube.com/shorts/W6kzp7zFDc0). Wer auch eher lieber Weltenflucht sucht, dem sei sein Fantasy-Roman “Navola” (https://flockblog.de/?p=50081) sehr ans Herz gelegt.

Wer hart im Nehmen ist, lese! lese! lese! seine Dystopien.

Vorhin, auf der Wiese im Park

Eine ältere Dame unterweist eine jüngere im Zupfen und späterer Zubereitung von zarten Frühlingsblättchen und vergewissert sich (mit perfektem Imperfekt, hach!) “… und du hast gesehen, welches Kraut ich nahm?” Antwort: “Ja, das grüne.”

Ich denke, ich ließe mir meine Mahlzeiten lieber von der erfahrenen Kraft kochen.