Antz

Sommerzeit, Ameisenzeit.

Seit ein paar Tagen hangeln sich jeweils ein paar ganz wackere Ameisen an dem Kabel, das dem Haus Internet bringt, durch den engen Spalt zwischen Kabel und Bohrloch ins Haus, sammeln sich zu Bodentruppen und requirieren Lebensmittel. Heute morgen hatten sie sich einer Schachtel Donuts bemächtigt, die ich nur noch schwarz wimmelnd nach draußen in den Müll tragen konnte. Abends hatte ich mein Käsebrot nur kurz unbeaufsichtigt im Wohnzimmer gelassen, um mir noch was zu trinken zu holen und daran wollten sie sich auch  vergreifen. Sie waren aber nur zu fünft und ich habe sie eigenhändig gemordet und jetzt überall Fallen aufgestellt. (Hätte ich mal den alten Grundsatz beherzigt: “Don’t leave your sandwich unattended at any time. Unattended sandwiches will be destroyed.” Oder von Ameisen gefressen.)

Ich habe ohnehin vor, morgen einkaufen zu fahren (zu fahren, hach, wie gut das klingt) und werde mich im Baumarkt im “pest fighting” Regal kundig machen, womit man der Krabbelplage denn Herr werden könnte. Ich werde berichten.

DMV

Heute früh haben wir unser Auto angemeldet.

Dazu sucht man ein “Field Office” des Motorverhikeldepartments auf und stellt sich an. Erst mal an dem Schalter, an dem die Wartenummern per Hand vergeben werden, von einem Herrn, der sich zunächst nach dem Befinden und dann nach dem Anliegen erkundigt. Er macht die Vorprüfung auf Vollständigkeit der Unterlagen und Alphabetisierungsgrad der Registrierungsaspiranten. (Er hat uns zum Beispiel erklärt, dass da, wo “Name” steht, auf der Linie darüber – eine andere gabs auch nicht – der Name einzutragen sei. Und so weiter, das ganze Formular durch. Und alles nochmal mit Buntstift eingekringelt.) Der Vorbesitzer habe auf dem “Title”, der Besitzurkunde, eine Unterschrift vergessen, man könne das “paperwork and payment” zwar heute erledigen, müsse aber dann mit der vollständig unterzeichneten Urkunde noch mal kommen. Und nein, er würde wegen der Wichtigkeit des Papiers doch sehr empfehlen, vom Postversand abzusehen. Man kenne ja die Post. Stimmt.

Wir haben nicht sehr lange gewartet und wurden dann zu Fenster Nummer 3 gerufen. Die dort zuständige Dame hat recht schnell und freundlich abgefertigt, und hocherfreut ein paar Dollar Registrierungsgebühr sowie 9,25% des Kaufpreises als “Sales Tax” abkassiert. Die erhebt hier der Bundesstaat (der hat es auch bitter nötig) und zwar unbenommen davon, ob es sich um einen Verkauf von privat oder vom Händler handelt. Von Nochmalkommen war keine Rede mehr und der “Title” werde uns dann binnen 10 Tagen zugeschickt. Aha.

Zur Zeit dauert der Versand eines Briefes innerhalb der City ca. 8 – 10 Tage. Angesichts dessen werde ich mir frühestens Ende Juli Sorgen machen, wenn das Ding immer noch nicht da sein sollte. Irgendwie wundere ich mich auch, dass von Amts wegen immer noch an die Zuverlässigkeit postalischen Versands geglaubt wird. Zumindest im Westflügel der Behörde.

Amerikanischer Amtsschimmel

Ich arbeite mich gerade durch ein Formular der IRS, der hiesigen Steuerbehörde und bin dabei auf folgende, sehr sehr schöne Sequenz gestoßen:

“The term “United States person” means a citizen or resident of the United States, or a person in and doing business in the United States. See 31 C.F.R.103.11(z) for a complete definition of “person”.

Ist das nicht die Frage, die wir uns alle immer wieder stellen: Was ist der Mensch? Und die IRS weiß es, man muss nur unter 31 C.F.R.103.11(z) nachsehen – und bekommt dann sogar eine komplette Definition.

Ich mag auch die “Falls-wir-mal-wieder-ein-Land-besetzen”-Ausnahmeregel recht gern:

“Military Banking Facility.
Do not consider as an account in a foreign country, an account in an institution known as a “United States military banking facility” (or “United States military finance facility”) operated by a United States financial institution designated by the United States Government to serve U.S. Government installations abroad, even if the United States military banking facility is located in a foreign Country, is not an account in a foreign country.”

Wir machen mobil!

Will heißen: Habemus Automobilem (Altphilologen vor: wie heißt das korrekt?).

Wenn morgen das “California Department of Motorvehicles” seinen Anteil abkassiert hat (von Anmeldegebühr über Sales Tax), dann können wir das Projekt “Erwerb der California Driver’s Licence” starten. Und schon ganz viel rumfahren und über die Spritpreise jammern. Die Gallone kostet doch jetzt glatt schon so um die 3 Dollar…

Das wird dann der Zweitwagen 😉

Das wird dann der Zweitwagen :-)

Cal Shakes

http://www.calshakes.org/v4/home.html

Im angelsächsischen Sprachraum hat man traditionell eine hohe Affinität zu Shakespeare und wenige Autoren haben solchermaßen für Freiluftaufführungen geeignete Stücke geschrieben. Wir waren heute in der Sonntagsmatinee (Beginn um 04:00 pm – man muss es nicht verstehen…) des Cal Shakes Theater in Bruns Amphitheatre in Orinda, auf der nördlichen Seite der Bay. Es wurde “Romeo und Julia” gegeben, in einer amerikanisierten Fassung (also gekürzt, aber dafür mehr erklärt) – recht vergnüglich, mit hohem Tempo und erfreulich guten Darstellern. Meine Favoritin war die Darstellerin der Amme, eine Latina, die mit Händen und Füßen und einer herrlichen Mimik agiert hat. Und den Mercutio hätte ich mir am liebsten zum Mitnehmen einpacken lassen.  Sowohl die Balkonszene (vor einer Grafitti-Wand und mit einer wunderbaren all-amerikanisch-girligen Schnatter-Julia) als auch die ewige Nachtigall/Lerchendiskussion haben sie sehr hübsch gelöst. Der Spielplan für diesen Sommer verspricht noch mehr, es macht sicher Spass, sich dort auch mal ein Stück eines zeitgenössischen Autoren anzusehen…

Ich habe noch ein paar Bildsche – nicht wundern über die vielen Schafe, das war eine Kunstinstallation und ist für $ 28.000 zu haben.

http://picasaweb.google.de/mucbiene/20090614_USCalShakes?feat=directlink

Sophisterei

Ich, Sabine, Kaiser und Gott, habe mich zur Herrin über Leben und Tod gemacht. Völkern den Lebensraum genommen, lebensunwertes Leben von lebenswertem selektiert und mit Stumpf und Stiel ausgemerzt.

Will heißen: ich habe im Garten gearbeitet.  Kraut von Unkraut geschieden (“aber ich blühe doch mindestens ebenso schön gelb wie die Rosen da drüben und noch viel öfter” – “mag sein, aber du bist nur ein Löwenzahn…”), und dabei räsoniert.

Warum kann ich meine eigene Muttersprache hier eigentlich nicht wertfrei verwenden? Ein kluger Mann hat das schon lange vor mir analysiert, Victor Klemperer in “LTI ( Lingua Tertii Imperii). Notizbuch eines Philologen” – ich denke, das werde ich bald noch einmal lesen…

Another D*-Day

*D=Delay=Verspätung

Gestern früh hat mich der CalTrain bei Niesel und Wind mal wieder eine Stunde in San Bruno am Bahnhof stehen lassen. Ich erspare euch (und mir in der Retrospektive) die Details der Informationspolitik (erst nix und dann die Steigerung der Verspätung in ungeraden Minutenangaben). Neu war, dass die Anzeigentafel auch ausgefallen war, und stattdessen eine äußerst unwillige Dame über die zentrale Lautsprecheranlage Zeitangaben in den Äther nuschelte (eigentlich nschlte, weil Vokale waren offensichtlich aus). Auch neu dann die Durchsage im Zug: er war aus zwei Zügen zu einem gewandelt (“you know, we are a 211-215 combined ride”) – und warum? “Train 211 had to experience difficulties in Sunnyvale”. Ja dann. Wenn so ein Zug mal in Schwierigkeiten gerät…

Am Wochenende gehen wir Autos angucken.

AK 47

Robert war heute ziemlich aufgelöst: bei ihm im Nebenhaus wohnen “such guys”, die “24 hours a day are smoking and dealing coke”. Gestern Nacht hat einer von deren Kunden mit einer AK 47 und 41 Schüssen deren Eingangstür zersiebt und nicht den Hausherrn, sondern zwei kleine Mädchen böse getroffen.

Besagte Haustür ist gerade mal knapp 10 inches (25 cm) von Roberts eigener entfernt, hinter der seine Frau als Tagesmutter bis zu 10 Kleinkinder hütet. Für ihn ist jetzt klar: “We better move on…” und ich kann es ihm nicht wirklich verdenken.

Angesichts dieser Propaganda muss man sich aber auch nicht fragen, woher es kommt…

http://www.a-human-right.com/effective.html

ak47-2_s

Posy* Parade in San Bruno

Heute fand eines der hiesigen Großereignisse statt – die 69. Posy Parade in der Geschichte San Brunos. Sponsor ist der Lion’s Club und am Ende gibt es einen Preis für den blumengeschmücktesten Wagen.

Paraden scheinen eine amerikanische Leidenschaft zu sein. In San Bruno waren auch wieder alle lokalen Vereine, Schulen, Sportgruppen und wer nicht noch, dabei. Traditionell werden Bonbons in die Menge geworfen, allerdings auch Flugblätter verteilt, die die Erziehungsberechtigten dazu auffordern, die Süßigkeiten erst zu inspizieren, bevor die Kinder sie essen dürfen… Und generell auf den Nachwuchs zu achten – ich hab noch nie so viele Kinder an Leinen gesehen. Sogar solche, die auf Knopfdruck den Junior automatisch zurückzurren. Aber was red’ ich – hier sind die Bilder:

http://picasaweb.google.de/mucbiene/PosyParadeSB?authkey=Gv1sRgCK6O04P4iNWgIQ&feat=directlink

* Posy = ein Blumensträußchen, auch “nosegay”.

Opera at the Ballpark

“Take me out to the opera
Take me out with the crowd
Find me a seat at the Opera House
I don’t care if its Mozart or Strauss…”

… und deswegen war’s eben Puccinis “Tosca” simultan aus dem Opernhaus ins Baseballstadion übertragen. Mit Garlic Fries.

Ich glaube, halb San Francisco, mit Kind, Kegel und Picknickkorb war unterwegs, um zu sehen und zu hören, wie “In early 19th-century Rome, an idealistic artist, a celebrated singer and a corrupt police chief engage in a fierce battle of wills in this tempestuous tale of cruelty and deception. With its themes of political intrigue, sexual intimidation and official hypocrisy, Puccini’s great melodrama is anything but dated. ”

Wie schon angemerkt, ist Musiktheater einfach nicht so ganz mein Fall: ja, es waren großartige Stimmen, tolle Kostüme, selbst die Akustik im Stadion war so übel nicht. Aber gute Sänger sind nicht zwingend gute Schauspieler und wenn das ganz große Gefühl nur mit den ganz großen Gesten kommt (bei Tosca wars immer der Griff an den prallgefüllten Ausschnitt und stark geweitete Augen), finde ich das langweilig.

Aber dafür wars ein toller Event. Der Kritiker der “San Francisco Classical Voice”, Michael Zwiebach, hat es ähnlich gesehen: “When Tosca throws herself from the parapet of the Castel Sant’ Angelo, at the end of Puccini’s brilliant opera, the assembled crowd watching the San Francisco Opera production on the electronic scoreboard at AT&T Park this Friday, may be waiting to hear the splash. The ballpark’s setting is every bit as spectacular as those that Puccini imagined for his opera, and admission to the opera telecast is free.”

Und ein paar Schnappschüsse habe ich auch gemacht:

http://picasaweb.google.de/mucbiene/ToscaSimulcastImATTPark?feat=directlink