Samstagmorgen in meiner Straße

Nachbar Francisco macht am Samstag in der Frühe gerne Motoren an, wurschtegal ob Auto, Säge, Rasenmäher, Steinschneider (es dürfen auch einige gleichzeitig sein) und zum Werkeln braucht er motorengeräuschüberschallende Mariachi-Musik. Herzzereißende Lieder, mit vielen Trompeten und Fiedeln, die vorwiegend “Amor”, “Corazon”, “Soledad” und “Dinero” besingen (und irritierenderweise auch sehr häufig “Pantalones”). Unsere Häuser liegen keine fünf Meter auseinander und deswegen stehe ich samstags immer mit Francisco und seiner Familie (zwei lebhafte Söhne und die stimmgewaltige Carmen) auf. Meist früher als an Wochentagen.

Macht nichts, ich kann ja ein Mittagsschläfchen halten. So wie heute, um- und eingenebelt vom Rauch des “Asado” – ich war vom Duft der Steaks schon satt. Und habe wirr von Kühen geträumt.

Babsis Mama

strickt wunderbare, ewig haltbare Wollsocken. Für alle. Für Babsi. Für Babsis Mann und Babsis Kind. Und für Babsis Sandkastenfreundin. Babsis Sandkastenfreundin ist auch meine Freundin. Um meine stets kalten Füße wissend, hat sie mir ein Paar ihrer Babsis-Mamas-Wollsocken weitergeschenkt. Und jedes Mal, wenn die mir wieder die Füße wärmen, denke ich in Dankbarkeit und unbekannterweise an Babsis Mama.

Das wollte ich immer schon mal gesagt haben.

“CalTrain 211 has been terminated at San Carlos”

soweit heute morgen die Anzeigetafel, als ich am Bahnhof ankam. Wann der Zug 211 hätte abfahren sollen, weiß man als CalTrain-Rider entweder gefälligst auswendig oder sieht auf dem Fahrplan auf dem Bahnsteig gegenüber (Southbound) nach. Oder auf dem iPhone.

Das wäre der Zug vor meinem gewesen. Hätte ich mir ja gleich denken können. Außer denen, die morgens immer mit mir an der Haltestelle rumstehen, waren noch jede Menge Fremde da. Und warteten. Und warteten weiter. Ca. eine Viertelstunde, nachdem der Zug fällig gewesen wäre, teilte die Anzeigetafel mit, der Zug werde sich um 14 Minuten verspäten. Aha. Und ab wann gerechnet? Ab der ersten Ankündigung einer Verspätung? Im Vergleich zum eigentlichen Abfahrtszeitpunkt, der um nunmehr 20 Minuten überschritten war? Der Zwist ist den Jungs in der Leitstelle auch aufgefallen, die Verspätung wurde einfach aufgestockt, auf nunmehr 36 Minuten und ab wann zu rechnen sei, war immer noch uneindeutig. Eine iPhone-Batterie später kam der Zug, überfüllt, natürlich, und war unterwegs vom Expresszug zum “Every Stop”-Zug mutiert. An der 2. der insgesamt 4 anzufahrenden Haltestellen schallte es aus dem Lautsprecher “Hope, you got a minute – we’ll let the bullet pass.” Und da saßen und standen wir nun eng an eng und warteten auf den Schnellzug  (die heißen hier “Baby-Bullets”), der dann auch knapp 10 Minuten nach der Durchsage vorbeirauschte. Als wir (8 Minuten später) endlich in The City by the Bay ankamen, bedankte sich die Zugführerin mit den Worten: “Thanks for your patience. We appreciate how our passengers cope with CalTrain issues… bla blubber”.

Jetzt aber mal ernst: die “terminieren” (der Gouvernator hier war mal hauptberulich Terminator und hat wohl noch ein paar unerledigte Arbeiten in seinen neuen Job mitgebracht) einen Zug, halten den halben pendelnden Süden von der Arbeit ab und dann sind’s “issues”?

Nachtrag: ich war heute Abend vor der Heimfahrt schnell noch auf der Bahnhofstoilette. Dort hängen Plakate, man möge “any problems” sofort autorisiertem Personal melden. Das nenne ich mal Prioritäten setzen: kaputte Züge sind “issues” und nichts gegen die “problems”, die man auf dem Klo gewärtigen kann.

Aus der Nachbarschaft

Im Haus links neben mir wohnt eine alte Dame, sie dürfte gut in ihren Achtzigern sein. Heute morgen hatten wir mal wieder ein Schwätzle über den Gartenzaun. Sie wohnt seit fast 40 Jahren in ihrem Häuschen, davon die meiste Zeit verwitwet, und kennt auf unserer Straße alle.

Sie erzählt gern von früher und ich höre ihr gerne zu, und so habe ich heute erfahren, wie sie die Jahre nach dem 2. Weltkrieg verbracht hat. Ihr sei, sagte sie, sehr früh klar geworden, dass sie nie genug Geld verdienen werde, um zu reisen. Da sie aber die Welt sehen wollte, habe sie sich bei “der Regierung” beworben und sei ein paar Jahre nach Kriegsende nach Kaiserslauten (“that’s in Germany, you know?”) geschickt worden und habe dort an der Integration der jungen Bundesrepublik in die EWG mitgearbeitet. Abends sei sie mit Kollegen ab und an ausgegangen (wegen des “delicious German food”) und sie hätten den alten Herrn, der mit seinem kleinen Hund am Fenster saß immer angesungen “Was kostet die Hundschen in die Fenstär?” und sich dabei kringelig gelacht. Anschließend habe man sie zur nächsten Nachkriegsaufräumaktion versetzt und auf meine Zwischenfrage, ob sie denn dann in Korea gewesen sei, reagierte sie erst überrascht (woher ich das denn wisse) und dann erfreut (wir Europäer seien ja alle so gebildet) und schließlich bejahend. Nur Vietnam habe sie nicht mehr geschafft, dafür sei sie bei Kriegsende schon zu alt gewesen. Ich konnte ihr aus eigener Ansicht bestätigen, dass es auch dort voran geht.

Sie mag deutsches Essen, vor allem Gebäck. Ich werde sie ganz bestimmt meine nächsten Brezeln probieren lassen und dann hoffe ich auf weitere Geschichten.

Idyll

Eine Stunde vor Sonnenuntergang zu Hause. In San Bruno ist es noch immer ein paar Grad wärmer als in der foggy City. Das ganze Haus ist schön aufgewärmt, damit man auch sicher weiß, dass es hier den ganzen Tag sonnig war. Der dürstende Garten wird vom Rasensprenger gegossen, in meinem Campari-Glas klimpern ein paar Eiswürfel, die Obstbäume sind schon über und über behängt mit zu werdenden Früchten (es muss ihnen nur noch wer befehlen, voll zu sein…). Es wird – bald – Pflaumen geben und Birnen und Äpfel.

Und ich lümmele faul in meinem Liegestuhl (nach Westen ausgerichtet), lese von Kavalier und Clay, mir ist wohl und das Wochenende vor mir.

Roberts kleine Freitagsphilosophie

“Y’know what: I has only one goal in life:
– goal number one is: stay in good health
– goal number one, too is: stay with the faith I believe in
– goal number two: get wealthy. Not filthy rich, just wealthy enough to pay my mortgage and have a good life. Y’know, money is only good for what it can do for you”

Und überhaupt:
“It’s all about self esteem – you do not look like the small-size girls in the magazines? Why should you? You’re not in a book – you are a wordly person. ’tis the way, God made you and God know what to do. And me likes that – y’know, my wife is a little bit on the heavy side, too. An I tell her: no loose weight. If ya do, you gonna look sick.”

So isser. Und ich geh dann geraucht habend, geerdet und gestärkt wieder hoch ins Büro und sehe dem Rest-Freitag gelassen entgegen.

Memorial Day 2009 (letzter Eintrag hierzu)

Weil der Memorial Day so ein wichtiger Feiertag ist, operierte der CalTrain nach dem Wochenendfahrplan. Das heißt für mich, dass der erste Zug in die Stadt erst um Viertel nach neun morgens fährt und der letzte nach Hause um viertel nach neun abends. So weit, so gut, also einfach länger schlafen – auch recht. Bis zur ersten SMS von Toni: “Zug hat 45 mins Verspätung”. Immer noch recht, dann mache ich halt meine mails von zu Hause aus. Bei der nächsten SMS war’s dann schon mehr als eine Stunde und die Auskunft, dass einzelne Stationen auf dem Weg nach downtown übersprungen werden. Die Verspätung belief sich letztendlich auf eine Stunde und zwanzig Minuten (wohlgemerkt, laut Fahrplan fährt der Zug stündlich – ich will gar nicht wissen, wo der nachfolgende Zug abgeblieben ist), sowohl in San Carlos wie in San Bruno durfte zugestiegen werden und kaum war es gut nach 11:00 Uhr, waren wir auch schon im Büro.

Zum Glück war heute Game Day, da hatten wir auf der Rückfahrt wenigstens wieder Spaß mit Fans.

Es reicht, sie haben es geschafft: ICH WERDE EIN AUTO KAUFEN!